Kategorie: Eltern-Bücher

Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später

Es geht um Regenbogenfamilien. Stephanie Gerlach und Uli Streib-Brzic – selbst Eltern mit eigenen Regenbogenfamilien – haben noch einmal die Kinder befragt, die sie im ersten Band interviewt hatten: Wie ist das, mit zwei Mamas oder Papas groß zu werden? Ihre „Kinderinterviews“ sind gleichfalls abgedruckt und die mittlerweile jungen Erwachsenen blicken in neuen Interviews mit Abstand auf ihre Kindheit zurück.

Wie ist Kindheit in einer Regenbogenfamilie?

Und, wie ist es? Nun, wer die Interviews nacheinander wegliest, wird feststellen: Fast alles ist so, wie es bei tausenden anderen jungen Erwachsenen ist, wenn sie auf ihre Kinderzeit zurückblicken: Manches Gutes, manches Schlechtes – es sind viele Patchwork-Geschichten darunter, mit allen Schwierigkeiten und Geschenken, die solch eine Familie mit sich bringt. Natürlich sind die Geschichten sehr unterschiedlich, je nachdem, wie die einzelne Familie war, ob Geschwister da waren, wie sich die jungen Menschen im Leben zurechtgefunden haben.

Sind Regenbogenfamilien ganz normal? Ja, na klar. Wir haben darüber auch schon geschrieben. Im Buch findet sich eine Einschränkung: Fast alle Befragten sprachen darüber, wie es war, wenn andere auf „ihr“ Familienmodell reagierten. Das war meistens gut, manchmal aber auch nicht – auf jeden Fall mussten sich die Regenbogen-Kinder schon früh mit ihrer eigenen Familie auseinandersetzen. Bei vielen hatte das positive Auswirkungen: Sie reflektierten ihre Umgebung, schauten sich ihre Klassenkameraden, die Sportkollegen genauer an.

Ein sehr interessantes und authentisches Buch, nicht nur für Eltern von Regenbogenfamilien. Sondern für alle Eltern, wenn sie sehen wollen, welche Erfahrungen Kinder in ihren Familien machen und was eigentlich heute als Familie „normal“ ist – nämlich glücklicherweise alles, was für Kinder (und Eltern!) gut ist.

Gab es weitere Erfahrungen, „zwischen den Zeilen“, wenn die Autorinnen ihre „Schützlinge“ besuchten? Ich habe bei der Autorin Stephanie Gerlach selbst nachgefragt:

Für eigentlich alle Kinder war und ist es ein seltsames Gefühl, rechtlich anders behandelt worden zu sein als Kinder in „normalen Ehen“. Schließlich haben sie zwar zwei Elternteile, sind aber von einem adoptiert worden – auch wenn die Eltern bereits vor ihrer Geburt verheiratet waren, also in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft wohnten. Das ist schade, denn es gibt den Kindern ein Gefühl, welches nicht sein müsste – auch wenn sie am Tag der Adoption selbst und während der Vorbereitungen dazu (z.B. Besuch vom Jugendamt) noch zu klein waren, um sich zu wundern, das kam später. Am liebsten wäre es eigentlich allen Kindern, dass diese Familienform überall so akzeptiert ist, dass es normal ist und niemand mehr darüber reden muss.

Welche Erkenntnisse waren für die Autorin selbst neu beim Nachfolgebuch? Neu und anders als vor zehn Jahren war für Stephanie zum einen das Thema „Transgender“ – welches vor zehn Jahren noch nicht im Licht der Öffentlichkeit stand. Und neu sind leider auch die wieder aufkeimenden Vorurteile gegen lesbische und schwule Lebensformen. „Das hätte vor zehn Jahren niemand so erwartet“ sagt sie und sorgt sich um Toleranz im Allgemeinen in unserer Gesellschaft.

