Gemeinsame Schulpolitik in Deutschland? Leider nein!

Da saßen Bildungspolitiker zweier Länder auf dem Podium auf der Bildungsmesse Didacta 2014 und diskutierten über die Frage „Differenziertes Schulsystem oder Gemeinschaftsschule – was ist für Schülerinnen und Schüler besser?“ Es handelte sich um einen Vertreter des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg (Gemeinschaftsschule) und einem Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und und Kunst aus Bayern (differenziertes Schulsystem). Und – sie stritten sich, anders kann man das nicht sagen.

Gemeinsam mit einem Professor und einer Vertreterin einer Initiative pro dreigliedriges Schulsystem wurden Studien und Gegenstudien zitiert, Zahlen und Statistiken in die Arena geworfen und sich gegenseitig Rückständigkeit vorgeworfen. Ideologie und Grabenkampf war das Gebot der Stunde. Wenn ein solcher Ton immer dann herrscht, wenn sich in länderübergreifenden Gremien die Verteter zum Thema Schulpolitik treffen, kann man sich glücklich schätzen, wenn überhaupt einmal etwas Konstruktives und Gemeinsames dabei herauskommt.

Obwohl die Moderatorin zu Beginn darauf hinwies, dass es um den Blickwinkel der Schülerinnen und Schüler ging, kam die Diskussion auf diese höchst selten. Die Tatsache, dass Deutschland ein Land ist, in dem es mehr als sinnvoll wäre, Abschlüsse, Systeme, Standards so gut wie möglich zu vereinheitlichen, kam nicht zur Sprache. Dabei würde dies der Tatsache Rechnung tragen, dass heutzutage viele Absolventen zum Studieren und Arbeiten ihre Heimatregion verlassen und Familien aufgrund von Arbeitssituationen der Eltern häufig innerhalb Deutschlands umziehen. Und wie schlägt sich dann ein Gemeinschaftsschüler in der Realschule? Ein FOS-Schüler im Gymnasium des Nachbar-Bundeslandes? Sind solche Probleme Einzelfälle und vernachlässigbar?

Es kann nicht sein, dass wir ein immer einheitlicheres Europa mit gleichem Geld, zum Teil gleicher Außenpolitik, gleichen Wirtschaftsstandards haben und bekommen – eine einheitliche Schulpolitik in Deutschland aber immer unwahrscheinlicher erscheint. Europäische Freizügigkeit von Arbeitnehmern – wir arbeiten europaweit daran; Freizügigkeit von Schulkindern in Deutschland – keine Chance?

Grabenkämpfe, Ideologien, schön und gut – aber Politiker, für wen macht ihr Politik? Für die Theorie? Oder für echte Menschen? Echte Kinder und echte Eltern, die schon lange nicht mehr durchsteigen. Die auch keine Lust haben, sich in Lager aufteilen zu lassen, je nachdem, in welchem Bundesland sie zufällig gerade wohnen. Sondern am liebsten ein einheitliches Schulsystem in ganz Deutschland hätten, weil es für sie am praktischsten und am gerechtesten wäre. Nicht mehr und nicht weniger.

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