Kategorie: Kindergarten

Der passende Kindergarten, die passende Kita

Tipps, worauf Eltern bei der Auswahl der Kita, des Kindergartens achten sollen. Den idealen Kindergarten, die ideale Kita gibt es nicht – und wer jetzt sagt, „aber doch, unserer!“, der kann sich wirklich freuen. Natürlich können sich die Eltern vieles nicht aussuchen: In manchen Städten sind sie froh um einen Platz bis 16:00 oder eine Einrichtung die gut zu erreichen oder zu bezahlen ist. Trotzdem kann man sich ja manchmal doch zwischen zwei oder drei Kitas entscheiden. Hier ein paar Anregungen, worauf Mama und Papa dann achten sollten:

Das Kita-Konzept

Manche Häuser verteilen lange Handbücher mit pädagogischem Fachchinesisch, um ihre Kompetenz darzustellen. Hmmm, sie sollen doch mit Kindern gut umgehen. Fällt das bei aller Theorie nicht hinten herunter? Aber ein klares, gutes Konzeptpapier mit wichtigen Infos ist als Grundlage gut. Darin steht hoffentlich Folgendes:

  • Öffnungszeiten? Wenn die Einrichtung Freitags um 12:00 Uhr schließt, der Arbeitgeber aber sein Büro bis 15:00 besetzen will, wird es schwierig, nein – schlicht unmöglich.
  • Wie ist der Start geplant? Ähnlich wie beim ersten Arbeitstag in Mamas Büro kann man daraus eine Menge für die Wertschätzung des Kindes als Neuankömmling lesen. Gibt es Schnuppertage? Hat mein Kind einen großen „Paten“, ein älteres Kind, das den Start erleichtert?
  • Was lernen die Kinder im Kindergarten? Und wie? Musikalische Früherziehung, Kinderenglisch, Naturwissenschaften für Kinder? Schön, wenn die Kleinen Anregungen bekommen, zu viel ist allerdings auch nichts. Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass Kinder bei zu großem Angebot präsentierter Lerninhalte weniger auf die Idee kommen, selbst aus eigenem Antrieb zu lernen. Zum Beispiel zu spielen, existenziell für die kindliche Entwicklung. Wem etwas Wichtiges fehlt, kann dies selbst meist problemlos nach dem Kindergarten ausgleichen und den Sohn zur Musikstunde o.ä. bringen.
  • Entwicklungsgespräche? Soll es sie geben und wie sind sie geplant? Darüber kann man ruhig einmal genauere Fragen stellen. Sehr wichtig ist auch, ob sich die Erzieher zwischendurch mit den Eltern über das Kind austauschen. Bei diesen „Zwischen-Tür-und-Angelgesprächen“ erfahren Eltern oft eine Menge Neues über ihr Kind.
  • Kooperation mit benachbarten Grundschulen? Das scheint Eltern von Zweijährigen weit weg, kommt aber ganz sicher: Der Sprössling wird Vorschulkind und dann ist ein sanfter Übergang zum neuen Lebensabschnitt „Schule“ sehr hilfreich.

Das Kita-Personal

  • Offensichtlich ist der Personalschlüssel (=Betreuer pro Kind), der bei oft günstigeren städtischen Kindergärten höher ist, als bei privaten. Doch der Personalschlüssel sagt wenig über das Engagement der Erzieher aus.
  • Ein großer Punkt ist Sympathie. Das eigene Kind muss jahrelang mit den Erziehern auskommen. Ein wichtiger Punkt also: Wie sympathisch sind die Menschen, die dort arbeiten? Werden Fragen beantwortet oder ausweichend beschieden? Wie reagieren die Zuständigen auf die Fragen anderer Eltern – als Beobachter kann man das ganz gut einschätzen: Nehmen sie sie ernst oder wiegeln sie sie ab?
  • Ein zweiter Punkt ist Kompetenz: Wieviel Erfahrung bringen die Leute mit und nicht zuletzt: Wie engagiert erscheinen sie? Toll ist auch einmal ein männlicher Erzieher – ist dieser allerdings unsympathisch, heißt das auch nichts.
  • Kleiner Tipp: Vertreter des Elternbeirates sind bei Tagen der offenen Tür manchmal dabei: Sie sehen die Einrichtung aus der Eltern-Perspektive, geben also andere Auskünfte als Erzieher – Ansprechen lohnt sich!

