Kategorie: Reisen

Mit dem Fernbus auf Familienreise? – Checkliste für die Entscheidung

Seit 2013 gibt es mehr und mehr Fernbuslinien auf dem Markt. Wer also als Familie mit Kindern innerhalb Deutschlands mit öffentlichen Verkehrsmitteln verreisen will, hat eine weitere Alternative – auf den ersten Blick eine kostengünstigere als der Zug. Trotzdem ist es nicht für jede Strecke und nicht für jede Familienkonstellation sinnvoll, den Fernbus zu wählen. Familothek listet auf, woran Sie vor der Wahl denken sollten:

  • Strecke
    Manche Verbindungen sind mit dem Bus endlich direkt – also gerade für Familien mit Kindern und viel Gepäck zehnmal günstiger als eine Zugfahrt mit mehreren Umstiegen. Die Busbahnhöfe sind oft genauso verkehrsgünstig gelegen wie der Hauptbahnhof. Aber auch dies lieber vorher checken!
  • Fahrzeit
    Generell brauchen die Fernbusse länger als eine direkte Zugverbindung – zum Beispiel von Großstadt zu Großstadt. Aber: Wer eine Strecke fährt , die sonst nur mit vielen Umsteigen zu erreichen ist (siehe oben), kann sogar weniger Zeit brauchen, wenn die Familie den Bus nimmt. Auf beliebten Strecken zu beliebten Zeiten (also meist, wenn Familien mit Schulkindern verreisen können), sollte man natürlich auch einen möglichen Stau bedenken.
  • Preise
    Hier wird es mathematisch. Wie wir alle wissen, zahlen begleitete Kinder bei der Deutschen Bahn unter 15 Jahre nichts. In den Fernbussen aber schon: Zum Teil 50 Prozent, ein Drittel, bis drei Jahre gar nichts – da gibt es die unterschiedlichsten Varianten je nach Anbieter. Also entscheidet die Größe der reisenden Familie über die Wahl Fernbus oder nicht. Und zwar in zweierlei Hinsicht: Wie viele Erwachsene und wieviele Kinder sind es und wie alt sind die Kinder? Zwei Erwachsene mit einem Kleinkind kommen wahrscheinlich mit dem Bus günstiger weg, eine Alleinerziehende mit drei Kindern zwischen 10 und 16 nicht unbedingt. Da muss man den Taschenrechner zücken.
  • Entertainment
    Fast alle Fernbusse haben W-Lan, manche noch eine Steckdose dazu. Wer also das Tablet dabei hat oder das Handy, dessen Kinder können die Fahrt mit spielen oder Kinderwebseiten surfen verkürzen. Manche Linien haben sogar eine eigene Entertainment-App, aber nicht unbedingt kindgerecht. Allerdings kann man in so einem Bus schlecht herumlaufen – für bewegungsfreudige Kleinkinder kann also die Wahl des langen Zuges doch besser sein – zumal die Fahrzeit im Bus oft länger ist.
  • Toiletten
    Pipi machen geht in allen Fernbussen – deshalb gibt es wenig Pausen während der Reise. Aber Achtung Eltern von kleinen Anfängern in dem Metier: Die Toilettenkabinen sind naturgemäß nicht sehr groß – wessen Kind also an- und ausgezogen werden muss, kann sich schon einmal blaue Flecken holen,  auch bei offener Toilettentür. Also vielleicht für die Reise doch noch einmal die Windel nehmen.
  • Alleinreisende Kinder
    Begleitet reisen kann man ja auf bestimmten Strecken auch im Zug. In Bussen geht dies auf jeder Strecke – und da die Busse übersichtlich sind, selten halten und oft direkt fahren, sind sie für erste Erfahrungen als alleinreisendes Kind fast ideal. Die meisten Fernbuslinien nehmen Kinder ab acht Jahre (manche sogar bereits ab sechs Jahre) mit Einverständniserklärung der Eltern mit und passen außerdem auf, dass die Kinder am Ziel von einem Erwachsenen abgeholt werden (sonst benachrichtigen sie die Polizei – also lieber pünktlich abholen…)
  • Sicherheit
    Kindersitze gibt es in einem Fernbus generell nicht. Wer einen eigenen mitbringt, kann diesen an dem gängigen Zwei-Punkt-Gurtsystem im Bus nicht unbedingt sicher festmachen. Eltern jüngerer Reisender müssen wohl mit dem Modellnamen ihres Sitzes in der Hand den Anbieter anrufen und nachfragen, wenn sie mit dem Fernbus fahren wollen. Bei manchen Anbietern kann man den passenden Kindersitz auch dazubuchen. (das sind dann natürlich Mehrkosten). Kein Problem hingegen gibt es mit den generellen Sitzerhöhungen der Klasse 2, die ab einem Gewicht von 15 Kilo genutzt werden können.

Zum Preis- und Streckenvergleich gibt es netterweise auch schon ein Portal http://www.busliniensuche.de

Und auch noch eines, welches die Bus- mit der Bahn- und auch noch mit der Flugstrecke vergleicht http://www.goeuro.de/

 

 

Wiesn-Kinder: Willkommen auf dem Oktoberfest

Zum ersten Mal so richtig „live“ dabei auf der Wiesn war ich nach der Geburt meiner Tochter. Meine Zimmernachbarin im Krankenhaus, Mitmutter und Urmünchnerin, hatte sich einen Fernseher auf unser Zimmer stellen lassen. Die Kiste flimmerte, sobald die Übertragung von der Theresienwiese losging, bis spät in die Nacht…

Noch heute bekommt unsere Theresa strahlende Augen, wenn man sie fragt, wo sie geboren ist. „Ich bin ein Münchner Wiesn-Kind“, lautet die stolze Antwort. Folgerichtig feierten wir ihren ersten Geburtstag auch gemeinsam mit den Großeltern beim Frühschoppen auf dem Oktoberfest: Riesenbreze fürs Kind, Hendl für die Mutter und zwei süffige Radler für die Großeltern. Und zur Krönung gab es vom Riesenrad aus München von oben mit herrlichem Bergblick.