Wird es ein Buch „Zwanzig Jahre später“ geben? Stephanie hofft, dass da nicht nötig sein wird – und ist da aufgrund der schon angesprochenen aktuellen Entwicklungen in Richtung Intoleranz leider kritisch. „Alles was wir uns erkämpft haben, kann uns wieder genommen werden“, sagt sie. Ein wahres Wort, welches nicht nur für Eltern von Regenbogenfamilien gilt, sondern für uns alle, die in einer offenen und toleranten Gesellschaft leben wollen.

Uli Streib-Brzic und Stephanie Gerlach: „Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später!“ Querverlag 19,90 Euro

Familientherapie für Dummies

Manchmal wird ein Problem ein einer Familie so groß, dass sich Eltern überlegen, eine Famlientherapie zu machen oder ihr Kind in therapeutische Behandlung zu geben. Viele wissen aber gar nicht, was das heißt. Der Markt ist für Laien unübersichtlich: Verschiedene, zum Teil konkurrierende Therapieformen mit komplizierten Namen existieren, der Name Therapeut ist in Deutschland nicht geschützt. Was es kostet weiß man sowieso nicht und was das Richtige wäre auch nicht.

Den Überblick über Familientherapien bekommen

 

Wer sich wirklich mit diesem Thema beschäftigen möchte, kann sich seit Januar 2014 das Buch „Familientherapie für Dummies“ kaufen. Ein dickes Buch mit vielen komplizierten Sätzen und und erkennbar von einem Fachmann geschrieben. Wer sich aber auf die komplizierte Materie einlässt, weil er oder sie beispielsweise überlegt, eine Familientherapie zu machen, kann sehr viel erfahren:

Er findet viele Details zu Therapieformen, der Art und Weise wie Therapeuten mit Problemstellungen umgehen, welche Fragen sie stellen und wie sie der Klientenfamilie helfen. Mit nachvollziehbaren Beispielgeschichten, gut gegliedert und übersichtlich. Das stark gegliederte Inhaltsverzeichnis macht es möglich, auch nur ausgewählte Kapitel zu lesen.

Antworten auf die Frage „das erwartet uns“

Diese zeigen ausführlich und anschaulich, um welche Lösungsansätze es bei unterschiedlichen Therapieformen geht. Und ist mit einem „das erwartet Sie“ eine gute Grundlage für die eigene Entscheidung, ob und welche Therapie für das eigene Problem geeignet ist.

Das Buch behandelt außerdem spezielle Problemfelder wie Sucht, Alkoholismus und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern behandelt. Wen das nicht betrifft, der kann diese Kapitel einfach überschlagen. Außerdem finden Interessierte ein Kapitel über „Familienaufstellung“ und darüber, welche sinnvoll sind und welche nicht.

Manchmal allerdings plaudert der Autor Dr. Paul Gamber etwas zuviel aus dem Nähkästchen. Zum Beispiel, wenn er bei Therapien mit systemischem Ansatz sagt, dass aus therapeutischen Gründen viele Aussagen des Klienten gelobt werden. Sitzt der Leser später als Klient in einer systemischen Therapie, wer weiß, ob er dem Lob seines Therapeuten noch so recht Glauben schenkt, und die positive Wirkung dieses Mittels leider verpufft…

Schwere Kost, die sich lohnt

Trotzdem: Zwar ist das Buch kein lockerer Überblick im oberflächlichen Ratgeber-Stil, sondern manchmal „schwere Kost“ – aber es lohnt sich sicher für die, die sich ernsthaft überlegen, ihr Familienleben durch eine Therapie zu verbessern. Und das ist ja manchmal wirklich der beste Weg für eine bessere Zukunft in und mit der eigenen Familie.

So kommt Ihr Kind gut durch die Schule – 30 Tipps für Eltern

Das Buch „So kommt Ihr Kind gut durch die Schule“ – 30 Tipps für Eltern“, richtet sich in erster Linie an Eltern, deren Kinder der Grundschule entwachsen sind.

Aber auch die anderen – bei denen das alles noch kommt – erfahren viel interessantes um das Thema Lernen herum von der Psychologin und Wissenschaftspublizistin Dr. Barbara Knab.

