Kategorie: Familienpolitik

Gemeinsame Schulpolitik in Deutschland? Leider nein!

Da saßen Bildungspolitiker zweier Länder auf dem Podium auf der Bildungsmesse Didacta 2014 und diskutierten über die Frage „Differenziertes Schulsystem oder Gemeinschaftsschule – was ist für Schülerinnen und Schüler besser?“ Es handelte sich um einen Vertreter des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg (Gemeinschaftsschule) und einem Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und und Kunst aus Bayern (differenziertes Schulsystem). Und – sie stritten sich, anders kann man das nicht sagen.

Gemeinsam mit einem Professor und einer Vertreterin einer Initiative pro dreigliedriges Schulsystem wurden Studien und Gegenstudien zitiert, Zahlen und Statistiken in die Arena geworfen und sich gegenseitig Rückständigkeit vorgeworfen. Ideologie und Grabenkampf war das Gebot der Stunde. Wenn ein solcher Ton immer dann herrscht, wenn sich in länderübergreifenden Gremien die Verteter zum Thema Schulpolitik treffen, kann man sich glücklich schätzen, wenn überhaupt einmal etwas Konstruktives und Gemeinsames dabei herauskommt.

Obwohl die Moderatorin zu Beginn darauf hinwies, dass es um den Blickwinkel der Schülerinnen und Schüler ging, kam die Diskussion auf diese höchst selten. Die Tatsache, dass Deutschland ein Land ist, in dem es mehr als sinnvoll wäre, Abschlüsse, Systeme, Standards so gut wie möglich zu vereinheitlichen, kam nicht zur Sprache. Dabei würde dies der Tatsache Rechnung tragen, dass heutzutage viele Absolventen zum Studieren und Arbeiten ihre Heimatregion verlassen und Familien aufgrund von Arbeitssituationen der Eltern häufig innerhalb Deutschlands umziehen. Und wie schlägt sich dann ein Gemeinschaftsschüler in der Realschule? Ein FOS-Schüler im Gymnasium des Nachbar-Bundeslandes? Sind solche Probleme Einzelfälle und vernachlässigbar?

Es kann nicht sein, dass wir ein immer einheitlicheres Europa mit gleichem Geld, zum Teil gleicher Außenpolitik, gleichen Wirtschaftsstandards haben und bekommen – eine einheitliche Schulpolitik in Deutschland aber immer unwahrscheinlicher erscheint. Europäische Freizügigkeit von Arbeitnehmern – wir arbeiten europaweit daran; Freizügigkeit von Schulkindern in Deutschland – keine Chance?

Grabenkämpfe, Ideologien, schön und gut – aber Politiker, für wen macht ihr Politik? Für die Theorie? Oder für echte Menschen? Echte Kinder und echte Eltern, die schon lange nicht mehr durchsteigen. Die auch keine Lust haben, sich in Lager aufteilen zu lassen, je nachdem, in welchem Bundesland sie zufällig gerade wohnen. Sondern am liebsten ein einheitliches Schulsystem in ganz Deutschland hätten, weil es für sie am praktischsten und am gerechtesten wäre. Nicht mehr und nicht weniger.

Abgeordnete Eltern im Bundestag 2013-2017

Schon einmal hat sich Familothek gefragt: Wie viele Abgeordnete sind eigentlich Eltern und haben damit eigene Erfahrungen wie es so ist, eine Familie zu haben. 2013 hat sich nun ein neuer Bundestag konstituiert und wir schauen wie es diesmal aussieht – und inwieweit sich dies im Vergleich zum letzten Bundestag verändert hat:*

61 Prozent der Abgeordneten des deutschen Bundestages in dieser Wahlperiode sind Eltern – eine Mehrheit, aber keine große. Und: weniger als von 2009 bis 2013 – damals waren es 67,9 Prozent. Bei insgesamt 631 Abgeordneten sind das 385 Personen, 2009 bis 2013 gab es 421 Mamas und Papas, also eine große Schulklasse mehr.

Schaut man sich die einzelnen Fraktionen an – so regieren uns erfreulicherweise überdurchschnittlich viele Eltern: In der großen Koalition sind in der Fraktion der CDU/CSU 66 Prozent der Abgeordneten Eltern, in der SPD sind es immer noch überdurchschnittliche 62 Prozent.