Auch meine Freundin Marina, eigentlich aus Berlin stammend, hat ein Wiesn-Kind. „Ein Muss ist für uns der Trachten- und Schützen-Festzug am ersten Sonntag“, sagt die dreifache Mutter. „Zu Annas Geburtstag versuchen wir immer aufs Oktoberfest zu gehen.“ Die Familie nützt dann die Familientage mit den ermäßigten Preisen. „Allerdings waren unsere Kinder schon oft von den vielen Eindrücken so überwältigt, dass sie nur noch ein Mal Karussell fahren wollten“, erzählt Marina. „Das hat ihnen gereicht, wir hatten dann immer noch Chips übrig.“

Mit den Familien aus München und dem Umland hat die Wiesn ein treues Publikum, das in den vergangenen Jahren allerdings immer mehr verschreckt wurde. Wenn bereits wochentags gegen 13 Uhr unsere Freunde aus aller Herrn Länder mit lustigen Hüten auf den Köpfen bei dem Absingen fröhlicher Lieder für einen derartigen Lärmpegel sorgen, dass man mit kleinen Kindern nur noch fluchtartig das Festzelt verlassen kann.

Doch auch das diesjährige Oktoberfest soll sich von einer familienfreundlicheren Seite zeigen:

Familienbereich

Hier genießen Familien „ihren Bereich“, in dem Fahrvergnügen für Kinder, Wiesn-Spaß und Bewirtung in einer Straße gebündelt ist. Der Familienbereich ist 2012 in der Straße 3/Ost, den Eingang beleuchtet eine Leuchtschrift.

Dort gibt es beispielsweise den „Pemperlprater“ ein traditionelles Karussell aus der Biedermeierzeit, das die Karussellfahrt mit Ringelstechen verbindet.Außerdem lockt ein Kasperltheater.

Kostenloser Plan für Familien

Wo sich sonst die Fahrgeschäfte und Schausteller auf Familien eingestellt haben und kindgerechte Angebote bieten, sehen Familien auf einem eigens entwickelten Oktoberfest-Plan mit dem Titel „Wiesn Hits für Kids“. Hier sind die Fahrgeschäfte für Kleine, Ponyreitbahnen und anderes verzeichnet.

Außerdem die praktischen Hinweise auf Familien-Einrichtungen:  Kinderwagenabstellplatz, Spielplätze in der Nähe, das Servicezentrum mit Wickelstube und die Station für Kinder, die ihre Eltern aus dem Auge verloren haben.

Ab Wiesn-Beginn (also ab 22.9.2012) wird der Plan kostenlos beim Tourismusamt München am Hauptbahnhof und am Marienplatz sowie auf dem Festgelände selbst verteilt.

Tipps zum Wiederfinden des Nachwuchses…

…,damit dieser im Gedränge nicht verloren geht: Am besten ein T-Shirt in Leuchtfarben oder andere auffällige Kleidungsstücke am Tag des Wiesnbesuchs für die Kinder wählen. Und natürlich: Die Handynummer eines begleitenden Elternteils auf die Hand oder den Arm des Kindes schreiben (Kugelschreiber lässt sich nach dem Wiesnbesuch leicht wieder säubern).

Die meisten Fahrgeschäfte haben jeden Tag bereits ab 10:00 Uhr auf – ein früher Besuch mit Kindern vermeidet das größte Gedränge.

Sparen für Familien

Jeden Dienstag ist auf dem Oktoberfest von 12-18 Uhr traditioneller Familientag. Viele Fahrgeschäfte, Imbissbuden und Süßigkeitenstände haben Sonderpreise.

An allen Wochentagen lockt die sogenannte „Mittagswiesn“ mit Vergünstigungen im Bierzelt zwischen zehn und 15 Uhr. Übrigens: Traditionell dürfen Biergartenbesucher in München ihre eigene Brotzeit mitbringen – und das gilt auch für die Wiesn! Aber: Getränke müssen gekauft werden.

Das sollten Sie meiden

Ab 20 Uhr dürfen Kinder unter sechs Jahren nicht mehr in die Bierzelte, auch nicht in Begleitung ihrer Eltern. Kinderwagen sind Sonntag bis Freitag von Wiesnbeginn bis 18 Uhr erlaubt. Am Samstag dürfen keine Kinderwägen auf die Festwiese, das Gedrängel ist einfach zu groß.

2012: Das Zentral-Landwirtschaftsfest statt „Oide Wiesn“

Vom 22. bis 30. September 2012 findet auf dem südlichen Teil der Theresienwiese das 125. Bayerische Zentral-Landwirtschaftsfest statt. Rund 653 Aussteller aus der Land- und Forstwirtschaft werden erwartet – es dreht sich um Themen wie erneuerbare Energien und Qualitätssicherung von Lebensmitteln. Für Kinder gibt es ein großes Tierzelt mit Schweinen, Rindern und Schafen sowie Schauvorführungen. Das ZLF 2012 kostet aber Eintritt: Erwachsene zahlen 13,50 Euro, Kinder von 6 – 14 Jahre bereits 4 Euro. Da lohnt sich vielleicht die Schnupperkarte täglich ab 14.30 Uhr: Eine Erwachsenenkarte kostet dann nur 6 Euro, Kinder ab 6 Jahre zahlen 2 Euro. Weitere Informationen unter http://www.zlf.de.

Die „Oide Wiesn“ war in den letzten Jahren immer etwas ruhiger und mit ihren weniger wilden und dafür wunderschönen historischen Karussells und Kinderspaß. Ideal geeignet für eine Familienbesuch, gerade mit kleineren Kindern. Leider gibt es  diese Veranstaltung wegen des Landwirtschaftsfestes erst wieder 2013.

Text und Foto: Lisa Hilbich

 

Münchner Oktoberfest 2013 – „Wiesn“ immer kinderfreundlicher

 

Das Münchner Oktoberfest, jedes Jahr Ende September, ist Deutschlands traditionellstes und weltberühmtes Volksfest – ein Muss für Touristen, für Einheimische sowieso. (München mit Kindern)

 

Kann man da also auch mit Kindern hin? Aber ja, man kann.Zwar merkt man überdeutlich gerade am Wochenende, dass der eine oder andere Besucher zu viel des traditionellen Oktoberfest-Getränkes zu sich genommen hat, zum Bersten voll ist es manchmal außerdem. Aber die Veranstalter geben sich seit Jahren redlich Mühe, das größte Volksfest der Welt immer familienfreundlicher und kinderfreundlich zu gestalten. Ein paar Tipps sind allerdings zu beachten:

 

Wiesn-Hits für Kids

Einen kostenlosen Plan mit kinderfreundlichen Fahrgeschäften und Serviceangeboten gibt es ab Wiesn-Beginn in der Stadtinformation der Stadt München und an den offiziellen Souvenierständen auf dem Festgelände.