Zum Beispiel warum Jugendliche immer so müde sind (hierzu auch unser Interview) . Was man eigentlich unter Stress versteht, und dass dieser nicht immer schlecht sein muss. Wie Menschen  lernen und welche Faktoren motivieren (und demotivieren), und dass Pausen einen hohen Wert haben (und viel wichtiger fürs Lernen sind als man glaubt). Was es braucht, um so gut wie möglich aufmerksam sein zu können, und beispielsweise dass jedes Gehirn zum Speichern von Wissen etwas Zeit braucht. Und sich deshalb am besten nicht unbedingt direkt nach der Unterrichtsstunde mit den Mails auf seinem Handy beschäftigt.

Interessante wissenschaftliche Details

Dabei geben wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse Hintergrundwissen, kurz zusammengefasste Erkenntnisse dazu, wie sich das menschliche Gehirn am effektivsten Wissen aneignet. Lerntheoretische Beobachtungen werden in demMaße angeführt, die man als Laie braucht, um zu verstehen, warum manche Dinge beim Lernen eine Rolle spielen. Dabei kommen interessante Details ans Licht – zum Beispiel warum Kinder und Erwachsene mit gutem Licht besser lernen.

Kein Rezeptkatalog

Wer denkt, er bekäme mit den „30 Tipps für Eltern“ ein Rezeptbuch für die Schulzeitdes Kindes in die Hand, irrt. Es werden eher 30 Aspekte des Lernens in der Schulzeit beleuchtet. Eltern müssen  sich schon in dieses Buch einlesen und die wissenschaftlichen Details verstehen wollen – also auch als Erwachsener noch etwas lernen wollen. Doch es ist ja bestätigend, wenn Eltern die Erfahrungen, die sie mit dem eigenen Sprössling machen, in wissenschaftlichen Erkenntnissen bekräftigt finden.

So manche Mißstände wie zum Beispiel der Lärmpegel oder schlechte Beleuchtung im Klassenzimmer werden nur angerissen und wissenschaftlich herausgearbeitet, was daran schlecht ist. Schön, aber beeinflussen kann man als Elter da ja oft gar nichts – höchstens mal mit den Lehrern darüber sprechen. Auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, dass Stress und Angst das Lernen behindert, oder was man von Lehrern erwarten sollte, wie sie mit Noten der Schüler umgehen sollen, lassen einen im Zweifel ratlos zurück – denn der Lehrer, bei dem es damit vielleicht Probleme gibt, ist meist für Elterngespräche gerade nicht zugänglich. Für die Eltern selbst ist es hilfreich zu hören, dass Noten nur eine Rückmeldung sind – mehr nicht.  Auch die weiteren Beispiele für Gedächtnistechniken und wie Eltern Kinder seelisch-moralisch unterstützen können, sind sicher hilfreich im Buch von Frau Dr. Knab. Im Kapitel „Rest des Tages“ werden wichtige Themen wie beispielweise Medienumgang oder Ernährung nur kurz angerissen – wer da mehr wissen möchte, braucht mehr Futter. Erfreulicherweise werden weiterführende Internetseiten empfohlen.

Alles in allem ein lesenswertes Buch.

 

 

Facebook, Twitter & Co. Aber sicher!

Facebook gehört mittlerweile für viele zum Alltag, entweder sind sie selbst Mitglied oder sie kennen Personen, die Mitglieder sind. In Familien sind dies häufig die Kinder. Ihren Eltern stehen den Aktivitäten ihrer Kinder dann oft mit Unwissen und Skepsis gegenüber.

 

Skepsis angebracht

Dass diese Skepsis durchaus angebracht ist zeigt das neue Buch über die Sicherheit in sozialen Netzwerken von Manuel Ziegler. Auf über 150 Seiten stellt der junge Autor sehr detailliert und verständlich die verschiedenen Gefahren und meist auch eine sinnvolle Abhilfe vor.

Was gibt es alles?