Andere Eltern

Bei Elterninitiativen hat man häufig viel Kontakt mit anderen Eltern – die sollten einem dann auch prinzipiell sympathisch sein. In manchen Einrichtungen sehen die Eltern einander nur beim Bringen und Holen der Kinder. Aber wer das zum Austausch nutzt, bekommt sicher mehr Insiderinfos als andere. In manchen großen Kitas wird unter Eltern noch nicht einmal gegrüßt – das ist sicher kein Pluspunkt. Schließlich will man ja auch dem eigenen Kind ein bisschen Höflichkeit beibringen. Und wie soll es das lernen, wenn die Eltern der Kindergartenfreunde an Mama vorbeischauen?

Andere Kinder

Ein schwieriges Thema, denn zumeist finden die Tage der offenen Tür ja ohne andere Kinder statt und die beiden großen Nachbarjungs, vor denen die Dreijährigen Angst haben, gehen vielleicht sowieso ab Herbst in die Schule. Schön ist es schon, wenn das Kind zu Beginn schon ein paar Kinder kennt – aber je nach Kind ist es manchmal auch nicht ganz so wichtig. Denn Kinder befreunden sich schnell.

Wichtig allerdings, gerade bei den immer zahlreicheren Einrichtungen, die Kinder aller Altersklassen aufnehmen: Gibt es Kinder im selben Alter und Entwicklungsstadium? Denn ein Vierjähriger wird sich auf Dauer mit ausnahmslos Zweijährigen wahrscheinlich langweilen. Nicht ganz unwichtig allerdings, ob Freunde aus dem Kindergarten einmal mit dem eigenen Kind in die Schule gehen werden oder überhaupt in der Nachbarschaft wohnen. Ersteres kann den Schulstart erleichtern. Kinder in der Nachbarschaft sind schöner für Eltern und Kind: Dann müssen nicht alle zum Freundebesuch durch die ganze Stadt oder viele Kilometer über Land.

Die Räumlichkeiten

Wegen des gesetzlich festgelegten Krippenausbaus sind viele Häuser dazu übergegangen, eine Kooperationseinrichtung mit Kindern von 0-6 Jahre zu werden. Manche haben dazu noch ein teiloffenes oder offenes Konzept. Das kann dann schon einmal 150 Kinder in einem Riesenhaus bedeuten. Manche Einrichtungen haben das richtig gut im Griff, können die Kleineren von den Größeren trennen, wenn es nötig ist und haben trotz eines offenen Hauses immer wieder kleinere organisatorische oder räumliche Einheiten, um den Kindern Sicherheit zu bieten. Da hilft nur: Fragen!

  • Manche privaten Träger beeindrucken Eltern mit niedlichst bemalten Wänden – schön, aber das ist dem eigenen Kind höchstwahrscheinlich herzlich egal. Es gibt nette kleine Elterninitiativen, die aber unter Platzmangel, gerade draußen, leiden. Mit einem Rundgang hat man das schnell heraus.
  • Das Kindergartenessen ist auch immer wieder ein wichtiges Thema bei der Entscheidung für einen Kindergarten. Gut, es sollte nicht zu 100% aus Fastfood bestehen. Aber wenn sonst alles passt und nur der Bio-Anteil des Essens zu niedrig ist?