Familienbereich

In der Straße 3 Ost (auf dem Festgelände findet man Straßenschilder) gibt es ein sogenanntes Familien-Platzl – besonders geeignet für Windelfestgänger: Hier sind Fahrgeschäfte für die Kleinsten gesammelt, vom Ponyreiten bis zum traditionellen Kinderkarrussell. Im Biergarten gibt es eine Kinderwagengarage und wer will, darf die Brotzeit (also: Kekse, Gläschen usw) mitbringen. Babyservices wie eine Wickelecke sind vorhanden. Ein sogenanntes Orchestrion – also eine große mechanische Spieluhr oder Jahrmarktsorgel – spielt Musik.

Familiennachmittage…

…sind jeden Dienstag von 12-18:00 Uhr auf der Wiesn. Viele Fahrgeschäfte, Imbissbuden und Süßigkeitenstände haben Sonderpreise. Diese Nachmittage sind in den letzten Jahren bereits mit Vorsicht zu genießen, da das Angebot so gut angenommen wird – also die Kinderkarussels dementsprechend überlaufen sind. Wer kann, sollte vielleicht lieber die Ermäßigungen der Mittagswiesn von Montag bis Freitag, 10.00 bis 15.00 Uhr nutzen, denn auch hier gibt es Ermäßigungen für verschiedene Fahrgeschäfte.

Oide Wiesn

Die „oide“, bayerisch für „alte“ Wiesn findet aus Platzgründen nur alle zwei Jahre statt, ist aber gerade für Familien ein Renner: Auf dem abgetrennten Gelände im südlichen Teil der Theresienwiese finden sich neben traditionellen Volksfestzelten nostalgische Karussels, die meist für Kinder gut geeignet sind. Dabei geht der Mix durch Jahrzehnte und Altersstufen: Ein Kettenkarrussel und Schiffschaukeln neben einem klassischen, eher gemütlichen Karussel aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts und dem rasanten „Calypso“, den es in den fünfziger Jahren auf Jahrmärkten gab. All diese erstaunlichen Museumsstücke sind fahrbereit und kosten pro Fahrt nur einen Euro. Darüberhinaus gibt es ein Kinderprogramm, bei dem der Nachwuchs alte Wiesn-Spiele wie zum Beispiel Pferderennen mit historischen Steckenpferden spielen kann.

2013 zahlen Erwachsene drei Euro Eintritt (Kinder bis 14 Jahre zahlen nicht) und können den ganzen Tag zwischen „oider“ und neuer Wiesn wechseln.

Das dürfen Kinder (und ihre Eltern) nicht

Vernünftige Einschränkungen gibt es für Kinder auf dem Oktoberfest vor allem für Kinderwagen und im Bereich des Jugendschutzes:
Kinder unter sechs Jahre dürfen ab 20:00 Uhr nicht mehr in Bierzelte, auch nicht mit Eltern oder anderen Erwachsenen. Wer jünger als 16 Jahre ist, darf ab 20:00 Uhr nur in Begleitung Erwachsener auf dem Festgelände sein.
Aus Platzgründen gibt es Einschränkungen für Kinderwägen: Sie dürfen nur bis 18:00 Uhr und an Samstagen gar nicht auf das Gelände des Oktoberfestes.

Foto: Bjs

 

Imst in Österreich – für Sportliche und Bergfreunde

Nein, Josef möchte da nicht herunter. Mit der ganzen Kraft seiner Hundekilos stemmt sich der Bernhardiner, der aussieht wie Josef aus Heidis Zeichentrickserie, gegen den Boden: Kein Wunder, durch die Leiter des Kletterweges sieht das Tier den Abgrund durchschimmern.

 

Wir sind auf einem Wanderweg in den Imster Bergen in Tirol. Also ganz ehrlich: Einen zappeligen Fünfjährigen möchte ich hier nicht herunter schicken, warnte doch das Schild am Eingang des Weges „nur für geübte Wanderer“. Hier in Tirol ist man das natürlich, auf dem steilen Weg, der zur Mittelstation führt, begegnet uns eine fröhliche Wandermutter, die ihren Zweijährigen eingehakt am Kletterseil die steilsten Ecken hochhebt. Wer sportlich ist und alpin geübt, kommt hier voll auf seine Kosten. Aber anders geht es natürlich auch.

Natur, Berge und Achterbahn

Wer Aussicht und Natur ohne Schweißperlen genießen möchte, kann mit der Doppelsesselbahn zum Gipfel auf 2.000 Meter fahren. Oben angekommen, können Eltern und Kinder jeden Alters zu verschiedenen Aussichtspunkten schlendern, zum Beispiel zum Sun O rama oder zum Adlerhorst. Natur und Berge gibt es hier satt. Die Kleinsten begeistern vielleicht auch schon die Bergblumen am Wegesrand – wunderbar, jeder soll Natur auf seine Art erleben. Damit es einem nicht so geht, wie dem Hund Josef und seinen Herrchen (die den Hund dann tragen mussten) , kann man auch von ganz oben mit etwas älteren Kindern oder dem Kleinsten in der Kraxe nicht ganz so spektakuläre Wege ins Tal oder zur Mittelstation wählen.

Auf dem ersten Teilstück der Bergfahrt mit der Sesselbahn sieht man übrigens, wie sich glänzende Schienen den Berg hinunter schlängeln: Das sind die Schienen des Alpine Coaster, der auf 1500 Metern Höhe an der Mittelstation beginnt. Die 3,5 Kilometer lange „Bergachterbahn“. Keine Angst, Loopings sind hier nicht zu befürchten, dafür eine moderne, unglaublich lange Sommerrodelbahn, deren Streckenführung rasantes Fahren bergab zulässt – aber Bremsen gibt es am Sommerrodel auch und kleinere Kinder dürfen mit einem Elternteil gemeinsam fahren.

Rosengartenweg am Wasserfall: Action in der Natur

Wasser: Es schäumt, es spritzt, es stürzt zu Tal, bildet Seen, Treppen, schleift das Gestein ab – wow, Natur pur. Wir sind auf dem Rosengartenweg, der mitten im Zentrum von Imst beginnt, und den Berg hinauf führt, vorbei an einem wirklich spektakulären Wasserfall. Es schäumt, es spritzt es ist ziemlich laut – unser Sohn will gar nicht heim, obwohl es doch schon spät ist. Hier ist „Action“ mal in der Natur zu finden, großartig.

