Kategorie: Eltern-Alltag

Wie kommen wir ohne Trotzanfall nach Hause?

Neeeein, ich will nicht nach Hause“ – die dreijährige Sofia wirft sich brüllend in den Sand des Spielplatzes. Andere Eltern schauen auch schon herüber, denken vielleicht „Puh, ich heute nicht“. Ruhig bleiben, ist hier wieder einmal angesagt. Und darüber hinaus gibt es gerade in dieser Situation Möglichkeiten, den Abschied etwas zu erleichtern:

  • Kinder haben bis zum Schulalter keinerlei Zeitgefühl. Sie müssen also nicht wissen, dass es jetzt bald Zeit für das Abendessen ist, auch wenn die Sonne schon lange Schatten wirft. Deshalb sollten Sie Ihr Kind auf jeden Fall darauf vorbereiten, dass bald der Abschied naht. Und zwar am besten 5-10 Minuten vorher, damit sich das Kind darauf vorbereiten kann.
  • Ist es dann soweit, lassen Sie am besten das Handy klingeln (um den Ablauf der fünf Minuten anzuzeigen). Dieses Wunderding wird interessanterweise lieber akzeptiert, als die Stimme von Mama. Mehr dazu hier: Erziehen Sie auch mit Eieruhr?
  • Wenn Sie Glück haben, gehen die Eltern eines Freundes noch ein Stück Weg mit Ihnen nach Hause. Am besten verabreden Sie sich gleich zu Beginn für eine Heimgeh-Zeit.
  • Manche Kindern hilft es, sich nicht nur von Menschen, sondern auch von den Dingen zu verabschieden. „Tschüss Schaukel, bis morgen“, oder „Wiedersehen Trampolin“ kann Mutter und Kind einen stressfreien Heimweg bescheren. Beliebt ist es auch, wenn die Kleinen sich vorstellen können, dass die Rutsche jetzt schlafen geht. Dann sollten allerdings nicht noch zwanzig ältere Kinder darauf herumturnen. Aber manchmal passt ja auch dies.

Foto: aboutpixel.de / böser Blick © Rainer Sturm

Lobet das Kind! Aber wie?

Dass man sein Kind loben soll, steht heutzutage in jedem mittelmäßigen Erziehungsratgeber. Trotzdem ist es gar nicht so einfach, wie es sich anhört, denn die Tücke steckt wie immer im Detail im Alltag:

 Abwertung mit „alten Sprüchen“

Viele von uns Eltern sind selbst vor der segensreichen Zeit erzogen worden, in der das Lob als so wichtig erachtet wurde: Manchmal merken wir gar nicht, dass wir Sprüche von unseren Eltern, Großeltern und Lehrern unbewusst übernehmen: „Kannst Du nicht endlich mal“, „Hast Du schon wieder“ , „Na also, wenigstens ein bisschen“ . Wer sich das bewusst macht, merkt erschreckt, dass in vielen dieser Sprüche kleine Abwertungen drinstecken, die fatale Folgen haben können. Also: Sich selbst einmal zuhören und überlegen, ob man es das nächste Mal nicht anders sagen könnte.

Zuviel loben geht auch

Es geht leider auch umgekehrt: Wer ständig und täglich jede kleinste Kleinigkeit des Nachwuchses überschwänglichst lobt, wertet das Lob als solches ab. Möglich, dass Sohnemann oder Tochter nun überzeugt ist, alles zu können und unfehlbar zu sein – wozu das führt, das kann man sich ja vorstellen. Möglich aber auch, dass das Kind sich orientierungslos verliert – schließlich wird alles gelobt. Was besonders gut war, wird genauso in den Himmel gehoben, wie die kleine Tätigkeit fünf Minuten vorher. Wer soll sich da noch auskennen? Ohne fehlende richtungsweisende Rückmeldung weiß das Kind gar nicht, wo es noch üben soll und was es überhaupt schon kann.

„Richtig“ loben

Fachleute und Pädagogen sprechen von richtig oder falsch loben. Von loben im Gegensatz zu ermutigen als richtigen Ansatz: Ermutigen bedeutet, die Leistung eines Kindes zu loben, nicht das Kind selbst. Eine Ermutigung überträgt Verantwortung auf das Kind, ohne es allerdings zu überfordern ( „Schön, dass Du mir geholfen hast“). Falsch wäre es außerdem, beim Loben noch zusätzlich Druck aufzubauen (war schon ganz gut, das kannst Du aber doch besser“). Auch nicht gut: Zuviel belohnen, so dass das Kind nur noch etwas tut, um eine materielle Belohnung zu bekommen.