Der Weg

Geht man einmal zum Sprechtag hin, ist noch alles o.k. Aber 4 Jahre lang dreimal umsteigen und dann noch der lange Fußweg mit dem trödelnden Sohnemann? Wer nicht mehr im Buggy sitzt, geht erst einmal seeehr langsam mit kurzen Beinen und gesundem Interesse an seiner Umwelt (sprich jedem Steinchen und Stöckchen auf dem Weg) Wer alleine fürs Hinbringen zuständig sind, wird diesen Weg 4 mal täglich, 5 Tage die Woche machen. Der Weg kann also durchaus zum k.o.-Kriterium werden.

Kind und Kindergarten müssen passen

Last but not least: Bei all den Informationen und Überlegungen das eigene Kind nicht vergessen. Braucht der Nachwuchs unbedingt viel Auslauf oder ist das Bastelangebot ganz wichtig? Ist es besser, wenn sie mit ihrer Freundin in die Einrichtung kommt oder kann sie nicht genug Anregung von anderen Kindern bekommen? Die Mutter aus der Nachbarschaft schwärmt vom Kindergarten mit der tollen Ausstattung? Aber ob der sehr streng geregelte Tagesablauf zu der eigenwilligen Tochter passt?

Anschauen, fragen, überlegen, entscheiden – viel Glück!

Linkshänder-Kinder: Tipps für Eltern

Unser Kind ist Linkshänder, wir, seine Eltern sind Rechtshänder. Das kann schon mal passieren, wenn die Vererbung eine Generation überspringt. Hier unsere Erfahrungen, zum Weitergeben an andere, denen es vielleicht genauso geht:

Wie finde ich heraus, ob mein Kind Linkshänder ist?

Lassen Sie sich nicht verunsichern durch rückständige Kita-Erzieher, die sagen „ach, das merkt man doch erst in der Schule“. Nein, man merkt es manchmal schon im Babyalter, je nachdem, mit welcher Hand das Baby die Rassel greift. Spätestens, wenn es um Malstifte geht, also ab 2 oder 3 Jahre, kann man beobachten, welche Hand die bevorzugte ist.

Der klassische Test: Dem Kind einen Stift mittig hinhalten und schauen, mit welcher Hand es nach dem Stift greift. Ist das mit links, dass ist der oder die Kleine wahrscheinlich Linkshänder

Es gibt auch „Mischhänder“ – hier ist das Testen etwas schwieriger. Dann heißt es öfter testen und möglicherweise einen Experten (zum Beispiel Ergotherapeuten) zu Rate ziehen.

Natürlich sollte man den kleinen Linkshänder mit geeignetem speziellen Material ausstatten. Unsere Testergebnisse: Linkshänder-Material – was braucht man, was nicht?

Wie lernen Linkshänder-Kinder schreiben?

Im Prinzip natürlich nicht anderes als ihre Klassenkameraden. Aber man muss sich vorstellen, daß ein Linkshänder in unserer Schrift von links nach rechts schreibend seine Hand „schieben“ muss, während der Rechtshänder im Schriftfluss die Hand über das Papier „zieht“. Das ist also erst einmal eine andere Bewegung, als sie ein schreibender Rechtshänder erlernt.

Und ein Linkshänder sieht beim Schreiben lernen nicht, was er oder sie gerade geschrieben hat. Das kann Auswirkungen aufs Schreiben lernen haben:

Bekannt ist bei Schreibanfängern diese Übung: Der zu übende Buchstabe steht am Anfang der Zeile , die Kinder müssen die Zeile fortführen und den Buchstaben abschreiben. Schwierig, wenn beim Linkshänder da gerade die Hand auf dem Übe-Buchstaben oder -wort liegt. Es gibt heute sehr viele Schreibfibeln, die den Übe-Buchstaben auf beiden Seiten haben. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind so etwas benutzen darf.

Wer nicht direkt sehen und lesen kann, was er gerade geschrieben hat, entdeckt unbeabsichtigte Schreibfehler erst beim zweiten Durchlesen – oder gar nicht. Und bei Schreibanfängern sind zum Beispiel die Abstände zwischen den Buchstaben gerne einmal überhaupt nicht gleichmäßig.

