Kategorie: Teenie

Am Ende der Treppe, hinter der Tür

Sabine Ludwigs Roman beginnt wie eine typische Teenager Geschichte: Martha ist 16, sie ist verknallt in ihren Englisch Lehrer, findet sich zu dick und ihre Freundin Jil viel schlauer und attraktiver als sich selbst. Zusätzlich musste sie mit ihrer Mutter zu deren neuen Freund ziehen, den findet sie doof und seine vierjährige Tochter Poppy (Penelope) empfindet sie als wahres Monster, um das sie sich manchmal sogar kümmern soll.

Doch die Geschichte hält mehr bereit und wächst sich zu einem richtigen Krimi aus, als Martha Ohrenzeugin eines Mordes wird, noch dazu in der Wohnung über ihnen.

Wenn sie nur genug Geld hätte denkt Martha, dann könnten ihre Mutter und sie sich eine eigene Wohnung leisten und müssten nicht mehr bei der „Glatze“ wohnen. Jil bringt sie auf die Idee, den Mörder zu erpressen und so an Geld zu kommen.

Am Ende aber geschieht etwas Unerwartetes und doch ist es (zumindest im Nachhinein) auch irgendwie absehbar gewesen. Martha bringt dabei nicht nur sich sondern auch Poppy in ziemliche Gefahr.

Sabine Ludwig, auch bekannt als die Autorin der „Miss Braitwhistle“ Geschichten, hat mit „Am Ende der Treppe, hinter der Tür“ ihren zweiten Jugendroman geschrieben. Auch Jugendbuch-Erstling „Painting Marlene“ hat einen eher gruseligen Charakter.

Die Kinderbücher von Sabine Ludwig sind sehr viel zahlreicher: Zu ihnen zählt die Serafina Reihe, einige Geschichten aus der Sonne, Mond und Sterne Reihe und vieles mehr. Auch mit Übersetzungen ist sie äußerst erfolgreich, viel hat sie für die Autorinnen Kate Di Camillo und Eva Ibbotson übersetzt sowie für zahlreiche andere. Ihre Biographie ist sehr vielseitig, nach dem Studium der Philosophie, Germanistik und Romanistik arbeitete sie kurze Zeit als Lehrerin, dann als Regieassistentin, Pressereferentin und Rundfunkautorin. Seit 1987 schreibt sie Geschichten für Kinder und Jugendliche, arbeitet auch weiterhin als Journalistin. Sabine Ludwig hat schon mehrere Preise bekommen, den letzten, den Hansjörg Martin Preis, 2005, für den besten deutschsprachigen Kinder- und Jugendkrimi mit „Die Nacht, in der Mr. Singh verschwand“.

Am Ende der Treppe, hinter der Tür, von Sabine Ludwig,Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg 2013, ISBN 978-3-499-21675-6, 379 Seiten, ab 14 Jahre (9,99 Euro)


 

In dreihundert Jahren vielleicht

Der Jugendroman von Tilman Röhrig, der 1984 den Deutschen Jugendbuchpreis erhielt, ist neu aufgelegt worden. Er spielt im Mittelalter, genauer im Jahre 1641: Seit 23 Jahren wütet der 30jährige Krieg. Anders als die bereits rezensierte Geschichte der Schwabenkinder, ist dieses Buch für etwas ältere Jugendliche.

Das Buch erzählt in drastischen Bildern von fünf Tagen im Oktober, in denen Leid, Tod, Geburt und so manch letzter Hoffnungsschimmer zum Alltag gehören. Für den 15 jährigen Jockel bedeutet das früh Verantwortung zu übernehmen, vor allem für die kleineren Geschwister und so behält er die Sorge um den kleinen Bruder, der einen pestkranken Jungen angefasst hat, für sich. Trotz aller Trostlosigkeit und dem allgegenwärtigen Hunger, klammern sich die Menschen an das Leben und hoffen, dass der Krieg irgendwann ein Ende hat. In dreihundert Jahren kommt der Friede vielleicht verspricht Tobias seiner von Soldaten misshandelten Schwester Anna. Und zeigt, wie unvorstellbar Frieden ist, in einer Zeit, in der 15-Jährige die Gegenwart nur im Krieg kennen.

