Kategorie: Fernweh

Kommentar: Familienurlaub – komplizierte Reisesuche online

Die „schönsten Wochen des Jahres“ haben für Eltern oft eine langwierige Suche als Vorspiel. Denn der moderne Mensch sucht sich sein Urlaubsdomizil natürlich im Internet heraus.

Rechner anwerfen, Urlaubssuchmaschine anklicken und gewünschte Region eingeben – Hotel auswählen, fertig. Wirklich? Da stehen sie dann in der langen Liste, die die Suchmaschine ausgespuckt hat – Angebote, Angebote, Angebote.

Reisen in den Schulferien – ganz sicher teurer

Der erste Frust stellt sich meist beim Reisedatum ein, zumindest wenn man Schulkinder hat. Nebensaison? Günstiges Angebot im entspannt halbleeren Hotel? Von diesem Traum kann man sich mit der Einschulung des ersten Kindes für mindestens zehn Jahre getrost verabschieden – wenn man einen Urlaub mit allen Familienmitgliedern plant. Denn natürlich geht außerhalb der Schulferien gar nichts, aber auch wirklich gar nichts. Schulkinder, die sich vor allem zwei bis drei Tage vor Ferienbeginn an einem deutschen Flughafen in der Abflughalle befinden, werden von der Polizei besonders kontrolliert. Wenn sie keine Sondergenehmigung ihrer Schule haben, müssen die Eltern sogar Strafe zahlen – das sah und hörte man in den letzten Sommern immer wieder in den Medien. Und fragt sich dabei, ob denn bitte Polizisten an internationalen Flughäfen nichts Besseres zu tun haben?

Kinderermäßigungen oft versteckt

Weiter in der Reiseplanung: Gibt es nun eine Kinderermäßigung beim Aufenthalt oder nicht? Zahlen die Kinder wirklich zu 100 Prozent? Drei Klicks weiter und die Unterzeile des Angebotes entziffernd kommt heraus – nein, hier zahlen sie bis 6 Jahre 25 Prozent, bis 14 Jahre nur 50 Prozent. her mit dem Taschenrechner, um den für uns gültigen Preis auszurechnen. Beim nächsten Angebot zahlen alle unter 18 Jahre 50 Prozent des Preises, ein Angebot weiter ist eine Kindermäßigung nicht zu finden. Damit fällt das Angebot heraus, denn die Reisekosten steigen dadurch (bei zwei Kindern) auf das Doppelte. Viel zu teuer, aber die Auswahlliste der Suchmaschine hat das natürlich nicht berücksichtigt. Habe ich ein Ziel, geht es, wenn ich Pech habe, mit den Flügen wieder von vorne los – zahlt das Kind oder nicht (bis zwei Jahre), gibt es bei dieser Fluggesellschaft, diesem Angebot eine Kinderermäßigung? Am Ende habe ich vielleicht etwas ausgewählt, aber ob das das Beste war….?

Was heißt „kinderfreundlich?

Und dann die Frage mit der Ausstattung. „Kinderfreundlich“ kann man manchmal ins Auswahlmenü eingeben, schön. Ach, alle Angebote, die „kinderfreundlich“ sind, meinen damit die Hotel-Ausstattung mit Babybett und Wickeltisch? Das ist aber doch meinen Grundschülern herzlich wurscht und mir damit auch. Gibt es Platz zum Toben? Das brauche ich als Info. Gibt’s nicht als Auswahlkriterium. Also wieder alle Angebote einzeln durchforsten…

Da gibt es nun so viele Reisesuchmaschinen im Internet, von den ganz Großen bis hin zu den Suchportalen der Fremdenverkehrsämter. Aber scheinbar gehen die meisten lediglich von reisenden Erwachsenen aus. Kriterien, die man als Eltern nun mal benötigt, sind oft nicht als Auswahl der Suchmaske möglich – und das bedeutet, dass man alle Angebote einzeln durchforsten muss. Da kann Urlaubsplanung leicht zur Vollzeitbeschäftigung ausarten.

Es gibt Ausnahmen, aber leider zu wenige. Liebe Reiseanbieter – bitte denkt daran, dass manche Menschen auch mit Kindern in den Urlaub fahren!!