Zunächst führt er ausführlich in die verschiedenen sozialen Netzwerke, wie Facebook, Twitter, Google+, VZ-Netzwerke und Xing ein. Anhand seiner Darstellung kann man ein sicheres Benutzerprofil anlegen und die Einstellungen des eigenen Profils auf Sicherheit überprüfen.

Sehr anschaulich verdeutlicht der Autor, welche Informationen man in einem sozialen Netzwerk mit Freunden teilen kann, und welche man lieber nicht dort einspeisen sollte. Die Reichweite der eigenen Informationen, und auch die Möglichkeiten diese zu missbrauchen, sind den meisten Nutzern, auch den Erwachsenen, nicht klar.

Finanzielle Interessen stehen dahinter

Besonders interessant ist das Kapitel über die Interessen der Facebook- Betreiber. Schließlich ist die Mitgliedschaft meist kostenlos, die eigentlichen Kunden sind diejenigen, die die Werbeanzeigen schalten. Vielen, gerade jugendlichen Nutzern ist nicht bewusst, dass soziale Netzwerke nicht aus reiner Freundlichkeit zur Verfügung gestellt werden, sondern knallharte finanzielle Interessen dahinter stehen: Die persönlichen Daten der Mitglieder sind interessant, denn je personalisierter Werbeanzeigen platziert werden können, desto effektiver sind sie, und desto teurer für den Werbekunden – und damit einträglicher für den Netzwerkbetreiber. Inwieweit man diese Datenweitergabe unterbinden oder auch unterwandern kann, ohne gegen die Regeln der Netzwerke zu verstoßen, zeigt der Autor ausführlich.

Reale Gefahren

Auch Datendiebstahl, Rufmord und Identitätsdiebstahl sind reale Gefahren der sozialen Netzwerke. Auch hier zeigt das Buch Möglichkeiten des Schutzes auf und beschreibt eindrücklich die Hintergründe bei den Netzwerkbetreibern. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang sind Passwörter. Es gibt vermutlich nicht mehr viele Personen, die nicht für die ein oder andere Internetseite ein Passwort haben. Die Wahl des Passwortes ist überaus wichtig, je einfacher diese sind, desto einfacher sind sie zu knacken. Manuel Ziegler schreibt, dass rund 20% der Internetnutzer nur 5000 verschiedene Passwörter verwenden, erschreckend wenig. Auf keinen Fall sollten Namen oder auch das Wort „Passwort“ verwendet werden. Eine sinnvolle Generierung von sicheren Passwörtern wird in Kapitel 4 erläutert.

In einem Nachwort stellt der Autor außerdem die Vor- und Nachteile des Verzichts einer Mitgliedschaft dar.
Der Anhang ermöglicht die Vertiefung einzelner Bereiche und enthält verdeutlichende Abbildungen. Ein Stichwortverzeichnis erleichtert die Suche nach einzelnen Begriffen.

Facebook, Twitter & Co. Aber sicher!, 2012, Carl Hanser Verlag München, ISBN 978-3-446-43466-0, ebook erhältlich unter  ebook ISBN 978-446-43474-5

 

Geothema 02 „So wächst der Mensch auf“

Die Fotoreportagen, die in diesem Geo Themenheft zusammengefasst sind, zeigen eindrückliche Bilder ganz verschiedener Art.

Nach dem Geothema 01 „So lebt der Mensch“, geht es im zweiten Heft um aufwachsen, lernen, spielen und für manche auch arbeiten. Dies sind die Themen, die Kinder beschäftigen bzw. mit denen sich Journalisten beschäftigen, wenn es um Kinder geht.
Da sich Geo-Reporter in der ganzen Welt bewegen, kommt Deutschland verständlicherweise nur am Rande vor. Zum Beispiel bei dem Vergleich dreier Kinder aus Deutschland, Kenia und Vietnam von der Geburt 1998 bis jetzt. Diese und auch die Reportagen über Spielzeug und die Art zur Schule zu gehen, zeigen wie unterschiedlich der Alltag von Kindern sein kann.

