Kategorie: Teenie

Prag mit Kindern: Sehenswürdigkeiten

Städtereisen mit Kindern müssen Eltern ganz besonders vorbereiten – eine Reise mit Nachwuchs nach Prag macht da keine Ausnahme. Die tschechische Hauptstadt bietet genügend Sehenswürdigkeiten, die auch Kinder begeistern und schöne Möglichkeiten für eine Pause und zum Ausruhen bei der Sightseeing Tour.

Prag mit Kindern – nicht so einfach

Pozor! – das tschechische Wort für „Achtung“, lernen alle, die sich in diese Großstadt begeben, ziemlich rasch. Prag ist voll: Von arbeitenden Menschen, Autos und Touristen. Aber natürlich auch von Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch lohnen, auch mit Kindern. Hier unsere Tipps für kindgerechte Sehenswürdigkeiten in Prag:

Sehenwürdigkeiten mit Kindern

  • Die berühmte Karlsbrücke: lieber ohne Kinderwagen – unglaublich, wieviele Menschen sich hier zu allen Tages- und Nachtzeiten über die Brücke „wälzen“.
  • Aussichtsturm Petrin im Stadtteil Malá Strana
    Ja, auch hier ist man nicht allein. Angeblich hatte der Turm, der auf einem herrlich grünen Hügel des Stadt steht, den Eiffelturm zum Vorbild. Hm. Jedenfalls ist es ein Spaß, erst mit der Schwebebahn (Teil des öffentlichen Nahverkehrs, siehe Text Pause in Prag) hochzufahren, dann die vielen Stufen hochzusteigen – und: die Aussicht über Prag zu genießen.
  • Spiegelkabinett
    Das Spiegelkabinett ist sehr alt, es stammt genau wie der Aussichtsturm, neben dem es steht, aus dem Jahr 1891. Das hat schon einen gewissen Charme. Toll für Kinder, sich darin zu bewegen, und sich in den Zerrspiegeln anzuschauen. Es ist aber eher klein und man ist schnell durch.
  • Prager Burg
    Natürlich müssen man als Tourist dorthin, klar. Am besten mittags um zwölf, da gibt es den traditionellen Wachwechsel als kleine „Showeinlage“ für Kinder und Eltern. Letztere müssen den Nachwuchs dann wohl auf die Schulter nehmen – es ist, genau, ganz schön voll.
  • Wachsfigurenkabinett
    Madame Tussaud ist es nicht, und es sind sehr viele tschechische Bekanntheiten in Wachs zu sehen, aber trotzdem eine nette Einkehr inmitten des Rummels in den Straßen rund um den Rathausplatz (Melantrichová 5). Am Ende können die Kinder sich computergesteuert ihren eigenen Gesichtsabdruck scannen und diesen auf dem Computer mit Haaren und Kleidern ausstatten. Das Filmchen darüber schickt man sich zur Erinnerung selbst per Mail zu.
  • Wenzelsplatz
    Ja, der berühmte Prager Wenzelsplatz hat auch für Kinder oft ein paar Highlights, denn der sehr langgestreckte Platz wird gerne von wandernden Musikgruppen bespielt. Dann wechseln sich die Bongotrommeln mit den Folklore-Bläsern ab und danach kommen die Sänger – sehr schön für vorbeischlenderndes Publikum jeglichen Alters.

Noch mehr Infos? Hier Orte zum Ausruhen und Vorschläge für Mitbringsel

Prag mit Kindern entspannt erleben

Wer mit Kindern auf Städtereise Prag entdeckt, ist froh um Orte der Entspannung. Zum Beispiel Möglichkeiten, wo sich alle ausruhen können, und vielleicht ein kleines Geschenk für die gute Laune zwischendurch bekommen. Hier ein paar Orte für die Pause und Mitbringsel-Ideen, wenn die Prager Sehenswürdigkeiten gerade etwas viel sind:

U-Bahn oder Straßenbahn fahren

Das Netz des öffentlichen Nahverkehrs in Prag ist sogar schon einmal prämiert worden – es ist wirklich gut und übersichtlich. Wenn die kleinen Füße wehtun, kann man sich also ganz schnell einmal in die Straßenbahn setzen – die Linie 22 macht da eine kleine „Stadtrundfahrt“. Die U-Bahn fährt häufig und hat an einigen Haltestellen der Innenstadt erstaunlich schnelle Rolltreppen – das ist ein Highlight für die Kids! Übrigens: In der Innenstadt fahren Kinder bis unter zehn Jahre kostenlos, wenn ihre Eltern einen Ausweis vorzeigen können, der das Alter der Kinder beweist. Bis sechs Jahre fahren sie auch ohne diesen Beweis frei.