Bildquelle: aboutpixel.de / Strohhut mit Sommertuch und Reisekoffer © Karina Baumgart

Schreinfest und Thermalquellen – Ferien in Japan

Nach Japan mit Kind? Haben alle was davon und macht das allen Spass?? Unsere Autorin war mit Mann und sechsjährigem Sohn Lukas zwei Wochen lang in Tôkyô und Umgebung unterwegs. Sie sagt: super! Und Lukas sagt: „Da sprechen alle ganz anders“ – stimmt genau!

Sanftes Plätschern. Ein lauwarmer Wind kräuselt die dampfende Oberfläche und lässt die Bambusblätter rascheln. Hinter der heißen Quelle steigt der Berg steil an. Ungewohnte Vogelstimmen rufen aus dem Dickicht. Ich sitze morgens früh um halb sieben draußen, im Naturstein-Becken der Thermalquelle. Während ich die Tiefenentspannung bei 38 Grad genieße, gehe ich in Gedanken zurück zu den ersten lauten und aufregenden Tagen in Tôkyô.

 

Tôkyô – Downtown

Im traditionsreichen Downtown-Viertel Asakusa im nordwestlichen Teil von Tôkyô erlebten wir mittendrin das größte religiöse Fest der japanischen Hauptstadt, das Fest der Drei Schreine (Sanja Matsuri). Erstaunlicherweise waren noch zwei Monate vorher Zimmer im Hotel zu bekommen. Ein deutliches Zeichen, dass der Tourismus in Japan noch nicht wieder auf dem alten Stand von vor dem Erdbeben/Tsunami/der Kernschmelze zurück ist.

Unser traditionelles Hotel steht direkt neben dem großen Donnertor, einem der Wahrzeichen Tôkyôs. Rundherum gibt es viele kleine Läden, besonders traditionelles Kunsthandwerk, Messer, Scheren, Kimonos aus Brokat oder Baumwolle und zugehörige Accessoires, handgefertigtes Papier und jede Menge Essbares.

Beim Fest der Schreine

In den Tagen bevor das Fest beginnt werden die tragbaren Schreine vorbereitet, geputzt und geschmückt. Am ersten Abend werden dann in einer Zeremonie die Geistwesen, welche normalerweise in ihrem festen Haus verehrt werden, eingeladen, für die Dauer des Festes umzuziehen in einen der kleineren tragbaren Schreine, aus schwarz und golden bemaltem Massivholz.

Es ist wichtig, die Geistwesen bei Laune zu halten. Wenn sie sich langweilen oder ärgern, können sie den Menschen gefährlich werden. Deshalb werden sie einmal im Jahr zu ihrer Unterhaltung mehrere Tage lang durch die Straßen getragen und unter Anfeuerungsrufen rhythmisch geschwenkt. Jedes Viertel hat seine eigenen Schreine, seine spezielle Art zu rufen und seinen eigenen Stil. Die Männer und Frauen, welche die größeren Schreine tragen und schütteln, verrichten Schwerarbeit, viele blaue Flecke inbegriffen. Drei Tage lang sind bis abends um neun Uhr die rhythmischen „Wasshoi, wasshoi!“, und „Za! Za!“– Rufe, Flöten und Trommeln zu hören. Auch danach wird es nicht wirklich ruhig, aber ein paar Stunden Schlaf bekommen wir trotzdem.

Nach Tsunami und der Kernschmelze von Fukushima suchen viele Japaner Sicherheit in der Shinto-Religion, derzufolge die Natur Japans belebt ist von Geistwesen. Das größte religiöse Fest der Hauptstadt wollten im Mai 2012 zwei Millionen Besucher sehen.

Interessantes zum Probieren

In unserem Hotel gibt es keine Mahlzeiten. Da es aber um die Ecke einen Family-Mart gibt, einen Supermarkt, der fast rund um die Uhr auf hat, geht morgens einer von uns einkaufen. Es gibt eine große Auswahl von Reisbällchen (onigiri) mit verschiedener Füllung, z.B. Berggemüse oder einem Stückchen gebratenen Lachs. Es gibt aber auch Sandwiches zu kaufen und eingepackte süße Stückchen. Für drei Reisbällchen und Gemüse-Fruchtsaft für die Vitamine bezahlen wir ca. 500 Yen, etwa 5 Euro. Für ein Frühstück in einem Restaurant müssten wir mindestens 500 pro Person bezahlen.