Schreiben Linkshänder unschöner?

Angeblich nicht. In wissenschaftlichen Studien wurde herausgefunden, dass die Händigkeit keinen Einfluss darauf hat, ob man die eigene Handschrift schneller oder besser entwickelt. Trotzdem: Anfangsschwierigkeiten – siehe oben – gibt es möglicherweise schon.

Moral von kleinen Linkshändern stärken

Für Erstklässler ist es nicht einfach, wenn sie „anders“ sind, als alle anderen – und dazu gehört  auch das Linkshänder-Dasein. Schließlich brauchen sie manchmal eine „Extrawurst“ und das ist ihnen gar nicht recht. Zur moralischen Unterstützung hilft eine großartige Liste im Internet: Welche Prominente sind Linkshänder? Bei uns haben die linkshändigen Fußballspieler Wunder gewirkt. Einfach mal nachschauen, ob es ein passendes Vorbild gibt.

Glücklicherweise gibt viele, viele Linkshänder auf dieser Welt – und Theorien, die besagen, dass Linkshänder im Durchschnitt intelligenter und kreativer als ihre rechtshändigen Altersgenossen sind.

Kitaplatz online suchen

 Das ist doch einmal eine gute Idee: Kitaplätze per Internet!

Ob schon mit einem Jahr, ob mit drei – irgendwann ist es soweit: Eltern suchen einen Kitaplatz für ihren Nachwuchs. Was in ländlichen Gegenden vielleicht einfach ist – der örtliche Kindergarten hat meist etwas frei – ist in Großstädten eine echte Herausforderung: Welche Kitas gibt es denn überhaupt in Wohnortnähe? Sind sie für mein Kind gegeignet? Wie erreiche ich die Ansprechpartner?

Längst überfällig ist da in Zeiten des World Wide Web eine einfache Lösung: Kitaplatze online suchen! Bekannt sind uns Beispiele aus Berlin und ganz neu aus München www.kitacenter.de: Hier geben die Eltern als erstes ihre Adresse ein und finden mit Hilfe von Online-Stadtplänen mit einem Klick alle Kitas in der Nähe der eigenen Wohnung oder dem Arbeitsplatz. Nach einem zweiten Klick können die die zukünftigen Kitaeltern dann alle relevanten Infos aus der Online-Datenbank ansehen: Von Adresse über Öffnungszeiten bis zum Träger oder dem pädagogischen Konzept. Noch mehr Infos bekommt der Suchende durch die Klicks auf Homepages der Kita oder ihr Konzept, soweit im Netz vorhanden.

In (aktuellen) Zeiten von Kitaplatzmangel können Eltern so alle Möglichkeiten ausschöpfen und sparen eine Menge Zeit! Das sollte übrigens auch im Interesse der Städte sein, die ja den Kita-Ausbau vorantreiben – denn wichtig ist doch auch, dass Suchende und Anbieter leichter zueinander finden.

Und: „Je einfacher die Suche wird, desto mehr kann man sich wirklich überlegen, ob eine Kita zum eigenen Kind passt – und nimmt nicht die erstbeste Betreuung, die man vielleicht nach langwieriger Suche gefunden hat. Lieber die Energie in die Wahl der richtigen Kita stecken als in die Suche“, das sagt Petra Gebhard, Geschäftsführerin der Kitacenter online GmbH. Genau, das Beste, das wollen wir doch alle für unsere Kinder – auch und vor allem bei der Kita.

Kitasuche online in
Berlin: www.kita.de
(hier auch Adressen von Kitas aus anderen Städten und Gemeinden)
München: www.kitacenter.de

Gibt es das Angebot noch für andere Städte? Wir freuen uns über Ihren Hinweis!

