Kategorie: Kinderbücher

Ein Kinderkalender als Fenster zur Welt

Kinder lieben Reime – und sie lieben Rituale: Dafür gibt esvon der Internationalen Jugendbibliothek wieder einen ganz besonderen Kalender. Mit 53 Gedichten und Bildern aus aller Welt macht er aus jedem Montag einenfröhlichen Wochenstart: Aufstehen, Blatt umdrehen – Abreißen ist auch erlaubt –und laut vorlesen!

Da gibt es ein Himmelsnashorn, das, logisch, vom Himmel fällt. Oder die Kakaken unterm Bambusblatt, ausgerechnet in Schweden. Es gibt eine seltsame Mondnacht in China. Und ein wunderschönes Wiegenlied aus Griechenland. Von Katzen wird berichtet, und auch vom Kotzen …

Ja, liebe Eltern,  ihr müsst schon mal was aushalten bei diesen frechen Texten! Und wenn es sich mal nicht reimt, mehrsprachig ist es garantiert immer – und damit ein Fenster zur Welt.

Zum neunten Mal haben die Kalender-Macher die schönsten Kindergedichte aus ihrer internationalen Büchersammlung übersetzen lassen und mit Original-Wortlaut und Original-Illustration großformatig auf Papier gebracht.

Der Kinder Kalender 2019“, Verlag edition momente, mit Lyrik von Algerien bis Argentinien, von Korea bis Kanada.

60 Blätter, 53farbige Illustrationen, 33 x 30,5 cm, 20 Euro, ISBN 978-3-0360-5019-5

O Tannenbaum – ein Weihnachtsbuch

Der Rowohlt Verlag hat passend zur Adventszeit eine wunderschöne Sammlung von Weihnachtsliedern und Gedichten zusammengestellt von Sophie Härtling herausgegeben. Das Buch enthält viele liebe alte Bekannte, aber auch weniger bekannte Weihnachtslieder, sowie einige Lieder auf Englisch und Französisch. Gedichte von Heine, Rilke und Morgenstern sind eine wunderbare Ergänzung zu den Liedern. Für die musikalisch zumindest etwas Bewanderten, gibt es am Ende des Buches zwei Seiten mit den passenden Gitarrengriffen.

Das I-Tüpfelchen sind aber die wunderschönen Illustrationen von Joëlle Tourlonias, die dem Buch erst seine besondere Atmosphäre geben und zum Schmökern schauen, lesen und natürlich singen einladen.
Unbedingt noch besorgen, vor allem diejenigen, die gerne dem Weihnachtsstress entfliehen möchten.

O Tannenbaum, hrsg. Sophie Härtling mit Illustrationen von Joëlle Tourlonais, Rowohlt Taschenbuch Verlag. Reinbek bei Hamburg, 2016, ISBN 978-3-499-21760-9, 94 Seiten, von Anfang an, zum alleine und gemeinsam Schmökern und singen (14,99 Euro)

Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten Vaters

Von Thorsten Nesch wurde an dieser Stelle schon der Jugendroman „Buster, König der Sunshine Coast“ vorgestellt. Der neue Romanheld von Thorsten Nesch heißt Jörn und ist ein Kumpel von Basti alias Buster. Auch er hat seinen Realschulabschluss gemacht und einen langen Sommer vor sich. Er plant eine Radtour durch Holland mit David. Aber daraus wird nichts, erstens erlauben es Davids Eltern nicht und dann kommt noch dieser merkwürdige Anruf von Jörns Mutter als er gerade beim Angeln sitzt: „Jörn, komm bitte nach Hause. Keine Begrüßung und sie klang anders, nach nichts Gutem.“

Zuhause sitzt Fares, ein Bekannter seines Vaters. Seinen Vater hat Jörn nie kennengelernt und seine Mutter redet nicht über ihn, und wenn sie ihn erwähnt, dann als „das Kriechtier“. Als Fares ihm sagt, dass sein Vater gestorben ist, ist Jörn selbst überrascht über seine Reaktion „Ich wartete auf eine nicht steuerbare Reaktion, auf eine Stimme von innen, ein Zeichen, und als es kam, war ich so überrascht wie sprachlos (…) ein zartes Zucken im Magen wie von 12 Volt Strom ausgelöst.“

Fares überbringt Jörn das Erbe seines Vater und seinen letzten Willen: zehn verschlossene Briefe, ein Ticket für eine Mittelmeerkreuzfahrt und einen Rainmaker mit der Asche seines Vaters und den Wunsch sie in Italien in seinem Heimatort zu begraben. Jörn entscheidet sich nach einigem hin und her dafür.