In den Park oder auf den Spielplatz

Unglaublich aber wahr – in mitten dieser vollen Stadt gibt es überall kleine oder größere Rasenflächen und kleinere Parks in denen Menschen ziemlich selbstverständlich bei Freilufttemperaturen auf dem Gras eine Pause einlegen. Außerdem finden Eltern, die die Augen offen halten, auch im ersten oder zweiten Bezirk der Stadt immer wieder Spielplätze. So zum Beispiel auf einer kleinen Moldau-Insel eine Brücke südlich vor der Karlsbrücke (in der Nähe des Palast Zofin). Für Geschichtsinteressierte: Bei der berühmten Deutschen Botschaft, („…bin gekommen, um Ihnen zu sagen, dass Ihre Ausreise…“) gibt es auf dem Weg hinter das Gebäude einen netten Spielplatz. Praktisch, denn Mama und Papa müssen auch hinter das Anwesen laufen, um den bekannten Balkon zu sehen.

Bootfahren auf der Moldau

Prag vom Wasser aus genießen – das können Touris mit dem Tretboot oder dem Ausflugsboot. In der Innenstadt gibt es mehrere Landestellen für Tretboote (vor der Karlsbrücke, nach der Karlsbrücke) und gerade in der Abenddämmrung ist das ein Erlebnis. Wer es nicht so nah auf dem Wasser mag, kann ein Ausflugsboot nehmen.

Kleine Geschenke…

… und gutes „Catering“ unterwegs erhält die Laune der mitlaufenden Kinder. In Prag sind da zu empfehlen

  • Zimtröllchen „Trdelnik“ eine böhmische Spezialität: Große Teigrollen, mit Zimt gewürzt und auf Stäbe gesteckt gebacken, meist vor der Tür der Bäckerei. Wer Zimt mag, kann diesem Geruch nicht widerstehen!
  • Softeis gibt es an jeder Ecke
  • Tschechische Cola, „Kofola“ ist nicht zu empfehlen. Der Familientest vor Ort ergab – das hat mit der amerikanischen Cola wenig zu tun und schmeckt nicht! Aber probieren Sie es ruhig selbst aus.
  • Der kleine Maulwurf und Co: Für Kinderfilme war vor 30 Jahren und länger die Tschechoslowakei berühmt und manche der Protagonisten kennt man noch heute. Diese Vorlieben werden natürlich von der Tourismusindustrie ausgeschlachtet. Den Zeichentrick-Maulwurf und Co gibt’s in allen Größen, Varianten, Materialien. Aber der ist ja auch wirklich niedlich!
  • Marionetten: Auch dies stellt man aus Tradition gerne her – ist aber auch ein sehr schönes Geschenk oder Mitbringsel.

Fazit: Prag mit Kindern geht ganz gut – noch besser mit diesen Tipps! Und hier der Text zu kindgerechten Sehenswürdigkeiten

 

 

Schaurig schöne Spukgeschichten

Was haben Goethe, Graham Greene und H.R. Wakefield gemeinsam? Richtig, sie alle haben Spukgeschichten geschrieben. Sie und auch noch Spukgeschichten von anderen bekannten Autoren vereinigt Felix Scheinberger in seinem Buch.

Felix Scheinberger ist Professor für Zeichnen und Illustration an der Fachhochschule Münster. Die besten Arbeiten aus einem Seminar zum Thema Buchillustration sind in diesem Buch abgedruckt. Besonders beeindruckend ist das Bild des kleinen suchenden Gespensts (Geschichte von Mary E. Wilkinson). Aber auch die anderen Bilder schicken einem einen Schauer über den Rücken und vertiefen dadurch die in den Geschichten erzeugte Atmosphäre.