Freestyle Wasserpark für Jugendliche

Action ganz anderer Art findet man hier: In der Area 47, einer Freestyle-Wasser Arena im Ötztal. Eltern von Jugendlichen können sich einen dicken Stein im Brett beim Nachwuchs verdienen, wenn sie die Familie hierher führen.

Wenn man sich erst einmal nichts darunter vorstellen kann, liegt es daran, dass es einige dieser Attraktionen höchst selten gibt. Es bleibt der Versuch der Beschreibung: Kinder ab 12 Jahre stürzen sich von einem Vorsprung auf ein riesiges aufgeblasenes Luftkissen. Während sie auf dem Luftkissen sitzen, hopst der nächste auf die gleiche Stelle und schleudert den ersten ins Wasser. Andere fahren auf Skiern oder Minischlitten von einer hohen Skischanzen-ähnlichen Rampe ins Wasser (Schlitten im Sprung am besten wegwerfen) oder stürzen mit Bobs auf einer langen Bahn mit dem Kopf voran ins Wasser. Alle sind übrigens mit Sturzhelm und Weste ausgestattet und erlaubt ist der Spaß ab 16 Jahre.

Außerdem gibt es eine Wasserrutschenlandschaft, eine Slackline über dem Wasser und eine Wasserskianlage über den See. Wirklich toll für Jugendliche wie gesagt, etwas schwieriger für Kinder unter 12 Jahre, die außer beim Rutschen die gewagtesten Attraktionen nur als Zuschauer erleben dürfen. Familien mit kleinen Kindern sind hier fehl am Platz (es sei denn, Papa muss sich unbedingt einmal austoben) – der Veranstalter weist deutlich darauf hin, dass es keinen Kleinkinderbereich gibt.

Familienklettern im Urlaub

Imst und die Gegend rundherum ist ein Klettereldorado. Es gibt hier die größte Kletterhalle Österreichs mit einem sehr schönen Außenbereich und Kletterfelsen für alle Alters- und Könnensstufen. Der Ort ist Austragungsort von ranghohen Klettermeisterschaften, die örtliche Volksschule bietet sogar den Spezialisierungszweig „Klettern“ für die weiterführende Schule an. Klettern – viele Kinder möchten das lernen, ihre Eltern selbst haben diese junge Sportart in ihrer eigene Kindheit nicht betrieben. Warum also nicht einmal einen Kletterkurs als Teil des Familienurlaubs in den Ferien für die Kids? Die ehemalige Welt- und Europameisterin Bettina Schöpf bietet so etwas in ihrer Kletterschule an. Mehr zum Klettern für Kinder und dem Gespräch mit ihr hier.

Nach soviel sportlicher Betätigung und Action darf es auch mal etwas ruhiger zugehen. Noch ein Tipp für Familien mit Kindern jeden Alters: Die Knappenwelt Gurgltal in Tarrenz zeigt in einer kleinen Freiluftausstellung eindrucksvoll und kindgerecht die Arbeit der „Knappen“, die hier am Inn im Mittelalter Erz abbauten und daraus wertvolle Rohstoffe gewannen. In kleinen Häusern sind Schlafräume aufgebaut, wie sie die Knappen kannten. Groß und Klein können mit Bauhelm gesichert einen dunklen und tropfenden Stollen betreten – das ist für Kinder sicher eindrucksvoll. In einem anderen Haus können neugierige Nachwuchshistoriker Steine selbst mit dem Hammer zerschlagen oder eine Kleinform des Zerkleinergerätes mit einer Kurbel betätigen. Kinderschilder greifen einzelne Aspekte der Ausstellung auf und erklären sie für die jüngeren Besucher noch einmal kürzer. Eine sehr schöne Möglichkeit, dem Nachwuchs, das Leben im Mittelalter näher zu bringen.

 

Weitere Infos unter www.imst.at

Hoteltipp: Superzentral in Imst, mit Hallenbad und Minisee für Schwimmer geeignet: www.hirschen-imst.com

 

Kommentar: Familienurlaub – komplizierte Reisesuche online

Die „schönsten Wochen des Jahres“ haben für Eltern oft eine langwierige Suche als Vorspiel. Denn der moderne Mensch sucht sich sein Urlaubsdomizil natürlich im Internet heraus.

Rechner anwerfen, Urlaubssuchmaschine anklicken und gewünschte Region eingeben – Hotel auswählen, fertig. Wirklich? Da stehen sie dann in der langen Liste, die die Suchmaschine ausgespuckt hat – Angebote, Angebote, Angebote.

Reisen in den Schulferien – ganz sicher teurer

Der erste Frust stellt sich meist beim Reisedatum ein, zumindest wenn man Schulkinder hat. Nebensaison? Günstiges Angebot im entspannt halbleeren Hotel? Von diesem Traum kann man sich mit der Einschulung des ersten Kindes für mindestens zehn Jahre getrost verabschieden – wenn man einen Urlaub mit allen Familienmitgliedern plant. Denn natürlich geht außerhalb der Schulferien gar nichts, aber auch wirklich gar nichts. Schulkinder, die sich vor allem zwei bis drei Tage vor Ferienbeginn an einem deutschen Flughafen in der Abflughalle befinden, werden von der Polizei besonders kontrolliert. Wenn sie keine Sondergenehmigung ihrer Schule haben, müssen die Eltern sogar Strafe zahlen – das sah und hörte man in den letzten Sommern immer wieder in den Medien. Und fragt sich dabei, ob denn bitte Polizisten an internationalen Flughäfen nichts Besseres zu tun haben?

Kinderermäßigungen oft versteckt

Weiter in der Reiseplanung: Gibt es nun eine Kinderermäßigung beim Aufenthalt oder nicht? Zahlen die Kinder wirklich zu 100 Prozent? Drei Klicks weiter und die Unterzeile des Angebotes entziffernd kommt heraus – nein, hier zahlen sie bis 6 Jahre 25 Prozent, bis 14 Jahre nur 50 Prozent. her mit dem Taschenrechner, um den für uns gültigen Preis auszurechnen. Beim nächsten Angebot zahlen alle unter 18 Jahre 50 Prozent des Preises, ein Angebot weiter ist eine Kindermäßigung nicht zu finden. Damit fällt das Angebot heraus, denn die Reisekosten steigen dadurch (bei zwei Kindern) auf das Doppelte. Viel zu teuer, aber die Auswahlliste der Suchmaschine hat das natürlich nicht berücksichtigt. Habe ich ein Ziel, geht es, wenn ich Pech habe, mit den Flügen wieder von vorne los – zahlt das Kind oder nicht (bis zwei Jahre), gibt es bei dieser Fluggesellschaft, diesem Angebot eine Kinderermäßigung? Am Ende habe ich vielleicht etwas ausgewählt, aber ob das das Beste war….?