Auf dem Kreuzfahrtschiff kommt Jörn sich vor wie in einer anderen Welt. Der Zusammenprall dieser beiden Welten ist sehr humorvoll beschrieben, und bringt die Leser nicht nur einmal dazu, laut zu lachen. Auch die anderen Jugendlichen auf dem Schiff sind wie aus einer anderen Welt, aber zumindest Elizabeth scheint einigermaßen normal zu sein. Natürlich gibt es Probleme mit den Sicherheitskräften, wegen des Rainmakers, und auch das Angeln von Deck aus wird nicht gern gesehen.

Jeden Tag liest Jörn einen der Briefe seines Vaters und lernt ihn so nach und nach besser kennen.

Nach vielen neuen Erfahrungen findet Jörn das Dorf, aus dem sein Vater stammt, und die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung.

Eine unglaublich witzige Geschichte, die dabei ganz und gar nicht oberflächlich ist. Für Jugendliche ab 13 oder 14, aber auch als leichte Lektüre für Erwachsenen sehr zu empfehlen.

Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten Vaters, Thorsten Nesch, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2015, ISBN 978-3-499-21699-2 (9,99 Euro).

Adventskalender in Buchform

„Auf die Päckchen fertig los“ ist ein Adventskalender zum Lesen und Vorlesen. Von Anna Herzog kennen wir nun schon das Sommerbuch „Sommer ist barfuß“ und erst kürzlich erschien „Ein Hoch auf den Herbstwind“. Wie schön, dass es jetzt ein Weihnachtsbuch gibt und dann auch noch so ein liebevoll gestaltetes Adventsbuch. Auf dem Cover sind 24 goldene Weihnachtsanhänger, jeder mit einer Zahl. Wenn man die „1“ frei rubbelt erscheint ein Symbol und dieses findet sich dann über dem dazugehörigen Kapitel. Klingt erst mal verwirrend macht aber riesen Spaß: die Kapitel sind nämlich nicht in der richtigen Reihenfolge im Buch, sondern man muss jedes erst mal suchen. Am Ende gibt es dann aber auch noch eine Liste mit der richtigen Reihenfolge, falls man es noch einmal lesen möchte.

Das Buch ist aber nicht nur in der Aufmachung großartig sondern auch in den Geschichten. Es geht um eine ganze Horde Kinder, genaugenommen 9. Sie alle leben im Beerenviertel und das Buch erzählt wie sie alle die Vorweihnachtszeit auf ihre Art erleben. Maja ist z.B. krank und ihre Lehrerin möchte, dass die Klasse für sie einen Weihnachtsman bastelt. Aber glücklicherweise muss die Lehrerin in dieser Stunde mal kurz raus, so dass die Kinder beschließen lieber ein Virenmonster zu bauen, das ist nämlich viel cooler. Als Maja wieder gesund ist, beschließt sie mit ihrer Freundin Destiny die Goldfische vor dem Erfrieren zu retten und sie in Destinys Keller in Eimern überwintern zu lassen.

Leni ist in ihrer Familie die kleinste von vier Kindern. Eines Nachts wacht sie auf und bemerkt, dass alles irgendwie anders aussieht: es hat geschneit. Bis sie nachmittags aus dem Kindergarten wieder da ist, ist der ganze schöne Schnee schon völlig platt gefahren, also beschließt sie jetzt gleich zu gehen und schleicht sich aus dem Haus.

Jonathan versucht sich seinen Weihnachtstraum selber zu erfüllen. Paulines Oma hat ihm den Tipp gegeben, doch auf dem Weihnachtsmarkt Trompete zu spielen und sich das Geld für das lang ersehnte und viel zu teure Fußballtrikot selber zu verdienen ob er sich das wirklich trauen soll?

