Heiligt der Zweck die Mittel? Aber natürlich!!

Kommentar: Wer bei der größten Fastfoodkette Deutschlands ein Happy Meal kauft, bekommt manchmal – durch eine immer wiederkehrende Kooperation mit der Stiftung Lesen – statt Plastikspielzeug ein gutes Kinderbuch dazu.Foodwatch hat die Stiftung Lesen für diese Aktion kritisiert: Eltern werden so motiviert, ihren Kindern schädliches (Fastfood)Essen zu kaufen.

Die Stiftung Lesen will zum Lesen animieren, McDonalds will Burger verkaufen – passt das zusammen?

Gehe ich als Eltern öfter mit den Kindern zum (ungesunden) Burgeressen, wenn ich weiß, da gibt es Bücher? Seltsame Vorstellung.

Kaufe ich als Eltern ein Happy Meal für 3,69 Euro nur wegen eines Buches, das ich beim Kinderflohmarkt für zwei Euro erstehen könnte? Sicher nicht. Bin ich vielleicht unglaublich froh, wenn die Kinder beim ein- bis zweimonatlichen McDonaldsbesuch statt des blöden Plastikspielzeuges etwas bekommen, das nicht bereits kaputt ist, wenn kaum dass alle wieder zu Hause sind?

Lesen Kinder, die sowieso zum Burgeressen gehen mehr, wenn sie dort Bücher bekommen? Wegen dieser Hoffnung hat die Stiftung Lesen die Aktion initiiert. Und auch wenn man es nicht weiß: Möglich wäre es, und das ist ja schon einmal etwas.

Wir haben in der Familothek bereits positiv über Aktionen der Stiftung Lesen (Leipziger Lesekompass) und über Aktionen von Foodwatch  (Ungesundes Kinderessen) berichtet. Wir finden es gut, dass es Organisationen gibt, die sich um gesunde Ernährung und  Bildung kümmern – und aufklären, Lesetipps geben….Hier außerdem noch einen Vorschlag, wie man die Idee vom Giveaway für eigene erzieherische Zwecke einsetzen kann: Belohnungsspielzeug, diesmal für „gutes Essen“ (Happy Meal als Vorbild: Spielzeug für gutes Essen)

Müssen Organisationen, die eine gute Botschaft verbreiten möchten, sich mit ihren Aktionen nur an diejenigen wenden, die sowieso bereits an ihre Ziele glauben? Klar ist das einfacher und sie geben keine hehren Ideale auf. Aber das bedeutet, dass sie lediglich ihre eigenen Leute bestätigen und „sich um sich selbst drehen“. Neue Anhänger gewinnen sie so aber nicht und verfehlen letztlich ihr aufklärerisches Ziel. Vielleicht sollten sie ihre Kraft nicht damit vergeuden, sich gegenseitig zu kritisieren?

Vor dieser Debatte stehen natürlich nicht nur Organisationen wie Foodwatch sondern auch alle Medien. Wir bei Familothek wollen weiterhin eine abwechslungsreiche Mischung zwischen Nischen- und Mainstream-Themen, zwischen politischen und praktischen Themen für ein breites Elternpublikum anbieten.

Denn Eltern wissen aus ihrem Alltag, dass sich besser praktisch als dogmatisch erziehen lässt.

Foto: Bernd Sauerwein

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