In der kleinen Opposition ist das anders: Nur 49 Prozent der Fraktion der Linken und gleichfalls nur 49 Prozent der Grünen sind Eltern: Möglicherweise spiegelt sich hier eine Verjüngung in der Altersstruktur der Fraktionen wider – so dass einige dieser Abgeordneten vielleicht „noch“ keine Eltern sind. Diese Annahme stützt sich auch im Vergleich zum Bundestag 2009-2013: Damals waren gerade bei der Linken überdurchschnittliche viele Abgeordnete Eltern (68%) und bei den Grünen immer noch 57 Prozent.

Bei der Anzahl der Kinder dominieren in allen Parteien ein und zwei Kinder, gefolgt von Abgeordneten mit drei Kindern. Großfamilien sind in der Fraktion der CDU/CSU überdurchschnittlich häufig vertreten: 25 Abgeordnete der Fraktion haben vier Kinder, sechs Abgeordnete sogar 5 oder 6 Kinder. Spitzenreiterin im Bundestag ist hier einmal wieder die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit sieben Kindern – so viele hat sonst niemand im deutschen Bundestag 2013-17.

*Grundlage sind eigene Angaben der Abgeordneten auf der Homepage des Bundestages – wer also vielleicht Kinder hat, diese aber nicht angibt, weil er oder sie vielleicht nicht mit ihnen zusammenlebt, wird als „Nicht-Eltern“ gezählt.

Foto: Deutscher Bundestag, Achim Mende

Zensus 2011 – Regenbogenfamilien sind Alltag

Was ist eigentlich Familie? Die Zahlen aus dem aktuellen Zensus des Statistischen Bundesamtes in Deutschland zeigen uns die Wirklichkeit abseits von idealisierender Werbung.

Die aktuellen Zahlen der letzten Bevölkerungsbefragung 2011 (das ist für bundesweite Statistiken wirklich aktuell) zeigen uns beispielsweise, wieviele Kinder in Deutschland in sogenannten Regenbogenfamilien aufwachsen – und dass es davon immer mehr gibt.

Regenbogenfamilien – was ist das denn? Grundlage einer Regenbogenfamilie ist die gleichgeschlechtliche Partnerschaft. Einige davon sind verheiratet, leben also in sogenannten eingetragenen Lebenspartnerschaften. Und immer mehr leben als Familie mit Kindern, also als Regenbogenfamilie. Entweder hat ein Partner die Kinder aus einer anderern Partnerschaft mitgebracht oder währenddessen zum Beispiel durch künstliche Befruchtung bekommem. Oft wird das Kind in der gleichgeschlechtlichen Ehe dann von der jeweils anderen Partnerin oder dem Partner über die sogenannte Stiefkindadoption als gleichberechtigter Elternteil adoptiert.

Zahl der Regenbogenfamilien wächst

Im Mai 2011 gab es in Deutschland knapp 34 000 eingetragene (gleichgeschlechtliche) Lebenspartnerschaften, davon waren rund 40 % Lebenspartnerschaften von Frauen. Insgesamt lebten 5 700 Kinder in Familien, deren Eltern eine eingetragene Lebenspartnerschaft führten, die meisten davon (86 %) in Lebenspartnerschaften von Frauen. Dazu zu rechnen (und zu denken) sind Kinder, die im Hause gleichgeschlechtlicher Partnerschaften leben, deren Eltern keine eingetragene Lebenspartnerschaft haben. Dazu vielleicht auch noch einige Fälle mehr, die sich seit dem Stichtag der Zählung 2011 ergeben haben.

Diese Regenbogenfamilien sind demnach keine Randerscheinung in der Gesellschaft, sondern genauso ein Teil der Vielfalt, in der es heute Familie gibt: Familien mit Alleinerziehenden, Patchwork-Varianten und natürlich auch die klassische Familie „Mama,Papa, Kind(er). Da ist es nur folgerichtig, dass das Bundesverfassungsgericht am 6. Juni 2013 entschieden hat, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften steuerlich genauso gestellt werden müssen, wie Ehepaare. Da mag man über das Ehegattensplitting für Ehen ohne Kinder denken wie mal will, am ehesten werden wohl die Paare mit Kindern profitieren. Denn schließlich arbeitet dort meist ein Partner weniger, um das oder die Kind(er) versorgen zu können.

Mehr zum Thema: Mama, Mama, Kind

Illustration: Isabelle Dinter

 

Was ändert sich 2013 für Eltern?