Trotz allem ist Jockel auch ein Jugendlicher wie es heute 15-Jährige sind. Er hält seine Liebe zu der schönen Katharina geheim. Doch seine heimlichen Beobachtungen ermöglichen ihm am Ende ihre Rettung, und die Hoffnung erhält neue Nahrung.

Die dichten Bilder der Geschichte bringen einem den Alltag der damaligen Zeit sehr nah und machen eine gerade für Jugendliche ferne Zeit nachvollziehbar und erfahrbar.

Tilman Röhrig ist für seine oft historischen Jugendromane mit vielen Auszeichnungen bedacht worden, zuletzt 2005 mit dem Voerder Jugendbuchpreis. Viele seiner Romane spielen im Mittelalter, wie der „Riemenschneider“ und „Der Sturm wird kommen vor Mitternacht“. Mit „der Burgunderin“ wagt er sich sogar bis ins 5 Jahrhundert vor. Aber auch Hannibals Zug über die Alpen, Robin Hood und die Wikinger haben ihn zu Romanen inspiriert.

In dreihundert Jahren vielleicht, von Tilman Röhrig, Arena-Verlag Georg Popp, Würzburg, Erstausgabe 1983, 2013 neu aufgelegt, ISBN 3-401-03981-4, Neuauflage: ISBN 3401018507, 137 Seiten, ab 13 Jahre

Das verkaufte Glück – Der lange Weg der Schwabenkinder

Jakob ist elf als ihn seine Eltern das erste Mal ins Schwabenland schicken. Mit einem Rucksack aus einem alten Kartoffelsack laufen er, sein Bruder Kilian und andere Kinder mehrere Tage von Tirol bis nach Ravensburg. Auf dem beschwerlichen Weg müssen sie um Unterkunft und Essen betteln und Vielen gehen unterwegs die Schuhe kaputt.

Ihre Eltern sind arme Bauern und haben nicht genug Geld und Essen für ihre Kinder. Das sogenannte „Schwabengehen“ war bis in die 1950er Jahre gängige Praxis. Von März bis Oktober oder November waren die Kinder bei wohlhabenden Bauern in Oberschwaben zum Arbeiten. Als Lohn bekamen sie das sogenannte doppelte Häs, das heißt zwei Kleidergarnituren und einige Gulden, je nach Alter mehr oder weniger.

Schwabenkinder – auf dem Kindermarkt „verkauft“

In Ravensburg auf dem Kindermarkt werden die Kinder von den schwäbischen Bauern begutachtet und mit dem sie begleitendem Mesmer ein Preis ausgehandelt. Jakob hat Glück, der Bauer, der ihn aufnimmt ist freundlich. Sein kleiner Bruder Kilian, mit dem er am liebsten zusammen geblieben wäre kommt zu einem Bauern in der Nähe, so dass Jakob ihn sonntags besuchen kann. Obwohl es ihm recht gut geht, plagt Jakob das Heimweh und die Sorge um seinen Bruder, der es nicht ganz so gut getroffen hat. Die Entbehrungen zu Hause in Tirol sind schlimm, der ständige Hunger und Mangel an allem. Trotzdem wäre er lieber dort. Er beginnt sich zu fragen, warum es arme und reiche Bauern gibt, warum seine Eltern ihn weggeschickt haben, und warum es Menschen gibt, die sich nicht an das halten, was sonntags in der Kirche gesagt wird und denen dennoch nichts geschieht.

Für die meisten Kinder in Deutschland ist es heute kaum vorstellbar, wie es ist, ständig Hunger zu haben, oder ständig müde zu sein, weil es jeden Tag von früh bis spät viel Arbeit gibt. Manfred Mai, der schon rund 150 Bücher veröffentlicht hat, beschreibt einfühlsam und gut nachvollziehbar wie es den Kindern ergeht. Viele der Gefühle die Jakob hat, das Heimweh, die Sorge um den Bruder und die Fragen nach der Gerechtigkeit, beschäftigen auch heutige Kinder. Das Buch vermittelt einen guten Eindruck über das Leben in einer Zeit, die schon weit zurück zu liegen scheint. Das manche Kinder bis in die 1950er Jahre hinein, dieses Schicksal durchlebten erscheint kaum vorstellbar und verdeutlicht den Wohlstand der heutigen Zeit.