Altbekannt oder doch nicht? – Kinderhochzeit, Kinderarbeit und ein anderer Blick auf sich selbst.

Wer regelmäßig Zeitung liest, dem sind Themen wie die Verheiratung von Minderjährigen und Kinderarbeit nichts grundsätzlich Neues. Aber die hier geschilderten Schicksale rufen mit ihren eindrucksvollen Bildern dieses aus westlicher Sicht große Unrecht wieder ins Gedächtnis.
Dass die Bewertung von Kindererziehung sehr unterschiedlich sein kann, zeigt eindrücklich der Vergleich zweier Vierjähriger und ihrer Zeichnungen. Für Kameruner grenzt es an Kindesmisshandlung, wenn das Kind keinen Körperkontakt zur Mutter hat und zum Beispiel in einem anderen Raum schläft, was ja in Deutschland durchaus als erstrebenswert gilt. Die Kommunikation mit den Kindern hat in Kamerun dagegen kaum einen Stellenwert.

Reportagen aus anderen Teilen der Welt sind immer spannend, aber besonders interessant wird es doch, wenn das Lesen, den Blick auf das eigene Land schärft. Das gelingt diesem Geo Heft in besonderem Maße, es könnte einem kaum besser zeigen, dass unsere Werte und Vorstellung subjektiv und kulturell geprägt sind, und dass es anderswo ganz anders ist, und eine Wertung dessen oft nicht möglich. Wenn bei uns über den Stress und den Druck auf Abiturienten und Studienanfänger gestöhnt wird, dann muss das indischen Kindern, die sich auf die wohl weltweit schwerste Zulassungsprüfung vorbereiten, wie ein Kinderspiel erscheinen.

Es soll Ihnen einmal besser gehen: große Hoffnungen und hohe Erwartungen

Einige Reportagen drehen sich um die Hoffnungen, die Eltern für ihre Kinder hegen, sie sollen es einmal besser haben. Ein Aspekt, der hierzulande oft keine große Rolle mehr spielt. In Vietnam arbeitet Ha Les Mutter bis zur Erschöpfung, um das Schulgeld für ihren Sohn bezahlen zu können. Auch die illegalen Einwanderer aus Mexico in die USA, wie die Familie von Marisol, haben große Hoffnungen für die Zukunft ihrer Kinder. In Moldawien lassen viele Eltern ihre Kinder mit einem Elternteil oder ganz alleine zurück, um in Italien mehr Geld zu verdienen. Aber auch das andere Extrem einer Gesellschaft wird beleuchtet: Die Kinder der russischen Oberschicht zu sehen, ist nicht weniger interessant.

Neues aus der Wissenschaft

Zwei Artikel beschäftigen sich mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. So über die kindliche Fantasie und das Rollenspiel.Diese wurden bis in die 1980er Jahre als Fehlanpassung interpretiert, die sich im Erwachsenen Alter von selbst repariert. Heute wird gesehen, wie wichtig das „so tun als ob“ Spiel ist, sowohl für die individuelle Entwicklung als auch für das Funktionieren einer Gesellschaft.

Auch bei der Einschätzung der Pubertät ist die Forschung einen ganzen Schritt weiter als noch in den 90er Jahren – damals wurde als jedes Phänomen dieser Entwicklung der Wirkung der Hormone zugeschrieben. Mittlerweile weiß man, dass große Teile des Gehirns umstrukturiert werden. Und dass es da einen Zusammenhang gibt, wenn Jugendliche von einer höheren Klippe springen müssen, um den gleichen Kick zu spüren. Diese Tatsache wiederum erklärt, warum die Unfallgefahr im Leben nie so hoch ist, wie zwischen 14 und 20. Es gibt auch einige sehr hilfreiche Hinweise, welche Rolle den Eltern in dieser Zeit zukommt und wie man diese ausfüllen kann.