Neben dem Erlkönig und dem kleinen suchenden Gespenst gibt es noch die schaurige Geschichte von der Affenpfote mit der man drei Wünsche frei hat. Der bereits erwachsene Sohn der Familie, die sie geschenkt bekommt findet, sie sollten es mit etwas kleinem ausprobieren. So wünscht sich der Vater 200 Pfund. Am nächsten Nachmittag, der Sohn ist noch nicht von der Arbeit zurück, bekommt das ältere Ehepaar Besuch von einem elegant gekleideten Herrn. Er teilt Ihnen mit, dass ihr Sohn bei der Arbeit verunglückt ist, und die Familie für seinen Tod 200 Pfund Entschädigung bekommt. Man mag sich kaum ausmalen, was sie mit den anderen beiden Wünschen machen.

Auch eine Seefahrtsgeschichte, das Gespensterschloss und noch einiges anders spannendes erwartet Leser ab 12, die nicht allzu zart besaitet sind, in diesem Buch. Passend für den Abend unter der Decke im Bett, aber auch ein guter Begleiter bei jeder Klassenfahrt oder Schulübernachtung.

Schaurig schöne Spukgeschichten, Felix Scheinberger (HG), Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2014, ISBN 978-3-499-214820, ab 12 Jahren (7,99 Euro).


Fotolizenz Wikicommons CC-BY-Sa 3.0

 

Stäbchenstürme mit dem Spiel Stick Storm

Da kann man sich richtig vorstellen, wie die Idee zum Spiel Stick Storm entstanden ist: Freunde von Stieleis sammelten die Endprodukte ihres Sommergenusses – nämlich die Holzstäbchen ihrer Eisstiele – und irgendwann versuchte jemand damit, die Sticks kunstvoll zu verweben. Heraus kam eine lustige Webetechnik, mit der man, wenn man es geschickt anstellt, Meter um Meter „gewebte“ Holzstäbe herstellen kann. Der Clou: Zieht ein Spieler am Ende einen Stab absichtlich heraus, dann „explodieren“ die Stäbe förmlich und man kann den Stick Storm, den „Stäbesturm“ erleben.

Leider liegen dann alle Holzstäbe wieder einzeln auf dem Boden und ein fleißger Stickstormer kann von neuem anfangen, kunstvolle Bauten zu konstruieren, nur um sie später „explodieren“ zu lassen.

Das Zubehör des Spiels Stick Storm baut auf dieser Idee auf. Es enthält eine große Anzahl stabiler Holzstäbe (Eisstiele von Capri-Sonne &Co würden wohl leichter zerbrechen) inklusive Hilfsmittel zum meterweise Stäbe weben: Da gibt es eine „Schablone“ mit deren Hilfe man die Stäbe leichter nach der richtigen Webetechnik zusammenbauen kann. Es gibt verschiedene Klammern, die die Stäbe halten oder helfen, die langen Stäbemeter zu befestigen oder ineinander zu schachteln. Als schönen Gag gibt es Luftballons, die Geschickte in die Konstruktion mit einweben können. Lassen die Spieler die Spirale „explodieren“, lösen sich auch die Luftballons und lassen schnaufend ihre Luft ab, während sie im Zimmer herumschwirren.

Übrigens: Das mit der Webetechnik ist nicht ganz so leicht zu verstehen. Glücklicherweise gibt es bei You Tube ein paar kleine Filmchen, die die Technik veranschaulichen.

Ein nettes Spiel, welches auch noch die Feinmotorik der Spieler trainiert und mit ihrer Schlichtheit die Fantasie von kleinen und großen Spielern anregt. Denn Variationen gibt es viele – wenn man sie sich selbst ausdenkt.

Allerdings: Gerade jüngere Spieler müssen sich schon zusammenreissen, gerade am Anfang – um nicht doch ein bisschen Frust zu bekommen, wenn die schöne lange Kette, die sie mühevoll gewebt haben, mit einem „Sturm“ zerstört ist.

Denkste – verblüffende Fragen und Antworten rund ums Gehirn

Nach „Kriegen das eigentlich alle? – Die besten Antworten zum Erwachsenwerden“ hat sich Jan von Holleben einem neuen spannenden Bereich zugewandt: dem Gehirn. Wir benutzen es immer, auch wenn wir meinen nichts zu tun, es verbraucht 20% unseres täglichen Energiebedarfs, auch wenn wir schlafen, und dennoch denkt man selten über die Funktionen des Gehirns nach. Klar, es regelt ja auch ganz viel automatisch und man bekommt keinen Muskelkater, wenn man es viel benutzt hat.