Lobt man „richtig“, kann ein Lob, eine Ermutigung eine unglaubliche Kraft entfalten. Übrigens: Hier unser Lobekalender aus der letzten Adventszeit. http://www.familothek.de/vorlage-adventskalender-loben.html
Auch wenn nicht Advent ist, kann man trotzdem immer wieder etwas, das „Richtige“ loben, Motto „Das hast Du heute gut gemacht“, als Ansporn für morgen.

Bildquelle aboutpixel.de konzentriert © Walter Christ

Spielplätze – vorher checken!

Endlich geht es raus in die Sonne – und die Kids können auf den Spielplatz! Doch Spielplätze können auch gefährlich sein: Nach langem Winter und Matschzeit sind so manche Spielgeräte gefährlich verrottet. Im Sommer selbst haben vielleicht abendliche Feierrunden den Spielplatz in eine Müllhalde mit Zigarettenkippen und Alkoholresten in bunten Flaschen verwandelt.

Es lohnt sich also als Erwachsener die eine oder andere Runde über das Spielgelände zu drehen, bevor man die Kleinen auf Geräte und Gelände loslässt. Folgende Stationen sind dabei hilfreich:

  • Geräte genauer anschauen, einmal umkreisen: Spitze Metallteile bergen Verletzungsgefahr, verrottetes Holz wird vom Spielgerät zur Stolperfalle, in abgerissenen Seilen können sich Kinderfüße verfangen. Das ist leider nicht so selten, wie es klingt.
  • Mitspielen: Spielgeräte müssen auch für Erwachsene immer zu benutzen sein. Wer sich also auch einmal auf die Rutsche schwingt, merkt gleich selbst, ob die Stufen hinauf gefährlich wackeln.
  • Bodenbelag checken: Das ist eine besonders gemeine Falle für spielende Kinder – wenn sich zum Beispiel Glas-Müll im Sand findet und die Kinder unbedarft vom Klettergerüst hinein hüpfen.
  • Bescheid sagen! Viele Spielplätze haben irgendwo einen Aufkleber mit einer Telefonnummer, bei der sich Eltern und Anwohner melden können, wenn die Plätze und Geräte in keinem guten Zustand sind. Am besten sofort, das Handy haben ja meist alle dabei.

Spielplatzpate werden! Wer sich sowieso ständig auf Spielplätzen „herumtreibt“ (und dies tun zum Beispiel Eltern von Kindergartenkindern im Sommer ständig), kann daraus gleich ein ehrenamtliches Engagament für den Spielplatz vor der Haustür machen. Spielplatzpaten haben je nach Kommune etwas unterschiedliche Aufgaben. Auf jeden Fall sind sie für die Gemeinde Ansprechpartner für den jeweiligen Spielplatz und sehen nach, ob alles dort in Ordnung ist. Sie können aber auch Feste auf den Spielplätzen organisieren oder eine durch die Gemeinde gestellte Spielgerätekiste verwalten.

Am besten einmal die eigene Stadt oder Gemeinde mit dem Stichwort „Spielplatzpate“ googeln!

Foto: TÜV Rheinland.

Einladungskarte für den Kindergeburtstag

Viele Einladungskarten für Kindergeburtstage sind nicht gerade phantasievoll – da machen Eltern doch lieber eine Einladung selbst! Eine einfache Variante ist, ein lustiges Foto des Kindes/des Veranstaltungsortes/irgendetwas Nettes auf eine Klappkarte zu kleben und auf der Innenseite den Einladungstext zu schreiben.

Sehr schön, und man kann den Text einfach auf Word eingeben und ausdrucken. Aber: Das kann ganz schön fummelig werden, wenn man die Größe der Fotos austarieren und noch an den Text denken muss. Zur Vollständigkeit von Einladungskarten zum Kindergeburtstag haben wir uns auch schon einmal Gedanken gemacht: Kindergeburtstag planen – Checkliste für Eltern

Einladungskarte: Kostenlose Vorlage zum Ausdrucken

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Vorlage-Einladung

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Wer es leichter haben möchte, nimmt die kostenlose Vorlage für Einladungskarten von Familothek!
1. Vorlage auf festerem Papier ausdrucken
2. Leere Felder ausfüllen (so vergisst man nichts Wichtiges)
3. Entlang der gestrichelten Linie das Blatt mit einem Lineal und scharfem Messer oder diesen großartigen Papierschneidebrettern quer komplett in zwei Teile schneiden – eine Vorlage ergibt zwei Einladungskarten
4. Die (leere) linke Hälfte des Blattes auf die rechte (beschriebene) klappen – möglichst Kante auf Kante, sieht hübscher aus!
5. Auf die leere Vorderseite ein Foto im Standardformat 10×13 kleben (oder 10x 15, dann steht es aber etwas über)

Viel Spaß und eine schöne Feier!

