Bücher über Schicksalsschläge aus Sicht von Kindern

„Schwere Kost“ sind diese beiden Bücher für Kinder und Jugendliche ab 10 beziehungsweise ab 13 Jahre, die beschreiben, wie zwei Mädchen schwere Schicksalschläge verarbeiten müssen: Der Tod von Angehörigen, Depressionen der übriggebliebenen Familienmitglieder. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb sind sie sehr lesenswert:

 Olivia. Manchmal kommt das Glück ganz von allein Jowi Schmitz

„Ich heiße Olivia, und das kann ich nicht ändern.“ So beginnt die vom Luchs preisgekrönte Geschichte von Jowi Schmitz. Die niederländische studierte Kulturwissenschaftlerin gibt damit ihr Debüt für jugendliche Leser.

Auch daran, dass ihre Mutter gestorben ist kann Olivia nichts ändern und daran, dass ihr Vater eine Heulsuse ist, auch nicht wirklich viel. Sie lebt mit ihm auf einem Boot im Garten eines Hauses, in dem er einen Friseursalon betreibt. Olivia ist also ziemlich auf sich alleine gestellt.

Wie geht ein elfjähriges Mädchen damit um? Sie versucht, ihr Leben in die Hand zu nehmen und mit dem ins Erwachsenensein hineingeworfen werden zurechtzukommen. Sie sucht sich eine Schule und einen neuen besten Freund. Sie genießt das Ritual des Kuchenbackens mit ihrem Vater am Freitagnachmittag, wo sie wieder Kind sein darf und sich an seinen kugeligen Bauch kuscheln kann. Und manchmal flüchtet sie in die Vorläufigkeit, in die sich auch ihr Vater flüchtet. Damit das neue Leben, in der neuen Stadt, weit weg von Friesland, ihrer Heimat und ihren Großeltern, nicht ganz so schwer wiegt.

Viel schneller als sie erwartet hatte endet die Vorläufigkeit, der Vater verliebt sich und Olivia weiß nicht so recht, was sie davon halten soll.

Dieses Buch als Mutter zu lesen, war eine emotionale Herausforderung, weil man sich beim Lesen vorstellt man beobachtet das eigene Kind nach dem eigenen Tod. Der Kloß im Hals löste sich im Verlauf der Geschichte nicht.

„Manchmal kommt das Glück ganz von alleine“, so der Titel des Buch, bewahrheitet sich bis zum Ende des Buches nicht so ganz. Aber kleine Momente des Glücks gibt es wieder. Trotzdem, die Ratlosigkeit überwiegt bei Olivia, weshalb sie am Ende auch noch einmal ihre Oma fragt, was man denn tut, wenn nichts so ist, wie man es gerne hätte. „Du tust gar nichts, Du lässt die Dinge einfach wie sie sind.“ „Gar nichts?“ fragt Olivia ungläubig. „Überhaupt nichts! Du akzeptierst die Dinge einfach.“ Antwortet die Oma und fährt wieder nach Friesland zurück. Als Leser hofft man auf das Versprechen des Titels und bleibt mit dem Kloß im Hals zurück.
Das Buch ist empfohlen ab 10, Kinder lesen die Geschichte sicherlich aus einer anderen Perspektive und erweitern damit ihren Horizont. So wie auch Olivia feststellt, dass andere Kinder es auch nicht leicht haben, auch wenn ihre Mutter nicht gestorben ist.

Olivia. Manchmal kommt das Glück ganz von allein von Jowi Schmitz, 2012, Carl Hanser Verlag München, ISBN 978-3-446-24020-9 (12,90 Euro), 192 Seiten Auch als Kindle und Audio CD erhältlich.

 Kaputte Suppe von Jenny Valentine

Rowan ist schon 15 und hat ein ganz anderes Schicksal: Ihr älterer Bruder kommt ums Leben, ihre Eltern trennen sich daraufhin. Ihre Mutter, bei der sie mit ihrer kleinen Schwester lebt, verkriecht sich in der Depression.

Die britische Autorin Jenny Valentine, hat einen ganz anderen Stil als Jowi Schmitz und Rowan eine andere Art, mit ihrem Schicksal umzugehen. Wie auch Olivia ist sie zu früh in eine zu erwachsene Rolle hineingeworfen. Rowan hat keine Zeit sich groß zu orientieren, sie muss funktionieren. Ihre kleine Schwester will versorgt sein, und sie will den Eindruck der Normalität aufrechterhalten. Besonders gegenüber dem Vater.

Und dann passiert ihr etwas: Ein Junge gibt ihr das Negativ eines Fotos, das sie verloren haben soll. Sie hat es aber noch nie gesehen. Aus dieser Begegnung entwickeln sich gleich mehrere Freundschaften, die Rowan in ihrer Situation so annehmen wie sie ist. Anders als ihre früheren Freunde, die sie hinter sich gelassen hat, weil sie nicht mehr so cool war und nicht mehr so viel rumhängen konnte.

Der Roman ist voller Überraschungen und lässt den Leser auch so manche Träne verdrücken. Der Guardian hat dazu sehr passend geschrieben: “For all the tears you may shed on the way, Broken Soup is a joy to read“. Auch dieses Buch wurde 2010 vom Luchs prämiert und liegt mittlerweile in der dritten Auflage vor.

Beide Bücher beschreiben beeindruckend ,zu welcher inneren Größe Kinder und Jugendliche angesichts von Schicksalsschlägen fähig sind. Wohltuende Lektüre angesichts vieler Berichte über Desinteresse und Egoismus gerade in diesen Altersgruppen.

Kaputte Suppe von Jenny Valentine, 2010, DTV Verlag, Reihe Hanser, ISBN 978-3-423-62522-7, 7,95 Euro, 208 Seiten, empfohlen ab 13.

Rezensionen: Dr. Katja Sichau

 

  

 

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