Das Buch bietet viel Stoff für Gespräche und es wird sich herausstellen, dass viele Fragen, die Jakob sich stellt, auch heute noch aktuell sind. Hunger, besonders bei Kindern und Kinderarbeit sind in vielen Ländern immer noch gegenwärtig. Die Ungleichverteilung von Wohlstand und der Umgang mit Vorurteilen lassen sich auch in Deutschland thematisieren.

Autor Manfred Mai

Nachdem Manfred Mai zunächst als Handwerker arbeitete und seinen Wehrdienst ableistete, wurde er über den zweiten Bildungsweg Lehrer. Seit 1978 schreibt er: Sein Werk umfasst neben Sachbüchern und dem hier besprochenen Roman auch leichtere Kost. So schrieb er bereits einiges für die Reihen „Leserabe“, „Bücherbär“, „Leselöwen“ und andere.

Das verkaufte Glück – Der lange Weg der Schwabenkinder, von Manfred Mai, mit Illustrationen von Henriette Sauvant, Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH, 2013, ISBN 978-3-473-36869-3, 218 Seiten, ab 10 Jahre (14,99 Euro)

Tipps, um die „Reise in die Welt der Schwabenkinder“ für Kinder heute authentisch zu machen

  • In einem europäschen Verbund kümmern sich seit einigen Jahren verschiedene Stellen um diesen Teil der Geschichte. So gibt es in Österreich, Südtirol, Liechtenstein und der Schweiz sowie in Oberschwaben in verschiedenen Museen Ausstellungen zum Thema „Schwabenkinder“ Außerdem Themenwanderwege auf den Pfaden der armen Bauernkinder und an deren alten Arbeitsstätten vorbei. Auf geführten Wanderungen erfahren Eltern und Kinder mehr über das Schicksal der Schwabenkinder und anderer armer Auswanderer. Vor dem nächsten Kurzurlaub vielleicht einmal nachschauen: Mehr dazu unter www.schwabenkinder.eu

 

  • Wer zufällig in Oberschwaben unterwegs ist: Im Bauernhofmuseum Wolfegg können Kinder in einer Dauerausstellung den Alltag und Arbeitsalltag der Kinderarbeiter vor hundert und mehr Jahren erleben. Biographien einiger Kinder, museumspädagogische Angebote wie Schnitzen eines Hütestabs oder Kochen eines einfachen Bauernessens lassen Geschichte lebendig werden.

 

  

 

 

Spannendes Jugendbuch: Das Haus der Schatten

Ein Jugendbuch für Mädchen ab 14 Jahre. „Nur wenige Menschen können sie sehen, und es werden von Jahr zu Jahr weniger“ das erzählt Frau Graumel Maja von den Menschen, die die Schatten sehen können. Auch Maja hat schon welche gesehen und möchte mehr über diese unheimlichen Erscheinungen wissen.

„Sie sind eine tödliche Gefahr. Stellen Sie sich die Schatten wie Parasiten vor, die den Menschen die Lebenskraft rauben“ erläutert Frau Graumel. Sie hatte bemerkt, dass Maja die Schatten sehen kann und sie zum Tee eingeladen. Und sie lädt Maja noch zu mehr ein. Sie soll die Sommerferien in Magoria verbringen. Dort treffen sich Menschen, die den Schatten den Kampf angesagt haben und Maja soll dazu gehören und auch gegen die Schatten kämpfen. Maja, die sehr schüchtern ist und ihre Freizeit am liebsten mit Büchern und Schokolade verbringt, fühlt sich geschmeichelt. Aber sie natürlich auch Angst, ob sie der Herausforderung gewachsen ist. Außerdem ist da noch eine Sache, die hat sie Frau Graumel nicht erzählt, die könnte sie vielleicht in Schwierigkeiten bringen.

Maja entschließt sich, nach Magoria zu gehen. Sie erlebt zum ersten Mal, wie es ist, zu einer Gruppe zu gehören und anerkannt zu sein, ein wunderbares Gefühl.

