Schrubben, kreisen, rütteln: Kinderzähne putzen

Mancher Nachwuchs lernt Kinderzähne putzen schon im Kindergarten: Da kommt die „Zahnputzschwester“, Zahnärztin oder Zahnarzt vorbei und zeigt den Milchzahnhelden, wie es richtig geht.

Aber natürlich können Dreijährige noch nicht allein alle Zähne richtig und gut putzen, die Eltern müssen helfen. Außerdem: Tipps, wie man den Nachwuchs zum Putzen oder Putzen-lassen animiert.

Wie geht Zähne putzen bei Kindern richtig? Und in welchem Alter ist was richtig?

Kinder lernen heute das Zähne putzen mit der sogenannten KAI-Methode. Die Abkürzung weist auf die Reihenfolge der zu putzenden Flächen hin, also: Erst die Kauflächen oben, dann die Außenflächen und am Schluss die Innenflächen. Dabei werden die „K“s und die „I“s schrubbend gereinigt, auf den „A“s, den Außenflächen, dürfen die Kinder mit der Zahnbürste kleine Kreise malen.

Richtig putzen mit der KAI-Technik im Kindergarten

Diese Technik sollen Kindergartenkinder mehr oder minder selbst ausführen lernen. Ratsam ist es, dafür drei Runden einzuführen: Also drei Runden Kauflächen, dann drei Runden Außenflächen, danach drei Runden Innenflächen. Die Systematik hat den Vorteil, dass nichts vergessen wird, und sich langsam beim kleinen Zähneputzer eine Routine einstellt. „Die Reihenfolge ist dabei eigentlich egal“ führt Carolin Heidrich, Zahnarzthelferin in München, dazu aus. „KAI heißt es nur, damit man es sich besser merken kann“. Wer will, könnte also auch IAK putzen, Hauptsache, alle Zähne kommen dran. Und: Sauber werden die Zähne erst einmal nicht komplett, die Eltern müssen nachputzen.

Putzen aus dem Handgelenk ab dem Schulalter

Ungefähr ab dem Schulalter sind Kinder gemäß ihrer motorischen Entwicklung in der Lage, aus dem Handgelenk eine halbe Drehung nach außen oder innen auszuführen. Diese Bewegung brauchen sie, wenn sie von der Kindertechnik zur Erwachsenentechnik beim Zähneputzen kommen wollen. Dabei werden jetzt bei den Außenflächen keine kleinen Kreise mehr geputzt, sondern mit dieser Drehung und einem leichten Rütteln von allen Seiten an den Zähnen entlang gefahren, um den Plaque auf den Zähnen erst zu lockern und dann zu entfernen.Am besten, das Ganze ergibt einen fließenden Übergang: „Aus den großen Schleifen werden immer kleinere“ – beschreibt Johanna Kant, Kinderzahnärztin und Präsidentin des Bundes deutscher Kinderzahnärzte, den idealen Prozess. Solange, bis jeder Zahn einzeln 3 Sekunden lang rüttelnd geputzt wird. Dabei ist es wichtig „Dass die Technik gewählt wird, die zum Kind und seiner Entwicklung passt“ , so Kant. Also: Wer noch gar nicht so weit ist, kleine Schleifen zu putzen, der sollte noch ein bisschen üben und die Zähne, bis die Feinmotorik weit genug entwickelt ist, von den Eltern nachputzen lassen.

Hilfsmittel – spezielle Zahnbürsten für Kinder

Ein Hilfsmittel beim Übergang zur sogenannten Rüttel- oder Basstechnik ist natürlich die elektrische Zahnbürste, „rüttelt“ diese ja ganz von allein. Aber manche Kinder mögen keine elektrische Zahnbürste, haben Angst davor oder mögen das „Kitzeln in der Nase“ nicht, das die Vibration der Bürste auslösen kann. Eine Möglichkeit ist, beispielsweise das Kind nur abends oder nur morgens damit putzen zu lassen oder es immer wieder einmal zu versuchen. Ein elektrische Zahnbürste ist kein „Muss“ – üben doch die Kinder beim stromlosen Putzen die Technik besser feinmotorisch ein. Manche Kinder putzen elektrisch auch viel zu kurz – da hilft dann die bekannte Sanduhr oder einfach bis 3 zählen pro Zahn für Kinder, die gerne zählen.

Ein spezielles Hilfsmittel ist die sogenannte „Solobürste“, eine Zahnbürste mit nur einer kleinen Borste. Diese Zahnbürste ist vor allem für frisch durchkommende Backenzähne hilfreich und kann dort gezielt eingesetzt werden. Achtung, falls ausschließlich mit der Solobürste geputzt wird: Das ist etwas für geduldige Kinder – mit einer Solobürste sollte man circa 20 Minuten lang Zähne putzen, um alle Stellen an den Zähnen zu erreichen.

Weniger Druck

Zuviel Druck auf der Bürste ist schlecht für Zähne und Zahnfleisch. Etwas 45 Gramm sollte der Druck auf die Zähne bei Kindern betragen. Zur Verdeutlichung kann man mit diesem Druck einmal auf die Briefwaage drücken. Eltern wissen, dass der Nachwuchs mit zu viel Druck putzt, wenn sie fast jede Woche die Zahnbürste wechseln müssen, da die Borsten bereits zerfleddert sind.

Ist der Putzdruck beim Kind zu stark, hilft der „Prinzessinen“- oder „Feine-Leute-Trick“: Das Kind spreizt den kleinen Finger beim Putzen ab (so wie manche Menschen den Henkel einer Tasse greifen), daraufhin vermindert sich der Druck auf Zähne und Zahnfleisch von ganz allein.

Zahnseide benutzen

Ja, sobald sich zwei Zähnchen berühren, sollten auch Kleinkinder Zahnseide benutzen, denn dann können sich Nahrungsreste natürlich auch hier festetzen und Karies zwischen den Zähnen auslösen. Glücklicherweise gibt es die praktischen Zahnseidesticks auch in kleiner Kindergröße und in mehr oder minder nettem Design. Recht neu auf dem Markt sind Sticks, die bei Nutzung einen kindgerechten Geschmack (ähnlich der Kinder-Zahnpasta) freisetzen. Das bringt sicher einige Kinder mehr dazu, Zahnseide regelmäßig zu nutzen, wunderbar! Aber auch hier gilt: Checken, ob das Zahnputzkind wirklich alle Zwischenräume an der rechten und an der linken Zahnseite geputzt hat – und nicht nur den Stick abgelutscht…

Eltern sollten kontrollieren

Das wiederholt jeder Experte immer wieder: Bis circa 8 Jahre (manche raten bis circa 10 Jahre) sollten alle Eltern immer wieder das Zähne putzen bei ihren Kindern kontrollieren und nachputzen. Es gibt zwar wirklich Schöneres – aber gesunde Zähne beim Nachwuchs sollten es uns wert sein.

Noch mehr Infos zum Thema Kinderzähne bei uns

Besuch beim Kinderzahnarzt

Bleibende Zähne retten

Mittel für die „Solo-Technik“:

   

Gute elektrische Zahnbürsten für Kinder:

 

Zahncreme ohne Fluor (bei sonstiger Fluorprofilaxe) und ohne Pfefferminzöl (während einer homöopathischen Behandlung):

Speziell für Seifenallergiker:

Zahnseide mit Geschmack für Kinder

Foto: Thegreenj

 

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