 

Wer es doch aufwendiger mag – hier Vorlagen mit Disney-, Elfen- oder Olchimotiven:

 

Über das Spielen

Warum spielen Kinder eigentlich und was ist dabei für Eltern wichtig? Wissenschaftler und Experten haben dazu verschiedene Ansichten. Wir von der Familothek haben auch welche. Fragen und Antworten zum Thema Spielen:

Welche Rolle spielen Spiele bei der kindlichen Entwicklung?

Den Alltag und Außergwöhnliches ausprobieren dürfen, Varianten, auch Fehler machen dürfen, ohne dass es Konsequenzen gibt – das ist ein wichtiger Punkt beim Spielen: Fällt der Plastiktopf beim Rühren um – na und? Jedes Kind ist anders, jedes Kind hat seine eigenen Vorlieben im Spiel. Wenn ein Kind „frei“ spielt, wie es so schön heißt, hat es die Freiheit, dass sich individuelle Talente ausprägen können: Das Kleine hüpft schon zum hundertsten Mal auf einem Bein? Da brauchen die Beine gerade neue Muskeln. Seit Tagen schon muss die Puppe ständig auf dem Stoffpferd reiten? Da wird wohl der Bauernhofbesuch von letzter Woche verarbeitet.

Was sollten Eltern bei der Spieleauswahl für ihre Kinder beachten?

Aufs Kind sehen: Was möchte es, was interessiert es gerade? Dabei auch immer wieder einmal etwas Neues anbieten – Interessen kommen und gehen, in jedem Kindesalter. Am besten wissen die Kinder selbst, was sie gerne spielen möchten und brauchen dazu auch gar nicht viel Material. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Beim Thema Neue Medien müssen Eltern genauer hinsehen, erklären und auch Grenzen setzen. Damit sind Kinder erst einmal überfordert.

Gibt es auch ein „zuviel des Guten“?

Aber ja – ist das nicht bei den meisten Kindern heute so? Stichwort überquellende Kinderzimmer! Da hilft nur Aussortieren, wegstellen, zum Kinderflohmarkt geben…Zuviel ist es auch dann, wenn beispielsweise ein Kind die Leidenschaft eines Elternteils (des Onkels, der Oma) nicht teilt, und trotzdem immer wieder etwas dazu Passendes geschenkt bekommt – in der Hoffnung, es doch überzeugen zu können. Da wäre es besser, es einfach in zwei Jahren noch einmal zu probieren.

Sollten Kinder eher mit ihren Eltern, mit Gleichaltrigen oder allein spielen?

Sowohl als auch. Wer nur mit Gleichaltrigen spielt, kann sich allein vielleicht gar nicht beschäftigen. Wer nur allein spielt oder mit seinen Eltern, erlernt wichtige soziale Kompetenzen nicht. Am besten ist eine gesunde Mischung. So lernt das spielende Kind: Mit verschiedenen Menschen kann ich verschiedene Dinge gut tun, manche allein, manche besser zu zweit, in der Gruppe – wie im richtigen Leben!

Welche Fehler sollten Eltern in bezug auf „spielende Kinder“ unbedingt vermeiden?

Zuviel „angeleitetes Spielen“: Das Kind soll selbst bestimmen dürfen, womit es spielt. Dabei lernt es schließlich auch das Aktiv-Sein“ – und nicht nur zusehen, was die „Großen“ tun. Gleiches gilt für zuviel „Einmischen“ von Erwachsenen in ein Kinderspiel. Zuviel Angst und zuwenig Zutrauen in die Fähigkeiten des Nachwuchses ist auch problematisch – das kann Kinder in ihrem Spiel ganz schön hemmen.

Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede?

Remo Largo vertritt in vielen seiner Bücher (Babyjahre, Kinderjahre, Schülerjahre) eine Aussage, die sich aus seinen wissenschaftlichen Untersuchungen ergibt: In vielen Entwicklungsstufen ist die Bandbreite der Unterschiede innerhalb einer Altersgruppe sehr viel größer als die Bandbreite der Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Jedes Kind ist erst einmal Kind und danach Junge oder Mädchen. Gerade bei kleineren Kindern sollte man deshalb weder etwas verhindern (Baustellen, Puppen) oder extra fördern, nur weil es zum Geschlecht passt oder nicht. Später kommt dann sowieso die soziale Komponente dazu – kein männlicher Grundschüler würde jemals freiwillig etwas rosafarbenes tragen , auch wenn es ihm eigentlich gefällt und Papa heute mit rosa Hemd ins Büro gegangen ist. Rebellion gegen den Mainstream kommt wohl eher später….

