Kategorie: Rezensionen

Hier kommen die Rezensionen

Ein Kinderkalender als Fenster zur Welt

Kinder lieben Reime – und sie lieben Rituale: Dafür gibt esvon der Internationalen Jugendbibliothek wieder einen ganz besonderen Kalender. Mit 53 Gedichten und Bildern aus aller Welt macht er aus jedem Montag einenfröhlichen Wochenstart: Aufstehen, Blatt umdrehen – Abreißen ist auch erlaubt –und laut vorlesen!

Da gibt es ein Himmelsnashorn, das, logisch, vom Himmel fällt. Oder die Kakaken unterm Bambusblatt, ausgerechnet in Schweden. Es gibt eine seltsame Mondnacht in China. Und ein wunderschönes Wiegenlied aus Griechenland. Von Katzen wird berichtet, und auch vom Kotzen …

Ja, liebe Eltern,  ihr müsst schon mal was aushalten bei diesen frechen Texten! Und wenn es sich mal nicht reimt, mehrsprachig ist es garantiert immer – und damit ein Fenster zur Welt.

Zum neunten Mal haben die Kalender-Macher die schönsten Kindergedichte aus ihrer internationalen Büchersammlung übersetzen lassen und mit Original-Wortlaut und Original-Illustration großformatig auf Papier gebracht.

Der Kinder Kalender 2019“, Verlag edition momente, mit Lyrik von Algerien bis Argentinien, von Korea bis Kanada.

60 Blätter, 53farbige Illustrationen, 33 x 30,5 cm, 20 Euro, ISBN 978-3-0360-5019-5

O Tannenbaum – ein Weihnachtsbuch

Der Rowohlt Verlag hat passend zur Adventszeit eine wunderschöne Sammlung von Weihnachtsliedern und Gedichten zusammengestellt von Sophie Härtling herausgegeben. Das Buch enthält viele liebe alte Bekannte, aber auch weniger bekannte Weihnachtslieder, sowie einige Lieder auf Englisch und Französisch. Gedichte von Heine, Rilke und Morgenstern sind eine wunderbare Ergänzung zu den Liedern. Für die musikalisch zumindest etwas Bewanderten, gibt es am Ende des Buches zwei Seiten mit den passenden Gitarrengriffen.

Das I-Tüpfelchen sind aber die wunderschönen Illustrationen von Joëlle Tourlonias, die dem Buch erst seine besondere Atmosphäre geben und zum Schmökern schauen, lesen und natürlich singen einladen.
Unbedingt noch besorgen, vor allem diejenigen, die gerne dem Weihnachtsstress entfliehen möchten.

O Tannenbaum, hrsg. Sophie Härtling mit Illustrationen von Joëlle Tourlonais, Rowohlt Taschenbuch Verlag. Reinbek bei Hamburg, 2016, ISBN 978-3-499-21760-9, 94 Seiten, von Anfang an, zum alleine und gemeinsam Schmökern und singen (14,99 Euro)

Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später

Es geht um Regenbogenfamilien. Stephanie Gerlach und Uli Streib-Brzic – selbst Eltern mit eigenen Regenbogenfamilien – haben noch einmal die Kinder befragt, die sie im ersten Band interviewt hatten: Wie ist das, mit zwei Mamas oder Papas groß zu werden? Ihre „Kinderinterviews“ sind gleichfalls abgedruckt und die mittlerweile jungen Erwachsenen blicken in neuen Interviews mit Abstand auf ihre Kindheit zurück.

Wie ist Kindheit in einer Regenbogenfamilie?

Und, wie ist es? Nun, wer die Interviews nacheinander wegliest, wird feststellen: Fast alles ist so, wie es bei tausenden anderen jungen Erwachsenen ist, wenn sie auf ihre Kinderzeit zurückblicken: Manches Gutes, manches Schlechtes – es sind viele Patchwork-Geschichten darunter, mit allen Schwierigkeiten und Geschenken, die solch eine Familie mit sich bringt. Natürlich sind die Geschichten sehr unterschiedlich, je nachdem, wie die einzelne Familie war, ob Geschwister da waren, wie sich die jungen Menschen im Leben zurechtgefunden haben.