Geothema ist alles in allem ein sehr lesenswertes Heft, das durch den Wechsel von Fotoreportagen mit wenig Text und anderen mit mehr Lesestoff und weniger Bildern, nie langatmig wird oder durch Textwüsten erschlägt. Das beeindruckende 200 Seiten lange Heft bleibt bis zur letzten Seite spannend und ist um keine Seite zu lang, eher könnte man fast noch eine Reportage vertragen.

Das nächste Geothema wird im November erscheinen mit dem ganz anderen, aber nicht weniger spannenden Thema „So glaubt der Mensch“. In die Hefte 01 und 02 kann man unter www.geo-thema.de schon mal hinein blättern.

Geothema 02 „So wächst der Mensch auf“, Verlag Gruner + Jahr AG &Co KG, 2012. 10 Euro

Erfahrungen unserer Großeltern: „Als wir Frauen stark sein mussten“

„Als wir Frauen stark sein mussten“ ist einer von mittlerweile 25 Bänden zur Geschichte des 20. Jahrhunderts aus dem Zeitgut Verlag Berlin. Wie auch die anderen Bände, ist es eine Sammlung aus authentischen Erzählungen, in diesem Fall ausschließlich von Frauen, aus den Jahren 1933 bis 1945.

Der Verlag empfiehlt die Bücher ab etwa 12 Jahren – also ein Buch für Eltern und vielleicht auch Jugendliche. Es ist spannend, zu lesen, wie einzelne sehr persönliche Schicksale dieser Zeit waren, das macht Geschichte lebendiger als nur die Fakten aus einem Lexikon.

Für diejenigen, die selbst diese Zeit bewusst erlebt haben, kann es natürlich noch viel bewegender sein, zu lesen, dass es anderen vielleicht damals ähnlich ging, oder auch besser oder schlechter. Manche Geschichten kommen einem ein wenig banal vor, wie die Geschichte von Hildegard Strauß, die sich nach dem Krieg nichts sehnlicher wünscht als wieder einmal Bonbons zu kochen, weil ihr das so ein Gefühl von Zuhause gab. Aber wer weiß an was man sich selber in so einer Situation festhalten würde.

Andere Geschichten wieder treiben einem die Tränen in die Augen. Irmgard Janotta zum Beispiel, die mit 21 Jahren ihren Mann verlor nachdem sie nur sieben Wochen verheiratet waren, ihr Vater war im Gefängnis und sie war erst mal alleine in Dresden. Oder Hildegard de Parade, die den Bombenangriff auf Dresden beschreibt, als sogar die Elbe brannte und sie und ihre Mutter nur überlebten, weil diese aus einer Laune heraus die Metallbadewanne mitgenommen hatte unter der sie Schutz fanden.

Viele Frauen waren im Fernmeldewesen eingesetzt oder arbeiteten in kriegswichtigen Fabriken. Es ist spannend zu lesen, wie die Verhältnisse zu den Zwangsarbeitern waren, meist nämlich sehr freundlich, nur war der Kontakt natürlich verboten. Viele, wie zum Beispiel Erika Stumm wurden als Krankenschwestern an die Front geschickt. Eine Zugfahrt durch Kriegsgebiet, immer wieder unterbrochen von Bombenangriffen ist heute fast unvorstellbar. Nicht selten würde man gerne wissen wie es weiter ging, mit dieser Frau, ihrer Familie und ihrem Schicksal. Ein Buch das sich zu lesen lohnt.

Der ZeitGut Verlag sammelt seit 1997 solche persönlichen Geschichten und setzt ganz bewusst auch auf Laienschriftsteller. Da alle Texte professionell lektoriert werden, braucht niemand Bedenken zu haben, auch seine Erinnerungen zur Veröffentlichung zur Verfügung zu stellen, wenn er oder sie möchte. Die Kontaktadresse findet sich unter www.zeitgut.com. Auf der Internetseite sind natürlich auch alle Bände verzeichnet, die jeweils 320 bis 426 Seiten umfassen, gebunden sind und um die 10 Euro kosten.