Pauline wünscht sich nichts sehnlicher, als dass Paulchen, der kleine Kater aus dem Schwimmbad zurückkommt, seit einigen Tagen ist er verschwunden. Ihre Oma kommt an Heilig Abend spät nach Hause, sie hat Paulchen gesucht, aber vergeblich. Doch plötzlich kratzt es an der Tür. Er wollte sich wohl lieber selber schenken meint die Oma schmunzelnd.
Man könnte noch viel mehr wunderbare kleine Details beschreiben, aber am besten lesen Sie es mit Ihren Kindern oder Enkelkindern oder Patenkindern oder einfach mit Kindern die Ihnen am Herzen liegen, ab dem 1.12. jeden Tag eine kleine Geschichte aus dem Beerenviertel. Das wird sie in Weihnachtsstimmung versetzen, ihnen jeden Tag einen Moment der Ruhe und des Zusammenseins bescheren und sie so Schritt für Schritt auf dem Weg Richtung Weihnachten begleiten.

Auf die Päckchen fertig los, Anna Herzog, Thieneman-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart, 2015, ISBN 978-3-522-303996 (14,99 Euro)

Ein Hoch auf den Herbstwind

Nach dem Sommer kommt der Herbst. Nachdem uns Anna Herzog mit „Sommer ist barfuß“ einen wunderbaren Einblick in das Leben einer Neunjährigen gegeben hat, „trinkt nun das Jahr seinen allerletzten Schluck Sommer“ – so zumindest fühlt es sich für die nun neuneinhalbjährige Ami an. Sie hat sich in der Stadt eingelebt und ist mit ihrer Freundin Hanna auf Inlinern unterwegs. Als sie in der Parkhauseinfahrt beinahe angefahren werden, lernen sie Zoes Opa kennen und natürlich Zoe, mit der sie dann auf dem obersten Parkdeck (der Opa hat es extra gesperrt) Inliner fahren. Nachdem sie fast noch einen Autodieb gefasst hätten, verabreden sie sich für den nächsten Sonntag.

Am nächsten Sonntag sind Zoe und ihr Opa aber nicht da und trotz eines Hinweises auf die Adresse, können sie das Haus von Zoes Opa nicht finden. Und Hanna ist sauer auf Ami, weil sie Zoe mochte. Was macht man an so einem Tag, wo die Sonnenstrahlen durch die Bäume blitzen und es einem innen drin aber doch ganz kalt ist?

Vielleicht einen Ausflug? Amis Bruder Joschi kapiert sofort, und auch sein Freund Niklas ist dabei. Die drei machen sich auf den Weg an der Kanalwand entlang, auf der Innenseite. Von dem netten Nachbarn Herrn Hegendorf bekommen sie noch ein Himbeerbonbon und dann kommen sie in unbekanntes Gebiet. Und auch unwegsames Gebiet: „Plumps sagt der Kanal, als Joschi hineinfällt“. Glücklicherweise ist der Kanal hier nur knietief und es gibt einen kleinen Steg zum Ausruhen. Da es am Kanal nun nicht weitergeht, erforschen die Kinder einen geheimnisvollen verwilderten Garten, der sich super zum Spielen eignet.

Als sie am nächsten Wochenende wieder kommen, diesmal mit Hanna, die Streitwolken sind wieder verflogen, zeigt sich dann, dass der Garten noch ein viel größeres Geheimnis bereithält, als sie vermutet hätten.

Anna Herzog zeigt auch mit ihrem zweiten Buch, dass sie einen festen Platz in den Regalen der Buchläden verdient hat. Auch das Herbstbuch ist mit 133 Seiten eher etwas für Gernleser und –leserinnen, auch gut zum Vorlesen geeignet. Auch diese Geschichte wird durch die Illustrationen von Susanne Göhlich (die wilden Zwerge, Miss Braithwhistle) noch einmal lebendiger.

Ein Hoch auf den Herbstwind, von Anna Herzog, mit Illustrationen von Susanne Göhlich, Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH, 2015, ISBN 978-3-473-36911-9, 133 Seiten, ab 8 Jahre (12,99 Euro)

Liam und das Amulett

Der Maskierte Rächer. Liam ist zwölf und einerseits ein ganz normaler Junge, aber andererseits ist er auch der maskierte Rächer, der ganz sicher eines Tages die Welt retten wird.
Liam glaubt an Energie, sie ist allgegenwärtig und nur er weiß, dass bestimmte Edelsteine und Mineralien eine geheime und hochkonzentrierte Energie besitzen. Deswegen trägt er einen Ledergurt, an dem einige Steine befestigt sind, zum Beispiel vier Amethystsplitter für Treue und Ehrlichkeit, ein kleiner Granitklumpen für Entschlossenheit und noch einige andere.