Aber dann findet sie heraus, das auch die Schattenjäger nicht alles über die Schatten wissen, und sie muss sich entscheiden: Will sie weiterhin zu der Gruppe der Jäger gehören oder wird sie sich gegen sie stellen.

Magoria, das Haus der Schatten ist ein überaus spannendes Buch, sehr fantasievoll und realistisch geschrieben. Charlotte Richter Peil ist ein Meisterwerk gelungen, dass die Entwicklung eines jungen Mädchens in einen packenden Thriller verpackt, der auch noch zum Nachdenken anregt. Darüber, was Angst bedeutet und der Glaube an sich selbst.

Charlotte Richter-Peil hat Verschiedenes studiert, bis sie sich zum Schreiben entschlossen hat. Margoria ist ihr erster Jugendroman, vorher verfasste sie für Erwachsenenromane, zum Beispiel „die Köchin“ und „Das letzte Zimmer“. Auch für Radio und Fernsehen hat die Autorin schon geschrieben. Sie lebt in einem kleinen Dorf in Schleswig Holstein und träumt von einem Lottogewinn, mit dem sie ein Altenheim für Tiere eröffnen möchte.

Magoria, das Haus der Schatten, von Charlotte Richter-Peil, Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, 2013, ISBN 978-3-499-20013 7, 416 Seiten, ab 14 Jahre (12,99 Euro)

 

 

Ratgeber Pubertät für Jugendliche: Kriegen das eigentlich alle?

„Noch so ein Ratgeber über die Pubertät“ werden einige vielleicht denken und Namen wie Jesper Juul und Jan Uwe Rogge im Kopf haben, die derzeit mit ihren Ratgebern für Eltern bei Amazon ganz oben auf der Liste erscheinen.

Aber das vorliegende Buch ist anders. Zum einen weil es nicht für die Eltern ist, sondern für die Jugendlichen und zum anderen, weil es auch nicht versucht, sich den Jugendlichen anzubiedern, wie so manche Pubertätsbücher, die auf dem Markt sind.

Das Buch gliedert sich in fünf Kapitel von „Vom Wachsen und verändern“ bis „Vom Schwanger werden und vom Kinderkriegen“. Es geht also wirklich ans Eingemachte. Und trotzdem ist das Buch in keinem Moment peinlich, man merkt ganz deutlich, dass hier jemand schreibt, der das Thema sachlich angeht und seine Leser sehr ernst nimmt. Die wichtigen Themen werden alle angesprochen, kurz und klar verständlich. Es sind viele wichtige Hinweise enthalten, ohne dass der besserwisserische Zeigefinger zu spüren wäre. Aber, und das ist ganz wichtig, es ist jede Menge Humor dabei. Die Fotos, die dieses Buch in großer Anzahl schmücken sind so toll, dass man sie am liebsten groß an die Wand hängen möchte, oder noch besser: nachmachen.

Der Autor Jan von Holleben hat zunächst Sonderpädagogik studiert und dann Theorie und Geschichte der Fotografie in Großbritannien. Mittlerweile lebt er in Berlin und arbeitet unter anderem für Zeit Leo, Dein Spiegel, Geolino, Neon und Eltern. Das nun erschienene Buch ist ein lang gehegter Traum von ihm.
Um diesen Traum zu verwirklichen, hat er sich mit Antje Helms zusammengetan, sie ist freie Journalistin und Konzepterin und schreibt auch für verschiedene Medien.

Die beiden haben sich für das Buch mit einer Gruppe Jugendlicher zusammengetan, und natürlich auch noch mit weiteren Erwachsenen.

Für alle die schon mitten drin stecken oder die Pubertät noch vor sich haben ein absolut lohnendes Buch, zum Durchlesen, aber auch zum Nachschlagen und immer mal wieder etwas Nachschauen. Der Spaß, den die Jugendlichen und die Autoren beim Machen gehabt haben,  springt einen dabei förmlich an.
Und vielleicht bekommt ja der eine oder die andere auch Lust selber eine „Geschlechterunterscheidmaschine“ zu bauen oder mal einen Tag lang ins andere Geschlecht zu schlüpfen. Sehr hilfreich ist auch die nach Themen gegliedert Sammlung guter Internetseiten am Ende, für alle, die noch mehr wissen wollen oder aber eine ganz konkrete Frage haben.

