Pommes, Pommes, Pommes oder: Die Kinderspeisekarte

Da ist die ganze Familie unterwegs, kehrt irgendwo in einem „gutbürgerlichen“ Restaurant ein, die Großen suchen sich ein Erwachsenenessen aus und kriegen dann die sogenannte „Kinderkarte“ zu sehen: Diese ist meist niedlich verpackt, in mehr oder minder geschmackvollem Kinder-Design.

Manchmal können die Kleinen sie ausmalen – und wollen es auch, falls sie die Kinderfiguren der siebziger Jahre, die dort gezeichnet sind, noch kennen oder zumindest süß finden. Die Namen der Gerichte reichen von „Pippi Langstrumpf“ über „Fix und Foxi“ bis zu „Harry Potter“. Der Inhalt ist viel zu oft gleich schlecht: Schnitzel mit Pommes, Fischstäbchen mit Pommes, Würstchen mit Pommes, ganz vielleicht ist ein Kartoffelknödel mit Sauce dabei. Die Preise sind meist fürstlich im Vergleich zum Erwachsenengericht und wenn man bedenkt, dass der Koch (oder der Azubi) zur Zubereitung dieser Gerichte die Großpackung öffnet und die Fritteuse bedient.

Und was macht das normale Kind zwischen 2 und 10 Jahre in solchen Fällen? Es jubelt „Pommes“!!! Und welches Elternteil würde hier im Restaurant Geschrei und Gemotze riskieren, nur damit Mia oder Phillip bei „Mama Gemüse mitessen“? Ein lesekundiges Kind hat sowieso die bunten Zeichnungen sofort gefunden und die Bestellung von „…..mit Pommes“ bereits ohne Diskussion selbst abgesetzt.

Die meisten Kinder essen nicht pausenlos Junkfood, sondern wären für „Reis mit Sauce“ oder ähnlich Harmloses im Restaurant durchaus zu haben. Nur es gibt diese kaum. Und wenn die frittierten vitaminfreien Goodies so beworben werden – klar, da schlagen Kids zu! Ab und zu mal Pommes ist doch nicht so schlimm, sagen Sie – aber was machen wir die drei Wochen im Urlaub? Während die Erwachsenen täglich wechselnde Gerichte der Tageskarte genießen, jauchzen die Kinder ein ums andere Mal „Pommes!“ …und zeigen bei der Heimkehr Anzeichen von leichtem Skorbut.

Während Restaurants mit ausländischem Essen oft ihre eigenen leckeren Gerichte schlicht als halbe Portion (zum halben Preis) anbieten, sind diese unsäglichen Kindergerichte gerade bei der gutbürgerlichen Gastronomie, die sonst im Durchschnitt gar nicht schlecht kocht, viel zu sehr verbreitet.

Liebe Gastronomen – Ihr wollt doch, dass Ihr auch in zwanzig Jahren Gäste habt und die sollen doch Eure Qualität zu schätzen wissen oder? Was macht Ihr, wenn die Kinder von heute als Eure Gäste von morgen gleich beim Fastfoodlieferanten essen, weil „Restaurantbesuch“ seit frühester Kindheit mit „Pommes“ und Frittierkram verbunden ist…?

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