Bevor es dazu kommt, dass er die Welt retten muss, patrouilliert er fast jeden Abend in seiner Straße. Jeden Abend geht leider nicht, das würde seiner Mutter auffallen. Um trotzdem jede Gefahr mitzubekommen, verteilt er Magnetometer. Er selbst trägt er einen Magneten in der Tasche und ein merkwürdiges heißes Summen am Oberschenkel würde ihn sofort auf eine Gefahr aufmerksam machen.

Besonders Sorge macht Liam eine Frau am anderen Ende der Straße, dort ist etwas nicht in Ordnung. Er weiß noch nicht was, aber er hat ihr, vorsichtshalber zwei Magnete vor die Tür gelegt. Liam kommt tatsächlich in Kontakt mit der Frau und beschließt, ihr zu helfen, natürlich mit einem besonderen Stein. Er gibt ihr das Bernsteinamulett seiner Mutter.

Als er drei Tage später von der Schule nach Hause kommt findet er seine Mutter völlig aufgelöst zu Hause: Sie kann die wertvolle Bernsteinbrosche ihrer Großmutter nicht finden. Nun ist er in einem großen Konflikt. Loyalität ist für den maskierten Rächer eine wichtige Eigenschaft. Soll er die Brosche zurückholen und damit die Frau wieder ihrem Unglück preisgeben und sich selbst als einen Dieb hinstellen? Oder soll er seine Mutter anlügen, damit die Frau weiter unter dem Schutz des maskierten Rächers ist? Wie so oft im Leben braucht es etwas Zeit und die Dinge entwickeln sich unerwartet. Es gibt nicht nur diese zwei Möglichkeiten, sondern noch mehr. Und es ist nicht immer die Entscheidung zwischen Entweder und Oder, die getroffen werden muss.

Craig Silvey, der schon mit seinen Roman „Wer hat Angst vor Jasper Jones“ hier vorgestellt wurde hat ein wunderbares Buch geschrieben. Liam und das Amulett begeistert nicht ganz so wie Jasper Jones, es ist aber auch eine viel weniger spektakuläre Handlung, schließlich gibt es keine Leiche. Dennoch trifft Craig Silvey mit seiner Sprache die Welt der Jugendlichen, ohne dabei künstlich zu wirken. Die Realität von Liam ist so, wie sie ist. Das wird durch die Sprache von Silvey auch vom Leser so hingenommen.

Liam und das Amulett ist mit knapp 90 Seiten ein kleines Büchlein. Einige Bilder und handschriftliche Briefe lockern den Text auf, so dass es durchaus auch etwas ist für Menschen, die sonst nicht so begeisterte Leser oder Leserinnen sind.
Mit der zweiten Übersetzung ist Craig Silvey in der deutschen Jugendliteraturszene angekommen und man kann nur hoffen, dass auch sein Erstlingswerk „Rhubarb“, das er bereits mit 19 Jahren schrieb, bald ins Deutsche übersetzt wird.

Liam und das Amulett, Craig Silvey, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2014, ISBN 978-3-499-21688-6, empfohlen für 10 bis 12 Jahre (12,99 Euro).

Geschichten von Elmar

Vom Thienemann Verlag gibt es einen neuen Sammelband: „Das neue große Elmar Buch“. Für nur knapp zwanzig Euro bekommt man hier sechs von Elmar Abenteuern.

Elmar und das Känguru das glaubt nicht springen zu können. Es meint, dass es nur hüpfen kann und damit beim großen Springwettbewerb verlieren wird. Elmar und seine Freunde machen ihm klar, dass Hüpfen und Springen das gleiche ist, aber bis das Känguru das eingesehen hat wird es ganz schön knapp mit dem Springwettbewerb.

Immer wieder ist es faszinierend, wie David McKee große Probleme in seinen Elmar Geschichten kinderleicht anpackt und löst. In „Elmar und die Nilpferde“ geht es darum, dass die Nilpferde im Elefantenfluss Zuflucht suchen, da ihr eigener Fluss ausgetrocknet ist. Die Elefanten beschweren sich bitterlich und wollen die Nilpferde vertreiben. Elmar aber findet die Ursache heraus und gemeinsam arbeiten alle an einer Lösung gearbeitet – und am Ende haben die Nilpferde Ende ihren Fluss wieder. Als Elmar die Elefanten auf ihre Hilfsbereitschaft anspricht erwidern sie: stell dir vor unser Fluss wäre ausgetrocknet. So eine Haltung wünscht man sich bei den Menschen auch öfter.