Sind Regenbogenfamilien ganz normal? Ja, na klar. Wir haben darüber auch schon geschrieben. Im Buch findet sich eine Einschränkung: Fast alle Befragten sprachen darüber, wie es war, wenn andere auf „ihr“ Familienmodell reagierten. Das war meistens gut, manchmal aber auch nicht – auf jeden Fall mussten sich die Regenbogen-Kinder schon früh mit ihrer eigenen Familie auseinandersetzen. Bei vielen hatte das positive Auswirkungen: Sie reflektierten ihre Umgebung, schauten sich ihre Klassenkameraden, die Sportkollegen genauer an.

Ein sehr interessantes und authentisches Buch, nicht nur für Eltern von Regenbogenfamilien. Sondern für alle Eltern, wenn sie sehen wollen, welche Erfahrungen Kinder in ihren Familien machen und was eigentlich heute als Familie „normal“ ist – nämlich glücklicherweise alles, was für Kinder (und Eltern!) gut ist.

Gab es weitere Erfahrungen, „zwischen den Zeilen“, wenn die Autorinnen ihre „Schützlinge“ besuchten? Ich habe bei der Autorin Stephanie Gerlach selbst nachgefragt:

Für eigentlich alle Kinder war und ist es ein seltsames Gefühl, rechtlich anders behandelt worden zu sein als Kinder in „normalen Ehen“. Schließlich haben sie zwar zwei Elternteile, sind aber von einem adoptiert worden – auch wenn die Eltern bereits vor ihrer Geburt verheiratet waren, also in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft wohnten. Das ist schade, denn es gibt den Kindern ein Gefühl, welches nicht sein müsste – auch wenn sie am Tag der Adoption selbst und während der Vorbereitungen dazu (z.B. Besuch vom Jugendamt) noch zu klein waren, um sich zu wundern, das kam später. Am liebsten wäre es eigentlich allen Kindern, dass diese Familienform überall so akzeptiert ist, dass es normal ist und niemand mehr darüber reden muss.

Welche Erkenntnisse waren für die Autorin selbst neu beim Nachfolgebuch? Neu und anders als vor zehn Jahren war für Stephanie zum einen das Thema „Transgender“ – welches vor zehn Jahren noch nicht im Licht der Öffentlichkeit stand. Und neu sind leider auch die wieder aufkeimenden Vorurteile gegen lesbische und schwule Lebensformen. „Das hätte vor zehn Jahren niemand so erwartet“ sagt sie und sorgt sich um Toleranz im Allgemeinen in unserer Gesellschaft.

Wird es ein Buch „Zwanzig Jahre später“ geben? Stephanie hofft, dass da nicht nötig sein wird – und ist da aufgrund der schon angesprochenen aktuellen Entwicklungen in Richtung Intoleranz leider kritisch. „Alles was wir uns erkämpft haben, kann uns wieder genommen werden“, sagt sie. Ein wahres Wort, welches nicht nur für Eltern von Regenbogenfamilien gilt, sondern für uns alle, die in einer offenen und toleranten Gesellschaft leben wollen.

Uli Streib-Brzic und Stephanie Gerlach: „Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später!“ Querverlag 19,90 Euro

Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten Vaters

Von Thorsten Nesch wurde an dieser Stelle schon der Jugendroman „Buster, König der Sunshine Coast“ vorgestellt. Der neue Romanheld von Thorsten Nesch heißt Jörn und ist ein Kumpel von Basti alias Buster. Auch er hat seinen Realschulabschluss gemacht und einen langen Sommer vor sich. Er plant eine Radtour durch Holland mit David. Aber daraus wird nichts, erstens erlauben es Davids Eltern nicht und dann kommt noch dieser merkwürdige Anruf von Jörns Mutter als er gerade beim Angeln sitzt: „Jörn, komm bitte nach Hause. Keine Begrüßung und sie klang anders, nach nichts Gutem.“