Neues Jahr, vieles anders – auch diesmal gibt es einige Änderungen, die besonders Eltern betreffen:

Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten

Ab dem Ausgleich für 2012, den man 2013 einreichen kann, können Kinderbetreuungskosten auch dann von der Steuer abgesetzt werden, wenn nicht jeder Elternteil berufstätig ist. Mehr dazu hier http://www.familothek.de/kita-steuer-absetzen.html .

Betreuungsgeld

Ab 1.8.2013 bekommen Eltern von unter Dreijährigen dann 100 Euro im Monat, wenn ihr Kind nicht eine staatlich geförderte Kita besitzt. Wer diese 100 Euro in eine private Altersvorsorge investiert, bekommt monatlich noch einmal 15 Euro. Wir finden das nicht gerecht, aber darum scheint es auch nicht zu gehen. (http://www.familothek.de/betreuungsgeld-kommentar.html)

Elterngeld

Für die Berechnung des Elterngeldes zählt nun die Steuerklasse, die mindestens sieben Monate vor der Geburt auf der Lohnsteuerkarte steht. Wer also bei Verheirateten den Großteil der Elternzeit nehmen möchte, sollte frühzeitig in die Steuerklasse III wechseln.

 

Bildungsgutschein in der Praxis

Seit dem 1. April 2011 bekommen arme Eltern in Deutschland einen staatlichen Zuschuss zur Bildung ihrer Kinder: Das sogenannte Gesetz zur Teilhabe aus dem Ministerium von Ursula von der Leyen sponsort 10 Euro im Monat für Musikunterricht, Mittagsessen oder Nachhilfe.

Arme Eltern, damit sind gemeint: Eltern, die leistungsberechtigt nach dem SGB II sind, also insbesondere Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld beziehen, Leistungen nach § 2 AsylbLG, Sozialhilfe, Kinderzuschlag oder Wohngeld bekommen. Rund 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland könnten vom Gesetz profitieren.

Schön, theoretisch. Wie ist das denn in der Praxis, können die Kinder, die es nötig haben, jetzt mehr an „Bildung teilhaben“?

Am häufigsten – so kam es in verschiedenen Bewertungen über den Bildungsgutschein heraus – werden die Zuschüsse für die Gebührenübernahme des Mittagessens genutzt. Mittagessen ist Bildung? Ja, denn ohne dies nehmen manche Eltern ihre Kinder um 12 Uhr aus dem Kindergarten heraus, obwohl es vielleicht besser wäre, wenn sie länger blieben.

Verwaltung, Verwaltung, Verwaltung

Claudia Meyer, Leiterin der „Kindervilla Theresia“, einem Kindergarten mit 100 Plätzen in München, kennt den Umgang mit sozial schwachen Familien vor und nach dem Teilhabegesetz.

Und sie hat Probleme, die sie vor dem 1.4.2011 nicht hatte. Der Träger des Kindergartens, der Kreisjugendring, übernahm auch früher das Mittagessen für einige Kinder. Heute ist das komplizierter: Hartz IV beispielsweise, wird manchmal von Monat zu Monat bewilligt, manchmal pro Quartal, manchmal längerfristig. Dies gilt dann auch für die Übernahme des Mittagessens – sie muss immer wieder neu beantragt werden. „Ich muss jedesmal die Eltern ansprechen, dass ein neuer Antrag gestellt werden muss“, so Frau Meyer. Der Kreisjugendring musste sich zur Verwaltung der verschiedenen Zeiträume eine neue Softwareerweiterung für die Datenbank anschaffen.

Die unkomplizierte Verwendung von Spenden – so wie früher – ist heute gesetzlich gesehen nicht mehr möglich, da staatliche Zuschüsse an erster Stelle genutzt werden müssen. Übrigens: Wenn Eltern und Kindergarten einen neuen Antrag verpassen, wird der gesamte Beitrag einfach vom Konto abgebucht und später nicht mehr zurückgezahlt.

Teilhabe?

Teilhabe? Nein, Eltern fühlen sich noch weniger zugehörig als sonst, da sie von Monat zu Monat pünktlich Anträge stellen müssen und mit der Bürokratie oft überfordert sind, das ist die Erfahrung von Frau Meyer. „Am besten wäre sowieso eine direkte Abrechnung mit der zuständigen Behörde“, schlägt sie vor.

Erfahrungen privater Anbieter

Und wie sieht es bei anderen Bildungsmöglichkeiten aus? Können Kinder aus finanziell schwachen Familien an Kulturbildung teilhaben und beispielsweise vom Bildungsgutschein Ballett-Tanzen lernen?