Gerade Kinder haben viele Fragen rund um das Gehirn. Jan von Holleben hat sich mit dem Hirnforscher Michael Madeja und der Neurobiologin Katja Naie ein kompetentes Team an die Seite geholt und natürlich Kinder, die mit ihm wieder tolle Fotos für das neue Buch gemacht haben.
Im Aufbau gleicht es dem Pubertätsbuch, so die 60 Fragen von Kindern aus einem Dutzend Schulklassen. Zum Beispiel: Wo sind eigentlich die Erinnerungen, wenn man sein Gedächtnis verliert? Sie werden jeweils auf einer Seite knapp aber präzise beantwortet.

Die Autoren finden es wichtig, dass auch Kinder ein Verständnis des Gehirns entwickeln können, schließlich ist es immer noch eines der ganz großen Themen in der Neurowissenschaft. Aber nicht nur das, wie so oft, haben die Autoren festgestellt, dass die Kinder Fragen stellen, „über die man so noch gar nicht nachgedacht hatte…“ So ging es zumindest Herrn Madeja. Er empfiehlt das Buch auch für Erwachsene: „Der Lerneffekt im Umgang mit Kindern ist für mich immer eine neue Sicht auf etwas, das man fälschlicherweise schon gut zu kennen glaubte.“

Sehr übersichtlich ist das Buch in 10 Kapitel unterteilt, die sich jeweils mit einem Teilaspekt befassen (zum Beispiel: „Was hat das Gehirn mit der Nahrungsaufnahme zu tun“). So kann man sich einem Themenkomplex widmen oder einfach einzelne Fragen lesen und natürlich klassisch das Buch von vorne bis hinten durchlesen. Egal wie – langweilig wird einem dabei bestimmt nicht!

DENKSTE – verblüffende Fragen und Antworten rund ums Gehirn. von Jan von Holleben, Michael Madeja und Katja Naie, Gabriel Verlag (Thienemann Verlag GmbH), 2013, ISBN 978-3-522-30347-7, 184 Seiten Seiten, ab 8 Jahre (16,95 Euro)

Die Liga der Guten

Was ist gut und was ist böse? Kann man das immer auf einem Blick erkennen? Jan, der Anführer der Liga der Guten behauptet das von sich und auf seine Gegenfrage: Du etwa nicht? Würde wohl kaum jemand mit „nein“ antworten. Auch Mats nicht, der die Geschichte aufgeschrieben hat. Aber das war schon ziemlich am Ende, angefangen hat es ganz anders:

Jan, Mats und Andy sind …… ja, was sind sie eigentlich? Richtige Freunde sind sie nicht, aber sie sind fast immer zusammen, dann kommt es nämlich seltener zu einem „Vorfall“ wie sie es nennen: Sie sind die drei kleinsten ihrer Jahrgangsstufe und allein aus diesem Grund werden sie öfter geschlagen, geärgert und gehänselt. Bis Jan eines Tages eine Ohrfeige ohne Grund, nicht mehr einfach so hinnimmt. Er hält eine Rede in der Umkleidekabine nach dem Sportunterricht und gründet die Liga der Guten. Keine Kompromisse, nur das Gute, ist einer ihrer Grundsätze. Bei der Liga der Guten geht es nicht nur darum andere nicht zu ärgern, es geht um alle Bereiche des Lebens: Fairen Handel, Umweltschutz, Tierschutz, kein Bereich ist ausgenommen. Die Gruppe um Jan wird größer und besetzt ein altes Fabrikgelände auf dem die Gruppe wohnt und sich selbst versorgt.