Zuhause sitzt Fares, ein Bekannter seines Vaters. Seinen Vater hat Jörn nie kennengelernt und seine Mutter redet nicht über ihn, und wenn sie ihn erwähnt, dann als „das Kriechtier“. Als Fares ihm sagt, dass sein Vater gestorben ist, ist Jörn selbst überrascht über seine Reaktion „Ich wartete auf eine nicht steuerbare Reaktion, auf eine Stimme von innen, ein Zeichen, und als es kam, war ich so überrascht wie sprachlos (…) ein zartes Zucken im Magen wie von 12 Volt Strom ausgelöst.“

Fares überbringt Jörn das Erbe seines Vater und seinen letzten Willen: zehn verschlossene Briefe, ein Ticket für eine Mittelmeerkreuzfahrt und einen Rainmaker mit der Asche seines Vaters und den Wunsch sie in Italien in seinem Heimatort zu begraben. Jörn entscheidet sich nach einigem hin und her dafür.

Auf dem Kreuzfahrtschiff kommt Jörn sich vor wie in einer anderen Welt. Der Zusammenprall dieser beiden Welten ist sehr humorvoll beschrieben, und bringt die Leser nicht nur einmal dazu, laut zu lachen. Auch die anderen Jugendlichen auf dem Schiff sind wie aus einer anderen Welt, aber zumindest Elizabeth scheint einigermaßen normal zu sein. Natürlich gibt es Probleme mit den Sicherheitskräften, wegen des Rainmakers, und auch das Angeln von Deck aus wird nicht gern gesehen.

Jeden Tag liest Jörn einen der Briefe seines Vaters und lernt ihn so nach und nach besser kennen.

Nach vielen neuen Erfahrungen findet Jörn das Dorf, aus dem sein Vater stammt, und die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung.

Eine unglaublich witzige Geschichte, die dabei ganz und gar nicht oberflächlich ist. Für Jugendliche ab 13 oder 14, aber auch als leichte Lektüre für Erwachsenen sehr zu empfehlen.

Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten Vaters, Thorsten Nesch, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2015, ISBN 978-3-499-21699-2 (9,99 Euro).

Adventskalender in Buchform

„Auf die Päckchen fertig los“ ist ein Adventskalender zum Lesen und Vorlesen. Von Anna Herzog kennen wir nun schon das Sommerbuch „Sommer ist barfuß“ und erst kürzlich erschien „Ein Hoch auf den Herbstwind“. Wie schön, dass es jetzt ein Weihnachtsbuch gibt und dann auch noch so ein liebevoll gestaltetes Adventsbuch. Auf dem Cover sind 24 goldene Weihnachtsanhänger, jeder mit einer Zahl. Wenn man die „1“ frei rubbelt erscheint ein Symbol und dieses findet sich dann über dem dazugehörigen Kapitel. Klingt erst mal verwirrend macht aber riesen Spaß: die Kapitel sind nämlich nicht in der richtigen Reihenfolge im Buch, sondern man muss jedes erst mal suchen. Am Ende gibt es dann aber auch noch eine Liste mit der richtigen Reihenfolge, falls man es noch einmal lesen möchte.

Das Buch ist aber nicht nur in der Aufmachung großartig sondern auch in den Geschichten. Es geht um eine ganze Horde Kinder, genaugenommen 9. Sie alle leben im Beerenviertel und das Buch erzählt wie sie alle die Vorweihnachtszeit auf ihre Art erleben. Maja ist z.B. krank und ihre Lehrerin möchte, dass die Klasse für sie einen Weihnachtsman bastelt. Aber glücklicherweise muss die Lehrerin in dieser Stunde mal kurz raus, so dass die Kinder beschließen lieber ein Virenmonster zu bauen, das ist nämlich viel cooler. Als Maja wieder gesund ist, beschließt sie mit ihrer Freundin Destiny die Goldfische vor dem Erfrieren zu retten und sie in Destinys Keller in Eimern überwintern zu lassen.

Leni ist in ihrer Familie die kleinste von vier Kindern. Eines Nachts wacht sie auf und bemerkt, dass alles irgendwie anders aussieht: es hat geschneit. Bis sie nachmittags aus dem Kindergarten wieder da ist, ist der ganze schöne Schnee schon völlig platt gefahren, also beschließt sie jetzt gleich zu gehen und schleicht sich aus dem Haus.