Was heißt „kinderfreundlich?

Und dann die Frage mit der Ausstattung. „Kinderfreundlich“ kann man manchmal ins Auswahlmenü eingeben, schön. Ach, alle Angebote, die „kinderfreundlich“ sind, meinen damit die Hotel-Ausstattung mit Babybett und Wickeltisch? Das ist aber doch meinen Grundschülern herzlich wurscht und mir damit auch. Gibt es Platz zum Toben? Das brauche ich als Info. Gibt’s nicht als Auswahlkriterium. Also wieder alle Angebote einzeln durchforsten…

Da gibt es nun so viele Reisesuchmaschinen im Internet, von den ganz Großen bis hin zu den Suchportalen der Fremdenverkehrsämter. Aber scheinbar gehen die meisten lediglich von reisenden Erwachsenen aus. Kriterien, die man als Eltern nun mal benötigt, sind oft nicht als Auswahl der Suchmaske möglich – und das bedeutet, dass man alle Angebote einzeln durchforsten muss. Da kann Urlaubsplanung leicht zur Vollzeitbeschäftigung ausarten.

Es gibt Ausnahmen, aber leider zu wenige. Liebe Reiseanbieter – bitte denkt daran, dass manche Menschen auch mit Kindern in den Urlaub fahren!!

Bildquelle: aboutpixel.de / Strohhut mit Sommertuch und Reisekoffer © Karina Baumgart

Familienurlaub für weniger Geld

Wer die Muße zum Suchen hat und ein paar Tipps beachtet, kann für den Familienurlaub wenig Geld ausgeben:

 

 

  • Mitglied beim Deutschen Alpen Verein (DAV) werden: Ein Urlaub auf der Almhütte ist erholsam und erlebnisreich, gerade für Stadtkinder. Wer früh bucht, bekommt einen Aufenthalt – meist als Selbstversorger – für kleines Geld.

 

  • Mit der Bahn anreisen. Denn hier zahlen Kinder ja bis 14 Jahre innerhalb Deutschlands gar nichts, wenn sie von zahlenden Erwachsenen begleitet werden. Das gilt auch für die Ziele des Europasparpreises der Bahn, also für viele europäische Reiseziele. Je nach Wunschziel kann das sehr viel entspannter sein, als eine Staufahrt auf der Autobahn. Günstiger als eine Flugreise mit 5 Personen ist es ganz sicher.

 

  • Wohnungstausch. O.K., es ist nicht Jedermanns Sache, aber eine gute Idee, kostenfrei woanders zu sein und Unbekanntes in den Ferien zu entdecken. Am besten ist es natürlich, mit Bekannten zu tauschen. Wer mutiger ist, schaut sich im Internet nach einem Tauschpartner um (z.B. über homelink.de)

 

  • Geduld und suchen: Es gibt erstaunliche Angebote, wenn man fleißig das Internet befragt, gerade Reise-Internetportale bieten ja schnelle Vergleichsmöglichkeiten und Sonderangebote. Auch Einzelanbieter können günstig sein: Hier gibt es beispielsweise für den Aufenthalt im italienischen Cesenatico 20 Prozent Rabatt für die Großeltern, wenn sie mit der ganzen Familie an die italienische Adria reisen. Im kindgerechten Hotel mit Pool und Meer vor der Tür wohnt das erste Kind bis sechs Jahre kostenlos. Das Angebot gilt sogar für die Pfingstferien: www.riccihotels.it

 

  • Wenn gar nichts geht: Wenigstens die Kinder in die Ferien schicken, wenn sie alt genug sind. Hier gibt es viele städtische und günstige kommerzielle Angebote – vom Ferienlager über Camps mit einem bestimmten Thema bis zur Feriengruppe auf dem Bauernhof. Und dann wenigstens ein gemeinsames Wochenende auf dem nahen Campingplatz einplanen, wenn das Wetter es erlaubt.

 

Foto: Copyright-frei, en.wikipedia

 

Historisches München – nicht nur für Kinder

Der Kinderbuchklassiker aus dem Jahre 1960 wurde 2012 neu aufgelegt und hat nichts von seinem Charme verloren.

Der tschechische Autor, Miroslav Sasek wurde 1916 in Prag geboren und starb 1980 während einer Reise in der Schweiz. Eigentlich war er Architekt, aber dann fing er an Kinderbücher zu schreiben. Von 1951 bis 1957 lebte er in München. Das vorliegende Buch ist aber nicht der einzige Stadtführer für Kinder den er geschrieben und illustriert hat. Insgesamt gibt es 20 Folgen, darunter Edingburgh, Venedig und Honkong. Es finden sich aber auch Bücher über Griechenland und Österreich in seinem Repertoire. Und sogar eines über den Weg zum Mond. Auch Kurzfilme gibt es mit seinen Zeichnungen.

Das München Buch stellt die schönsten und wichtigsten Sehenswürdigkeiten Münchens in kurzer gut verständlicher Art dar. Natürlich die Frauenkirche, der Alte Peter, die drei Tore und auch der Stachus dürfen nicht fehlen. Die Universität und die Pinakotheken sind auch mit drin. Und natürlich die Bavaria und die Theresienwiese.
Und dann geht es natürlich auch um andere Besonderheiten, dass Oktoberfest, mit seinen Trachten und der Blasmusik. Auch die Kulinarischen Besonderheiten fehlen nicht, beim Oktoberfest werden einige tausend Steckerlfisch verspeist, die aber von hunderttausend Brathendln übertrumpft werden. Und was wird wohl am meisten gegessen? Klar, etwa siebenhunderttausend Paar Würstl.

Die Vorstellung von Weißwurst, Bier, Radi und Brezen macht gleich Lust auf einen Besuch im Biergarten.

Schön ist, dass es neben den historischen Bildern im Anhang auch noch jede Menge neuere Informationen über das heutige München gibt.

Die schönen Zeichnungen versetzen die Lesenden in ihre eigene Kindheit und für die Kinder ist es mal eine erfrischend andere Art des Zeichnens. Und beide, Leser und Zuhörer bekommen gleichermaßen Lust auf einen Besuch in München. Oder, wenn man in München wohnt, auf einen Stadtbummel, um die Sehenswürdigkeiten aus diesem Buch in der Realität anzuschauen.

