Kategorie: Die nette Mutter

Hilfe, Kinder lieben hässliche Dinge!

Geschmackliche Irrtümer

Rosa, rosa, rosa. Oder glitter, zehnfarbig. Puppen mit Rüschenkleidern,  überladen gestaltete Aufkleber und überniedliche Kuscheltierchen mit rosa Öhrchen, riesengroßen Kulleraugen und ganz in grasgrün. Oder tiefschwarze Totenköpfe, verzerrte grellbunte Fratzen mit angriffslustiger Körperhaltung auf T-Shirts. Muskelbepackte Kunstfiguren mit spitzen Ohrenmasken in Plastik in unserem Kinderzimmer. Unsere Kinder sind begeistert und uns packt das kalte Grausen angesichts dieser ästhetischen Verirrungen – woher bitte haben die das bloß?

Es scheint so eine Art Virus zu sein, der die eigene Brut irgendwann infiziert. Natürlich kann man mit der frühkindlichen Eigenart argumentieren, grelle Farben leichter wahrzunehmen. Aber reicht das als Erklärung für Ben 10? Viel später kommt dann die Nachahmung der Großen aus dem Kindergarten hinzu, ihrerseits bereits von den großen Brüdern und Schwestern intrigiert. Ein kleiner Teufelskreis geschmacklicher Orientierungslosigkeit.

Eltern die meinen, dass die eigenen Kinder von handwerklich soliden (und teuren) Baby-Spielzeugen aus Holz mit gedeckten Grundfarben geschmacklich besser gebildet werden, irren. Jedenfalls dann, wenn sie sie nicht in den folgenden zwanzig Jahren von jedem anderen Kinderzimmer, jeglichem Werbeplakat, dem Kindergarten und der Schule fernhalten.

Waren wir selbst als Kinder da besser? Ich persönlich erinnere mich an eine tiefe Begeisterung für meine Barbies in ihrem Schönheitssalon im Grün der Siebziger – nein, wir waren es wohl nicht. Das hat etwas Beruhigendes – schließlich würden wir heute nicht von uns selbst behaupten, einen schlechten Geschmack zu haben! Auch meine persönliche Vorliebe für Barbies hat mittlerweile stark abgenommen.

Also entspannen wir uns und lassen ihnen ihren Spaß im Kinderzimmer, hängen uns aber keine niedlichen Benjamin Blümchen Plakate in der Küche auf. Und wenn die quietschbunte Kinderlampe im fortschreitenden Alter echt uncool wird, aber noch super funktioniert, dann liebe Eltern, denkt bitte nicht an das Praktische – „die könnte man doch noch in der Küche/im Büro/im Bügelzimmer nutzen“. Nein, o nein, stellt sie in Ebay oder verschenkt sie an die Nachbarn mit dem Fünfjährigen – kauft Euch bitte, bitte eine neue, die Euch gefällt!

 

 

Foto: privat

Danke, liebe Digital Natives

Liebe Digital Natives, ich weiß, ihr hattet es nicht leicht: Wir sind ja eure Eltern und seitdem ihr euch mit Technik beschäftigt, gehen wir euch auf die Nerven. Als ihr drei Jahre alt wart, haben wir euch den Fernseher mit der DVD vom „Kleinen roten Traktor“ nach einer Viertelstunde ausgemacht, damit ihr nicht überfordert seid. Mit sechs haben wir euch Computerspiel-Zeiten vorgegeben und darauf gepocht, dass das Ding dann auch wirklich ausgemacht wird – und das manchmal knapp vor dem nächsten Level! Mit neun haben wir uns dann vorübergehend erfolgreich dagegen gewehrt, euch ein sündhaft teures Smartphone mit Flatrate zu kaufen. Und als ihr elf Jahre alt wart, haben wir Spielverderber euch immer noch Facebook verboten.

