Kategorie: Europa

In Südtirol mit Kindern

Die Gondel surrt und hebt ab zur Fahrt von Oberbozen hinunter nach Bozen. Gerade entfernt sich die geräumige Glaskabine vom Ort, die kleinen Hotels, renovierten Bauernhäuser und Neubauten im alpinen Stil werden immer kleiner. Unter uns die Wälder und Felder des Ritten, eines Hochplateaus oberhalb der Landeshauptstadt Südtirols. Seit über hundert Jahren ist die Gegend schon ein Ziel „für Sommerfrischler“ – deshalb die schönen alten Hotels und die gute Infrastruktur hier, mehr als 1.200 Meter über dem Meeresspiegel.

 

Natur, Kultur und Stadtleben

Die Gondel überquert jetzt Bauernhäuser und links kann man die Erdpyramiden des Ritten sehen. Diese geologische Besonderheiten sind steile, Lehm oder Sandsteinkegel, entstanden durch eine bestimmten Art Erd-Erosion – sie sind weltweit sehr selten. Von Ferne sehen sie aus, als habe der liebe Gott ein bisschen mit rotem Matschsand kleine Schlammbäume aufgeträufelt. Langsam überschweben wir den Teil des Hügels, der von Weinstöcken überzogen ist. Klar, Südtirol und Wein, das gehört zusammen. Und nun kommt die Stadt Bozen in Sicht – Stadthäuser, der Fluss Eisack und die Bahnstrecke des Hauptbahnhofes der Stadt mit circa 100.000 Einwohnern werden immer größer und sanft fährt die Gondel in die Station. 12 Minuten dauerte die Fahrt vom  Natururlaub zum Cityhopping in die Stadt, alle vier Minuten kommt eine Gondel.

Südtirol – ideal für Familien

Wandern, Natur, Urlaub auf dem Bauernhof – das alles kann man am Ritten erleben. Es gibt hunderte Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen. Eine kleiner eingleisiger Zug verbindet die Dörfer bis hin zur Gondel und macht den Verzicht auf das Familienauto leicht. Unten dann die Stadt Bozen mit wunderschönen Stadthäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. In den Laubengängen gibt es Geschäften für jeden Geschmack – Kleidung für jede Preisklasse, traditionelles Handwerk, sportliche Ausrüstung….Praktischerweise kann man in den überdachten Laubengängen auch bei Regen perfekt schlendern. Mehrere mittelalterliche Burgen warten auf einen Besuch (für kleine und große Ritterfans), auf der Piazza Walther, dem Zentrum der  Stadt, lässt es sich herrlich sitzen, schauen und Eis schlecken.

Den Ötzi anschauen

Es gibt so viele interessante Museen, dass die Auswahl mehr als schwer fällt. Ein Muss ist das Naturkundemuseum mit dem Ötzi, die 5.300 Jahre alte Mumie, die vor 20 Jahren im Tiroler Eis gefunden wurde. Nicht nur die etwas seltsam anmutende braune Leiche ist dort zu besichtigen, vor allem die Erkenntnisse über Kleidung und Ausrüstung eines Reisenden von vor 5000 Jahren, sind faszinierend. Die Einteilung der Bronzezeit musste nach dem Fund des Mannes aus dem Eis von der Wissenschaft um 1.000 Jahre vorverlegt werden – dies zur Bedeutung des Fundes.

Ein Urlaub am Ritten in Südtirol vereint ideal die Interessen aller Familienmitglieder.

Noch mehr Infos im Web:
http://www.suedtirolerland.it/

Foto: Italy Family Hotels

 

Wo sich Berge und Meer berühren

Lorenzo als Wanderführer

Wer sich raus aus dem Liegestuhl traut, entdeckt die wahre Schönheit der Palmenriviera im Nordwesten Italiens, wo sich die ligurische Alpen bis direkt ans Meer erstrecken. Inmitten einer grünen Landschaft entdeckt man Orte, in denen Geschichte wieder lebendig wird.

 

“Hier verlief einst die Grenze zwischen der Markgrafschaft von Finale und der Republik von Noli“, erklärt mir Lorenzo, während wir den gut ausgebauten steilen Weg hinauf wandern. Von fast allen Stellen aus genießt man einen spektakulären Meerblick „Hier standen sich also im Mittelalter das feudale System und die von Kaufleuten geführte Regierungsform der Republik gegenüber.“ Lorenzo und ich verweilen eine Weile, um Fotos zu machen, während der Rest unserer Gruppe schon vorgeht. Die Luft riecht nach Kräutern, wir pflücken wilden Thymian und Bohnenkraut.
Wir befinden uns in den Bergen oberhalb von Finale Ligure, südwestlich von Genua.