Jonathan versucht sich seinen Weihnachtstraum selber zu erfüllen. Paulines Oma hat ihm den Tipp gegeben, doch auf dem Weihnachtsmarkt Trompete zu spielen und sich das Geld für das lang ersehnte und viel zu teure Fußballtrikot selber zu verdienen ob er sich das wirklich trauen soll?

Pauline wünscht sich nichts sehnlicher, als dass Paulchen, der kleine Kater aus dem Schwimmbad zurückkommt, seit einigen Tagen ist er verschwunden. Ihre Oma kommt an Heilig Abend spät nach Hause, sie hat Paulchen gesucht, aber vergeblich. Doch plötzlich kratzt es an der Tür. Er wollte sich wohl lieber selber schenken meint die Oma schmunzelnd.
Man könnte noch viel mehr wunderbare kleine Details beschreiben, aber am besten lesen Sie es mit Ihren Kindern oder Enkelkindern oder Patenkindern oder einfach mit Kindern die Ihnen am Herzen liegen, ab dem 1.12. jeden Tag eine kleine Geschichte aus dem Beerenviertel. Das wird sie in Weihnachtsstimmung versetzen, ihnen jeden Tag einen Moment der Ruhe und des Zusammenseins bescheren und sie so Schritt für Schritt auf dem Weg Richtung Weihnachten begleiten.

Auf die Päckchen fertig los, Anna Herzog, Thieneman-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart, 2015, ISBN 978-3-522-303996 (14,99 Euro)

Alles steht Kopf

„Alles steht Kopf“: Viel wurde über den neuen Zeichentrick-Films der Pixar Studios geschrieben , hochgelobt wurde er – mit Recht, finde ich. Wer es noch nicht gelesen haben sollte: Der Animations-Film der Regisseure Pete Doctor und Ronnie del Carmen geht um die Gefühle eines elfjährigen Mädchens. Quietschbunt und mehr als fantasievoll zeigt der Film die Gefühlswelt des Mädchens Riley, als es in eine neue Stadt zieht. Durch den Umzug gerät in dem Mädchen so Einiges aus dem Gleichgewicht. Und ja, am Ende renkt es sich wieder ein, und die Gefühlswelt ist ein bisschen gewachsen und reifer geworden. Aber das ist nur die Rahmenhandlung.

Eigentlich geht es darum, wie Kummer, Freude, Ekel, Angst und Wut als witzige Figuren dargestellt jeweils unterschiedlich die Regie über Handlungen und Reaktionen des Kindes übernehmen. Als Kummer und Freude aus Versehen die „Kommandozentrale“ der Gefühle verlassen, machen sie sich auf eine bunte Reise durch Rileys innere Gefühlswelt. Diese ist farbenfroh und fantasievoll und besteht aus vielen Teilen: Dem Unterbewusstsein, der Fantasiewelt, dem Gedankenzug, dem Langzeitgedächtnis, den Kern-Erinnerungen, den Traumfilmstudios…Die Gefühle als Figuren bewegen sich durch diese anschauliche und fantastische Welt. Sie zeigen verpackt in eine witzige und spannende Filmgeschichte, wie es so ungefähr in einem Innenleben aussieht: Da werden alte Erinnerungen vergessen, wichtige Erlebnisse bauen Inseln auf, die die Persönlichkeit eines Menschen ausmachen. Und Freude und Kummer sind beide wichtig für eine Entwicklung im Leben – in jedem Alter.

All das kein bisschen lehrerhaft oder psychologisch abstrakt. Stattdessen lustig und spannend und teilweise in so rasantem Tempo, dass es unmöglich ist, bei jedem Teil der Geschichte sofort zu entscheiden, inwieweit die Szene der realen Psychologie eines Menschen wohl entsprechen könnte. Die vielen Beispiele, Bilder und das rasante Tempo der Story führen dazu, dass man sich die Geschichte locker noch einmal ansehen könnte – am besten auf DVD oder Online mit Pausentaste. Mit dieser Art der Aufbereitung amüsieren sich Eltern und Kinder – etwa in Rileys Alter – gleich königlich und erfahren am Rande etwas über Gefühle eines Menschen.