Kriegen das eigentlich alle?, 2013, Jan Holleben & Antje Helms, Gabriel Verlag ( Thienemann Verlag GmbH), Stuttgart / Wien, ISBN 978-3-552-30338-5 (16,95 Euro)

 

 

 

 

Leo – Das Magazin für Kinder aus dem Zeit-Verlag

Haben Sie eine Zeitschrift abonniert und freuen sich immer auf die neueste Ausgabe im Briefkasten? Diese Freude können Sie jetzt auch Ihren Kindern machen, und zwar auf eine Art, die sinnvoll ist und dennoch Spaß macht. Sicher kennen Sie auch alle diese bunten Heftchen in den Schreibwarenläden und Supermärkten. Sie kosten meist mehr als 3 Euro und es steht nicht viel drin.

Der „Leo“ ist da anders. Er kommt zwar nur alle zwei Monate heraus, aber er bietet auch jede Menge Lesestoff und Spaß! Es ist ein Pendant, dass wirklich zu der „Zeit „ passt. Die letzten  Ausgaben trugen Titel wie „Geschwister sind super/nervig“, „Spielen Chatten Surfen – wie Du im Internet den Überblick behältst“ und „Jetzt bestimme ich – warum dürfen Erwachsene so oft über Kinder bestimmen?“ Allein daran sieht man schon, dass die Autoren mitten drin sind in der Alltagswelt der Jugendlichen. Aber nicht nur das, es gibt viele Beiträge, die den Horizont der Kinder (und in vielen Fällen sicher auch den der Eltern) erweitern. Es findet sich oft ein Beitrag über Kinder aus anderen Teilen der Welt zum Beispiel über heute lebende Indianer. Aber auch von Erwachsenen: So erzählt ein Soldat, der aus Afghanistan zurückgekehrt ist über seine Erfahrungen. Politik spielt eine Rolle: So begleiteten Journalisten einen Tag lang Angela Merkel, um in Erfahrung zu bringen, was die den ganzen Tag so macht. Auch die Präsidentschaftswahl in den USA war Thema. Kunstobjekte werden vorgestellt und erklärt, außerdem gibt es einen Museumstest, der von Kindern durchgeführt wird. In einer Zeitschrift darf natürlich auch eine Kolumne nicht fehlen, im Leo erzählt eine 12-Jährige von ihrem Alltag in einer sechsköpfigen Familie. Zu guter Letzt gibt es eine Rätselseite, Rezepte von Sarah Wiener (erzieht eure Eltern: Gebrannte Mandeln kann man auch mit Honig machen, genauso lecker und gesünder!) und vieles mehr. Wer gerne liest, liest auch gerne noch mehr, deswegen gibt es vier Buchrezensionen in jeder Ausgabe, von Kindern selbst geschrieben – auch das ist einmal etwas erfreulich Anderes. Der Leo ist so vielseitig, das sich gar nicht alles aufzählen lässt. Den Rest müssen Sie und ihre Kinder selbst entdecken, und ich könnte mir vorstellen, dass es fast ein Gerangel gibt, wer zuerst lesen darf. Der Leo ist ab 8 Jahren empfohlen, was recht früh angesetzt ist, ich würde eher für ab 9 plädieren und aufwärts noch eine ganze Weile, hoffentlich! Vielleicht….. na, ganz um Bravo & Co herum kommt man vielleicht nicht, aber wer weiss….. Zeit-Leo – Das Magazin für Kinder, Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH &Co. KG, (4,90 Euro pro Ausgabe), 80 bis 90 Seiten.

Illegale Musiktauschbörsen: Wie „belehre“ ich mein Kind?

Der Bundesgerichtshof hat am 15.11. 2012 entschieden, dass Eltern nicht für illegales Filesharing ihres Kindes haftbar gemacht werden können.