 

In der kleinen Stadt, die aus den Ortschaften Finalborgo, Finalmarina und Finalpia besteht, verbringt unsere vierköpfige Familie den Urlaub. Nach einigen Tagen Pflichtprogramm mit Strand und Genuabesuch haben wir uns mit den anderen deutschen Hotelgästen inklusive der Kinderschar hinauf in die Berge auf Familienwanderung begeben. Aufgebrochen sind wir unter den prächtigen Palmen, wofür dieser Küstenabschnitt, die Palmenriviera, bekannt ist. Nun befinden wir uns auf einem spröden Felsenplateau genannt Le Manie.

Lorenzo Carlini, unserer Gastgeber und Begleiter kennt sich in diesen Bergen wie kaum ein anderer aus. Zwischen Wäldern und terrassenförmigen Weinhängen, Oliven- und Obstfeldern hat er für die Familienwanderung Wege ausgesucht, die für alle gut zugänglich sind. Für Kleinkinder stehen Kraxen bereit. Seine Liebe für die Geschichte von Finale lässt Lorenzo den Gast spüren. „Das Wort Finale bedeutet eigentlich Grenze,“ führt er fort. „Hier standen sich im XII Jahrhundert zwei politische und gesellschaftliche Modelle direkt gegenüber: Adel und aufstrebendes Bürgertum.“ Eigentlich ging es konkret um die Herrschaft über den Hafen von Varigotti, erklärt er mir weiter.

Ein Blick hinunter

Wir haben inzwischen einen weit aufs Meer hinausragenden Felsenvorsprung erreicht. Das Wetter ist diesig, schlecht für die Fotos, eigentlich. Insgeheim bin ich darüber eher froh: Die Farbkontraste zwischen den grünen Bergen, den Blumenwiesen auf dem Felsplateau und diesen allgegenwärtigen Meer erscheinen sogar im Dunstschleier gewaltig. Die wilde Schönheit dieses Panoramas würde bei Sonnenschein, empfinde ich, fast wehtun.  Die Wanderung hat mich mit Eindrücken gesättigt: schon gut so.

Von hier aus kann man tatsächlich hinunter auf den Strand von Varigotti blicken. Das Fischerdorf ist im sarazenischen Stil gebaut, mit wenigen flachen Häusern in Pastellfarben, die idyllisch verschlafen vor einem breiten Sandstrand ruhen. Steile Hügel ragen direkt 200 Meter hinter dem Strand in die Höhe.
Schwer zu glauben, dass dieser kleine Hafen einst so strategisch wichtig war, dass dessen Besitz jahrzehntelange blutige Auseinandersetzungen verursachte.

Leckereien für Groß und Klein

Wir erreichen inzwischen den Rest der Wandergruppe. Fröhliches Kindergelächter kommt einem entgegen. Dass Kinder sich derart für schöne Ausblicke interessieren ist mir neu. Oder spielen sie einfach nur mit den Schottersteinchen?

Wir lassen die Küste hinter uns und folgen dem Weg in den schattigen Mischwald. Hier kann man sehen, dass auch im Wald die steilen Hänge teilweise terrassenförmig sind, weil auch diese einst für die Landwirtschaft genutzt wurden. Angebaut wurden hier früher Kichererbsen. Hülsenfrüchte haben in Italien eine lange kulinarische Tradition, sie waren die Eiweißspender des Volkes. Von der Slowfood-Bewegung wiederentdeckt, erlebt zum Beispiel die typische Kichererbsen-Farinata ein echtes kulinarisches Comeback.

Am Ende kehren wir in eine kleine Trattoria ein, das Restaurant Ferrin, beim Camping Terre Rosse. Wir nehmen Platz unter einer wunderschönen Fliederlaube mitten im Grünen. Auf kleine und größere hungrige Mäuler warten jede Menge leckere Spezialitäten: eingelegte Fische, panierte Zucchini, gebackene Auberginen und Carpaccio. Es wird angeboten, für die Kinder noch Pommes zu servieren. Keiner meldet sich: Frittierte Zucchiniblüten scheinen allen besser zu schmecken.

Ein stürmischer Tag

Am Tag darauf ist es stürmisch. Uns wird empfohlen, auf der Bundesstrasse Aurelia spazieren zu gehen, um die Brandung an der felsigen Küste zu beobachten. Was anfangs etwas eigentümlich klingt, erweist sich als guter Tipp. Die altehrwürdige Straße aus römischen Zeiten, die direkt am Meer verläuft, ist nämlich zur Zeit teilweise für den Autoverkehr gesperrt. Nach einem Cappuccino und Brioche in Finalmarina in der Bar Pasticceria La Palma, erreichen wir die stillgelegte Straße, die sich direkt unterhalb des Plateaus vom Vortag entlang schlängelt. Die Luft ist salzig, der Wind warm, die Brandung spektakulär. An manchen Stellen bildet sich regelrecht ein Windkanal. Es ist schwer, stehen zu bleiben. Buchstäblich vom Winde verweht, können wir unsere eigenen Worte kaum hören. Das Naturschauspiel überwältigt die ganze Familie. Danach fühle ich mich innerlich außerordentlich ruhig, erholt und regeneriert, als ob der Sturm mir die Teufel des Alltags ausgetrieben hätte.