Ja, der zweite Teil ist bereits angelegt („Was ist denn das für ein komischer neuer Knopf in der Kommandozentrale, Pubertät?“, sagt Freude. „Der ist sicher nicht wichtig….“) Und wenn auch der nächste Teil genauso witzig, interessant und spannend werden sollte – dann her damit!

Ein Hoch auf den Herbstwind

Nach dem Sommer kommt der Herbst. Nachdem uns Anna Herzog mit „Sommer ist barfuß“ einen wunderbaren Einblick in das Leben einer Neunjährigen gegeben hat, „trinkt nun das Jahr seinen allerletzten Schluck Sommer“ – so zumindest fühlt es sich für die nun neuneinhalbjährige Ami an. Sie hat sich in der Stadt eingelebt und ist mit ihrer Freundin Hanna auf Inlinern unterwegs. Als sie in der Parkhauseinfahrt beinahe angefahren werden, lernen sie Zoes Opa kennen und natürlich Zoe, mit der sie dann auf dem obersten Parkdeck (der Opa hat es extra gesperrt) Inliner fahren. Nachdem sie fast noch einen Autodieb gefasst hätten, verabreden sie sich für den nächsten Sonntag.

Am nächsten Sonntag sind Zoe und ihr Opa aber nicht da und trotz eines Hinweises auf die Adresse, können sie das Haus von Zoes Opa nicht finden. Und Hanna ist sauer auf Ami, weil sie Zoe mochte. Was macht man an so einem Tag, wo die Sonnenstrahlen durch die Bäume blitzen und es einem innen drin aber doch ganz kalt ist?

Vielleicht einen Ausflug? Amis Bruder Joschi kapiert sofort, und auch sein Freund Niklas ist dabei. Die drei machen sich auf den Weg an der Kanalwand entlang, auf der Innenseite. Von dem netten Nachbarn Herrn Hegendorf bekommen sie noch ein Himbeerbonbon und dann kommen sie in unbekanntes Gebiet. Und auch unwegsames Gebiet: „Plumps sagt der Kanal, als Joschi hineinfällt“. Glücklicherweise ist der Kanal hier nur knietief und es gibt einen kleinen Steg zum Ausruhen. Da es am Kanal nun nicht weitergeht, erforschen die Kinder einen geheimnisvollen verwilderten Garten, der sich super zum Spielen eignet.

Als sie am nächsten Wochenende wieder kommen, diesmal mit Hanna, die Streitwolken sind wieder verflogen, zeigt sich dann, dass der Garten noch ein viel größeres Geheimnis bereithält, als sie vermutet hätten.

Anna Herzog zeigt auch mit ihrem zweiten Buch, dass sie einen festen Platz in den Regalen der Buchläden verdient hat. Auch das Herbstbuch ist mit 133 Seiten eher etwas für Gernleser und –leserinnen, auch gut zum Vorlesen geeignet. Auch diese Geschichte wird durch die Illustrationen von Susanne Göhlich (die wilden Zwerge, Miss Braithwhistle) noch einmal lebendiger.

Ein Hoch auf den Herbstwind, von Anna Herzog, mit Illustrationen von Susanne Göhlich, Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH, 2015, ISBN 978-3-473-36911-9, 133 Seiten, ab 8 Jahre (12,99 Euro)

Liam und das Amulett

Der Maskierte Rächer. Liam ist zwölf und einerseits ein ganz normaler Junge, aber andererseits ist er auch der maskierte Rächer, der ganz sicher eines Tages die Welt retten wird.
Liam glaubt an Energie, sie ist allgegenwärtig und nur er weiß, dass bestimmte Edelsteine und Mineralien eine geheime und hochkonzentrierte Energie besitzen. Deswegen trägt er einen Ledergurt, an dem einige Steine befestigt sind, zum Beispiel vier Amethystsplitter für Treue und Ehrlichkeit, ein kleiner Granitklumpen für Entschlossenheit und noch einige andere.