 Illustration: Isabelle Dinter

 

Der 1. Tag ohne Mama – Tipps für weinende Mütter

Tränen schießen Christine (32) in die Augen, wenn sie von ihrem Benjamin (4) erzählt. Seit Wochen gibt es nahezu jeden Morgen das gleiche Theater: Die junge Mutter lässt im Kindergarten ein weinendes Kind zurück. Voll Sorge und schlechtem Gewissen verbringt sie die Stunden bis zum mittäglichen Abholen. Nachmittags macht der Kleine seine großen Geschäfte wieder in die Hose, obwohl er eigentlich längst allein auf die Toilette gehen könnte.  „Ich will so nicht mehr weiter machen“,  ist sich Christine sicher. „Ich kann mein schreiendes Kind einfach nicht mehr abgeben!“ Doch wie einen Ausweg aus dieser Krise finden?

Die ersten Lebensjahre des Kindes ist ein einziges Abschiednehmen. Es beginnt mit der Geburt, der Trennung von der Mutter, dann wird es von der Mutterbrust entwöhnt, bekommt als Ersatz den Schnuller, der auch irgendwann in den Mülleimer wandert. Es folgen kurzzeitige Trennungen von der Mutter,  wenn Papa oder ein Babysitter einspringt. Auch jeden Abend steht eine Trennung bevor: Das „Ins-Bett-Gehen“ ist für Kleinkinder immer wieder ein Abschiednehmen von den Eltern, den Geschwistern und vom Tag.  Das Kind spürt, dass es allein sein muss, bis der neue Tag beginnt. Dieser Übergang von den Aktivitäten des Tages zur Ruhe der Nacht, verlangt auch Loslösen und Abschied.

Schwieriger Neuanfang

Im Leben eines Kindes gibt es Einschnitte, die besondere Herausforderungen mit sich bringen und bewusst begleitet werden sollten. Dazu gehört der Start in Kinderkrippe und Kindergarten. „Vielleicht versetzen Sie sich einmal in die Situation des Kindes hinein“, schlägt die Sozialpädagogin Gabi Stephan vor. „Von einem Tag auf den anderen soll ihr Kind allein in einer ungewohnten Umgebung bleiben, mit fremden Erwachsenen und Kindern. Und noch dazu jeden Tag.“ Die Münchnerin leitet Eltern-Gesprächskreise im Landkreis München. http://www.montessori21.de/akademie/

„Ich frage dann immer: Was kann dem Kind und der Mutter in dieser Situation helfen?“, erklärt Gabi Stephan. „Meist kristallisiert sich heraus, dass es auch für die Eltern wichtig ist, sich auf diesen neuen Prozess einzustellen.“ Man sollte sich und dem Kind Zeit geben. „Verstehen Sie die Ängste ihres Kindes und nehmen Sie diese an“, empfiehlt die Pädagogin. Wenn sich Kinder gedrängt fühlen, werden sie zusätzlich verunsichert. Ihr Tipp für alle neuen, ungewohnten Situationen: „Sprechen Sie mir ihrem Kind über das was jetzt geschieht und zeigen Sie ihre Anteilnahme. So erlebt es, dass ernst genommen und verstanden wird.“

Trennungen üben

„Üben Sie vor dem Kindergartenbesuch gelegentliche Trennungen“, empfiehlt Erika Veit, ehemalige Leiterin eines Kindergartens in Miesbach. „Bei Besuchen auf Spielplätzen oder in Spiel- und Krabbelgruppen gewinnt ihr Kind die Sicherheit, dass es von Ihnen nicht im Stich gelassen wird“.

In den drei Gruppen „ihres“ Kindergartens ist es üblich, dass die neuen Kinder zu Kurzbesuchen und Schnuppertagen kommen. Wenn erforderlich, können die Mütter ihre Kinder auch in die Gruppen begleiten. So lange, bis die Kinder sich sicher fühlen und alleine bleiben. „Vermeiden Sie lange Abschiedszenen“, rät Erika Veit. „Das tut beiden weh und nützt niemandem.“ Ein langer Abschied verunsichere das Kind, so die Erzieherin, das sonderbare Verhalten der Mutter schüre seine Ängste.

