Neue Medien – Neue Gefahren!

Eigentlich sind laut Nutzungsbedingungen Kinder unter 13 Jahren von Facebook ausgeschlossen. Das deutsche Netzwerk SchülerVZ erlaubt eine Nutzung erst ab 12 Jahren. Aber: Die Zugangskontrollen können sehr leicht umgegangen werden. Eine Studie im Auftrag des Magazins „Consumer Reports“ entlarvt: fast 7,5 Millionen US-amerikanische Facebook-Nutzer sind jünger als 13.

Geballte Ratlosigkeit bei einem Elternabend über Medienkompetenz in einem Münchner Hort: „Ich verstehe selbst überhaupt nichts von diesen sozialen Netzwerken, wie soll ich das nur kontrollieren?“, klagt Monika W., Mutter eines 10- jährigen Sohnes. „Sollen wir stundenlang neben unsere Tochter am Computer sitzen und sie kontrollieren? Die Zeit haben wir nicht. Ich kann nicht überprüfen, ob sie für ein Referat im Internet surft oder stattdessen den Code unserer Alarmanlage bei Facebook veröffentlicht“, die ältere Tochter von Christine S. ist schon 13. Jemand anderes berichtet, wie Bekannte eine 700,- Euro-Abmahnung bekommen haben, weil ihr 11-jähriger Sohn illegal im Internet Musik heruntergeladen hat. Der Vater sei IT-Sicherheitsexperte eines namhaften Energiekonzerns. Der Nachwuchs sei anscheinend technisch eine Länge voraus gewesen, so die bittere Feststellung.

Facebook: Die Tatsachen

Laut einer amerikanischen Studie verstoßen in den USA 37,5 Prozent der minderjährigen Facebook-Nutzer absichtlich gegen die Regeln des Netzwerkes. Eine deutsche Studie sieht ähnliches bei uns: 35 Prozent der im Internet aktiven Kinder zwischen 10 und 11 Jahren ist auch auf sozialen Netzwerken unterwegs. Bei den 8- bis 9-Jährigen sind es 13 Prozent und sogar 5 Prozent der 6- bis 7-Jährigen Internetsurfer sind schon dabei. SchülerVZ ist mit 66 Prozent der Nutzer hierzulande das populärste Netzwerk für Kids unter 13. Es folgt Facebook mit 20 Prozent. (Quelle und mehr zu dieser Studie in unserem Artikel: „Behütet – Beschallt – Vernetzt: Mediennutzung im Alltag der deutschen Kinder“)

Die Risiken von Facebook & Co

Die Auftraggeber der amerikanischen Studie weisen darauf hin, dass vergangenes Jahr über eine Million Minderjährige Opfer von Cyber-Mobbing-Attacken wurden. Außerdem drohen Datenmissbrauch bis hin zu Identitätsdiebstählen und Infektionen durch Computerviren. Die ahnungslosen Surf-Kids können Malware-infizierte Seiten anklicken, auf fragwürdige Einladungen von Fremden reagieren, in Internet-Abofallen tappen. Auch das illegale Herunterladen von Musik oder Daten birgt erhebliche finanzielle Risiken. (Die Rechtsprechung zum Thema Illegale Musiktauschbörsen)

Leider sind bei allen Netzwerken die Alterskontrollen leicht umzugehen: Es reicht die Eingabe eines falschen Geburtsdatums bei der Anmeldung. Zwar können andere Nutzer zumeist verdächtige Profile melden und Eltern die Löschung der Profile ihrer Kinder bewirken. Die Verantwortung für die Aufdeckung liegt aber klar bei den Eltern.

Die Möglichkeiten

Die EU-Kommission hat den Betreiber von sozialen Netzwerken aufgefordert, Profile von Minderjährigen vor Zugriffen Fremder und Suchmaschinen zu schützen. SchülerVZ setzt bei uns diese Vorgaben freiwillig um: So sind die dort ca. 5 Millionen angemeldete Profile standardmäßig so eingestellt, dass sie nicht automatisch von Suchmaschinen erfasst werden können. Anders als zum Beispiel bei Facebook, erfolgt eine Neuanmeldung nur auf Einladungen eines anderen Mitglieds.

Die einfachste Methode, ein wachsames Auge über die Aktivitäten des eigenen Teenagers zu behalten, ist es, selbst in Facebook eine „Freundschaftsanfrage“ an die eigenen Kinder zu schicken. Eine weitere Nutzung des Netzwerkes gewähren die Eltern dann nur, wenn das Kind die Anfrage auch akzeptiert. Noch mehr Infos dazu bei uns: Facebook Tipps und Tricks.

Andere Möglichkeiten bieten Schutzprogramme wie zum Beispiel ZoneAlarm SocialGuard: Die Software schlägt bei den Eltern Alarm, wenn das Kind im Internet gemobbt wird oder virtuelle Gespräche über Magersucht, Selbstmord, Gewalt oder Drogen führt. Nachrichten, Kommentare und Fotos mit harmloserem Inhalt bleiben hingegen den Eltern verborgen.

Die Erfahrungen der Teilnehmer unserer Elternabendrunde zeigt allerdings, dass Kontrolle alleine keine Lösung darstellt. Für viele Eltern, die selbst wenig Zeit und Computerkenntnisse haben, bleiben die Hürden sehr groß. Um bewusst zu lenken und erziehen, muss man sich selbst kompetent fühlen.

Ferienkurse, die Medienkompetenz für Kinder und Eltern vermitteln, sind eine interessante Lösung. In solchen altersgerechten Kursen lernen Kinder und Eltern gleichzeitig die Tücken der sozialen Netzwerke kennen, lernen über den Umgang mit Abofallen und urheberrechtlich geschützten Inhalten im Netz. Dabei ist es nicht so wichtig, dass die Mutter schneller als das Kind Chat-Beiträge eintippen lernt. Es geht viel mehr um die Stärkung der erzieherischen Kompetenz im Bereich Neue Medien. Die Kinder lernen spielerisch, Gefahren selbst zu erkennen und altersgemäß mit den Neuen Medien umzugehen.

Nach dem Kurs kann dann jede Familie die für sie passende Regelung finden und im allgemeinen familiären Konsens auch einhalten. Der Verein comp@ss bietet solche Kinder- und Eltern-Kinder-Kurse in mehreren deutschen Großstädten an.

Wer im Internet mehr zum Thema erfahren möchte, findet hier eine interessante Linksammlung:
http://www.klick-tipps.net/infos-fuer-erwachsene/ 

Und noch ein Buchtipp: Facebook, Twitter & Co. Aber sicher

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