Voraussetzung ist, dass die Eltern „das Kind „über das Verbot einer rechtswidrigen Teilnahme an Internettauschbörsen belehren.“ (Originaltext Urteil, mehr dazu in einer Pressemitteilung des Bundesgerichtshofes

Was ist Filesharing?

Das Teilen von Dateien über Online-Tauschbörsen gilt als Urheberrechtsverletzung. Bei Jugendlichen ist es besonders beliebt, da sie sich Musiktitel herunterladen können, ohne das Taschengeldbudget belasten zu müssen. Wir nennen hier mit Absicht keine Beispiele, um keine Recherchehilfe für Urheberrechtsverletzungen zu geben.

Im Fall, der vor dem BGH verhandelt wurde, versuchten Musikverlage von den Eltern eines Dreizehnjährigen Schadensersatz für die von ihm heruntergeladenen Dateien zu bekommen mit dem Argument, die Eltern hätten ihre Aufsichtspflicht verletzt.

Ständige Überwachung ist keine Pflicht

Der BGH urteilte, dass Eltern die Schäden des Sohnes nicht übernehmen müssten.“Eine Verpflichtung der Eltern, die Nutzung des Internet durch das Kind zu überwachen, den Computer des Kindes zu überprüfen oder dem Kind den Zugang zum Internet (teilweise) zu versperren, besteht grundsätzlich nicht.“

Aber: Auch wenn das Herunterladen nicht strafrechtlich verfolgt werden kann, kann sich der Nachwuchs unter unglücklichen Umständen mit der geteilten Datei einen Computervirus auf dem heimischen Rechner einfangen – die sind nämlich oft so gestrickt, dass sie Virenschutzprogramme umgehen können. Also besser, wenn der Jugendliche im Haus diese Börsen gar nicht nutzt!

Vorlage für ElternLegales Filesharing

Aber wie „belehrt“ man nun seine Kinder darüber, dass das Herunterladen von Songs aus dem Internet über Tauschbörsen nicht legal und gefährlich ist? Wir haben eine kleine Vorlage gestaltet, die den Jugendlichen das Thema näher bringt. Sie können diese hier kostenlos herunterladen und nutzen.

Wir sind keine Juristen und können nicht garantieren, ob das Lesen und Unterschreiben unserer Vorlage als Beweis für eine „Belehrung“ vor Gericht ausreicht. Trotzdem sollten die Kinder das Papier unterschreiben – dann fühlen sie sich mehr daran gebunden und merken, dass dies eine ernste Angelegenheit ist – denn das ist es.

 

 

 

„Pia, Alex und das Klimaprojekt“

Wissenschaftliche Fachartikel oder auch Zeitungsartikel über das Thema Klima und Umweltschultz sind für Kinder und Jugendliche oft nicht besonders spannend.

Um diese Gruppe trotzdem für das Klima und den wahrscheinlich bevorstehenden Klimawandel zu sensibilisieren, hat die Pressesprecherin des Umweltbundesamtes für Mensch und Umwelt, Dr. Claudia Mäder, eine Geschichte verfasst:

Eigentlich wollen Pia und Alex im alten Pförtnerhäuschen an ihrem Klimaprojekt für die Schule arbeiten. Sie treffen sich öfter dort, seit Alex entdeckt hat, dass es offen ist. Aber heute ist einiges anders, zunächst sieht Pia eine Gestalt in einem merkwürdigen Anzug, die schnell im Wald verschwindet, und dann steht da diese merkwürdige „Uhr“ auf dem Tisch, ihr Gummibärchen Vorrat ist allerdings unversehrt. Alex dreht den Schlüssel an der Uhr und verstellt die Zeiger – schon sind die beiden in einem großen Abenteuer.

Pia und Alex landen nämlich in der Zukunft und erleben dort am eigenen Leibe, was die Klimaveränderung bedeutet oder bedeuten kann, wenn sich nichts ändert. Die Geschichte ist spannend geschrieben und gerade für Kinder sehr anschaulich. Es gibt zwar einige Ungereimtheiten, so ist zum Beispiel nicht klar, wie die Person, die Pia am Anfang im Wald verschwinden sieht wieder in die Zukunft zurück kommt, Alex nimmt den Schlüssel von der „Uhr“ nämlich mit, aber das tut der Geschichte als Ganzes keinen Abbruch.