Wer sich nicht gleich in ein Restaurant traut, kann sich auch tagsüber problemlos an kleinen Snacks (z.B. gedämpftem Brot mit Fleischfüllung = Nikkuman) satt essen, oder große Reiscracker einzeln kaufen, die frisch über Holzkohle gebacken werden. Essen ist ja ein wichtiger Bestandteil jedes Urlaubs. In Japan vielleicht noch mehr als woanders, denn hier gibt es nicht nur besonders viele Sterne-Restaurants, sondern auch beim Alltagsessen wird Wert auf Frische und Geschmack gelegt. Das gilt genauso für kleine Imbissbuden, das Kühlregal im Supermarkt oder für das Essen zuhause.

Eis gibt es übrigens in allerlei uns bekannten, aber auch in gewagten Geschmacksrichtungen: Schwarzer-Sesam-Softeis sieht gewöhnungsbedürftig grau aus, mundet aber köstlich. Das Süßkartoffel-Eis begeistert mich nicht so sehr. Unser Sohn mag Geschmacksrichtung Mandarine.

Fotoquelle: Barbara Leonhardt

Teil 2: Der Kinderumzug und das Sumoturnier
Teil 3: Japan von oben und Airhockey
Teil 4: Heiße Thermalquelle

Familienferien in Japan, Teil 2, der Kinderumzug und das Sumoturnier

Radioaktivität?

Ob manche der Lebensmittel radioaktiv belastet sind, steht nirgends angeschrieben, aber bei Gemüse steht oft das Herkunftsgebiet. Das Gesundheitsministerium bietet regelmäßig online Testergebnisse von Stichproben (http://www.mhlw.go.jp/english/topics/2011eq/index.html) Diskussionen darüber, ob die Testergebnisse aussagekräftig sind, dauern an (s. z.B. http://www.japanfocus.org/-Martin_J_-Frid/3722 und die Kommentare dazu). Unsere japanischen Freunde haben nach dem Atomunfall keine Milch gekauft, aber da ein Großteil der in Japan konsumierten Milch von der nördlichsten der großen japanischen Inseln, Hokkaidô, stammt, die weit weg liegt von Fukushima, gilt sie nun wieder als unbedenklich.

 

Der Kinderumzug

Unser Sohn schaut am zweiten Tag des großen Festes aus dem Fenster auf das lebhafte Treiben im Tempelbezirk und sagt fassungslos: „Schau mal, Japaner, Japaner, Japaner!“ Er hat aber schnell gemerkt, dass es in einer japanischen Menschenmenge recht friedlich zugeht. Die Tokyoter sind daran gewöhnt, sich in einer Menge zu bewegen. Schirme sind eingeklappt, Rucksäcke werden in der Hand getragen und nicht dem Hintermann ins Gesicht gerammt.

Lukas wird von den freundlichen Damen am Empfang mit Kinder-Festkleidung ausgestattet: dunkelblaue Baumwoll-Wickelhosen, eine Schürze und eine kurze Jacke darüber. Dann dürfen wir bei einem der Kinderumzüge mitmachen. Viele Kinder und Erwachsene ziehen ein geschmücktes Festwägelchen mit Trommeln darauf. Die japanischen Zuschauer finden den kleinen Ausländer in japanischer Festtracht „kawai“ (süss), und er wird oft fotografiert. Zur Erfrischung an dem heißen Tag gibt es hinterher geschabtes Wassereis mit buntem Sirup darauf.