Auch die Geschichte von Rosa, die ihre Herde verloren hat und die Elmar zurückbringt zu ihrer durch und durch rosa Elefantenherde, ist immer wieder schön zu lesen.

Als Elmar mal einen eingeklemmten Schmetterling befreit, sagt dieser zum Dank: „Vielleicht kann ich dir ja auch mal helfen, du brauchst mich nur zu rufen.“ Elmar schmunzelt, wie soll ein Schmetterling einem Elefanten schon helfen? Aber schon bald braucht er seine Hilfe, denn nur der Schmetterling kann zu der Höhle fliegen in der Elmar gefangen ist und schnell Hilfe holen.

Nachdem Elmar dem Regenbogen seine Farben wiedergegeben hat und selbst auch immer noch bunt ist, wundern sich die Tiere. Elmar aber sagt: „Ach weißt du, es gibt Dinge, die kann man verschenken, ohne sie dabei selber zu verlieren. Zum Beispiel Freundschaft, Liebe oder eben meine Farben.“

Zu guter Letzt enthält dieser Band noch „Elmars großer Tag“. Das ist der Tag an dem sich alle Tiere des Waldes bunt anmalen und nur Elmar als grauer Elefant herumläuft.

Auch nach diesen sechs Geschichten möchte man am liebsten gleich noch mehr Elmar Geschichten lesen. Die letzte Neuerscheinung der Elmar-Reihe ist „Elmar und das Monster“:

Elmar, der bunt karierte Elefant, war gerade zu seinem Morgenspaziergang aufgebrochen, da hörte er ein Furcht einflößendes. „Pass auf, Elmar“ riefen die Vögelchen und die kleinen Tiere, während sie an ihm vorbei eilten, „da ist ein Monster!“ Elmar denkt sich: Ein Monster? Wirklich? Und geht erst mal weiter. Nach und nach begegnet er den Affen, dem Tiger, den Krokodilen, dem Löwen und den anderen Elefanten. Alle rennen weg und raten Elmar ihnen zu folgen, denn das Monster brüllt immer wieder schrecklich laut. Elmar aber denkt nicht daran umzudrehen, er denkt sich stattdessen: Ein Monster, spannend, sehr interessant, und: Ich habe noch nie ein Monster gesehen! Anstatt umzudrehen geht er vorsichtig weiter.

Am Ende findet er das Monster: Es heult so laut, weil es Angst hat. Es muss durch den Wald und es hört ständig irgendwelche Monster brüllen. Am Ende lachen alle über ihre Angst. Diese wunderbare Geschichte über die eigene Angst und die Angst, die man selber vielleicht anderen einflößt ist wie immer in wunderbar bunten fantasievollen Bildern dargestellt, die einen ganz mitnehmen in die Welt von Elmar und seinen Freunden.

Von David McKee gibt es mittlerweile mehr als 20 Elmar Geschichten, die erste erschien bereits 1969. Angefangen zu publizieren hat David McKee aber schon fünf Jahre vorher, mit seinem Erstlingswerk: Two Can Toucan. Ausgezeichnet wurde er 1987 mit dem deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Bilderbuch für „Du hast angefangen! Nein, du!“. Wenn man die Elmar Bücher mag, dann lohnt es sich vielleicht auch mal in das vielfältige andere Werk von David McKee reinzuschauen, das neben den beiden genannte Büchern noch viele weitere enthält.

Elmar und das Monster, David McKee, Thienemann Verlag, Stuttgart, 2014, ISBN 978-3-522-43777-6, (12,99 Euro).
Das neue große Elmar-Buch, David McKee, Thienemann Verlag, Stuttgart, 2014, ISBN 978-3-522-43776-9, (19,99 Euro).

Zeitreise ins Warschauer Ghetto

28 Tage, so lange kann der Widerstand im Warschauer Ghetto der SS trotzen. 28 Tage sind eine lange Zeit und keiner hätte gedacht, dass sie es so lange schaffen. Besonders Mira, die fiktionale Hauptperson des Buches ist überrascht. Sie hat lange überlegt, ob sie sich überhaupt dem Widerstand anschließen soll.