„Hänschen klein, ging allein …“

Nach einer Beratung durch Gabi Stephan und dem Gespräch mit Benjamins Erzieherin entspannte sich für Christine und ihren Sohn das morgendliche Abschiednehmen relativ schnell. „Im Nachhinein glaube ich, dass das Benjamin einfach nur spürte, dass sich meine Haltung ihm gegenüber verändert hat“, erinnert sich die zweifache Mutter. „Ich habe eingesehen, dass es mehrere Wege gibt, mit ihm den Start in den Kindergarten zu gestalten.“ Sie wäre jetzt auch mal einen Vormittag bei ihm in der Gruppe geblieben. Dadurch, dass sie ihr verkrampftes Verhalten gelöst habe, habe ich auch ihr Sohn entspannt, ist die junge Mutter überzeugt. Von einem Tag auf den anderen sei auch die Hose auch wieder sauber geblieben.

Doch nicht nur für die Kleinen ist das Abschiednehmen schwer. Auch viele Mütter kämpfen mit ihren Gefühlen. Nach jahrelangem, intensiven Zusammenleben  soll man sein Kind fremden Leuten anvertrauen, die mit ihm spielen, lernen und lachen. „Mir gab es einen richtigen Stich ins Herz, als ich sah, wie eine Kindergärtnerin mein Kind herzte“, erinnert sich Astrid als sie ihre Magdalena (3) zum ersten Mal allein im Kindergarten zurück ließ.

Entscheidende Lebenseinschnitte bedeuten immer Veränderungen  – und damit auch Abschied von Gewohntem. Abschiednehmen ist nicht allein die Aufgabe des Kindes, sondern auch der Eltern. Neu ist diese Erkenntnis nicht, nur der Umgang damit. Davon erzählt bereits das bekannte, über 200 Jahre alte Kinderlied „Hänschen klein, ging allein in die weite Welt hinein…“

Von Lisa Hilbich

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-37156-0001 / CC-BY-SA

Frühenglisch: Pro und Contra

Soll man sein Kind ab dem 3. Lebensmonat in den Early-Englisch Kurs schicken? Oder als Kindergartenkind in die englische Spielgruppe? Das wird heiß und kontrovers diskutiert. Wir diskutieren mit:

PRO

Es ist toll, welche Chancen Kinder heute schon so früh haben können! Schön, wenn man mit dem Baby eine sinnvolle Beschäftigung hat, und das Kleine schon einmal an den Klang einer fremden Sprache gewöhnen kann. Und für das Kind selbst ist Zweisprachigkeit von Anfang an Normalität. Es singt und spielt in zwei Sprachen. Und viele Dinge graben sich bereits in ganz jungem Alter in das Bewusstsein – ein Geschenk fürs Leben! Vielleicht macht ja auch der Papa mit dem Baby den Kurs – dann haben beide eine reservierte Zeit miteinander.

Überhaupt haben Kinder im Vorschulalter noch ein unverkrampftes Verhältnis zum Lernen – das sollten verantwortungsvolle Eltern ausnutzen. Sie haben keine Angst, Fehler zu machen, sind stolz auf alles, was sie können. Wenn sie dann etwas lernen, was sie später in der Schule nutzen können, ist das ein Vorteil.

Mit einem privaten Englischkurs werden Vorschulkinder also noch vor der Schule auf spielerische Art gefördert und machen die grundlegende Erfahrung, dass Lernen Spaß machen kann. Das ist eine Erfahrung, die man keinem Kind nehmen sollte. Außerdem weiß man ja, dass Kinder im Vorschulalter Laute noch besser nachahmen können, als später im Leben. Das bedeutet, dass sie bei Frühenglisch lernen, akzentfrei zu sprechen. All dies sollte einem das Geld und den organisatorischen Aufwand wert sein.