Pia, Alex und das Klimaprojekt“, Umweltbundesamt für Mensch und Natur, 2012, ab 8 Jahre, zum kostenlosen Bestellen unter: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/4260.html

Der Junge, der Gedanken lesen konnte

Ein Friedhofskrimi von Kirsten Boie für Kinder ab 10 Jahre.

„Mann, pass doch auf mit deinem Scheißcap!“ ist der erste Satz, den Valentin nach dem Umzug hört, als er fast über Mesuts Beine stolpert. Valentin überlegt, ob er Mesut nach der nächsten Leihbücherei fragen soll, aber dieser erste Satz war nicht gerade ermutigend, also macht er sich alleine auf den Weg.
Es ist ja überhaupt schon blöd, umzuziehen, aber in den Sommerferien umzuziehen ist besonders blöd, da braucht Valentin wenigstens viele spannende Bücher. Er geht nach links, um nicht noch einmal über Mesuts Beine zu steigen, die Stadt wäre rechts gewesen – und so verdankt er sein Abenteuer eigentlich Mesut.

Valentins Geschichte

Valentin landet auf dem Friedhof, was gar nicht schlecht ist, denn es ist ein glutheißer Sommertag und unter den Bäumen des Friedhofs ist es schön kühl. „Dicke Frau“ ist die erste von einigen, die Valentin auf dem Friedhof kennenlernt. Und sie ist auch die erste bei der “es“ ihm passiert: Weil sie mehr mit der Jungfrau Maria spricht als mit ihm, schaut er sie lange an und da passiert es. Er sieht die vielen wirbeligen Bilder in ihrem Kopf, besonders einen Goldtaler, und alles in eine große Traurigkeit gehüllt. Was da wirklich mit ihm passiert ist, begreift er aber erst später. Mesut wird sein Freund und erweist sich als sehr schlauer Partner bei ihrer Detektivarbeit. Dass Mesuts großer Bruder bei der Polizei ist, könnte eine Hilfe sein, aber Mesut und Valentin ist klar, dass man zwei Zehnjährigen kaum glauben wird, wenn sie behaupten, den Hinweis zu einem Juwelenraub durch Gedankenlesen erhalten zu haben. Trotzdem werden sie am Ende noch einmal von der Polizei gerettet, ihre Ermittlungen auf eigene Faust bringen die beiden Jungs nämlich noch ziemlich in die Klemme.

Ein spannender Jugendkrimi

Dieser Friedhofskrimi von Kirsten Boie ist ein spannend geschriebenes Buch mit vielen Facetten. Warum Valentin umgezogen ist, und was es mit seiner Glücksbringer-Kappe und seinem Bruder Artjom auf sich hat, erfährt man nach und nach. Valentins schräge, aber liebenswürdige Bekannte vom Friedhof öffnen nicht nur Kindern den Blick für die Personen, die hinter einem merkwürdigem Äußeren stecken können. Und natürlich wird das Geheimnis um den Goldtaler von „Dicke Frau“ aufgeklärt. Das Ganze ist brillant aus dem Blickwinkel von Valentin geschrieben, was einen, egal welches Alter man selbst hat, sofort in die Rolle des Jungen hineinversetzt.

Autorin Kirsten Boie

Die Autorin, Kirsten Boie, wird vielen bereits bekannt sein. Die Geschichten vom kleinen Ritter Trenk (ab 5 / 6 Jahre) wurden mittlerweile ja auch wunderbar verfilmt. Kirsten Boie, 1950 in Hamburg geboren, ist eine unglaublich vielseitige Autorin. Zunächst studierte sie Deutsch und Englisch, promovierte, machte Staatsexamen und arbeitete als Lehrerin. Als das Jugendamt nach der Adoption ihres ersten Kindes verlangte, dass sie zuhause blieb, fing sie an, zu schreiben. Gleich ihr erstes Buch „Paul ist ein Glücksgriff“ kam auf die Auswahlliste des Deutschen Jugendliteraturpreises. Mittlerweile hat sie über 100 Bücher für ganz verschiedene Altersgruppen geschrieben. Für die Allerkleinsten (ab 2 Jahre) gibt es die Geschichten von Albert. Für 3 bis 6 Jährige die Reihe über den Jungen Juli. Aber auch für die Größeren, bis hin zu den 16 Jährigen, gibt es viel Spannendes von ihr zu lesen. Viele sind Geschichten über Kinder wie Du und ich; aber ihr Repertoire beinhaltet auch Seeräuber, Prinzessinnen und ganz fantastische Wesen. Sie selbst sagt, dass es ihr wichtig ist, dass Literatur für Kinder wirklich Literatur ist. Aber dies ist sicherlich nur einer der Gründe, warum es so viel Spaß macht, ihre Bücher zu lesen.