Bei Kim Flamminger von Kims Kindertanz www.kims-kindertanz.de, einer Münchner Ballettschule mit 270 Kindern, können arme Kinder den monatlichen Beitrag von 29 Euro bezuschussen lassen. Das wissen die Eltern allerdings oft gar nicht. „Manche schämen sich eher, nach einer Bezuschussung zu fragen, und kommen einfach nicht mehr, wenn der Beitrag für sie zu teuer wird“, so Kims Erfahrung. Und sie hat auch gleich eine Idee parat: „Da könnte man doch eine Liste der lokalen Anbieter ins Internet stellen“. Das ist mal eine Anregung für die zuständigen Behörden.

Auch private Anbieter haben mit der Bürokratisierung zu kämpfen – auch Kims Kindertanz erlebt, dass manche Kinder den Kurs im voraus für ein Jahr bezuschusst bekommen, manche aber Monat für Monat einen neuen Antrag stellen müssen.

Die Frage bleibt, ob ein Kind wirklich wirklich mit 10 Euro pro Monat an Bildung teilhaben kann oder ob das für die meisten Bildungsmöglichkeiten schlicht zu wenig ist. Denn schließlich kosten auch Fußballschuhe viel Geld und müssen bei jeder Schuhgröße neu gekauft werden – auch wenn der Vereinsbeitrag vom Teilhabegesetz übernommen wird. Bei Kims Kindertanz wird dieses Problem unbürokratisch gelöst: Die teuren Kleider und Schuhe werden einfach von Größeren zu Kleineren Ballettschülern weitergegeben. Aber das geht leider nicht immer so leicht.

Nachhilfe?

Nachhilfe – das ist doch eine gute Möglichkeit, schwachen Schülern aus armen Familien eine Extraportion Bildung zukommen zu lassen. Doch auch hier schlägt die Bürokratie gnadenlos zu: Eine Nachhilfe wird nur gewährt, wenn es belegt ist, dass der Schüler in seiner Klasse nicht mitkommt – und dies wird meist mit dem Halbjahreszeugnis bewiesen. Und dann erst kann ein Antrag gestellt werden. Eltern wissen, dass es dann aber manchmal schon zu spät ist. Es wäre für alle Beteiligten besser, früher mit Nachhilfe zu beginnen, um die Lücken nicht zu groß werden zu lassen.

Privatinsolvenzkinder ohne Hilfe

Übrigens: Kinder von Eltern, die in der Privatinsolvenz sind, fallen komplett aus dem Teilhabesetz und auch aus anderen Zuschussmöglichkeiten heraus. Natürlich, ihre Eltern haben Schulden über ihre Verhältnisse gemacht -aber was können die Kinder dafür? Natürlich, eine Privatinsolvenz dauert „nur“ sechs Jahre – aber die können für den Bildungslebenslauf eines Kindes entscheidend sein.

Foto: DKJS / Danny Ibovnik

 

Unsere Fragen zum Betreuungsgeld

100 oder sogar 150 Euro monatlich für Mütter, „die ihre Kinder unter 3 Jahre zu Hause betreuen“ und nicht in die Kinderkrippe geben – das wird uns ab 2013 erwarten. Wir haben dazu einige Fragen:

Was heißt die Formulierung, „Betreuungsgeld für Mütter, die ihre Kinder unter 3 Jahre zu Hause betreuen“, die blind – oder eher taub – von den meisten Medien übernommen wird?

Betreuen Eltern, die ihre Kinder von 9-14:00 Uhr oder auch bis 17:00 Uhr in der Krippe haben, ihre Kinder sonst nicht zu Hause? Stellen sie sie von 14:30 Uhr nachmittags bis 8.30 morgens in die Tiefkühltruhe? Und was ist am Wochenende, in den Ferien und während der – bei Krippenkindern nicht seltenen – Krankheitstage?

Wer wird anerkannt?

Was bedeutet das Argument „Mütter, die sich Zeit für ihre Kinder nehmen sollen anerkannt werden“. Können sich das denn alle Mütter aussuchen? In der heutigen Zeit? Und wird nur deren Leistung anerkannt, die komplett zu Hause bleibt? Wer leider, leider halbtags oder auch ganztags zum Familienunterhalt beiträgt – ist deren Leistung an der Kindererziehung nicht anerkennenswert? Vielleicht auch nur zur Hälfte oder anderweitig?