Ich weiß, wir haben euch genervt -aber glaubt uns, es war alles nur zu eurem Besten! Freiwillig hätten wir uns nicht so oft mit euch über die Mediennutzung gestritten – eure Wutausbrüche und Heulanfälle nach dem selbst gesetzten „Sendeschluss“ ignoriert und ausgehalten. Aber ich weiß auch: Obwohl ihr jetzt alt genug seid, euren Medienkonsum selbst zu kontrollieren (wir hoffen das!), seid ihr zum großen Teil noch nicht alt genug, das zu verstehen. Das wird noch etwas dauern.

Aber eines wollte ich euch trotzdem einmal sagen: Klasse, dass ihr Digital Natives unsere Kinder seid! Ihr zeigt uns neue interessante Funktionen, die wir auf unserem Smartphone nie entdeckt hätten. Ihr portiert uns unser Adressbuch, sprecht mit Google, und ohne euch wären so manche von uns nie darauf gekommen, was denn eigentlich ein Youtuber ist.

Ihr tut also eine ganze Menge für die elektronische Bildung eurer Eltern. Und wenn wir auch in manchen Dingen doch noch fitter sind, als ihr (oder wisst ihr, wie man eine elektronische Steuerklärung versendet?), so ist es doch schön, dass in diesem Falle einmal die Generationen voneinander lernen – gemeinsam.

Nützliche und unnütze Kinderprodukte

Produkte für Kinder gibt es viele – ganze Industrien reißen sich um diesen Markt. Für manche ist das eine nützlich und schön, für andere das andere. Aber einige Dinge sind wirklich komplett unnütz – oder auch eine großartige Erfindung, die allen Eltern und Kindern das Leben erleichtert. Hier eine kleine (völlig subjektive) Liste nützlicher und komplett unnützer Produkte für Kinder aller Altersstufen:

Fünf komplett überflüssige Kinderprodukte

1. Der Smartphone-Tracker. Die moderne elektronische Fußfessel für die Jugend. Er soll Eltern per GPS den Aufenthaltsort ihrer Kinder anzeigen. Sinnvoll ist das höchstens für stark entführungsgefährdete Promikinder. Aber wenn ich nicht sowieso ungefähr weiß, wo sich mein Kind gerade aufhält, dann rufe ich es einfach an.

2. Hosengamaschen. Ich dachte es sei sinnvoll, wenn das Ende eines Kinderhosenbeins durch eine zusätzliche Plastikgamasche vor Schmutz und Dreck geschützt ist. Als Zwischenschritt zwischen Matschhose und Nicht-Matschhose sozusagen. Weit gefehlt: Kinderhosen sind grundsätzlich eher an den Knien oder weiteren unerfindlichen Stellen dreckig. Bringt gar nix!

3. Linkshänder-Lineal. Es gibt viele extra-Produkte für Linkshänder – sinnvolle und weniger sinnvolle. Dazu gibt es bei uns eine lange Liste mit Linkshänder-Produkten und welche praktisch sind. Wirklich komplett sinnlos und – schlimmer noch – verwirrend ist ein Lineal, welches mit seiner Zählung von rechts nach links führt. Das verwirrt schon beim Anschauen.

4. Ein langes Lätzchen, auf dem der Teller steht. Vor meinem geistigen Auge entsteht sofort ein Kind, das sich aus dem Sitz beugt oder versucht, aufzustehen… und damit den Teller zum Umkippen bringt! Schließlich sind Lätzchen ja ein Kleidungsstück für kleine Kinder, nicht für Vierjährige, die aber auch immer noch sehr ungestüm sein können. Gibt es da Praxisberichte?

5. Ein weiteres überflüssiges Kinderprodukt,  ein Hinweis vom Blog München Querbeet (Dank an Birgit!): Fruchttüten aus Plastik mit püriertem Obst für Kinder statt einfach einem Stück Apfel oder Banane zum darauf Herumkauen: Dinge, die die Welt nicht braucht: Püriertes Obst aus der Quetschtüte

Fünf tolle Erfindungen für Kinder

Die gibt es auch!