  

Der Junge, der Gedanken lesen konnte, Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg, 2012, gebunden 14,95 Euro. ISBN 978-3-7891-3191-2.

Der Junge der Gedanken lesen konnte ist jetzt auch als Hörbuch im Jumbo Verlag erschienen, 4 CD´s, 303 Minuten, ISBN 978-3-8337-2978-2.

Studenten im „Versicherungsloch“

Der Vater traute seinen Ohren nicht: Seine Tochter Marie (21) sollte tatsächlich aus den USA zurückfliegen, hier in Deutschland eine neue Reiseversicherung abschließen, um dann wieder zurück nach New York zu reisen?

 

Genau so hatte es die Versicherungsagent mitgeteilt. Dabei wollte seine Tochter Marie nur spontan ein Semester länger im Ausland studieren und dafür ihre Versicherung verlängern.

Die Ursache für das „Versicherungsloch“ liegt in den Verträgen der Versicherungen. Sie sind in der Regel auf eine bestimmte Laufzeit befristet, meistens bis zum Tag, an dem die Reisenden aus dem Flieger steigen und wieder deutschen Boden betreten. Wer sich dann aber im Ausland spontan dazu entscheidet, länger zu bleiben, sitzt in der Falle. Denn aus dem Ausland heraus, also während einer Reise, lassen sich in der Regel keine Reiseversicherungen abschließen. Das geschieht nicht ohne Grund: Die Versicherer fürchten, dass bereits erkrankte Menschen noch schnell eine Versicherung abschließen – um sie noch am selben Tag in Anspruch zu nehmen.

Nur wissen viele Studenten, aber auch Globetrotter oder andere Langzeitreisende nicht vorab genau, wie lange sie im Ausland bleiben.

Tipps für Studenten im Ausland:

Damit Studenten, die ein Auslandsemester absolvieren, sich alle Optionen offen halten können, gibt Hans Walter Schäfer, Versicherungsmakler in Niederkassel bei Bonn, folgende Tipps:

Zeitraum vorab verlängern:

Man sollte seine Versicherungspolice möglichst für einen längeren Zeitraum abschließen als die Reise dauert – zum Beispiel für ein Jahr, obwohl das Semester nur ein halbes Jahr dauert. Gleichzeitig sollte man allerdings unbedingt den Vertrag vorab studieren und schauen, ob man ihn stornieren kann und die Prämie erstattet bekommt, wenn man früher zurückkommt.

Kündigungsfrist beachten:

In manchen Versicherungsverträgen sind Sonderkündigungsrechte festgeschrieben. Dann fällt es noch einfacher, aus einem bestehenden Vertrag herauszukommen. Für den Versicherer entfällt ja letztlich auch das Risiko. Denn wer nicht mehr im Ausland ist, der kann auch nicht mehr im Ausland erkranken.

Notlösung finden:

Es gibt einige wenige Spezial-Versicherungen, die man aus dem Ausland heraus noch abschließen kann.

Der Vater von Marie griff zum letzten Tipp und fand eine Versicherung, die seine Tochter aus dem Ausland heraus versicherte. „Wir haben Glück gehabt. Denn so ein Flug ist nicht billig und wäre obendrein noch furchtbar unnötig gewesen“, sagt er. „Auch wenn wir unsere Tochter natürlich gerne schon früher in die Arme genommen hätten.“

Weitere Infos unter http://www.auslandstreff.de/

Foto: Vrenibean