Je größer die Gruppe wird, desto schwieriger wird es alle zu versorgen, allein schon mit Essen. Und bis aus selbst Angebautem etwas Essbares wächst, dauert es auch ziemlich lange – zu lange, wenn es viele hungrige junge Menschen gibt. Mats beobachtet, dass nachts Lastwagen kommen, mit bekannten Logos darauf, die Lebensmittel liefern, heimlich. Mats kommen immer mehr Zweifel, ob der Anführer der Liga der Guten wirklich noch auf der guten Seite steht. Vielleicht waren diese und andere Kompromisse wirklich notwendig, um nicht gleich am Anfang mit der Liga der Guten zu scheitern. Vielleicht war Jan aber auch wirklich nicht mehr nur an dem Guten interessiert, sondern mittlerweile auch am Erhalt seiner Position. Vielleicht wäre es aber auch sonst so gekommen, wie es dann gekommen ist. Ob die Liga der Guten Bestand hat, und wie sie sich entwickelt in diesen ersten Tagen und Wochen, das lesen Sie in dem neuen Roman von Rüdiger Bertram.

Rüdiger Bertram hat schon mehrere Jugendbücher geschrieben und auch schon Drehbücher verfasst. 2012 war sein Film „Pommes essen“ in den Kinos. Der Roman „Die Liga der Guten“ erinnert ein wenig, an Bücher oder Filme wie „Die Welle“. Die Begeisterungsfähigkeit von Jugendlichen für ein Thema ist deutlich spürbar und nachvollziehbar. Genauso wie für den Erzähler Mats rückt auch für den Leser die Figur des Jan immer mehr in die Ferne. Natürlich hat Jan recht, wen er sagt, „Es gibt nichts Gutes außer man tut es“, und nur das Schlechte vermeiden reicht nicht aus. In diesem Roman wird aber auch deutlich, dass Nachdenken und Fragen stellen einen großen Stellenwert haben sollte. Und dieser spannende Roman schafft das ohne erhobenen Zeigefinger.

Die Liga der Guten, von Rüdiger Bertram , Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbeck bei Hamburg, 2013, ISBN 978-3-499-21506-3, ab 14 Jahren (9,99 Euro).
 

Rechtschreibprobleme – was können Eltern tun?

Fragen an die Psychotherapeutin Andrea Kropf. Sie hat mehr als 30 Jahre in der Förderung rechtschreibschwacher Kinder und Jugendlicher gearbeitet und das Buch „Vuchs, Fucks, Fux oder wie? Rechtschreiben lernen mit System“ veröffentlicht.

Welche Gründe können Rechtschreibprobleme haben?

Mögliche Ursachen gibt es viele. Zum einen kann man beobachten, dass es offenbar durchaus auch eine Sache der genetischen Disposition ist, ob ein Kind sich leicht oder schwer tut beim Erwerb einer sicheren Rechtschreibung. Wenn also ein Elternteil selbst Rechtschreibprobleme hat, dann ist es wahrscheinlicher, dass auch das Kind unter Rechtschreib-Schwierigkeiten leidet.

Gesichert ist, dass es sich um Probleme bei der auditiven oder visuellen Wahrnehmungsverarbeitung handelt, manchmal auch beides. Es gibt aber auch Kinder, die motorisch unruhig sind, sich gedanklich nicht konzentrieren können und deshalb zu schlechten Rechtschreibern werden.

Wie ist Legasthenie als Schlagwort in diesem Zusammenhang definiert?

Legasthenie oder Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) ist definiert als „massive, lang andauernde Störung des Erwerbs der Schriftsprache“. Legastheniker haben, bei normaler Intelligenz, starke Probleme bei der Umsetzung gesprochener in geschriebene Sprache und umgekehrt. Das heißt, sie können, was sie hören, in der Regel nicht hinschreiben – und Geschriebenes nicht richtig lesen. Es gibt aber nicht „die Legasthenie“ oder „den Legastheniker“, sondern viele verschiedene Formen. Den neuesten Stand der Legasthenieforschung kann ich hier nicht wiedergeben; demnächst soll es auch eine neue Leitlinie zur Legasthenie geben. In meinem Buch geht es um allgemeine Rechtschreibschwächen, und damit hat auch die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen zu tun. Wenn Kinder in der Grundschule viele Rechtschreibfehler machen, heißt das noch lange nicht, dass sie Legastheniker sind. Und wenn sich Eltern in dieser Hinsicht Sorgen machen, sollten sie zunächst mit dem Lehrer oder der Lehrerin ihres Kindes sprechen und eventuell eine entsprechende Diagnostik bei einem Therapeuten oder einer Beratungsstelle machen lassen.