1. Milchkühler. Ich hatte oft ein schreiendes, hungriges, abgestilltes Baby, als es solche Milchkühler noch nicht gab. Ein paar Jahre später gab es sie und ich wurde neidisch… Ein paar kostbare Nerven hätte es nachts um drei schon gespart…

2. Abdeckung für den Kindersitz am Fahrrad. Warum wurden diese Abdeckungen nicht direkt mit den Kindersitzen selbst auf den Markt gebracht? Keine nassen Kinderpopos mehr, nachdem das Rad im Sommergewitter draußen stand– super!

3. Babybrei Pastinake. Hat einfach den Vorteil, dass spuckende Kinder nicht so schlimme Flecken hinterlassen wie mit Karotte oder Nudeln mit Tomatensoße… Übrigens, wer es noch nicht weiß: Karottenflecken bleichen bei Sonnenlicht von selbst aus, es dauert aber einige Zeit.

4. Anlauttabelle. Das ist sinnvoll, wenn es ums Lesen lernen geht: Jedem Buchstaben wird bei der Tabelle ein Laut am Anfang eines Wortes zugeordnet. Nachvollziehbar für Erstklässler und eine gute Hilfe für die ersten Worte auf Papier. (hier eine Vorlage der Anlauttabelle zum Herunterladen)

5. Natürlich: Das Laufrad. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass es das früher nicht gab. Nach dem Laufrad gelingt der Umstieg auf das Fahrrad meist spielend, weil die Balance bereits gut geübt wurde. Puky hat übrigens die Produktion von Stützrädern eingestellt.

Welche Beispiele für sinnvolle oder überflüssige Kinderprodukte haben Sie?

 

Foto: Wladyslaw Sojka
Zwei Kinderlaufräder“ von Taxiarchos228Eigenes Werk. Lizenziert unter FAL über Wikimedia Commons.

logo! Kindernachrichten – einfach klasse!

Dies ist ein Loblied auf eine Fernsehsendung für Kinder, die es bereits seit 25 Jahren gibt – die Kindernachrichtensendung „logo!“. Vielfach ausgezeichnet, ist sie im öffentlich-rechtlichen Kinderkanal KIKA zu sehen und hat einen hohen Marktanteil.

Trotzdem lobe ich sie noch einmal – wir wissen ja: das Publikum wächst immer wieder nach! Hier also ein Lob für eine tolle Sendung, die alle Eltern mit ihren Kindern von acht bis zwölf Jahre sehen sollten, die sich ein bisschen für das Weltgeschehen interessieren. (und dies sollte ja jeder tun).

logo! interpretiert und wählt die Nachrichten des Tages für Kinder aus. Vor allem erklärt logo! den Kindern die News des Tages: Politikbegriffe, die sie vielleicht irgendwo aufschnappen, historische Hintergründe, Entwicklungen zwischen Staaten. Das alles wirklich kindgerecht: Warum flüchten so viele Menschen aus ihrer Heimat? Warum hat Griechenland Schulden? Auch schwierige Themen wie zum Beispiel der Missbrauch von Kindern werden vorsichtig und gut erklärt. Zusätzliche Infos gibt es online unter logo.de.

Die Beispiele haben möglichst viel mit Kindern und ihrer Welt zu tun: Wenn es geht, werden Kinder zu einer passenden Nachricht interviewt. Regelmäßig befragen Kinderreporter berühmte und interessante Menschen und stellen ihre Fragen aus Kindersicht.

TerrorHonorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und ZDF tiviOft verwenden die Macher zur Erklärung kleine neutrale Comiczeichnungen, die möglichst einfach und verständlich die Welt herunterbrechen. Genial – so sollte Politik immer im ersten Schritt vermittelt werden, dann würden vielleicht im Angesicht komplizierter politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen nicht so viele Menschen geistig aussteigen.