Zu Fuss zum Sumo-Ringturnier

Am Nachmittag flüchten wir vor dem Gedränge, zumal sich der Himmel verdüstert hat und Regen angekündigt ist. Gleich morgens hatten wir Eintrittskarten für das Sumo-Turnier gekauft. Der Eintritt ist eigentlich teuer, aber Tagestickets für die hinterste Reihe werden günstig abgegeben. Für unser Kind zahlen wir nur umgerechnet 2 Euro Eintritt, wir Erwachsene kosten je 20 Euro. Die Sumo-Arena liegt auf der anderen Seite des Flusses. Wir spazieren gemütlich in einer halben Stunde am Sumida-Fluss entlang dorthin. Zur Motivation unseres wenig spazierbegeisterten Kindes verweilen wir unterwegs eine halbe Stunde auf dem Spielplatz

Als wir in der riesigen Sumo-Halle ankommen, sind die Wettkämpfe der zweiten Liga noch in vollem Gange, danach kommen die Kämpfer der ersten Liga. Die Zuschauerränge sind gut gefüllt, aber nicht komplett ausgebucht, wir finden schnell drei Plätze. Die Korruptions-Skandale der letzten Jahre haben Sumo in der Beliebtheit gegenüber anderen beliebten Sportarten wie Baseball und Fußball an Boden verlieren lassen. Da aber nach wie vor jedes der jährlich sechs Turniere im Fernsehen übertragen werden, sind die Kämpfer der ersten Liga so bekannt wie bei uns die Top-Spieler der Bundesliga.

Nun ziehen die Kämpfer in den Ring ein, alle sind mit farbenfrohen Schürzen ihrer Sponsoren geschmückt. Lukas hat schnell verstanden, worauf es beim Sumo ankommt: den anderen aus dem Ring zu drängen oder zu Fall zu bringen. Die Akustik ist hervorragend. Das laut zu hörende klatschende erste Aufeinanderprallen der Kontrahenten vermittelt einen guten Eindruck der Kraft und Dynamik dieses Sportes. Das Publikum geht mit, ruft die Namen der Kämpfer und feuert sie laut an.

Unsere Freundin Yuko, die uns nach Turnierende abholt, erzählt uns, dass die Trommeln, welche zu Beginn und Ende jedes Turniertages geschlagen werden, zu ihren Kindheitserinnerungen zählen. In den 1950er Jahren zogen Sumo-Kämpfer durch die benachbarten Viertel und präsentierten sich, um möglichst viele Zuschauer anzuziehen.

Fotoquelle: Barbara Leonhardt

Teil 1: Tôkyô Downtown und Fest der Schreine

Teil 2: Der Kinderumzug und das Sumoturnier

Teil 3: Japan von oben und Airhockey
Teil 4: Heiße Thermalquellen

Familienferien in Japan, Teil 3, Japan von oben und Airhockey

Ein Erdbeben
Plötzlich fällt unsere Sitzfläche nach unten, so fühlt es sich jedenfalls an. Ein Erdstoß, deutlich spürbar, aber harmlos, wie es ihn hier fast täglich gibt. Vor dem großen Beben im März 2011 hätte kaum jemand auch nur aufgeschaut, ein kleines Schaukeln, was ist das schon. Aber, das hat sich geändert. Ein kollektives, nicht Schreien, aber doch lautes Aufraunen erhebt sich in der Arena. Dieser eine Moment, diese eine Reaktion zeigt mir nachdrücklich, wie groß der Schock gewesen sein muss. Monatelang ließen größere und kleinere Nachbeben die Menschen nicht zur Ruhe kommen.

Erdbeben sind schwer vorauszusagen. Aber die Wahrscheinlichkeit eines großen Bebens für die Tôkyô-Region in den nächsten Jahren wird als „hoch“ eingestuft. Ein kleines Notfall-Päckchen haben wir Tag und Nacht immer dabei, Verbandszeug, ein paar Medikamente, Wasser, Energieriegel, auch wenn wir wissen, dass dies eher der Beruhigung unserer Nerven dienen mag

 

Riesenrad und Airhockey

Am nächsten Tag fahren wir mit der Monorail auf die künstliche Insel Odaiba in der Bucht von Tôkyô. Sie geht auf das 19. Jahrhundert zurück, angelegt als Verteidigungsanlage gegen etwaige Angriffe von Schiffen aus der westlichen Welt, Amerika und Europa.