Wer noch mehr wissen möchte, findet diese Fragen und Anworten darauf von verschiedenen Experten in einer wirklich interessanten Broschüre zum kostenlosen Herunterladen
Broschüre Spielen 

Expertenmeinungen zum Thema Spielen, Fragen und unterschiedlichen Antworten von Fachleuten mit diversem Hintergrund bieten einen schönen Rundumschlag zum Thema.

Bild: Pieter Bruegel der Ältere – Die Kinderspiele, 1560

 

 

Marmelade kochen mit Kindern

Infos zum Thema Marmelade kochen mit Kindern und  Ideen für einfache Rezepte hier: Einfache Marmeladenrezepte

Schade, schon vorbei: Newsletter abonnieren und gewinnen!

Wer vielleicht noch etwas Ausrüstung braucht, bevor es mit dem Marmelade Kochen losgehen kann, meldet sich am besten bei unserem Newsletter an. Unter unseren Newsletterabonnenten verlosen wir

5x 1 Einmach-Set: Passiermühle & Marmeladendose Farm von WMF und Südzucker Gelier Zucker 1plus1, Gelier Zucker 2plus1, Gelier Zucker 3plus1 (jedes Set kostet ca. 75€)

Noch mehr Rezepte von WMF und Südzucker, den richtigen Helfern fürs Einmachen, auf der Früchtezeit-Aktionsseite www.meinsuedzucker.de

Anmeldeschluss war der 10. Juli 2013.

 

 

Kinderfotos – toll, was Kids sehen!

Seitdem die Digitalfotografie völlig normal ist, gibt es eine neue künstlerische Kategorie: Die der Kinderfotos.

Früher musste man draufdrücken, Fime zum Entwickeln bringen, fetige Fotos wieder abholen, alle Abzüge bezahlen…das ist ja glücklicherweise vorbei. Heute hingegen drückt man einfach drauf los und wenn es nichts geworden ist, dann eben einfach noch einmal. So lässt man auch den Nachwuchs mit der Kamera auf Motivsuche gehen: Das Legomännchen unterm Glastisch von unten fotografiert, die Fussballbilder in interessantem Lichteinfall auf dem Küchentisch… Bei dem vielen spielerischen Ausprobieren und „Drauf-los-Knipsen“ kommen mal gar nichts, mal „experimentelle Bilder“ und manchmal auch erstaunliche Ergebnisse heraus! Denn, das wissen wir: Kinder sehen die Welt anders als die Großen und fotografieren deshalb auch einfach anders als wir Großen oder gar ein professioneller Fotograf.

Ein wunderschönes Beispiel dafür sind die Ergebnisse eines Fotowettbewerbs des Museums Mensch und Natur in München: Kinder und Jugendliche von 7-18 Jahren sollten unter dem Motto „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ Naturbilder einreichen. Die Ergebnisse kann man hier http://www.natur-im-fokus.de/anschauen oder im Museum selbst. (Bis zum 3. Februar 2013; danach geht die Ausstellung auf Tour durch Bayern, Ausstellungstermine auf der Homepage).Weil wir finden, dass Kinder nicht nur die Natur außergewöhnlich fotografieren, starten wir hier einen Aufruf:

Wir veröffentlichen gute Kinderfotos

Ihr Kind hat ein tolles Foto gemacht? Schicken Sie es uns mit einer kleinen Geschichte dazu, wo und wie das Foto entstanden ist. Wir veröffentlichen die besten auf unserer Website. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse!

Wenn die eigenen Kinder mehr über Fotografie lernen möchten:

 

Foto: privat

 

 

 

Fremde „Erzieher“

Kennen Sie das? Der meist geliebte Nachwuchs, weiblich, zickt und trotzt, mitten auf der Straße. Während des Gefechtes von Kind beruhigen, hart bleiben, geduldig abwarten, bis der Anfall vorbei ist, kommt eine Stimme von hinten links: „Nun geben Sie der Kleinen doch den Bonbon“ oder noch besser „Jetzt seien Sie doch nicht so streng, Sie sehen doch, dass das Kind weint“. Komisch, solche Erlebnisse kennen alle Eltern.

Oder die ältere Dame, die irgendwo hinter eine Ecke gelauert haben muss: Denn kaum dreht sich das Baby im Kinderwagen zum fünfzigsten Mal so zur Seite, dass ein kaltes Ohr unter der Mütze zum Vorschein kommt, taucht sie auf und ruft aus: „Aber Sie lassen das Baby ja erfrieren“. Entrüstete Blicke Umstehender sind die Folge.