Eindeutig pervertiert wird das Vorhaben ja durch die Einschränkung „Wer sein Kind nicht in eine staatliche Kinderkrippe gibt“. Benötigt denn die Mutter, die sich ein Au-Pair leisten kann, das Geld so dringend?

Der Gedanke, mit dem Geld „etwas für die Rente der Frauen zu tun“ ist ja wirklich eine gute Idee. Aber auch teilzeitarbeitende Frauen haben weniger Einkommen und damit weniger Rente als Frauen ohne Kinder mit klassischem Achtstundentag und ununterbrochener Berufskarriere. Bleiben die Frauenrenten der ersteren so niedrig wie bisher?

Ist das gerecht?

Noch ein Gedanke – von einigen Politikern schon genannt, aber einfach zu schön, um ihn nicht weiterzuspinnen: Mit dem Betreuungsgeld wird die Nicht-Nutzung einer staatlichen Leistung honoriert. Wer also nie auf der Autobahn fährt, nicht ins Theater geht und wasserscheu ist – was bekommt denn der als Ausgleich?

Es ist ja schön, dass der Staat Mütter finanziell unterstützen wird – sehr gut! Aber so, wie es geplant ist: Ist das gerecht?

Foto: Philips/AVENT

 

 

Wieviele Abgeordnete sind eigentlich Eltern?

Interessant, einmal zu sehen, wie denn eigentlich der Kindersegen bei unseren Abgeordneten verteilt ist. Schließlich wissen wir aus eigener Erfahrung, dass wir als Eltern ganz andere Entscheidungen treffen als damals ohne Kinder. Wie sieht es also bei denen aus, die über uns entscheiden?

Die meisten Parlamentsangehörigen sind Eltern, müssten bei Entscheidungen über Familien also wissen, wovon sie sprechen: Von den insgesamt 620 Abgeordneten haben 421 Kinder, also 67,9%. Das bedeutet allerdings auch, dass über ein Drittel der Abgeordneten bei ihren Entscheidungen über Familienpolitik keine direkten persönlichen Erfahrungen haben. Und wie sieht das bei den einzelnen Fraktionen aus?

 

Elternschaft bei der CDU unterdurchschnittlich, bei den Linken normal verteilt

Unterdurchschnittlich viele CDU-Abgeordneten im Bundestag haben Kinder, circa 59 %. 114 von den 141 Fraktionsmitgliedern haben zwei Kinder, 64 Abgeordnete drei und mehr. Den Durchschnitt hebt die CSU mit 79,5% Eltern.

Höher als bei der CDU ist spannenderweise der Anteil der Eltern bei den Linken: Von den 76 Abgeordneten haben 52 Kinder, das sind circa 68 Prozent. Dem Durchschnitt entspricht auch der Elternanteil bei der SPD: 67% Prozent ihrer Abgeordneten wissen, was es heißt, eine Familie zu haben.

So unterdurchschnittlich wie in der CDU ist der Elternanteil bei zwei weiteren Parteien im Bundestag, die sonst nicht viel Ähnlichkeit aufweisen: Nur 60% der FDP und nur 57% der Grünen-Abgeordneten haben Kinder.

Die Abgeordneten und ihre Kinderanzahl entnommen dem Spiegel Bundestagsradar 2009-2013, in dem man auch nachschauen kann, welche Abgeordneten bei Abstimmungen wie abgestimmt haben:

http://www.spiegel.de/flash/0,5532,22868,00.html

 

Foto: Quelle „Deutscher Bundestag“/Marc-Steffen Unger

Kinderarmut nimmt ab – wirklich?

Ende Januar ging es durch die Medien: Die Anzahl der Kinder unter 15 Jahren, die Hartz IV empfangen, ist in den letzten fünf Jahren gesunken. Aber: Die Gesamtzahl der Kinder unter 15 Jahren ist in Deutschland in den letzten fünf Jahren gleichfalls gesunken. Schließlich gab es beispielsweise laut Statistischem Bundesamt 2010 über 2 Millionen Kinder unter 18 weniger als im Jahr 2000, die Anzahl sank von 13,2 auf 13,1 Millionen.

Wir verweisen außerdem auf einen anderen Vergleich, den Familothek schon einmal angestellt hat: 1965 war nur jedes 75. Kind unter sieben Jahren auf Sozialhilfe angewiesen.