München, 2012, Verlag Antje Kunstmann GmbH, München, ISBN 978-3888977930 (16,95 Euro), 65 Seiten, Großformatig.
Mehr zu München mit Kindern hier

Weitere Münchner Stadtführer für Kinder

  

 

Zum Vor- und Nachbereiten des Besuchs

 

Schreinfest und Thermalquellen – Ferien in Japan

Nach Japan mit Kind? Haben alle was davon und macht das allen Spass?? Unsere Autorin war mit Mann und sechsjährigem Sohn Lukas zwei Wochen lang in Tôkyô und Umgebung unterwegs. Sie sagt: super! Und Lukas sagt: „Da sprechen alle ganz anders“ – stimmt genau!

Sanftes Plätschern. Ein lauwarmer Wind kräuselt die dampfende Oberfläche und lässt die Bambusblätter rascheln. Hinter der heißen Quelle steigt der Berg steil an. Ungewohnte Vogelstimmen rufen aus dem Dickicht. Ich sitze morgens früh um halb sieben draußen, im Naturstein-Becken der Thermalquelle. Während ich die Tiefenentspannung bei 38 Grad genieße, gehe ich in Gedanken zurück zu den ersten lauten und aufregenden Tagen in Tôkyô.

 

Tôkyô – Downtown

Im traditionsreichen Downtown-Viertel Asakusa im nordwestlichen Teil von Tôkyô erlebten wir mittendrin das größte religiöse Fest der japanischen Hauptstadt, das Fest der Drei Schreine (Sanja Matsuri). Erstaunlicherweise waren noch zwei Monate vorher Zimmer im Hotel zu bekommen. Ein deutliches Zeichen, dass der Tourismus in Japan noch nicht wieder auf dem alten Stand von vor dem Erdbeben/Tsunami/der Kernschmelze zurück ist.

Unser traditionelles Hotel steht direkt neben dem großen Donnertor, einem der Wahrzeichen Tôkyôs. Rundherum gibt es viele kleine Läden, besonders traditionelles Kunsthandwerk, Messer, Scheren, Kimonos aus Brokat oder Baumwolle und zugehörige Accessoires, handgefertigtes Papier und jede Menge Essbares.

Beim Fest der Schreine

In den Tagen bevor das Fest beginnt werden die tragbaren Schreine vorbereitet, geputzt und geschmückt. Am ersten Abend werden dann in einer Zeremonie die Geistwesen, welche normalerweise in ihrem festen Haus verehrt werden, eingeladen, für die Dauer des Festes umzuziehen in einen der kleineren tragbaren Schreine, aus schwarz und golden bemaltem Massivholz.

Es ist wichtig, die Geistwesen bei Laune zu halten. Wenn sie sich langweilen oder ärgern, können sie den Menschen gefährlich werden. Deshalb werden sie einmal im Jahr zu ihrer Unterhaltung mehrere Tage lang durch die Straßen getragen und unter Anfeuerungsrufen rhythmisch geschwenkt. Jedes Viertel hat seine eigenen Schreine, seine spezielle Art zu rufen und seinen eigenen Stil. Die Männer und Frauen, welche die größeren Schreine tragen und schütteln, verrichten Schwerarbeit, viele blaue Flecke inbegriffen. Drei Tage lang sind bis abends um neun Uhr die rhythmischen „Wasshoi, wasshoi!“, und „Za! Za!“– Rufe, Flöten und Trommeln zu hören. Auch danach wird es nicht wirklich ruhig, aber ein paar Stunden Schlaf bekommen wir trotzdem.

Nach Tsunami und der Kernschmelze von Fukushima suchen viele Japaner Sicherheit in der Shinto-Religion, derzufolge die Natur Japans belebt ist von Geistwesen. Das größte religiöse Fest der Hauptstadt wollten im Mai 2012 zwei Millionen Besucher sehen.

Interessantes zum Probieren

In unserem Hotel gibt es keine Mahlzeiten. Da es aber um die Ecke einen Family-Mart gibt, einen Supermarkt, der fast rund um die Uhr auf hat, geht morgens einer von uns einkaufen. Es gibt eine große Auswahl von Reisbällchen (onigiri) mit verschiedener Füllung, z.B. Berggemüse oder einem Stückchen gebratenen Lachs. Es gibt aber auch Sandwiches zu kaufen und eingepackte süße Stückchen. Für drei Reisbällchen und Gemüse-Fruchtsaft für die Vitamine bezahlen wir ca. 500 Yen, etwa 5 Euro. Für ein Frühstück in einem Restaurant müssten wir mindestens 500 pro Person bezahlen.

Wer sich nicht gleich in ein Restaurant traut, kann sich auch tagsüber problemlos an kleinen Snacks (z.B. gedämpftem Brot mit Fleischfüllung = Nikkuman) satt essen, oder große Reiscracker einzeln kaufen, die frisch über Holzkohle gebacken werden. Essen ist ja ein wichtiger Bestandteil jedes Urlaubs. In Japan vielleicht noch mehr als woanders, denn hier gibt es nicht nur besonders viele Sterne-Restaurants, sondern auch beim Alltagsessen wird Wert auf Frische und Geschmack gelegt. Das gilt genauso für kleine Imbissbuden, das Kühlregal im Supermarkt oder für das Essen zuhause.

Eis gibt es übrigens in allerlei uns bekannten, aber auch in gewagten Geschmacksrichtungen: Schwarzer-Sesam-Softeis sieht gewöhnungsbedürftig grau aus, mundet aber köstlich. Das Süßkartoffel-Eis begeistert mich nicht so sehr. Unser Sohn mag Geschmacksrichtung Mandarine.

Fotoquelle: Barbara Leonhardt

Teil 2: Der Kinderumzug und das Sumoturnier
Teil 3: Japan von oben und Airhockey
Teil 4: Heiße Thermalquelle

Ferien als Wikinger

Im Wikinger-Zentrum bei Ribe in Dänemark können Familien „Ferien als Wikinger“ machen und als Laiendarsteller wie vor tausend Jahren leben.

Waffen klirren. Zwei Männer in Leinen und Leder üben eine Finte, Schwert gegen Schwert. Aus der Ferne tönt es „pling, pling“ aus der Schmiede. Christina sitzt mit ihrer drei Jahre alten Tochter Yonna auf dem Holzbock und zeigt ihr, wie sie den Stock richtig einspannen muss, um die Rinde abzuschälen.