Ja, kaum hat man Kinder, ist man zu einer Art „öffentliche Person“ geworden, deren Handlungen allzu gern von unbeschäftigten Passanten kommentiert wird.

Mit den eigenen Eltern oder anderen Verwandten, Erziehern und Lehrern und manchmal auch dem eigenen Partner hat man ja schon genug zu tun, seine Erziehungsmethoden zu verteidigen/ diskutieren/durchzusetzen. Aber warum meinen eigentlich Fremde, sie könnten bei jedem Kind auf der Straße mitreden?

Sie haben keine Ahnung, worum es geht, wissen nicht, dass der Dreijährige grundlos zu dramatischen Heulanfällen neigt oder die Mutter gerade die Verwöhnwoche bei Oma mit den vielen Süßigkeiten ausbaden muss. Das Einzige, was sie meist sicher erreichen: Den Stresspegel des anwesenden Elternteils erheblich zu erhöhen. Na, das ist ja sicher jeder schwierigen Situation mit Kindern seeehr zuträglich!

Ich erinnere mich allerdings auch an eine ganz andere Begebenheit: Riesentrotzanfall im Spielzeugladen, Kind brüllend auf dem Fußboden vor der Kasse, Super-GAU. Was geschieht im von Eltern und Verkäufern gut gefüllten Geschäft? Nichts. Kunden und Angestellte ignorieren den Brüllenden, steigen zum Teil sogar vorsichtig über das Kind. Genau das Richtige, was man in einem solchen Fall tun sollte. Großartig, da waren wirklich nur erfahrene Fachleute in Sachen Kinder zugegen!!

Aber für die anderen lasst mich das sagen, was all die gemaßregelten Mütter und entnervten Väter den Fremden schon immer entgegnen wollten: Kümmert Euch gefälligst um Euren eigenen Kram!

Foto: William M. Connolley

 

 

Schreibabys: Warum schreit das Baby ständig?

Natürlich weinen Babys, wenn sie Hunger oder Durst haben oder wenn die Windeln voll sind. Die meisten lassen sich schnell wieder beruhigen, wenn ihre Bedürfnisse gestillt sind. Aber es gibt auch Säuglinge, die nahezu „rund um die Uhr“ quengeln und schreien.

Was ist nur los mit solchen Schreibabys? Was hilft den Kindern und ihren gestressten Müttern und genervten Vätern? Wie sinnvoll ist eine Säuglings-Eltern-Therapie?

Lukas kam auf die Welt und sechs Tage lang schien alles in Ordnung zu sein. Doch als in der Nacht Wolken am Himmel aufzogen und es zu regnen anfing, reagierte der Kleine mit einem „Donnerwetter“: Er weinte und schrie und kam nicht mehr zur Ruhe. Und Lukas quengelte und schrie weiter. Am Tag und in der Nacht. Mal zehn Minuten, mal drei Stunden lang. „Er hat viel gebrüllt, und das fast neun Wochen lang“, erzählt Maria Jahns (*Name geändert), die Mutter von Lukas, die ihren Sohn die meiste Zeit allein erzieht, weil ihr Mann beruflich viel im Ausland arbeitet.

„In den ersten Lebensmonaten war er manchmal rot und blau angelaufen vor lauter Schreien. Ich dachte, er bekommt keine Luft mehr“, erzählt die 41 Jahre alte Mutter, die alles ausprobierte, um ihren Sohn zufrieden zu stellen. Hat er Hunger oder Durst? Sind die Windeln nass? Hat er Blähungen? Ist ihm nur langweilig, will er spielen? Ist er so übermüdet, dass er nicht einschlafen kann? „Das einzige, was geholfen hat, war ihn zu tragen. Aber jedesmal, wenn ich ihn hinlegen wollte, fing er wieder an zu brüllen.“

Viel zu wenig Schlaf

Tagsüber schlief der Kleine höchstens eine halbe bis maximal eine Stunde lang – schon das leiseste Geräusch weckte ihn wieder auf. Lukas quengelte und schrie, und auch nachts gab er nur für maximal fünf Stunden Ruhe – statt den sonst üblichen 16 Stunden Schlaf kam er nur auf zehn. Ebenso wie Lukas bekam auch seine Mutter nicht genügend Schlaf: „Das Schreien war wie eine Foltermethode für mich“, erzählt Maria Jahns

Drei Stunden lang Geschrei

Heutzutage sprechen Wissenschaftler vom exzessiven oder vom übermäßigen Schreien, wenn ein Baby an drei aufeinander folgenden Tagen länger als drei Stunden unstillbar und scheinbar grundlos quengelt und schreit und sich dies über mehr als drei Wochen wiederholt.