Als wir Frauen stark sein mussten, Zeitgut Verlag Berlin 2007, Hrsg. Jürgen Kleindienst, 45 Geschichten auf 384 Seiten, mit Chronologie und Ortsverzeichnis, gebunden 9,95 Euro. ISBN 978-3-86614-137-7

 

Frühlingshafte Rezepte mit gesunden Tipps

Wer Eltern ist, schaut meist mehr auf gesundes Essen – aber immer das Problem, dass es den kleinen Gourmets auch noch schmecken soll…Passend zur Jahreszeit ein Buchtipp über Leckeres und gleichzeitig Gesundes nach den Erkenntnissen von Hildegard von Bingen:

Die Jahreszeit bietet sich einfach an: Frühling in den Kochtopf! Wenn es auch noch gesund ist – umso besser! Eine Expertin über Nahrungsmittel und ihre Heilkräfte war die Universalgelehrte und Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) und zwar schon vor über 800 Jahren… Sie hat zwar keine Rezepte hinterlassen, wohl aber eine Menge Pflanzen- und Gewürzbeschreibungen. Die lesen sich heute wie das Sortiment eines gut bestückten Bio-Ladens. „Rezepte und Weisheiten nach Hildegard von Bingen – Kochen mit Leib und Seele“ heißt das ansprechend gestaltete Lese- und Kochbuch, erschienen im Weltbild-Verlag und auch nur dort erhältlich für 12,90 €, Weltbildverlag. Es ist das erste und bislang einzige Kochbuch dieser Art, an dem die Abtei mitgewirkt hat.

Es gibt viele gute Tipps, in welcher körperlichen Verfassung man welche Lebensmittel essen sollte. So empfiehlt die kluge Ordensfrau Obstsäfte nur mit trockenem Brot (oder zu Mahlzeiten) zu trinken – sonst  bekommt man häufig Kopfschmerzen. Wirklich erstaunlich über welches Wissen die heilige Hildegard verfügte – ohne aufwendige Laboruntersuchungen und statistische Erhebungen…

Aktuelle Erkenntnisse ergänzt Schwester Hiltrud Gutjahr, Wallfahrts- und Pilgerseelsorgerin an der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim/Eibingen. Auf dieser Grundlage entwickelte der ambitionierte Küchenmeister Pasquale Piccino herrliche Rezepte für eine moderne Küche mit italienischem Charme. Acht Jahre lang wirkte er als Küchenleiter in der Abtei St. Hildegard. Dabei lernte er die Weisheiten der heiligen Hildegard kennen und schätzen. Mit viel Können und Phantasie zaubert er eine gesunde, äußerste wohlschmeckende, mediterran angehauchte Küche auf die Teller…

So schmeckt der Frühling! Und aus Lebensmittel werden Heilmittel….

Von Lisa Hilbich

 

Foto: Weltbildverlag

 

Weihnachtsbücher „Plätzchen, Gedichte, Punsch und Katzen”

Die Vorweihnachtszeit ist die Zeit für Plätzchen, Tee, Punsch, Kerzen, Gemütlichkeit und Geschichten. Die zwei diesmal vorgestellten Bücher können zur vorweihnachtlichen Stimmung beitragen.

Ihr Katerlein kommet

„Ihr Katerlein kommet“ ist eine Geschichte, die mit ihren 24 Kapiteln wie ein Adventskalender zu lesen ist. Abwechselnd erzählen ein kleiner unerfahrener Kater und ein älterer Kater von ihrer Vorweihnachtszeit, der eine bei einer kleinen Familie (Mutter mit Kind), die sich sehr auf Weihnachten freut, der andere bei einem alleinstehenden Weihnachten-Hasser.