Überhaupt sollten auch mehr Erwachsene öfter einmal logo! sehen – nirgendwo werden politisch wichtige Fakten so anschaulich erklärt.

Eine Kindersendung wie logo! ist ein Beitrag zur politischen Bildung in diesem Land. Hoffentlich kommen damit viele Kinder auf den Geschmack, sich politisch zu interessieren.

Etwas gibt es trotzdem, das nervt: Unsere ganze Familie vergisst regelmäßig die Tatsache, dass es logo! freitags schon etwas früher gibt – und schaltet dann zu spät ein.

logo! läuft samstags bis donnerstags um 19.50 Uhr und freitags um 19.25 Uhr bei KiKA.
Bildnachweis: ZDF/ZDF tivi

Bildungs-Wertschätzung?

Ich hatte die Gelegenheit, mir ein paar unterschiedliche Schulen anzusehen. Klar, es gibt neuere Bauten, ältere, größere, kleinere, zentraler oder im Park gelegen – aber eines haben sie im Durchschnitt gemeinsam, wenn sie öffentlich sind: Sie sind miserabel ausgestattet und vor allem möbliert. Klar, die eine oder andere Schule hat mal etwas neuere Pulte, aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Ob Grundschule oder weiterführend: Wenn ich mir die Qualität der Stühle und Bänke, der Wandfarbe und das Alter der Türrahmen betrachte – jedes noch so einfache Arbeitsbüro ist besser ausgestattet: Bodenbeläge des gleichen Herstellers wie in meiner eigenen Schulzeit (und in einer Farbe wie sie circa 10-20 Jahre vor meiner Schulzeit modern war), mit Holzstühlen vollgestopfte Klassenzimmer, abgestossene Wände und Ecken. Und dabei war ich gar nicht auf einem Schulklo – Horrogeschichten zu diesem Thema machen ja immer wieder die Runde.

Den Schülern oder gar Lehrern kann man das nicht anlasten: Überall sieht man ihre Bemühungen, mit Wandgemälden zu schmücken oder mit Pflanzen etwas Atmosphäre herzustellen – aber Schreiner sind ja sicher die wenigsten.

Dabei stellen auf jeder Bildungsmesse Didacta einmal im Jahr viele renommierte Hersteller ihre innovativen Schulmöbel, praktischen Whiteboards oder geschmackvollen Lehrmaterialien für die Wände aus. Ob die wohl alle bloß exportieren und an Privatschulen liefern?

Natürlich kennt jeder die Antwort auf die Frage, warum dies alles so ist – und wahrscheinlich besonders seufzend die dafür Verantwortlichen in den Schulen: Es fehlt das Geld. Aber „fehlt“ es wirklich? Oder wird es nur einfach nicht bereitgestellt? Weil eine positive Atmosphäre beim Lernen nicht so wichtig ist? Natürlich kann man sich darüber streiten, ob eine weitere Lehrerstelle nicht wichtiger ist als zehn Whiteboards. Aber wenn in diesem reichen Land die Bildung der Kinder von der Politik als so bedeutend erachtet wird, warum muss man denn bitte darüber schon nachdenken?

Ich finde es wichtig, dass auch unsere Kinder in der Schule das Gefühl bekommen, dass der Ort ihrer Bildung wertgeschätzt wird. Aber wie soll das gehen, wenn jeder andere Ort, den sie kennen, schöner, sauberer und moderner eingerichtet ist? Wenn ihr „Arbeitsplatz“ sich von dem ihrer Eltern – wo sie vielleicht einmal zu Besuch waren – eklatant unterscheidet?

Liebe Politiker, bevor die nächste Sonntagsrede zum Thema „Bildung ist wichtig“ ansteht, unterschreibt doch einmal ein paar Budgetanfragen einer Schule eures Wahlkreises, da wäre dann wirklich etwas getan – danke!