Ob es sich bei einem Säugling um exzessives Schreien handelt oder nicht, hängt aber nicht nur mit der Schreidauer zusammen. Denn in die Definition wird auch die Situation der Mütter und Väter einbezogen: Denn vom unstillbaren Schreien spricht man auch dann, wenn sich die Eltern durch das Gebrüll ständig unter Stress gesetzt fühlen und psychische und/oder körperliche Probleme bekommen.

Heute weiß man, dass Babys, die exzessiv schreien, Probleme mit der Organisation des Schlaf-Wach-Rhythmus haben: Sie können schlecht einschlafen und bekommen deshalb zu wenig Schlaf. Fachleute bezeichnen das als „Regulationsstörungen der frühen Kindheit“. Häufig kommt zum exzessiven Schreien hinzu, dass es schwierig ist, diese Babys zu füttern. Die Angaben, wieviele Babys unstillbar schreien, schwanken – der Anteil beträgt zwischen zehn und 29 Prozent der Kinder.

Wer bietet Hilfe für einen solchen Fall und was erwartet Eltern und Kind dort? Anlaufstellen für Eltern mit Babys, die unstillbar schreien, gibt es in vielen Großstädten und auch in kleineren Orten bieten speziell ausgebildete Ärzte, Hebammen und Therapeuten mittlerweile Hilfe an. In diesen sogenannten Schreiambulanzen finden erschöpfte Eltern mit ihren Babys Hilfe.

Schreiprobleme frühzeitig behandeln

Schreiprobleme von Säuglingen und Kleinkindern sollten frühzeitig behandelt werden. Denn Untersuchungen zeigen immer wieder, dass Babys, die exzessiv schreien, früher oder später auch Schlafstörungen und Probleme mit dem Essen und Trinken entwickeln können. Wenn es den Eltern nicht gelingt, diese Probleme zu bewältigen, kann es sein, dass sich die Schwierigkeiten im Laufe des Lebens fortsetzen. So hat man in retrospektiven Studien zum Beispiel festgestellt, dass aggressive Kinder als Babys viel geschrien haben.

Den eigenen Rhythmus finden

Experten gehen davon aus, dass das exzessive Schreien durch verschiedene Faktoren ausgelöst und aufrecht erhalten wird: Sie suchen die Ursachen nicht nur beim Baby selbst, sondern auch bei seinen Eltern und dem Miteinander von Mutter, Vater und Kind.

Der Hintergrund: Wenn ein Baby auf die Welt kommt, muss es sich erst einmal an seine neue Umgebung gewöhnen. Babys, die exzessiv schreien, fällt es jedoch schwer, ihren Rhythmus zu finden. Tagsüber schlafen sie zu wenig, manchmal sind es nur zehn bis 15 Minuten am Stück. In den Wachphasen wirken sie deshalb häufig unzufrieden. Viele dieser Babys können nicht gut abschalten, sie reagieren empfindlich auf Ortsveränderungen, lassen sich leicht irritieren und nur schwer trösten. Darüber hinaus haben Säuglinge mit einem solch „schwierigen“ Temperament häufig Probleme, eindeutige Signale zu senden. Die Folge: Die Eltern können nicht richtig einschätzen, was ihr Kind braucht oder will. Zum Abend hin wird das Quengeln und Schreien meist immer schlimmer – und um 23 Uhr oder um Mitternacht geht’s dann plötzlich ohne Weiteres.

Durch das Schreien ruft das Kind normalerweise die Eltern heran und macht sie nachdrücklich auf seine Bedürfnisse aufmerksam. So gesehen ist das Schreien ein sehr sinnvolles „Distanzsignal“, das die Eltern alarmiert und zum Handeln motiviert. Normalerweise beruhigt sich das Baby wieder, wenn die Ursache behoben ist. Dann können sich auch die Eltern wieder beruhigen – und der Kreislauf ist geschlossen.

Beim unstillbaren Schreien sind die Eltern jedoch ständig in Alarmbereitschaft: Durch den Dauerstress steigt bei vielen Müttern der Blutdruck, sie werden leichter erregbar, einige bekommen Depressionen, ihr Selbstwertgefühl ist verletzt und sie entwickeln eine Wut auf ihr Kind.

