Museales Kinder-Programm

Wer gerne in Museen geht und Kinder hat, bekommt spätestens dann ein Problem, wenn die Kleinen nicht mehr im Tragegurt durch Kunstausstellungen, Retrospektiven oder Werkschauen getragen werden können. Kleinkinder haben zu einem solchen Besuch zwischen 10 und 20 Minuten Geduld – bei guten Ausstellungen kann das dann gerne mal 2 Euro pro Minute der Eintrittskosten betragen…. Hilfe naht vermeintlich ab dem Kindergartenalter – das Kinderprogramm so mancher Museen und Ausstellungen.

Kinderprogramm in Museen: In Wahrheit ein Elternbeschäftigungsprogramm?

Da können Mami und Papi in Ruhe durch die Räume mit den Exponaten schlendern, während der Nachwuchs spielend und fröhlich die eigenen Wege geht…. So träumen es sich die Ausstellungsmacher. Doch das ist eher selten der Fall. Stattdessen mutet das Ganze all zu oft wie ein „Elternbeschäftigungsprogramm“ an. Da folgen die Großen möglichst unauffällig der Kinderführung, da der Kleine sonst ängstlich gar nicht mitgehen würde. Schön, dass man danach die Bilder immerhin mit den Augen einer Sechsjährigen gesehen hat – aber wie war das noch mit dem interessanten gesamthistorischen Zusammenhang? Keine Ahnung, war in der Führung kein Thema.

Beliebt sind diese wunderbaren Heftchen, die den Kleinen den eigenen Weg als lustige Schnitzeljagd durch die Ausstellung weisen sollen. Schon in den ersten Räumen sieht man Kinder mit ihren Eltern die einzelnen Ausstellungspunkte suchen, die für die Kinderaufgaben gedacht waren. Sie sind für die jüngeren Kinder leider schwer zu finden, da ihnen der Überblick über die großen Räume fehlt. Die Aufgaben sind übrigens laut Aufdruck für Kinder von 6 – 12 Jahre gedacht – also wie ein Schulbuch, dass für die erste bis siebte Klasse gilt. Ist der Nachwuchs hingegen alt genug, um die Fragestellungen zu verstehen, hat er ganz sicher keine Lust mehr auf diesen „Babykram“.

Elektronische Ausstellungsführer – Technik, die (nicht immer) begeistert

Seit neuestem bekommt man in immer häufiger in Museen elektronische Ausstellungsführer, die ganze Heerscharen Besucher schweigend und mit Kopfhörern durch die Hallen führt. Ideal für eine Kinderführung sollte man meinen – zumindest wenn es auch eine Kindervariante gibt. Doch auch dann kann es passieren, dass es weder Kindern noch Erwachsenen – trotz reichlich Erfahrung mit Touchscreens, Internetnavigation, Softwarevarianten oder Computerspielen – gelingt, mit dem elektronischen Teil zurecht zu kommen. Uff, am Ende klappt es leidlich – aber: Was war eigentlich im letzten Raum, den wir nur mit Blick auf blinkende Lämpchen und zu scannende Codes durchquerten?

Natürlich gibt es Museen, die ihr Kinderprogramm ganz großartig durchführen und Besuchern jeden Alters echte Erlebnisse und Erkenntnisse bringen – klar! Beispiele? Vielleicht haben Sie ja eines?

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