Hut ab vor Erzieherinnen und Erziehern!

Fragen Sie sich auch manchmal, wie denn so eine Erzieherin den Krach – den Wahnsinn, die vielen Kinder, diese unendliche Energie von Kindergruppen den ganzen Tag aushält? Ich auch. Haben Sie sie schon einmal um dieses unglaubliche Geheimnis beneidet, wie sie die ganze Bande unbeschadet und entspannt zum Kita-Ausflug geleitet und zurück – während Sie noch jetzt gestresst an den letzten Kindergeburtstag denken, wo aber höchstens ein Drittel der Kinderanzahl einer Kitagruppe in Ihrer Obhut war?

Wie machen die das bloß? Auch nicht immer geduldig (aber oft) und jeden Tag ganz schön herausgefordert. Mit unterschiedlichsten Kindern, die unterschiedlichste Probleme, Familienkonstellationen, kulturelle Hintergründe und so weiter mitbringen….Und gerade Erzieherinnen und Erzieher sind heute von der aktuellen Situation mit häufigem Personalmangel und -wechsel am meisten gefordert. Und auch wenn man sich als Erzieher beim aktuellen Kitamangel den Job wohl aussuchen kann, hat interessanterweise noch immer niemand kapiert, mit welchem Mittel man denn Mangel seeehr leicht beseitigen und viele Probleme lösen könnte: Einfach mehr Geld zahlen.

Allerdings, sagen wir es wie es ist: Weil Erzieher(innen) so dringend, dringend gebraucht werden, erlebt man manches Mal im Kampf um einen Kita-Platz oder schlimmer, wenn das Kind schon in der Einrichtung ist, Betreuungspersonen, bei denen man sich fragt: Warum sind die eigentlich Erzieher geworden – mögen die eigentlich Kinder?

Weil das leider so ist, sind die „guten“ Erzieher noch mehr zu loben! Sie müssen nämlich neben den manchmal schwierigen Bedingungen dann auch noch unmotivierte Kollegen aushalten. Und das leisten sie, die guten Erzieher. Die wichtigen Begleiter unserer Kinder, die uns helfen, und für unsere Kinder wichtige Ansprechpartner außerhalb der Familie sind.

Also liebe Eltern: Sagt es ihnen ruhig einmal, wenn ihr die Arbeit gut findet, die Erzieher mit Euren Kindern leisten – jeder wird ja gerne einmal gelobt!

 

Foto: George Garrigues at en.wikipedia

Spuckende Fußball-Vorbilder

Fußball ist in Deutschland vor allem nach dem gewonnen WM-Titel in aller Munde. Auch bei unseren Kindern ist das so. Ja, mehr die Jungs, aber immer wieder auch die Mädchen fiebern mit und freuen sich über den Titel.

Fußball ist schließlich in Deutschland (Europa? weltweit?) eine der wichtigsten Sportarten überhaupt. Und unsere Kinder kicken mit. Keine Schulpause, in der nicht gebolzt wird – die Fußballplätze der Nation sind am Wochenende voll mit Spielen der G-, F-, E und so weiter -Jugend bis zur Altersklasse A.

Ja, und die bekannten Fußballspieler sind die Helden so mancher Kinder. Gerne möchten sie so sein wie die Großen – viele, viele träumen von der großen Fußballkarriere. Soweit, so gut. Klar, nicht jedem gefällt der Sport, der Kommerz. So manchem Kind sollte man schon einmal erklären, wie hoch der Anteil der Freizeitkicker ist, die ihren Lebensunterhalt mit dem Sport verdienen. In dem Alter, in dem das wichtig wird, wissen sie ja auch schon, was Prozentrechnung ist. All das nur, um die Realität ins Spiel zu bringen – ansonsten ist träumen erlaubt!