Die Signale richtig wahrnehmen

Doch wie kann man eine misslungene Kommunikation zwischen einem Baby und seinen Eltern wieder verbessern? Experten nutzen verschiedene Techniken und Therapiemethoden, um den Eltern und ihren Babys zu helfen. Ziel ist es vor allem, die Aufmerksamkeit der Mütter und Väter zu schärfen, damit sie die Signale ihres Kindes besser wahrnehmen. Beim exzessiven Schreien heißt das vor allem zu erkennen, wann der Säugling überreizt ist und wann er wieder Schlaf braucht – das ist bei Neugeborenen nach etwa 60 bis 90 Minuten Wachzeit der Fall.

Und wie können Eltern erkennen, dass ihr Baby eigentlich schlafen will? Zum Beispiel am Händchen – wenn es schlaff herunterhängt, bedeutet das „Ich bin müde“. Übermüdung kann sich aber auch durch eine motorische Unruhe, unkoordinierte Bewegungen und eine Neigung zum Überstrecken zeigen, möglicherweise hat das Baby auch gerötete Augenränder oder es reibt sich häufig die Nase.

Therapeuten motivieren die Eltern abzuwarten und sich nur von den Aktionen des Babys leiten zu lassen. „Watch, wait, and wonder“ (Beobachten, warten und sich wundern) lautet denn auch das Motto der säuglingsgeleiteten Psychotherapie – ein Konzept, das oft schon nach wenigen Sitzungen Erfolge zeigt.

In der Beratung können Therapeuten den Eltern auch neue Varianten zeigen, wie sie ihr Kind beruhigen, schlafen legen und füttern können und wie sie Grenzen setzen können. Da die meisten Schreibabys sehr aktiv sind, ist es hilfreich, wenn die Eltern mit ihnen zusammen gemeinsame „Ruheinseln“ aufsuchen und sie schon bei den ersten Anzeichen der Müdigkeit zum Schlafen bringen. Die kritischen Schreistunden überbrücken Mütter und Väter am besten beim Spazierengehen mit einem Tragetuch oder im Kinderwagen.

Damit die Mütter nicht unter der Belastung zusammenklappen, sollten sie auch immer wieder mal an sich selbst denken – und zwar ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Probieren Sie doch mal aus, wie es Ihnen geht, wenn Sie das Baby – wann immer es geht – dem Vater oder anderen Familienmitgliedern übergeben. Die meisten Mütter nutzen ihre „freien“ Stunden, um Schlaf nachzuholen, viele wünschen sich aber auch einfach nur mal einen Stadtbummel ohne Kind, ein Treffen mit Freundinnen oder Kolleginnen oder einen ruhigen Abend mit dem Partner. Ein kurzer Zeitabstand kann helfen, sich danach wieder umso fürsorglicher und ruhiger dem Baby zu widmen.

Hilfreiche Netz-Adressen für Eltern von Schreibabys

Gesellschaft für die seelische Gesundheit in der frühen Kindheit (GAIMH) www.gaimh.de
Dort gibt es eine Liste für Eltern mit den Adressen von Anlaufstellen bei Problemen. http://www.gaimh.org/fuer-eltern/adressen-deutschland.html

www.schreibaby.de
Ein paar Tricks, wie man ein schreiendes Baby beruhigen kann und weitere Adressen von Schreiambulanzen

Autorin: Karin Hertzer www.karinhertzer.de

 

Der 1. Tag ohne Mama – Tipps für weinende Mütter

Tränen schießen Christine (32) in die Augen, wenn sie von ihrem Benjamin (4) erzählt. Seit Wochen gibt es nahezu jeden Morgen das gleiche Theater: Die junge Mutter lässt im Kindergarten ein weinendes Kind zurück. Voll Sorge und schlechtem Gewissen verbringt sie die Stunden bis zum mittäglichen Abholen. Nachmittags macht der Kleine seine großen Geschäfte wieder in die Hose, obwohl er eigentlich längst allein auf die Toilette gehen könnte.  „Ich will so nicht mehr weiter machen“,  ist sich Christine sicher. „Ich kann mein schreiendes Kind einfach nicht mehr abgeben!“ Doch wie einen Ausweg aus dieser Krise finden?

Die ersten Lebensjahre des Kindes ist ein einziges Abschiednehmen. Es beginnt mit der Geburt, der Trennung von der Mutter, dann wird es von der Mutterbrust entwöhnt, bekommt als Ersatz den Schnuller, der auch irgendwann in den Mülleimer wandert. Es folgen kurzzeitige Trennungen von der Mutter,  wenn Papa oder ein Babysitter einspringt. Auch jeden Abend steht eine Trennung bevor: Das „Ins-Bett-Gehen“ ist für Kleinkinder immer wieder ein Abschiednehmen von den Eltern, den Geschwistern und vom Tag.  Das Kind spürt, dass es allein sein muss, bis der neue Tag beginnt. Dieser Übergang von den Aktivitäten des Tages zur Ruhe der Nacht, verlangt auch Loslösen und Abschied.