Wie erkennen Eltern, dass „Handlungsbedarf“ ist – schon in der ersten Klasse, wenn es mit dem Lesen lernen mit der Anlauttabelle nicht klappt? Oder erst ab der weiterführenden Schule, weil sich vorher noch alles von allein geben kann?

In der ersten oder zweiten Klasse sollten die Eltern sich nicht allzu viele Sorgen machen deswegen. Alle Kinder machen anfangs Rechtschreibfehler, das gehört mit zum Prozess des Schrifterwerbs. Bei geübten kleinen Diktaten zum Beispiel fallen Legastheniker anfangs oft gar nicht auf, weil sie die mühelos auswendig lernen können. Frühestens Ende der zweiten, am Anfang der dritten Klasse halte ich es für sinnvoll, immer im Gespräch mit dem Lehrer, einen Verdacht auf Legasthenie abklären zu lassen.

Was können Eltern tun? Ist nur üben, üben sinnvoll? Wenn ja, dann wie? Bei Dyskalkulie sagen ja zum Beispiel Experten, dass „falsch üben“ Probleme verschlimmert.

Nur üben, üben ist auf keinen Fall sinnvoll, weil das Kind so schnell die Lust verliert. Eltern sollten immer darauf bedacht sein, dass der Spaß und das Interesse am Lernen nicht verlorengehen! Es hilft rechtschreibschwachen Kindern, wenn ihre Eltern oder andere Bezugspersonen viel mit ihnen lesen, natürlich möglichst spannende Lektüre, aber auch überhaupt mit Schrift und Sprache sich gemeinsam beschäftigen, immer möglichst spielerisch oder auch beiläufig, z.B. bei längeren Autofahrten, so dass den Kindern „das Üben“ gar nicht so stark bewusst wird, sondern Freude macht. (Ideen für Rechtschreibspiele)

Wie kann man Kinder zum „Rechtschreibung üben“ motivieren?

Am besten mit kleinen Spielen und im spielerischen Wettbewerb, so wie ich es auch in meinem Buch vorschlage. Es geht darum, das Interesse beim Kind zu wecken und ihm zu vermitteln, dass Rechtschreibung auch spannend sein kann und Spaß machen kann. Es gilt vor allem, den Kindern ihre Resignation zu nehmen, sie aufzubauen und schon bei kleinen Erfolgen zu bestätigen.

Vielen Dank!

Foto: connortk

Rechtschreiben lernen mit System

Die deutsche Rechtschreibung ist keine leichte. Viele Kinder haben damit Schwierigkeiten, gerade heute, wenn manche die ersten Jahre schreiben durften „wie man’s spricht“ und von jetzt auf gleich dann ganz korrekt schreiben müssen. Mit Legasthenie hat das oft gar nichts zu tun – aber wie lernen sie es denn nun?

Ein Ansatz kommt von der Psychologin Andrea Kropf,die aus ihrer jahrelangen Erfahrung mit Schülern mit Rechtschreibschwäche ein Buch gemacht hat, das viel praktisches Wissen und Material für den Kampf gegen Rechtschreibschwäche beinhaltet. Mehr zu den Erfahrungen von Frau Kropf im Interview.

Grundregeln der Rechtschreibung strukturiert aufgelistet

Wer als Elternteil selbst kein Deutschlehrer ist, findet in dem übersichtlichen Band einen Überblick über die Grundregeln der deutschen Rechtschreibung. Außerdem, ganz wichtig: Listen von Wörtern, die eine Ausnahme bilden, in ihrer richtigen Schreibweise. Die vollständigen Listen der Ausnahmen erfüllen einen interessanten Lernzweck: So zeigt es sich zum Beispiel, dass die Anzahl der Worte die im Deutschen mit doppel-oo geschrieben wird, überschaubar ist. Hat man sie auswendig gelernt, und kennt man die dazugehörige Regel, kann man sich die richtige Schreibweise immer herleiten, zum Beispiel durch die innere Abfrage: Gehören sie zur auswendig gelernten Liste oder nicht? Das gibt den Kindern Sicherheit.