Und wenn sie dann in die Schule gehen, kann man den Kurs doch nachmittags fortführen. Schließlich ist ja lernen im privaten Englischkurs meist besser organisiert, wird von Muttersprachlern unterrichtet und in kleineren Gruppen. Hier steht der Spaß im Vordergrund, und es ist gut, wenn Kinder auf jeden Fall die Erfahrung machen, dass man mit Spaß lernen kann. Und sicher bekommen sie bessere Noten im Fach Englisch, wenn sie die Sprache schon lange gelernt haben oder das neue Schulfach, wenn es eingeführt wird, nichts Neues mehr ist.

In der Schule kommt beim Sprachen lernen ja meist das freie Sprechen zu kurz – das können die Kinder dann im privaten Englischkurs lernen. Und das Wichtigste beim Sprachen lernen ist doch immer, dass es die Kommunikation mit anderen möglich macht. So manchem ist es einfach wichtig, dass das eigene Kind mit Englisch oder einer anderen Sprache in Kontakt kommt. Also, warum nicht? Dann ist es nicht schön, wenn sich Eltern deshalb als „Übereltern“ vor anderen rechtfertigen müssen.nicht..

CONTRA

Lasst die Kinder doch Kinder sein! Natürlich ist es hübsch, wenn man als Eltern dem Baby etwas Englisches vorsingt. Alles o.k., aber es darf doch bitte kein „Muss“ sein! Überhaupt, dieses Muss: Schon den Zweijährigen auf seine Karriere im Business vorbereiten, obwohl niemand weiß, ob er nicht vielleicht eine genetisch bedingte Rechtschreibschwäche hat oder handwerklich wahnsinnig begabt ist!

Am schlimmsten ist eigentlich, dass eine seltsame Atmosphäre entsteht: Alle, die nicht jede nur denkbare Möglichkeit ausschöpfen, um das Leistungspotenzial des Nachwuchses zu optimieren, haben ein schlechtes Gewissen: Was, wenn mein Kind jetzt „hintendran“ ist, nur weil wir nicht zum Frühenglisch gegangen sind? Schlimmer noch: Vielleicht müssen sie sich vor anderen rechtfertigen? „Es war mit Musikalischer Früherziehung, Mutter-Kind-Turnen und Capoeira einfach zuviel….

Es stellt sich die Frage, was denn eigentlich das Sprachen lernen in einem Sprachkurs für Vorschulkinder so „bringt“. Es gibt genügend Pädagogen, die den Ansatz verfechten: Kinder sollen das lernen, was sie wollen – und zu der Zeit, die sie wollen. Viele Pädagogen sind gegen die sogenannte Verkopfung von Lernen in der Vorschulzeit (in der Schule sieht das dann ja anders aus): Kinder lernen eben nicht mehr, wenn sie möglichst viele Kurse besuchen. Das Hirn sucht sich seine eigenen Lehrstoff. Kinder lernen in ihrem Tempo und nach ihrer Interessenlage – und eben nicht nur durch gewollte Vermittlung von Wissen. Vielleicht lernen sie deshalb ja viel schneller als die langsamen Erwachsenen, weil sie es auf ihre Weise tun: Wenn sie Lust dazu haben, die Inhalte mit Emotionen verbinden können und nach ihrem eigenen Rhythmus. Zum Beispiel, wenn sie beide Sprachen in einem zweisprachigen Haushalt lernen. In einem Kurs geben andere vor, wann gelernt wird.

Ob wirklich etwas hängen bleibt, wenn die sprachlichen Erfahrungen aus der frühen Kindheit in der Schule durch so viele andere Lernstoffe überlagert werden? Wer weiß. Gut wäre nur: Auf das Kind heute schauen und was für das Kind jetzt gut wäre – nicht an irgendwelche Jobs, Schulnoten oder oder Ähnliches in ferner Zukunft denken. Übrigens: Der Gedanke, dass es in 20 Jahren Computer gibt, die als schriftliche und mündliche Simultanübersetzer im Handtaschenformat beim Business- oder Reisetrip immer dabei sind – so abwegig ist der wirklich nicht…