So manche Organisation schmückt sich mit erfolgreichen Fußballern als Botschafter für soziale Zwecke, als Vorbild für Kinder und Jugendliche, den richtigen Weg einzuschlagen, zum Beispiel drogenfrei zu leben. Super!

Denn die Fußballer-Jungs – manchem Elternteil scheinen sie nicht sehr viel reifer als der Älteste des Nachwuchses zu sein – sind Vorbilder für unsere Kinder, auch im Kleinen.

Viele von ihnen können sich ja benehmen… aber manche? O.k., pinkelt ein Nationalspieler in die Hotelecke, ist das immerhin einen kleinen Skandal wert, aber auf den Rasen spucken scheint normal zu sein. Nein, diese Spuckerei auf dem Fußballplatz verhunzt mir jede Partie. Wenn diese jungen Männer vor dem Millionenpublikum der Fernsehkameras ekelhaft auf den Boden rotzen dürfen – wie erkläre ich dann meinem Fünfjährigen, dass das schlecht erzogen und widerlich ist?

Bitte liebe Fußballspieler, macht Ihr nur Euren Job, alles gut. Aber bitte, bitte schluckt die Spucke einfach runter – jedenfalls vor Fernsehkameras. Danke!!

Das bisschen Haushalt…

Was tut frau eigentlich den ganzen Tag als „Hausfrau“? Welche Pflichten hat man so als Eltern „nebenbei“ – wer arbeitet und für das Familienmanagement zuständig ist? Hier einmal eine (ganz bestimmt unvollständige) Auflistung inklusive Berufsbezeichnungen: Als Argumentationsliste für die Verteilung der freien Wochenenden beispielsweise. Als Erinnerung falls man das Gefühl hat, „was mach ich bloß den ganzen Tag“?. Oder als Argument für die nächsten Pläne, Kinderlose künftig mehr Sozialabgaben übernehmen zu lassen….

Übrigens: Es geht hier nicht um die Betreuung von Kleinkindern oder gar Babys – denn dann könnte ich die Liste sicher locker verdoppeln!

Erzieherin

  • Kinder zum Aufräumen anhalten oder selber tätig werden je nach Alter und Chaosgrad
  • Kinder morgens fragen, ob sie Hände und Gesicht gewaschen, sich die Zähne geputzt und gekämmt haben
  • Kinder tagsüber zum Gesicht und Hände waschen anhalten (wenn es Spaghetti gab, beim Heimkommen vom Spielplatz…)
  • Kinder zum Umziehen auffordern, wenn sie eine schmutzige Hose/ein schmutziges T-Shirt anhaben
  • Auf die Einhaltung der Medienzeit achten, sich mit den Kindern streiten, wenn diese vorbei sind

Sekretärin/Familien- und Eventmanagement

  • Urlaub+ Kurzurlaub planen
  • Urlaub recherchieren
  • Ferienevents Kinder recherchieren, planen, buchen: Reiterhof, Sprachferien, Wald-Workshop
  • Abholung/Hinbringen zum Sporttraining/Musikunterricht 
  • Kindergeburtstagstermine eintragen, bringen und holen planen (evtl. in Absprache mit anderen)
  • Kindergeburtstagsgeschenke planen (evtl. Geburtstagseltern anrufen), besorgen, einpacken)
  • Eigene Kindergeburtstage planen, vorbereiten, durchführen
  • Kinderklamotten sichten (was ist zu klein?)
  • Kinderklamotten/Schuhe kaufen

Chauffeur

  • Sporttraining, Klavierunterricht, Freunde, Kindergeburtstag, Schulevents, Fußballspiele….

Hilfslehrerin

  • Hausaufgaben kontrollieren
  • Schulsachen sichten (welches Heft wird voll?)
  • Lernen und Abfragen von Gedichten, Unterrichtsinhalten u.ä.
  • Schulsachen kaufen
  • Hausaufgaben beaufsichtigen und dafür sorgen, dass niemand zu lange trödelt und pünktlich zum Nachmittagstermin kommt

Restaurantfachkraft

  • Essen einkaufen: Großeinkauf, kleine Einkäufe
  • Essen planen
  • Essen schnippeln, rühren, braten
  • Tisch decken, wenn es kein Kind tut (Hausaufgaben! Wichtige Telefonate mit der Freundin!)