Nach dem Spaziergang gehen wir durch die Gassen der Altstadt Finales, Finalborgo, um ein Eis zu essen. Die typische Gelateria Bar Centrale auf der Piazza Garibaldi lässt keine Wünsche offen und arbeitet nach traditionellen Rezepten. Geschützt durch die alten Gemäuer spürt man den Wind hier kaum.

In den Gassen von Finalborgo

Am Ortseingang bleiben wir vor einem seltsamen Strauch stehen, der direkt aus einer Hauswand wächst. Er hat zarte, weiß-violette Blüten. „Es sind Kapern“, erklärt die betagte Hausbesitzerin freundlich, die neugierig wegen den deutsch-italienischen Sprachbrocken meiner Kinder auf die Türschwelle gekommen ist. Kleine Kapern hängen noch an der Pflanze. Ich erkundige mich, ob man sie einfach pflücken und essen kann. „Einfach so schmecken sie nicht, Signora. Man muss sie zubereiten.“ erklärt die nonna. Zu viel Arbeit, sie kauft mittlerweile lieber welche im Feinkost nebenan. Den Kapernstrauch hält sie noch der Schönheit der Blüten wegen. „Diese Blüten haben sich heute morgen erst geöffnet. In einer Stunde werden sie wieder verblüht sein: So vergänglich wie das Glück im Leben.“ Die alte Dame zieht sich ins Haus zurück; es ist fast Mittag.
Wir ziehen weiter durch die Gassen, vorbei an kleinen hübschen Boutiquen mit originellen Modeartikeln sowie an herrlich duftenden Feinkostläden, wie das  Sambarino, in der man sich Brötchen, „panini“, mit allen möglichen Wurstwaren, Käsesorten und Aufstriche nach Wunsch frisch belegen lassen kann.

Ausgezeichnet als einer der schönsten mittelalterlichen Städte Italiens, hat Finalborgo ein noch sehr originelles Flair und ist keineswegs von Touristen überlaufen. Betrieb herrscht in den Gassen trotzdem, denn am Wochenende sind Kommunalwahlen.

Kandidat, Unternehmer und Idealist

Plötzlich lächelt uns auf einem Wahlplakat Lorenzo an. Zurück im Hotel befragen wir ihn zu seiner Kandidatur. Er und seine Bürgerliste wollen Finale nicht nur als Badeort sondern auch als Reiseziel für aktive Familien mit Ökobewusstsein etablieren. Moutainbike fahren, wandern und klettern kann man hier dank Natur und Infrastruktur hervorragend. „Mit oder ohne politische Ämter können wir mit dem Verband Happy Family Hotels konkrete Projekte durchführen, wie zum Beispiel unsere Steinzeitwochen. Kinder mit ihren Familien können in einer in der Steinzeit benutzten Grotte übernachten, Brot nach Steinzeitrezept backen und auf eine (gestellte) Wildschweinjagd mit damaligen Methoden gehen.“ Wissenschaftlich begleitet und spielerisch angelegt vermittelt das Projekt den Kindern Wissen und Erfahrung über das Leben unserer Vorfahren. Lorenzo ist immer gut für Geschichte und Geschichten.

Infos aus der Region:

[accordion]

[acc_item title=“Anreise:“]

  • Mit dem Auto: Autobahn A10, Ausfahrt Finale Ligure. Von München ca. 740 km, von Stuttgart ca. 710 km.
  • Mit dem Zug: Bahnhof Finale Ligure, von überregionalen Zügen gut bedient.
  • Mit dem Flugzeug: Flughafen Genua, ca. 48 km; Flughafen Nizza, ca. 130 km.

[/acc_item]

[acc_item title=“Übernachten:“]

  • Happy Family Hotels, Zusammenschluss von vier familiengeführten Hotels in Finale Ligure, ab 40,- Euro p.P. und Nacht bei Halbpension. www.happyfamilyhotels.it

[/acc_item]

[acc_item title=“Gute Adressen:“]

  • Schönes Strandbad mit deutschem Familienprogramm: “Bagni Ondina” www.bagniondina.com;
  • Trattoria: Restaurant Ferrin, beim Camping Terre Rosse, Località Mànie 40/40bis, 17024 Finale Ligure (SV), http://www.terrerossecamping.it
  • Feinkost: Sambarino Alimentari, Via dell’Annunziata 19 in Finalborgo.
  • Bestes Eiscafe: Bar Centrale in Finalborgo, Via Torcelli, 28.
  • Bester Cappuccino und Patisserie: Bar Pasticceria La Palma in Finalmarina, Via Anton Giulio Barrili 19.

[/acc_item]

[/accordion]