Spielerisch Rechtschreibung lernen

Ein Problem, das Eltern bereits rechtschreib (und manchmal auch schon schul-) frustrierter Kinder kennen: Wie bekomme ich mein Kind überhaupt dazu, sich dieses Thema noch einmal „anzutun“. Aus ihrer Praxis gibt Frau Kropf Ideen zur Motivation. So zum Beispiel, länger vergessene „Rechtschreibspiele“ wieder zu spielen, so dass die kinder das „Üben“ gar nicht merken. Einige davon haben wir für unsere Leser aufgeschrieben: Rechtschreibspiele

Und unterstützt von den Wörterlisten, kann man als Eltern einen Wettbewerb daraus machen, wer die meisten Wörter findet, die mit Dehnungs-h geschreiben werden oder gerade ohne. Das geht auch am heimischen Küchentisch und hilft den Kindern, sich Regeln und Schreibweisen einzuprägen.

Andrea Kropf: „Vuchs, Fucks, Fux oder wie? Rechtschreiben lernen mit System“ Johanna Bauer Verlag, München

 

Rechtschreib-Spiele

Rechtschreib-Spiele machen Spaß und haben einen unbewussten Lerneffekt. Manche gab es schon immer, sie sind aber heute etwas in Vergessenheit geraten. Schade eigentlich, braucht man doch nicht mehr als ein Stift und ein Blatt Papier. Ideal für Wartezeiten im Restaurant, die Zugfahrt oder einfach zu Hause. Mehr zum Thema Rechtschreibung bei uns

Gefüllte Kalbsbrust

Spieler 1 schreibt ein Wort von oben nach unten und das gleiche wieder von unten nach oben:

G                                 E
E                                 T
F                                  L
U                                 L
E                                 E
L                                 U
L                                 F
T                                 E
E                                G

Nun müssen die Mitspieler Worte finden, die zwischen die beiden Worte passen und damit die Kalbsbrust „füllen“.

Zum Beispiel

G E M Ü S E
E C H  T
F A L L

usw….Man kann das Spiel mit so vielen Mitspielern spielen, wie man möchte, es als Wettbewerb gestalten oder gemeinsam Worte finden; Als „Kalbsbrustgerüst“ ganz kurze Worte aufschreiben oder versuchen, die längsten der Welt zu finden.

Galgenmännchen

Wer hier nicht die richtigen Buchstaben rät, der hängt am Galgen – aber nur auf dem Papier. Ein Spieler denkt sich ein Wort aus und malt für die Anzahl der Buchstaben Unterstriche aufs Papier. Die anderen müssen nun Buchstaben raten. Ist es ein richtiger Buchstabe, schreibt Spieler 1 ihn an die richtige Stelle auf den passenden Unterstrich. Wird falsch geraten, malt der Spieler für jeden falsch geratenen Buchstaben Strich für Strich einen Galgen mit einem baumelnden Strichmännchen.

Können die Mitspieler das Wort erraten, bevor der Galgen fertig gemalt ist, sind sie dem Galgen entgangen. Hat Spieler 1 aber vorher seinen Galgen auf dem Papiuer „gebaut“, hat er gewonnen und die anderen „hängen“. Wie man das Männchen zeichnet, darüber sollten sich die Spieler vorher absprechen (gerne genommen: Zwei Striche Galgen mit Querstrich und „Seil“, ein Hügelstrich darunter und dann das Strichmännchen dran). Wem das doch etwas zu grausam ist, der baut mit Strichen ein „Gefängnis“, in das die anderen leider einziehen müssen, wenn sie das gesuchte Wort nicht erraten haben….

5 x 5

Dieses Spiel spielt man am besten zu zweit. Spieler Nr.1 denkt sich ein Wort mit 5 Buchstaben aus, das Spieler Nr.2 mit nur 5 Versuchen zu erraten versucht. Spieler Nr.1 schreibt nur den ersten Buchstaben des zu erratenden Wortes auf ein Blatt Papier. Zum Beispiel:
F    (für das Wort „FRAGE“)

Spieler Nr.2 schreibt nun neben das „F“ irgendein Wort, das 5 Buchstaben hat und mit „F“ beginnt, zum Beispiel:
F O L I E