Die Fahrt bietet uns spektakuläre Ausblicke, denn die Bahn fährt auf Stelzen durch Häuserschluchten und schließlich über eine der großen Brücken . Da wir vor Abfahrt des Zuges rechtzeitig an der Station Shinbashi einsteigen, bekommen wir einen Fensterplatz. Auf der Insel angekommen, möchten wir im Toyota-Showroom eine Fahrt im ferngesteuerten Auto durch das Versuchsgelände unternehmen. Aber an diesem Tag ist dies nicht möglich, da auf der Strecke ein Rennwagen-Tuning stattfindet.

Von der Rennstrecke weg, gehen wir durch das Venus-Kaufhaus, ein Konsumtempel mit Toscana-ähnlichen Piazzas unter einem künstlichen Himmel, an dem sich Wetter und Beleuchtung ständig ändern (http://www.venusfort.co.jp/multi/index_e.html). Im 1. Stock gibt es ein lärmendes Spielecenter, wo unser Sohn eine Runde Airhockey spendiert bekommt. Dabei müssen Spielsteine auf einem Luftkissen ins Tor geschossen werden. Der Reaktionsschnellste, das ist Lukas, gewinnt.

Japan von oben

Danach das Highlight für Lukas: Die versprochene Fahrt im gewaltigen Riesenrad (www.daikanransha.com). Davon gibt es gleich zwei auf Odaiba. Wir nehmen eine normale Gondel und können gleich einsteigen, heute keine Wartezeiten. Im Gegensatz zum London Eye mit seinen riesigen Gondeln, haben wir eine kleine Gondel nur für uns allein. In London hätten wir unsere Rucksäcke vorher einschließen müssen. Aber im relativ sicheren Japan hat niemand etwas dagegen, dass wir sie mitnehmen. Auf eine gläserne Gondel hätten wir 20 Minuten warten müssen, aber das ist mir nicht geheuer. Auch so ist mir auf 115 Metern recht mulmig – bloß nicht an Erdbeben denken – und ich bin froh, als wir nach 16 Minuten wieder auf relativ festem Boden stehen.

Danach braucht unser Sohn eine Spielpause. Wir bummeln einfach am Meer entlang, und machen, wie viele andere Familien, Picknick mit vegetarischem Sushi am Strand, unterhalb einer kleinen Schwester der amerikanischen Freiheitsstatue.

Zurück fahren wir mit dem Boot. Es gibt mehrere Linien, alle mit unterschiedlichem Betreiber. Jeder Ticketschalter gibt nur Infos zu seiner eigenen Linie, so dass es gar nicht so einfach ist, herauszufinden, welches Boot wann fährt und wieviel das kostet. Dafür fährt unser Wasser-Bus dann bis in die Nähe unseres Hotels. Die Fahrt gibt einen guten Eindruck davon, dass Tôkyô mal das kleine Fischerdörfchen Edo in einem sumpfigen Flussdelta war. Unterwegs zweigen immer neue Kanäle, Schleusen, Flüsschen ab.

Fotoquelle: Barbara Leonhardt

Teil 1: Tôkyô Downtown und Fest der Schreine
Teil 2: Der Kinderumzug und das Sumoturnier

Teil 3: Japan von oben und Airhockey

Teil 4: Heiße Thermalquelle

Familienferien in Japan, Teil 4, heiße Thermalquellen

Heiße Thermalquellen
Zurück im Hier und Jetzt, in der Thermalquelle: Mann und Sohn kommen aus der Männer-Seite des Bades und setzen sich neben mich. Unser Sohn schwatzt lustig mit den Tierfiguren, die in der Art von Gartenzwergen neben dem Naturstein-Becken aufgestellt sind.

Nach einigen entspannenden Minuten gehe ich zurück in die Sammel-Umkleide-Kabine der Frauen, lasse das schwefel- und eisenhaltige Wasser an der Luft trocknen (macht die Haut ganz weich) und schlüpfe dann wieder in den Baumwoll-Kimono, den wir jeden Tag frisch bekommen.

Obwohl es in Japan eine lange Tradition des geschlechtergemischten Badens gibt, sind Hotels mit Becken, die Männlein, Weiblein und somit auch Familien das gemeinsame Baden erlauben, selten geworden. Der Trend geht sogar zum stundenweisen Reservieren des Beckens zum Privatgebrauch.