Ein Augustnachmittag im Wikinger-Zentrum bei Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks. Etwa ab dem Jahr 700 kamen Wikinger zu Schiff, Pferd oder zu Fuß jeden Sommer hierher an den Rand des Wattenmeeres, wo der Fluss Ribe Aa in weiten Schwüngen gemächlich durch die Salzmarschen mäandert. Gehandelt wurden Waffen, Kleidung, Lebensmittel, Pferde, Schmuck aus Bernstein und Knochen.

 

Als Wikinger leben

Auf den Wiesen vor der Stadt kann man heute selbst ausprobieren, wie es einmal gewesen sein könnte. Während der Sommermonate leben Darsteller in den strohgedeckten Hütten aus Geflecht und Lehm oder in einfachen Leinenzelten auf dem Markt-Gelände. Die Freiland-Museen zu „beleben“ mit Darstellern in historischen Kostümen, ist eine Idee, die sich in den letzten achtzig Jahren von Dänemark aus in ganz Europa verbreitet, aber auch in Amerika schon lange Tradition hat.

Es gibt hauptberufliche „Wikinger mit Leib und Seele“, wie die Seifensiederin, die mit ihrem Mann den Grossteil des Jahres in selbstgenähter Kleidung aus Flachs, Wolle und Leder auf Mittelalter- und Wikingermärkten unterwegs sind (www.drakentrey.de). Andere Darsteller kommen aus Dänemark, Irland, Schweden, England, Schottland, Wales und sogar aus Texas. Lagersprache ist Englisch.

Ungewöhnliche Familienferien

Als Familie lässt es sich hier auf ungewöhnliche Weise Ferien machen, findet Christina aus Deutschland, die mit Mann und zwei Kindern schon öfter im Wikinger-Zentrum in Ribe war. „Für die Kinder finde ich es wichtig, dass sie einmal erleben, wie das ist, wenn man drei Stunden braucht, um einen Eintopf auf offenem Feuer zu kochen“, sagt die Mutter von zwei Kindern. „Sie können bei vielem mitmachen und Aufgaben übernehmen, z.B. Feuerholz sammeln. Da das Lagergelände abgegrenzt ist, können wir ihnen hier auch viel Freiheit lassen. Abends erfahren sie, dass es richtig dunkel ist, wenn man nur Fackeln oder Fettlämpchen hat. Dann treffen wir uns mit anderen Darsteller-Familien am Lagerfeuer oder, wenn es regnet, im Langhaus. Das ist richtig gemütlich.“ Ihr Mann kann seinem Interesse an frühzeitlichen Waffen und Kampftechniken nachgehen, Christina hat die Kleidung der Familie selbst genäht.

Ihre dreijährige Tochter Yonna zeigt stolz den Stock her, den sie abgeschält und angespitzt hat. Dann rennt sie über die Wiese davon. Sie will Gina, einer anderen Teilnehmerin aus Deutschland, helfen, eines der Pferde auf die Weide zu bringen. Gina ist mit ihrem Mann schon zum fünften Mal hier. „Wir bringen unsere eigene Ausrüstung mit“, sagt sie, „historisch richtige Kleidung und Eisengeschirr zum Kochen auf dem Feuer. Für die Übernachtung selber müssen wir nichts bezahlen. Aber wir müssen täglich von elf bis fünf, während der Öffnungszeiten, hier sein und den Besuchern Fragen beantworten, sie an unserem Leben hier teilhaben lassen.“

Bei den Sanitäreinrichtungen sind allerdings keine Original-Bedingungen angestrebt. Gina findet das gut so: „Wir dürfen die Besuchertoiletten und auch Duschen mitbenutzen. Die hygienischen Verhältnisse des frühen Mittelalters wünsche ich mir wirklich nicht zurück.“

Um Ferien in der Wikingerzeit zu machen, muss man sich rechtzeitig bewerben und möglichst Kenntnisse in einem alten Handwerk haben.

Wikinger für einen Tag

Auch als Tagesbesucher kann man bei vielem mitmachen. Zusätzlich zum Eintritt kann man einen Bon für 35 dänische Kronen (ca. € 5,-) kaufen. Dafür darf man das Schiessen mit Wikinger-Langbögen ausprobieren, eine Münze prägen und auf der Schnitzbank einen Stock zuspitzen.

Im Eintritt inbegriffen ist das Kampftraining für Kinder, mit Holzschwert und Schild. Dabei herrscht ein rauher Ton in englischer Sprache. Eltern werden zum Dolmetscher, und da nicht alle gut Englisch können, wird manches falsch übersetzt. Als wir da sind, weinen zwei Kinder und wollen dann lieber nur zuschauen, aber andere machen gerne mit. Es gibt eine Falkner-Vorführung und am Nachmittag eine Show, wo zwei große Gruppen von Darstellern gegeneinander kämpfen.

Mitmachen und probieren

Besucher dürfen auch von den frisch hergestellten Esswaren probieren und kleine Fladenbrote selber in der Eisenpfanne backen. Dazu gibt es Frischkäse aus dem Tontopf, oder es werden Fische geräuchert. Zwischen den Häusern weiden Schafe, Kühe und Pferde. Eine Henne führt ihre Kükenschar über den Hof.

Der Spielplatz ist liebevoll gestaltet mit Wikinger-Holzhäusern im Miniformat, Holzpferden und einer Kletterrunde mit Trittsteinen im Wasser und einer – historisch unkorrekten – Tunnelrutsche. Am Rand des Geländes ist in einem schönen Gutshof, dem alten Bischofssitz aus dem 18. Jahrhundert, ein Café für die Tagesbesucher. Wie überall in Dänemark darf man auch hier sein eigenes Picknick mitbringen, und im idyllischen Obstgarten genießen.

Weitere Orte, wo Familien Historiendarsteller werden können:

Außer im dänischen Ribe, gibt es auch im Hjemsted Oltidspark, nicht weit von der deutschen Grenze, die Möglichkeit, sich tage- oder wochenweise einzubuchen, und als Darsteller selber ein Teil der „living history“ zu werden. Schwerpunkt ist hier die Eisenzeit.

In Deutschland bietet das Federsee-Museum in Bad Buchau etwas ähnliches an, „Archäologie Live“, mit wissenschaftlicher Betreuung. Dort kann man beim Workshop „Eine Nacht in der Steinzeit“ im Freiluft-Dorf am Rand des Moorsees unter Anleitung eines Archäologen sich das Wissen der Steinzeit selbst erarbeiten: ein Feuer entzünden, ein Essen kochen, in einer der Hütten die Nacht verbringen.