Spieler Nr.1 markiert nun unter diesem Wort die Buchstaben, die in seinem erdachten Wort vorkommen, und zwar mit einem Kreuz die Buchstaben, die bereits an der richtigen Stelle stehen und mit einem Kreis die Buchstaben, die in seinem Wort vorkommen, aber an einer anderen Stelle. Im Beispiel ist (neben dem „F“) nur das „E“ am Ende mit einem Kreuz zu markieren, da es an der richtigen Stelle im erdachten Wort vorkommt:
F O L I E
×

Spieler Nr.2 bekommt jetzt die nächste Chance, das Wort zu erraten, z. B. mit dem Wort „FALLE“. Nun müsste Spieler Nr.2 das „F“ und „E“ wiederum mit einem Kreuz markieren, das „A“ mit einem Kreis, da es in seinem erdachten Wort vorkommt, aber an anderer Stelle:
F A L L E
× Ο      ×

Errät Spieler Nr.2 das Wort in 5 Versuchen, darf er sich ein neues Wort ausdenken. Andernfalls ist Spieler Nr.1 noch einmal dran.

Museales Kinder-Programm

Wer gerne in Museen geht und Kinder hat, bekommt spätestens dann ein Problem, wenn die Kleinen nicht mehr im Tragegurt durch Kunstausstellungen, Retrospektiven oder Werkschauen getragen werden können. Kleinkinder haben zu einem solchen Besuch zwischen 10 und 20 Minuten Geduld – bei guten Ausstellungen kann das dann gerne mal 2 Euro pro Minute der Eintrittskosten betragen…. Hilfe naht vermeintlich ab dem Kindergartenalter – das Kinderprogramm so mancher Museen und Ausstellungen.

Kinderprogramm in Museen: In Wahrheit ein Elternbeschäftigungsprogramm?

Da können Mami und Papi in Ruhe durch die Räume mit den Exponaten schlendern, während der Nachwuchs spielend und fröhlich die eigenen Wege geht…. So träumen es sich die Ausstellungsmacher. Doch das ist eher selten der Fall. Stattdessen mutet das Ganze all zu oft wie ein „Elternbeschäftigungsprogramm“ an. Da folgen die Großen möglichst unauffällig der Kinderführung, da der Kleine sonst ängstlich gar nicht mitgehen würde. Schön, dass man danach die Bilder immerhin mit den Augen einer Sechsjährigen gesehen hat – aber wie war das noch mit dem interessanten gesamthistorischen Zusammenhang? Keine Ahnung, war in der Führung kein Thema.

Beliebt sind diese wunderbaren Heftchen, die den Kleinen den eigenen Weg als lustige Schnitzeljagd durch die Ausstellung weisen sollen. Schon in den ersten Räumen sieht man Kinder mit ihren Eltern die einzelnen Ausstellungspunkte suchen, die für die Kinderaufgaben gedacht waren. Sie sind für die jüngeren Kinder leider schwer zu finden, da ihnen der Überblick über die großen Räume fehlt. Die Aufgaben sind übrigens laut Aufdruck für Kinder von 6 – 12 Jahre gedacht – also wie ein Schulbuch, dass für die erste bis siebte Klasse gilt. Ist der Nachwuchs hingegen alt genug, um die Fragestellungen zu verstehen, hat er ganz sicher keine Lust mehr auf diesen „Babykram“.

Elektronische Ausstellungsführer – Technik, die (nicht immer) begeistert

Seit neuestem bekommt man in immer häufiger in Museen elektronische Ausstellungsführer, die ganze Heerscharen Besucher schweigend und mit Kopfhörern durch die Hallen führt. Ideal für eine Kinderführung sollte man meinen – zumindest wenn es auch eine Kindervariante gibt. Doch auch dann kann es passieren, dass es weder Kindern noch Erwachsenen – trotz reichlich Erfahrung mit Touchscreens, Internetnavigation, Softwarevarianten oder Computerspielen – gelingt, mit dem elektronischen Teil zurecht zu kommen. Uff, am Ende klappt es leidlich – aber: Was war eigentlich im letzten Raum, den wir nur mit Blick auf blinkende Lämpchen und zu scannende Codes durchquerten?

Natürlich gibt es Museen, die ihr Kinderprogramm ganz großartig durchführen und Besuchern jeden Alters echte Erlebnisse und Erkenntnisse bringen – klar! Beispiele? Vielleicht haben Sie ja eines?