Auch heute hatten wir den heißen Quellteich für uns allein. So oft wir in diesen drei Tagen uns auch im heißen Wasser aalen, morgens, mittags oder abends, nie treffen wir einen anderen Badegast.

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Japanische Fremdenverkehrszentrale: www.jnto.de

Traditionelle Hotels: http://www.japaneseguesthouses.com/index.htm

Unser Hotel in Asakusa, Tokyo: http://www.kaminarimon.co.jp/english/index.html

Unser Hotel in Hakone: www.yusaka.jp (nur Japanisch)

Thermalquellen-Hotels in Hakone mit englischsprachiger Website: http://www.kanagawa-kankou.or.jp/english/hotels/index.html

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Allgemeine Infos unter:

Fest der Drei Schreine, jedes Jahr am dritten Wochenende im Mai: www.asakusajinja.jp/english/

Sumo: http://www.sumo.or.jp/eng/

Bootslininen: http://www.tokyo-park.or.jp/waterbus/
Am meisten Info auf Englisch bietet dieser Betreiber: www.suijobus.co.jp

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Reisebericht und Fotos: Barbara Leonhardt

Teil 1: Tôkyô Downtown und Fest der Schreine
Teil 2: Der Kinderumzug und das Sumoturnier
Teil 3: Japan von oben und Airhockey

Teil 4: Heiße Thermalquelle

Vollmachtsformular, wenn Kinder mit Verwandten + Freunden reisen

Seit dem 27. Juni 2012 benötigen Kinder ein eigenes Reisedokument – es reicht nicht mehr, bei den Eltern im Pass eingetragen zu sein.

Nun müssen auch alleinreisende Elternteile, die vielleicht nicht den gleichen Nachnamen wie das Kind tragen, beweisen, dass ein reisendes Kind zu ihnen gehört. Genauso wie Großeltern, Onkel, Tanten oder auch Freunde, wenn sie ein Kind auf Reisen mitnehmen. Zur Vereinfachung füllen die Sorgeberechtigten am besten eine Vollmacht aus. Hier Vorlagen dazu in den Sprachen deutsch, englisch und italienisch.

Vollmacht für die Erteilung eines Erziehungsauftrages aus Reisezwecken:

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Deutsche Version hier herunterladen Vollmacht_reisen-deutsch

Englische Version hier herunterladen: Vollmacht_reisen_EN

Die Version auf italienisch: Vollmacht_reisen_IT

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Mit Babybauch über den Wolken

Dürfen Schwangere fliegen? Die Geschäfts- oder Urlaubsreise, die man früher bedenkenlos angetreten hat, bringt nun neue Fragen mit sich: Ist am Zielort auch ausreichende medizinische Versorgung vorhanden? Kann man das Klima gut vertragen? Auch die Anreise selbst müssen Schwangere jetzt besonders bedenken.

Die Flugreise unter anderen Umständen kann mitunter echte „Flugzeuge im Bauch“ verursachen. Besonders gegen Ende der Schwangerschaft sind zwei Aspekte zu beachten: Der geringere Sauerstoffgehalt in der Höhe und die Thrombosegefahr.

Mount Everest im Uterus“

In der regulären Flughöhe von Jets ist die Luft für den Menschen viel zu dünn. Deshalb wird der Luftdruck in der Kabine künstlich erhöht. Aus technischen Gründen ähneln allerdings Luftdruck- und Sauerstoffwerte im Flugzeug denen, die man auf der Erde in 2.500 Meter Höhe vorfindet. Um die Effekte der dünneren Luft zu kompensieren, steigt bei Schwangeren die Herzfrequenz an. Das Phänomen wurde plakativ „Mount Everest in Uterus“ genannt. Bei einer normalen Schwangerschaft, ist das kein Problem. Man sollte sicherheitshalber die geplante Flugreise in Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen dem Facharzt gegenüber erwähnen und sich individuell beraten lassen. Falls man aber ohnehin gerade unter Kreislaufproblemen leidet, ist eine lange Flugreise vermutlich keine so gute Idee.