Zufälligerweise ziehen sie nebeneinander ein, was natürlich zu Komplikationen führt. Weihnachten aus Katersicht ist dabei zuweilen sehr witzig, besonders bei dem kleinen Kater, der sich einen Reim zu machen versucht, auf die vielen merkwürdigen Dinge: Warum holen die einen Baum ins Haus? Zum klettern vielleicht? Aber warum und vor allem womit wollen sie ihn schmücken? Ihm wären ja Würstchen oder Sardellen am liebsten…

Die österreichische Autorin Edith Schreiber-Wicke ist eine schon vielfach ausgezeichnete Kinder- und Jugendbuchautorin. Auf ihrer Homepage schreibt sie, dass nie mit der Absicht schreibt, genau das abzuliefern, was eine bestimmte Zielgruppe angeblich gerne lesen möchte, diesem Buch merkt man das sehr stark an. Von der Geschichte her ist es eindeutig ein Kinderbuch, aber viele der Anspielungen, zum Beispiel auf Harry Potter (ab 12 Jahre), Goethe und Mozart zielen eher auf ältere Leser ab. Auch die Ironie, die in manchen Aussagen steckt, ist für Kinder schwer zu verstehen.

Die auf Katerperspektive umgedichteten Weihnachtsgedichte sind ganz witzig, aber auch eher was für ältere Katzenliebhaber. Für diese würden wir das Buch deshalb eher empfehlen, denn eine schöne Geschichte ist es allemal. Außerdem ist es liebevoll illustriert durch Carola Holland, die zwar in Berlin geboren ist, aber auch schon lange in Österreich lebt, und schon öfter mit Edith Schreiber-Wicke zusammengearbeitet hat. Es lohnt sich wohl auch einmal ein Blick in das schon große Schaffenswerk dieser Autorin, die Leseprobe aus „Regenbogenkind“ auf ihrer Internetseite liest sich sehr vielversprechend.

Ihr Katerlein kommet, 2012, Thienemann Verlag Stuttgart/Wien, ISBN 978-3-522-182911, € (D) 14,95 / € (A) 15,40

Das wundervolle Weihnachtsbuch von A bis Z

Sowohl die katerlichen Weihnachten als auch „Das wundervolle Weihnachtsbuch von A bis Z“ sind gespickt mit leckeren Rezepten und schönen Bastelideen. Letzteres von Constanze Guhr, ist ganz klar an Kinder adressiert, lässt sich aber auch gut als Familienvorweihnachtsbuch verwenden.

Es handelt sich, wie der Titel vermuten lässt, um eine Art Lexikon zum Thema Weihnachten von A wie Advent über N wie Nikolaus und S wie Spekulatius bis Z wie Zimt und beantwortet viele Fragen rund um Weihnachten auf leicht verständliche Weise. Warum bringen die drei Heiligen Könige zum Beispiel Gold, Myrrhe und Weihrauch? Und was sind Myrrhe und Weihrauch überhaupt. Auch die besten Adressen, um seinen Wunschzettel abzuschicken, finden sich in diesem Buch. Dazwischen sind Rezepte, Bastelideen und Platz für eigene Notizen – zum Beispiel die eigenen liebsten Weihnachtsdüfte oder das Lieblingsrezept. Dieses liebevoll gestaltete Buch macht sofort Lust auf Tee, Backen, Basteln und die Weihnachtsgeschichte lesen.

Constanze Guhr hat ihren Schwerpunkt im Illustrieren, und dort sowohl im Bereich Kinder- und Jugendliteratur als auch im Schul- und Sachbuchbereich. Ihr künstlerisches Schaffen geht über das Illustrieren hinaus und umfasst auch Dekoration, Accessoires, Spiele und anderes. Im Atelier petit.4 arbeitet sie mit anderen Künstlern zusammen. Neben dem nun vorliegenden Weihnachtsbuch hat sie auch schon ein ähnlich gehaltenes Gartenbuch herausgebracht, sowie weitere Bücher in Kooperation mit anderen Autoren.

Das wundervolle Weihnachtsbuch komplett von A bis Z, 2012, Gabriel Verlag (Thienemann Verlag GmbH), Stuttgart/Wien, ISBN 978 3 522 30305 7, € (D) 16,95 / € (A) 17,50