Putzfrau

  • Putzen: Wohnung, Kinderzimmer, Bad, Küche, Balkon, Terrasse…..
  • Essensgeschirr abräumen und in die Spülmaschine sortieren
  • Spülmaschine ausräumen und wegräumen 
  • Wäsche sortieren
  • Waschmaschine füttern, hinterher aufhängen
  • Trockene Wäsche zusammenlegen und in die Schränke verteilen
  • Müll sortieren und entsorgen
  • Badartikel und Co sichten und nachkaufen (Shampoo, Seife, Clopapier….)

Krankenpfleger

  • Fieber messen, Tee kochen, Wickel wickeln
  • Arzttermine planen und auf die Einhaltung achten bzw. das Kind begleiten
  • Medikamente bestellen, abholen und auf die regelmäßige Einnahme achten
  • Kranke trösten, Händchen halten, Langeweile vertreiben

Wer weiß noch mehr Punkte? Unsere Kommentarfunktion freut sich!

Illustration: Isabelle Dinter

Gemeinsame Schulpolitik in Deutschland? Leider nein!

Da saßen Bildungspolitiker zweier Länder auf dem Podium auf der Bildungsmesse Didacta 2014 und diskutierten über die Frage „Differenziertes Schulsystem oder Gemeinschaftsschule – was ist für Schülerinnen und Schüler besser?“ Es handelte sich um einen Vertreter des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg (Gemeinschaftsschule) und einem Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und und Kunst aus Bayern (differenziertes Schulsystem). Und – sie stritten sich, anders kann man das nicht sagen.

Gemeinsam mit einem Professor und einer Vertreterin einer Initiative pro dreigliedriges Schulsystem wurden Studien und Gegenstudien zitiert, Zahlen und Statistiken in die Arena geworfen und sich gegenseitig Rückständigkeit vorgeworfen. Ideologie und Grabenkampf war das Gebot der Stunde. Wenn ein solcher Ton immer dann herrscht, wenn sich in länderübergreifenden Gremien die Verteter zum Thema Schulpolitik treffen, kann man sich glücklich schätzen, wenn überhaupt einmal etwas Konstruktives und Gemeinsames dabei herauskommt.

Obwohl die Moderatorin zu Beginn darauf hinwies, dass es um den Blickwinkel der Schülerinnen und Schüler ging, kam die Diskussion auf diese höchst selten. Die Tatsache, dass Deutschland ein Land ist, in dem es mehr als sinnvoll wäre, Abschlüsse, Systeme, Standards so gut wie möglich zu vereinheitlichen, kam nicht zur Sprache. Dabei würde dies der Tatsache Rechnung tragen, dass heutzutage viele Absolventen zum Studieren und Arbeiten ihre Heimatregion verlassen und Familien aufgrund von Arbeitssituationen der Eltern häufig innerhalb Deutschlands umziehen. Und wie schlägt sich dann ein Gemeinschaftsschüler in der Realschule? Ein FOS-Schüler im Gymnasium des Nachbar-Bundeslandes? Sind solche Probleme Einzelfälle und vernachlässigbar?

Es kann nicht sein, dass wir ein immer einheitlicheres Europa mit gleichem Geld, zum Teil gleicher Außenpolitik, gleichen Wirtschaftsstandards haben und bekommen – eine einheitliche Schulpolitik in Deutschland aber immer unwahrscheinlicher erscheint. Europäische Freizügigkeit von Arbeitnehmern – wir arbeiten europaweit daran; Freizügigkeit von Schulkindern in Deutschland – keine Chance?