Schwieriger Neuanfang

Im Leben eines Kindes gibt es Einschnitte, die besondere Herausforderungen mit sich bringen und bewusst begleitet werden sollten. Dazu gehört der Start in Kinderkrippe und Kindergarten. „Vielleicht versetzen Sie sich einmal in die Situation des Kindes hinein“, schlägt die Sozialpädagogin Gabi Stephan vor. „Von einem Tag auf den anderen soll ihr Kind allein in einer ungewohnten Umgebung bleiben, mit fremden Erwachsenen und Kindern. Und noch dazu jeden Tag.“ Die Münchnerin leitet Eltern-Gesprächskreise im Landkreis München. http://www.montessori21.de/akademie/

„Ich frage dann immer: Was kann dem Kind und der Mutter in dieser Situation helfen?“, erklärt Gabi Stephan. „Meist kristallisiert sich heraus, dass es auch für die Eltern wichtig ist, sich auf diesen neuen Prozess einzustellen.“ Man sollte sich und dem Kind Zeit geben. „Verstehen Sie die Ängste ihres Kindes und nehmen Sie diese an“, empfiehlt die Pädagogin. Wenn sich Kinder gedrängt fühlen, werden sie zusätzlich verunsichert. Ihr Tipp für alle neuen, ungewohnten Situationen: „Sprechen Sie mir ihrem Kind über das was jetzt geschieht und zeigen Sie ihre Anteilnahme. So erlebt es, dass ernst genommen und verstanden wird.“

Trennungen üben

„Üben Sie vor dem Kindergartenbesuch gelegentliche Trennungen“, empfiehlt Erika Veit, ehemalige Leiterin eines Kindergartens in Miesbach. „Bei Besuchen auf Spielplätzen oder in Spiel- und Krabbelgruppen gewinnt ihr Kind die Sicherheit, dass es von Ihnen nicht im Stich gelassen wird“.

In den drei Gruppen „ihres“ Kindergartens ist es üblich, dass die neuen Kinder zu Kurzbesuchen und Schnuppertagen kommen. Wenn erforderlich, können die Mütter ihre Kinder auch in die Gruppen begleiten. So lange, bis die Kinder sich sicher fühlen und alleine bleiben. „Vermeiden Sie lange Abschiedszenen“, rät Erika Veit. „Das tut beiden weh und nützt niemandem.“ Ein langer Abschied verunsichere das Kind, so die Erzieherin, das sonderbare Verhalten der Mutter schüre seine Ängste.

„Hänschen klein, ging allein …“

Nach einer Beratung durch Gabi Stephan und dem Gespräch mit Benjamins Erzieherin entspannte sich für Christine und ihren Sohn das morgendliche Abschiednehmen relativ schnell. „Im Nachhinein glaube ich, dass das Benjamin einfach nur spürte, dass sich meine Haltung ihm gegenüber verändert hat“, erinnert sich die zweifache Mutter. „Ich habe eingesehen, dass es mehrere Wege gibt, mit ihm den Start in den Kindergarten zu gestalten.“ Sie wäre jetzt auch mal einen Vormittag bei ihm in der Gruppe geblieben. Dadurch, dass sie ihr verkrampftes Verhalten gelöst habe, habe ich auch ihr Sohn entspannt, ist die junge Mutter überzeugt. Von einem Tag auf den anderen sei auch die Hose auch wieder sauber geblieben.

Doch nicht nur für die Kleinen ist das Abschiednehmen schwer. Auch viele Mütter kämpfen mit ihren Gefühlen. Nach jahrelangem, intensiven Zusammenleben  soll man sein Kind fremden Leuten anvertrauen, die mit ihm spielen, lernen und lachen. „Mir gab es einen richtigen Stich ins Herz, als ich sah, wie eine Kindergärtnerin mein Kind herzte“, erinnert sich Astrid als sie ihre Magdalena (3) zum ersten Mal allein im Kindergarten zurück ließ.

Entscheidende Lebenseinschnitte bedeuten immer Veränderungen  – und damit auch Abschied von Gewohntem. Abschiednehmen ist nicht allein die Aufgabe des Kindes, sondern auch der Eltern. Neu ist diese Erkenntnis nicht, nur der Umgang damit. Davon erzählt bereits das bekannte, über 200 Jahre alte Kinderlied „Hänschen klein, ging allein in die weite Welt hinein…“

Von Lisa Hilbich

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-37156-0001 / CC-BY-SA