Bevor es dazu kommt, dass er die Welt retten muss, patrouilliert er fast jeden Abend in seiner Straße. Jeden Abend geht leider nicht, das würde seiner Mutter auffallen. Um trotzdem jede Gefahr mitzubekommen, verteilt er Magnetometer. Er selbst trägt er einen Magneten in der Tasche und ein merkwürdiges heißes Summen am Oberschenkel würde ihn sofort auf eine Gefahr aufmerksam machen.

Besonders Sorge macht Liam eine Frau am anderen Ende der Straße, dort ist etwas nicht in Ordnung. Er weiß noch nicht was, aber er hat ihr, vorsichtshalber zwei Magnete vor die Tür gelegt. Liam kommt tatsächlich in Kontakt mit der Frau und beschließt, ihr zu helfen, natürlich mit einem besonderen Stein. Er gibt ihr das Bernsteinamulett seiner Mutter.

Als er drei Tage später von der Schule nach Hause kommt findet er seine Mutter völlig aufgelöst zu Hause: Sie kann die wertvolle Bernsteinbrosche ihrer Großmutter nicht finden. Nun ist er in einem großen Konflikt. Loyalität ist für den maskierten Rächer eine wichtige Eigenschaft. Soll er die Brosche zurückholen und damit die Frau wieder ihrem Unglück preisgeben und sich selbst als einen Dieb hinstellen? Oder soll er seine Mutter anlügen, damit die Frau weiter unter dem Schutz des maskierten Rächers ist? Wie so oft im Leben braucht es etwas Zeit und die Dinge entwickeln sich unerwartet. Es gibt nicht nur diese zwei Möglichkeiten, sondern noch mehr. Und es ist nicht immer die Entscheidung zwischen Entweder und Oder, die getroffen werden muss.

Craig Silvey, der schon mit seinen Roman „Wer hat Angst vor Jasper Jones“ hier vorgestellt wurde hat ein wunderbares Buch geschrieben. Liam und das Amulett begeistert nicht ganz so wie Jasper Jones, es ist aber auch eine viel weniger spektakuläre Handlung, schließlich gibt es keine Leiche. Dennoch trifft Craig Silvey mit seiner Sprache die Welt der Jugendlichen, ohne dabei künstlich zu wirken. Die Realität von Liam ist so, wie sie ist. Das wird durch die Sprache von Silvey auch vom Leser so hingenommen.

Liam und das Amulett ist mit knapp 90 Seiten ein kleines Büchlein. Einige Bilder und handschriftliche Briefe lockern den Text auf, so dass es durchaus auch etwas ist für Menschen, die sonst nicht so begeisterte Leser oder Leserinnen sind.
Mit der zweiten Übersetzung ist Craig Silvey in der deutschen Jugendliteraturszene angekommen und man kann nur hoffen, dass auch sein Erstlingswerk „Rhubarb“, das er bereits mit 19 Jahren schrieb, bald ins Deutsche übersetzt wird.

Liam und das Amulett, Craig Silvey, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2014, ISBN 978-3-499-21688-6, empfohlen für 10 bis 12 Jahre (12,99 Euro).

Geschichten von Elmar

Vom Thienemann Verlag gibt es einen neuen Sammelband: „Das neue große Elmar Buch“. Für nur knapp zwanzig Euro bekommt man hier sechs von Elmar Abenteuern.

Elmar und das Känguru das glaubt nicht springen zu können. Es meint, dass es nur hüpfen kann und damit beim großen Springwettbewerb verlieren wird. Elmar und seine Freunde machen ihm klar, dass Hüpfen und Springen das gleiche ist, aber bis das Känguru das eingesehen hat wird es ganz schön knapp mit dem Springwettbewerb.