Grabenkämpfe, Ideologien, schön und gut – aber Politiker, für wen macht ihr Politik? Für die Theorie? Oder für echte Menschen? Echte Kinder und echte Eltern, die schon lange nicht mehr durchsteigen. Die auch keine Lust haben, sich in Lager aufteilen zu lassen, je nachdem, in welchem Bundesland sie zufällig gerade wohnen. Sondern am liebsten ein einheitliches Schulsystem in ganz Deutschland hätten, weil es für sie am praktischsten und am gerechtesten wäre. Nicht mehr und nicht weniger.

Museales Kinder-Programm

Wer gerne in Museen geht und Kinder hat, bekommt spätestens dann ein Problem, wenn die Kleinen nicht mehr im Tragegurt durch Kunstausstellungen, Retrospektiven oder Werkschauen getragen werden können. Kleinkinder haben zu einem solchen Besuch zwischen 10 und 20 Minuten Geduld – bei guten Ausstellungen kann das dann gerne mal 2 Euro pro Minute der Eintrittskosten betragen…. Hilfe naht vermeintlich ab dem Kindergartenalter – das Kinderprogramm so mancher Museen und Ausstellungen.

Kinderprogramm in Museen: In Wahrheit ein Elternbeschäftigungsprogramm?

Da können Mami und Papi in Ruhe durch die Räume mit den Exponaten schlendern, während der Nachwuchs spielend und fröhlich die eigenen Wege geht…. So träumen es sich die Ausstellungsmacher. Doch das ist eher selten der Fall. Stattdessen mutet das Ganze all zu oft wie ein „Elternbeschäftigungsprogramm“ an. Da folgen die Großen möglichst unauffällig der Kinderführung, da der Kleine sonst ängstlich gar nicht mitgehen würde. Schön, dass man danach die Bilder immerhin mit den Augen einer Sechsjährigen gesehen hat – aber wie war das noch mit dem interessanten gesamthistorischen Zusammenhang? Keine Ahnung, war in der Führung kein Thema.

Beliebt sind diese wunderbaren Heftchen, die den Kleinen den eigenen Weg als lustige Schnitzeljagd durch die Ausstellung weisen sollen. Schon in den ersten Räumen sieht man Kinder mit ihren Eltern die einzelnen Ausstellungspunkte suchen, die für die Kinderaufgaben gedacht waren. Sie sind für die jüngeren Kinder leider schwer zu finden, da ihnen der Überblick über die großen Räume fehlt. Die Aufgaben sind übrigens laut Aufdruck für Kinder von 6 – 12 Jahre gedacht – also wie ein Schulbuch, dass für die erste bis siebte Klasse gilt. Ist der Nachwuchs hingegen alt genug, um die Fragestellungen zu verstehen, hat er ganz sicher keine Lust mehr auf diesen „Babykram“.

Elektronische Ausstellungsführer – Technik, die (nicht immer) begeistert

Seit neuestem bekommt man in immer häufiger in Museen elektronische Ausstellungsführer, die ganze Heerscharen Besucher schweigend und mit Kopfhörern durch die Hallen führt. Ideal für eine Kinderführung sollte man meinen – zumindest wenn es auch eine Kindervariante gibt. Doch auch dann kann es passieren, dass es weder Kindern noch Erwachsenen – trotz reichlich Erfahrung mit Touchscreens, Internetnavigation, Softwarevarianten oder Computerspielen – gelingt, mit dem elektronischen Teil zurecht zu kommen. Uff, am Ende klappt es leidlich – aber: Was war eigentlich im letzten Raum, den wir nur mit Blick auf blinkende Lämpchen und zu scannende Codes durchquerten?

Natürlich gibt es Museen, die ihr Kinderprogramm ganz großartig durchführen und Besuchern jeden Alters echte Erlebnisse und Erkenntnisse bringen – klar! Beispiele? Vielleicht haben Sie ja eines?