Wo und wie kann man sich bewerben?

Ribe Wikinger-Zentrum: Geöffnet von Anfang Mai bis Oktober (2012 bis zum 19. Oktober). Als Darsteller sollte man sich bis zum 15. Mai des Jahres bewerben. Anmeldeformular: http://ribevikingecenter.dk/de/freiwillige/anmeldung.aspx

Im Eisenzeit-Park von Hjemsted: Darsteller in historischen Kostümen werden hauptsächlich während der Sommerferien-Zeit gebraucht. Aber auch zu anderen Zeiten kann man eine der sehr einfachen Eisenzeit-Hütten für 4-6 Personen zum Übernachten mieten, für 500 DK (ca. 70 Euro) pro Nacht. Es gibt auch die Möglichkeit, ein eigenes Zelt aufzuschlagen (40 DK = ca. 5 € pro Pers./Nacht).
Feste Anmeldefristen gibt es hier nicht. Wer schon in den Herbstferien fahren möchte, bitte beachten: Die Nächte an der Nordsee können im Herbst schon sehr kühl, windig und feucht sein.
http://www.hjemsted.dk/index.php/de/eisen-holidays
http://www.hjemsted.dk/index.php/de/eisen-familie

Federsee-Museum Bad Buchau: die „Archäologie Live – Eine Nacht in der Steinzeit“ wird 2012 angeboten am 1./2. September und 6./7. Oktober. Jahresprogramm: http://www.federseemuseum.de/programm-2/jahresprogramm/

Bericht und Fotos: Barbara Leonhardt

Familienferien in Japan, Teil 2, der Kinderumzug und das Sumoturnier

Radioaktivität?

Ob manche der Lebensmittel radioaktiv belastet sind, steht nirgends angeschrieben, aber bei Gemüse steht oft das Herkunftsgebiet. Das Gesundheitsministerium bietet regelmäßig online Testergebnisse von Stichproben (http://www.mhlw.go.jp/english/topics/2011eq/index.html) Diskussionen darüber, ob die Testergebnisse aussagekräftig sind, dauern an (s. z.B. http://www.japanfocus.org/-Martin_J_-Frid/3722 und die Kommentare dazu). Unsere japanischen Freunde haben nach dem Atomunfall keine Milch gekauft, aber da ein Großteil der in Japan konsumierten Milch von der nördlichsten der großen japanischen Inseln, Hokkaidô, stammt, die weit weg liegt von Fukushima, gilt sie nun wieder als unbedenklich.

 

Der Kinderumzug

Unser Sohn schaut am zweiten Tag des großen Festes aus dem Fenster auf das lebhafte Treiben im Tempelbezirk und sagt fassungslos: „Schau mal, Japaner, Japaner, Japaner!“ Er hat aber schnell gemerkt, dass es in einer japanischen Menschenmenge recht friedlich zugeht. Die Tokyoter sind daran gewöhnt, sich in einer Menge zu bewegen. Schirme sind eingeklappt, Rucksäcke werden in der Hand getragen und nicht dem Hintermann ins Gesicht gerammt.

Lukas wird von den freundlichen Damen am Empfang mit Kinder-Festkleidung ausgestattet: dunkelblaue Baumwoll-Wickelhosen, eine Schürze und eine kurze Jacke darüber. Dann dürfen wir bei einem der Kinderumzüge mitmachen. Viele Kinder und Erwachsene ziehen ein geschmücktes Festwägelchen mit Trommeln darauf. Die japanischen Zuschauer finden den kleinen Ausländer in japanischer Festtracht „kawai“ (süss), und er wird oft fotografiert. Zur Erfrischung an dem heißen Tag gibt es hinterher geschabtes Wassereis mit buntem Sirup darauf.

Zu Fuss zum Sumo-Ringturnier

Am Nachmittag flüchten wir vor dem Gedränge, zumal sich der Himmel verdüstert hat und Regen angekündigt ist. Gleich morgens hatten wir Eintrittskarten für das Sumo-Turnier gekauft. Der Eintritt ist eigentlich teuer, aber Tagestickets für die hinterste Reihe werden günstig abgegeben. Für unser Kind zahlen wir nur umgerechnet 2 Euro Eintritt, wir Erwachsene kosten je 20 Euro. Die Sumo-Arena liegt auf der anderen Seite des Flusses. Wir spazieren gemütlich in einer halben Stunde am Sumida-Fluss entlang dorthin. Zur Motivation unseres wenig spazierbegeisterten Kindes verweilen wir unterwegs eine halbe Stunde auf dem Spielplatz

Als wir in der riesigen Sumo-Halle ankommen, sind die Wettkämpfe der zweiten Liga noch in vollem Gange, danach kommen die Kämpfer der ersten Liga. Die Zuschauerränge sind gut gefüllt, aber nicht komplett ausgebucht, wir finden schnell drei Plätze. Die Korruptions-Skandale der letzten Jahre haben Sumo in der Beliebtheit gegenüber anderen beliebten Sportarten wie Baseball und Fußball an Boden verlieren lassen. Da aber nach wie vor jedes der jährlich sechs Turniere im Fernsehen übertragen werden, sind die Kämpfer der ersten Liga so bekannt wie bei uns die Top-Spieler der Bundesliga.

Nun ziehen die Kämpfer in den Ring ein, alle sind mit farbenfrohen Schürzen ihrer Sponsoren geschmückt. Lukas hat schnell verstanden, worauf es beim Sumo ankommt: den anderen aus dem Ring zu drängen oder zu Fall zu bringen. Die Akustik ist hervorragend. Das laut zu hörende klatschende erste Aufeinanderprallen der Kontrahenten vermittelt einen guten Eindruck der Kraft und Dynamik dieses Sportes. Das Publikum geht mit, ruft die Namen der Kämpfer und feuert sie laut an.

Unsere Freundin Yuko, die uns nach Turnierende abholt, erzählt uns, dass die Trommeln, welche zu Beginn und Ende jedes Turniertages geschlagen werden, zu ihren Kindheitserinnerungen zählen. In den 1950er Jahren zogen Sumo-Kämpfer durch die benachbarten Viertel und präsentierten sich, um möglichst viele Zuschauer anzuziehen.

Fotoquelle: Barbara Leonhardt

Teil 1: Tôkyô Downtown und Fest der Schreine

Teil 2: Der Kinderumzug und das Sumoturnier

Teil 3: Japan von oben und Airhockey
Teil 4: Heiße Thermalquellen