Immer wieder ist es faszinierend, wie David McKee große Probleme in seinen Elmar Geschichten kinderleicht anpackt und löst. In „Elmar und die Nilpferde“ geht es darum, dass die Nilpferde im Elefantenfluss Zuflucht suchen, da ihr eigener Fluss ausgetrocknet ist. Die Elefanten beschweren sich bitterlich und wollen die Nilpferde vertreiben. Elmar aber findet die Ursache heraus und gemeinsam arbeiten alle an einer Lösung gearbeitet – und am Ende haben die Nilpferde Ende ihren Fluss wieder. Als Elmar die Elefanten auf ihre Hilfsbereitschaft anspricht erwidern sie: stell dir vor unser Fluss wäre ausgetrocknet. So eine Haltung wünscht man sich bei den Menschen auch öfter.

Auch die Geschichte von Rosa, die ihre Herde verloren hat und die Elmar zurückbringt zu ihrer durch und durch rosa Elefantenherde, ist immer wieder schön zu lesen.

Als Elmar mal einen eingeklemmten Schmetterling befreit, sagt dieser zum Dank: „Vielleicht kann ich dir ja auch mal helfen, du brauchst mich nur zu rufen.“ Elmar schmunzelt, wie soll ein Schmetterling einem Elefanten schon helfen? Aber schon bald braucht er seine Hilfe, denn nur der Schmetterling kann zu der Höhle fliegen in der Elmar gefangen ist und schnell Hilfe holen.

Nachdem Elmar dem Regenbogen seine Farben wiedergegeben hat und selbst auch immer noch bunt ist, wundern sich die Tiere. Elmar aber sagt: „Ach weißt du, es gibt Dinge, die kann man verschenken, ohne sie dabei selber zu verlieren. Zum Beispiel Freundschaft, Liebe oder eben meine Farben.“

Zu guter Letzt enthält dieser Band noch „Elmars großer Tag“. Das ist der Tag an dem sich alle Tiere des Waldes bunt anmalen und nur Elmar als grauer Elefant herumläuft.

Auch nach diesen sechs Geschichten möchte man am liebsten gleich noch mehr Elmar Geschichten lesen. Die letzte Neuerscheinung der Elmar-Reihe ist „Elmar und das Monster“:

Elmar, der bunt karierte Elefant, war gerade zu seinem Morgenspaziergang aufgebrochen, da hörte er ein Furcht einflößendes. „Pass auf, Elmar“ riefen die Vögelchen und die kleinen Tiere, während sie an ihm vorbei eilten, „da ist ein Monster!“ Elmar denkt sich: Ein Monster? Wirklich? Und geht erst mal weiter. Nach und nach begegnet er den Affen, dem Tiger, den Krokodilen, dem Löwen und den anderen Elefanten. Alle rennen weg und raten Elmar ihnen zu folgen, denn das Monster brüllt immer wieder schrecklich laut. Elmar aber denkt nicht daran umzudrehen, er denkt sich stattdessen: Ein Monster, spannend, sehr interessant, und: Ich habe noch nie ein Monster gesehen! Anstatt umzudrehen geht er vorsichtig weiter.

Am Ende findet er das Monster: Es heult so laut, weil es Angst hat. Es muss durch den Wald und es hört ständig irgendwelche Monster brüllen. Am Ende lachen alle über ihre Angst. Diese wunderbare Geschichte über die eigene Angst und die Angst, die man selber vielleicht anderen einflößt ist wie immer in wunderbar bunten fantasievollen Bildern dargestellt, die einen ganz mitnehmen in die Welt von Elmar und seinen Freunden.

Von David McKee gibt es mittlerweile mehr als 20 Elmar Geschichten, die erste erschien bereits 1969. Angefangen zu publizieren hat David McKee aber schon fünf Jahre vorher, mit seinem Erstlingswerk: Two Can Toucan. Ausgezeichnet wurde er 1987 mit dem deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Bilderbuch für „Du hast angefangen! Nein, du!“. Wenn man die Elmar Bücher mag, dann lohnt es sich vielleicht auch mal in das vielfältige andere Werk von David McKee reinzuschauen, das neben den beiden genannte Büchern noch viele weitere enthält.

Elmar und das Monster, David McKee, Thienemann Verlag, Stuttgart, 2014, ISBN 978-3-522-43777-6, (12,99 Euro).
Das neue große Elmar-Buch, David McKee, Thienemann Verlag, Stuttgart, 2014, ISBN 978-3-522-43776-9, (19,99 Euro).