Wir finden: Das sind eher Zahlen, an denen sich die Politik orientieren sollte – versuchen sollte, alles zu tun, um diesen viel zu vielen Kindern heute möglichst gute Startchancen für ihr Leben zu geben. Und zwar nicht nur aus Mildtätigkeit, sondern durchaus aus „staats-egoistischen“ Gründen – denn dass Kinder eines Landes deren Zukunft bedeuten, zitieren ja alle gern. Auch die, die dafür verantwortlich sind, dass arme Kinder staatlich nicht so viel gefördert werden, wie es unser wohlhabender Staat könnte. Also bitte, feiert nicht das Sinken der Bevölkerungszahl!

Die aktuellen Zahlen:

Süddeutsche Zeitung online

Anzahl Kinder in Deutschland

 

Foto: Agentur für Arbeit

Betreuungsgeld – nächster Akt

Es hat doch etwas gebracht, dass sich quer durch die Republik Menschen und Organisationen wie zum Beispiel der BDA und der DGB den Betreuungsgeldbeschluss kritisierten und allerhand Fragen stellten – so wie wir (Unsere Fragen zum Betreuungsgeld):

Die Familienministerin möchte die Regelung nun doch auf Kinder und ihre Eltern ausdehnen, die zwar eine staatliche Betreuung besuchen, aber nicht länger als fünf Stunden am Tag. Sie will „keine „sinnlosen Kulturkämpfe führen“ und „Hausfrauen gegen berufstätige Mütter ausspielen“. Gute Idee.

Allerdings hält die CSU weiterhin am beschlossenen Modell fest, das Geld nur auszuzahlen, wenn die Kinder unter drei Jahre keine staatliche Betreuungseinrichtung besuchen. Und gleichzeitig schauen Regierungsmitglieder mal wieder sehr aufs Geld wenn es darum geht, die Rentenansprüche von Müttern im Rahmen dieses Gesetzesentwurfes zu verbessern.

Unsere Familienministerin möchte im Frühjahr einen neuen Vorschlag einbringen. Wir warten auf den nächsten Akt.

Details und Quellen hier:
www.freiewelt.net

www.reuters.de

www.tagesspiegel.de

Foto: Produnis

Neues Kinderschutzgesetz – doch noch geeinigt

Seit mehr als drei Jahren wird bereits über die Verbesserung des Kinderschutzgesetzes in Deutschland gestritten. Bis Mitte Dezember sah es so aus, als ob das Gesetz nicht planmäßig zum 1.1.2012 eingeführt werden kann. Es ging ums Geld, wie so oft. Denn im Prinzip finden alle eine Verbesserung des Kinderschutzes gut.

 Ein paar Wochen lang stritten sich Bund und Länder um die Aufteilung der Kosten. Vor allem die geplanten Familienhebammen sind ein Kostenfaktor, den erst einmal niemand dauerhaft übernehmen möchte: Das sind Hebammen, die nach der Geburt eines Kindes nicht nur 10 Tage als Ansprechpartnerin für die frischen Eltern nach Hause kommen, sondern als besonders ausgebildete sogenannte Familienhebammen länger zu Familien geschickt werden, die Rat und Tat nötig haben.

Nachdem das Gesetz erst im Vermittlungsaussschuss des Bundestages landete (und es gibt keine zeitliche Vorgabe, wie lange es dauert, bis es neu beraten werden muss), haben sich Bund und Länder nun doch kurz vor Weihnachten auf eine Kostenaufteilung geeinigt. Und das Gesetz kann wie geplant ab dem 1.1.2012 in Kraft treten.

Weitere Verbesserungen für den Kinderschutz

 Darüberhinaus soll im Rahmen des neuen Kinderschutzgesetzes ein erweitertes Führungszeugnis für alle Pflicht werden, die in der Kinder- und Jugendhilfe hauptberuflich tätig sind. Scheinbar war dies noch nicht immer so – und bei den Ehrenamtlichen kann es immer noch individuell geregelt werden. Jugendämter sollen außerdem dazu verpflichtet werden, problematische Familien stärker zu kontrollieren, Ärzte sollen leichter die Jugendämter informieren können, wenn ihnen etwas Ungewöhnliches an einem Kind auffällt.

Auch das Nationale Kompetenzzentrum Frühe Hilfen bekommt jetzt mehr Geld. Das Zentrum soll Instrumente entwickeln, um familiäre, schwierige Situationen früher und effektiver zu erkennen und Unterstützungsangebote für diese Familien ausarbeiten.

Mal eine positive Überraschung in der Familienpolitik – wie schön!

Foto: obs/proDente e.V.