Als reiche und privilegierte Arzttochter aufgewachsen muss Mira im Ghetto um das tägliche Überleben kämpfen. Essen ist knapp und ihre Mutter hat sich nach dem Selbstmord des Vaters in die Traurigkeit zurückgezogen. Und dann ist da noch Hannah, ihre kleine lebenslustige Schwester, die es zu beschützen gilt.

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Herzlichen Glückwunsch an den Autor! Dieser Roman wurde aktuell mit dem renommierten Jugendbuchpreis Buxtehuder Bullen 2014 ausgezeichnet! http://www.buxtehuder-bulle.de/de/

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Was für ein Mensch willst Du sein?
Diese Frage stellt sich ihr immer wieder, soll sie auch zur Prostituierten der Nazis werden, um sich zu schützen und genug Essen für ihre Familie zu haben, so wie ihre Freundin?
Darf man Menschen töten, um andere und sich selbst zu schützen?

Mira, die sich selbst nicht als mutigen Menschen empfindet entscheidet sich für den Widerstand und kämpft, tötet Menschen und schmuggelt Waffen ins Ghetto und später Menschen heraus.

David Safier hat es auf brillante Weise verstanden die historischen Fakten in einen spannenden Roman einzubetten und dabei weder ins verharmlosend, affektheischende oder blutrünstige abzugleiten. Er bleibt vielen historischen Fakten treu, nur die Hauptpersonen sind erfunden, damit, wie er selbst sagt, er mehr schriftstellerische Freiheit hat die Geschichte zu gestalten. Dadurch hat er es auf grandiose Weise geschafft, der Geschichte eine starke Emotionalität zu verleihen, ohne dabei den moralischen Zeigefinger erhoben zu haben.

Mira ist eine ganz normale Jugendliche, die sich auch nicht immer richtig verhält. Und wie auch im Alltag heutiger Jugendlicher ist nicht immer klar, was die richtige Entscheidung ist. Obwohl heute hoffentlich niemand seinen Freund bewusstlos schlägt. Mira tut das, um ihren Freund Daniel daran zu hindern freiwillig mit den Waisenkindern, um die er sich kümmert, ins KZ zu gehen. Dann verliebt sie sich in Amos, obwohl sie nicht einverstanden ist mit seinem Ziel, möglichst viele Nazis mit in den Tod zu nehmen.

Was für ein Mensch will ich sein? Das Buch von Daniel Safier macht auch für heutige Jugendliche klar, dass jeder diese Frage für sich immer wieder neu beantworten muss.

David Safier begann seine berufliche Laufbahn im Hörfunk und im Fernsehen. Sein Drehbuch zu der Serie „Mein Leben & ich“ bekam 2003 den MDR Kinder Film und Fernsehpreis Goldener Spatz. Auch für die von ihm entwickelte bekannte Stikom „Berlin Berlin“ bekam er den Adolf Grimmer sowie den Deutschen Fernsehpreis.
Sein Roman Debut hatte er 2007 mit „Mieses Karma“. Seit dem hat er sechs Romane veröffentlicht, die meist eher ungewöhnliche Themen haben. In „Muh“ geht es um eine ostfriesische Kuh, die als Rettung vor dem Schlachter ihr Glück in Indien sucht, dem Land der heiligen Kühe. Sein Roman „Jesus liebt mich“ wurde 2012 verfilmt.

28 Tage, David Safier, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbeck bei Hamburg, 2014, ISBN 978-3-499-211744, ab 12 Jahren (7,99 Euro).
Ab August 2015 als Taschenbuch zu kaufen.

Miguel, Mogel, Miguela

Ein Jugendbuch von Nils Mohl zum Thema Geschlechteridentität: „Flo schnaubt. Er beschließt:“Bis Mitternacht bleibst du Miguela! Ihr Pussys, wir ziehen ins ChackaBum!“

Miguela ist eigentlich Miguel. An diesem Abend aber ist er Miguela und er bekommt auch noch einen zweiten Spitznamen: Mogel. Als seine drei Freunde entdecken, dass in der Zapfanlage im Partykeller seiner Eltern nur alkoholfreies Bier ist. Da ist durch einen Versprecher von Flo aus Miguel Mogel geworden. Passt ja auch bei dem Mogel-Bier. Das ist dann auch der Anlass für das, was sich für Miguel zunächst wie der Supergau anfühlt: Als Strafe für das alkoholfreie Bier muss Miguel den Abend bis Mitternacht als Miguela verbringen. Mit 15 eine ziemlich fiese Strafe. Es scheint zunächst auch am Outfit zu scheitern – wie ein Mädchen auszusehen, ist gar nicht so einfach. Nachdem aber Kitty, Sylvesters Schwester und ihre Freundin Domino Hand angelegt haben, steht einem Diskobesuch von Miguela nichts mehr im Wege.