Kompressionsstrümpfe im Handgepäck

Eine Schwangerschaft bringt eine Veränderungen im Gerinnungssystem mit sich, und damit steigt die Thromboseneigung. Experten stufen Schwangere als eine mittlere Risikogruppe in Bezug auf die sogenannte Reisethrombose ein. Vorbeugen ist nicht schwer: Viel trinken (kein Alkohol!), Gepäck in den oberen Ablagen verstauen, damit man immer genug Beinbewegungsfreiheit hat und Kompressionsstrümpfe Klasse 1 tragen. Neigt man zu Krampfadern, ist fachärztlicher Rat wieder nötig. Der Arzt kann dann Kompressionsstrümpfe der Klasse 2 und/oder eine verträgliche medikamentöse Prophylaxe verschreiben.

Strahlende Zweifel

Das umstrittenste Aspekt bei Flugreisen in anderen Umständen ist besonders in der ersten Phase der Schwangerschaft relevant und betrifft nicht direkt die Gesundheit der Mutter. Es ist die Gefahr der kosmischen oder Höhenstrahlung für die Entwicklung des Ungeborenen. Obwohl es inzwischen verbindliche und allgemein erkannte Messwerte gibt, sind sich die Wissenschaftler über deren Interpretation uneins. Das Problem: die Belastung kann beim Fliegen (je nach Route und Sonnenaktivität) wie auch auf der Erde (je nach Wohnort) stark unterschiedlich sein.

Insgesamt kann man sagen, dass eine Flugreise für das Baby eine höhere Strahlendosis bedeutet, als eine Röntgenaufnahme der Hand oder des Fußes der Mutter. Aber vergleicht man die kosmische Strahlung bei einem Kurzstreckenflug mit der normalen Strahlendosis, die durch das radioaktive Edelgas Radon in manchen Gegenden in der Oberpfalz oder im Schwarzwald natürlich in Wohngegenden austritt, ist erstere vernachlässigbar.

Also lieber in die Südsee jetten als zwei Wochen Schwarzwaldurlaub? Auch hier ist eine individuelle Analyse der Nutzen und Gefahren von Vorteil. Denn der Erholungseffekt einer Urlaubsreise ist nicht mit der einer Röntgenaufnahme vergleichbar. Und im Schwarzwald kommen trotz natürlicher Radon-Strahlung gesunde Kinder zur Welt.

Außerdem: Angst von Übelkeit während des Fluges? Tipps dazu hier bei Familothek.

Nimmt mich die Fluggesellschaft überhaupt mit?

Hat frau sich nun, gut beraten und ausgestattet, für die Flugreise entschieden, wird sie bei der Reiseplanung mit den nächsten Fragen konfrontiert. Aufgrund der oben genannten Risiken, die in der letzten Phase der Schwangerschaft zunehmen, befördern die meiste IATA-Fluggesellschaften Schwangere nur bis zur 36. Schwangerschaftswoche. Ausgenommen sind Risiko- und Mehrlingsschwangerschaften, bei denen immer einen ärztliches Attest verlangt wird. Natürlich versuchen auch Fluglinien die Gefahr zu minimieren, dass ein Flugzeug wegen der Wehentätigkeit einer Passagierin notlanden muss.

Wichtig: Maßgeblich ist dabei die Schwangerschaftswoche beim Rückflug. Nehmen Sie am besten Ihren Mutterpass mit in das Handgepäck.

Welche Fluggesellschaft?

Die Fluggesellschaften unterscheiden zwischen:

  • uneingeschränkte Beförderung, die formlos oder durch einen Selbstauskunftsbogen der Schwangeren gewährt wird und

  • eine eingeschränkte Beförderung, die in der Regel nur gegen eine Flugtauglichkeitsbescheinigung gewährt wird. Diese wird vom Arzt oder Hebamme ausgestellt und darf nicht älter als zwei Wochen sein (Datum des Rückflugs!),

Nicht alle Fluggesellschaften befolgen genau die IATA-Empfehlungen. Hier eine Aufstellung (Stand Mai 2012) einiger Fluglinien. Gerade bei eingeschränkten Beförderungsbedingungen (aber sicherheitshalber auf jeden Fall, weil solche Regelungen auch kurzfristig geändert werden können), immer bei der Buchung Rücksprache mit dem Reisebüro oder der Fluggesellschaft halten.