Das neue Buch des 1971 geborenen Hamburger Autors Nils Mohl platzt mit dem 16. Kapitel mitten in die Geschichte. Nach drei Kapiteln geht es dann doch bei 1 los. Typisch Nils Mohl werden diejenigen denken, die Indianerland und / oder die Stadtrandritter kennen. Strenge Chronologie ist nicht so seine Sache, umso erstaunlicher, dass er dann doch dabei bleibt. Auch sonst hebt sich das Buch von seinen Vorgängern ab. Es ist deutlich dünner und wie gesagt mehr oder weniger chronologisch erzählt. Es ist ein ganz eigenständiger Roman, und doch freut man sich über alte Bekannte. Sylvester und auch Domino und Kitty kennt man aus den Stadtrandrittern. Das Milieu des Romans ist das gleiche, die Hochhaussiedlung und das angrenzende Gebiet der Reihenhäuser. Mogel ist aber keine Weiterführung der Stadtrandritter, darauf müssen wir weiterhin warten. Es spielt vor den Geschehnissen der Stadtrandritter und manches deutet sich hier bereits an. Kitty, Sylvesters Schwester lebt noch, rasiert Miguel die Beine und schmiedet Zukunftspläne, nichtsahnend von ihrem Schlaganfall, der sie das Leben kosten wird.

Die vier Freunde, Sylvester, FloDaHo, Dimi und Miguel treffen sich bei Miguel, der vor kurzem aus der Hochaussiedlung mit seinen Eltern in ein Reihenhaus gezogen ist, daher auch der Partykeller. Nachdem Miguela nun zurechtgemacht ist, geht es nach draußen. Die erste Probe soll das Bier holen an der Tanke sein. „Der notgeile Spaten hinterm Tresen schielt mir auf den Hintern. Dreist und unverhohlen. Ich übertreibe nicht.“ Die Maskerade ist nahezu perfekt. Dann betritt Candy, der Traum aller Jungs mit ihrem fast-Exfreund Hengst, die Tanke. Miguel geht als Miguela durch und Hengst kauft sogar das Bier für „sie“ – seinen eigenen Ausweis kann Miguel ja schlecht herausholen.

Auf dem Weg ins ChackBum hat Miguel dann einen ziemlichen Kloß im Hals. Aber der Abend läuft gut für ihn, bzw. sie. Miguel freundet sich mit Candy an, sieht das erste Mal in seinem Leben ein Mädchenklo von innen und erfährt, dass Candy von Hengst ziemlich fies erpresst wird. Natürlich will er helfen. Hengst lockt die beiden Mädchen Candy und Miguela mit in seine Gartenlaube, wo es dann ziemlich brenzlig wird. Aber Dimi, FloDaHo und Sylvester finden sie rechtzeitig.

Das Buch ist toll geschrieben, es bleibt der Jugendsprache durchgehend treu, ohne aufgesetzt oder albern zu wirken. Die vier Jungs mit ihren Eigenheiten kommen ganz normal daher, obwohl man bei einer echten Begegnung wahrscheinlich zögerlich wäre, ob man diese Burschen aus der Nähe kennenlernen wollte.

Nils Mohl schafft es mit diesem Roman, sich der viel diskutierten Geschlechterfrage auf humorvolle Weise zu nähern. Miguel findet durch seinen Perspektivwechsel so manches Klischee bestätigt: Manche Mädchen geben ihren Brüsten tatsächlich Namen. Er findet aber viel überraschend Positives und wünscht sich auch als Junge so mit Candy reden zu können, wie Miguela es tut. Denn eine andere Person ist er ja eigentlich nicht, auch nicht mit Netzstrumpfhose und Zöpfchen. Und auch Candy findet am Ende: „Schade, dass Du kein Kerl bist.“

Kurz: ein sehr lesenswertes Buch für Leser und Leserinnen ab 14 und weit darüber hinaus.

Mogel, Nils Mohl, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2014, ISBN 978-3-499-21537-7, (9,99 Euro).