Und selbst wenn eine Fluggesellschaft zu dem Zeitpunkt keine Beförderung mehr offiziell gewährt, machen manche durchaus gegen eine ärztliche Flugtauglichkeitsbescheinigung auch mal Ausnahmen.

Fluggesellschaften die uneingeschränkt bis zur 36. Schwangerschaftswoche befördern:

4U – Germanwings

AB – Air Berlin

AC – Air Canada

AF – Air France (beschränkt sogar darüber hinaus)

NZ – Air New Zealand (beschränkt sogar darüber hinaus)

OS – Austrian Airlines

LH – Lufthansa (beschränkt sogar darüber hinaus)

OA – Olympic Air (beschränkt sogar darüber hinaus)

QF – Qantas

SK – SAS Scandinavian (beschränkt sogar darüber hinaus)

LX – Swiss (beschränkt sogar darüber hinaus)

X3 – TUIfly

UA – United Airlines (beschränkt sogar darüber hinaus)

 

Immer uneingeschränkt befördern nur:

AZ – Alitalia

CO – Continental Airlines (bis zur 39. Woche)

DL – Delta Airlines

 

Restriktivere Fluggesellschaften:

DE – Condor (bis zur 35. Woche)

BA – British Airways (bis zur 28. Woche, bis 36. nur mit eingeschränkten Beförderungsbedingungen)

CX – Cathay Pacific (bis zur 28. Woche, bis 36. nur mit eingeschränkten Beförderungsbedingungen)

MH – Malaysian Airlines (bis zur 28. Woche, bis 36. nur mit eingeschränkten Beförderungsbedingungen)

U2 – Easyjet (bis zur 28. Woche, bis 36. nur mit eingeschränkten Beförderungsbedingungen)

EK – Emirates Airlines (bis zur 28. Woche, bis zur Ende der Schwangerschaft nur mit eingeschränkten Beförderungsbedingungen)

IB – Iberia (bis zur 28. Woche, bis 36. nur mit eingeschränkten Beförderungsbedingungen)

FR – Ryan Air (bis zur 28. Woche, bis 36. nur mit eingeschränkten Beförderungsbedingungen)

 

Während der ganzen Schwangerschaft mit eingeschränkten Beförderungsbedingungen ist zu rechnen bei:

MU – China Eastern

KL – KLM Dutch Airlines

SQ – Singapore Airlines

TG – Thai Airways

TP – TAP Air Portugal

 

Günstig fliegen mit Nachwuchs

Wer als Familie verreist, sieht sich seit einigen Jahren mit immer teureren Ticketpreisen für Kinder konfrontiert.

Gab es früher häufig 33 Prozent Rabatt für Kindertickets (zumeist ab 2 Jahre), sind es heute meist nur noch 20-25 Prozent. Und eigentlich weniger: Denn ein großer Anteil des Ticketpreises sind zusätzliche Gebühren – diese sind für Eltern und Kinder gleich. Außerdem geben viele Fluggesellschaften Rabatte nur für den regulären Preis und niemals für Sonderaktionen.

Konnte man noch vor ein paar Jahren die Kleinsten ohne Sitzplatz fast umsonst mitnehmen, gibt es mittlerweile häufig die Babyflatrate. Das heißt ein fester Preis inklusive Gebühren für jeden Flug eines Kindes unter 2 Jahre. Je nach Flugstrecke können die Ticketkosten für das Baby so auch schon einmal die Hälfte des Sitzplatzes der Großen betragen.

Vergleichen lohnt sich

Der Umgang mit Kinderflugpreisen ist von Fluggesellschaft zu Fluggesellschaft verschieden – ein Vergleich lohnt sich also gerade für Familien. Das ist aber gar nicht so einfach. Denn in der Übersichtlichkeit schreiben viele Airlines die ärgerliche Praxis des Tarifdschungels auch bei der Familienbuchung fort: In den Buchungsunterlagen der Familie sind die Preise der einzelnen Tickets oft nicht klar ausgewiesen.

Ein detaillierter Vergleich verschiedener Fluggesellschaften und ihre Preise für Kindertickets ist in der aktuellen Ausgabe (1/2012) der Zeitschrift Clever reisen zu lesen.

Foto: Deutsches Museum