Kategorie: Kinderbücher

„Wie lange dauert der Tod?“

Als der Thienemann Verlag mir „Nie mehr Wolkengucken mit Opa“ vorschlug, dachte ich: Endlich einmal ein Kinderbuch zum Thema Tod und Trauer. Als ich das Buch in den Händen hielt war mein erster Gedanke: „Welch schöne Bilder! Die Illustratorin Verena Körting hat Bilder von solch intensiver Atmosphäre geschaffen, dass man allein durch das Betrachten schon mitten in der Geschichte ist.

Die Geschichte handelt von Lilli, die immer stundenlang mit ihrem Opa auf der Schaukel am alten Kirschbaum saß und die Wolken mit ihm anschaute. Sie sahen die fantastischsten Dinge und es war ihnen nie langweilig.

Eines Tages ist Opa im Krankenhaus und sieht dünner und kleiner aus als sonst. „Und an einem windigen Tag passiert es – einfach so, ohne dass jemand etwas dagegen tun kann.“
„Opa ist gegangen“ sagt die Nachbarin, aber sie weiß auch nicht wohin. Lilli versteht nicht, warum er sie nicht mitgenommen hat, und Oma und seinen Kegelfreund. Lilli ist sauer „der Tod ist doof“ ruft sie und dann, als Oma ihr Opas alten Gartenhut aufsetzt, da kann sie auch endlich weinen.

Lilli malt ein Herz für Opa und überlegt, ob er ein Kuscheltier mitnehmen sollte und was er anziehen soll, im Sarg.

Es gibt ein Gespräch mit dem Pfarrer und die Beerdigung und Lilli überlegt, ob es langweilig ist, wenn man tot ist.

In der Geschichte von Martina Baumbach wird das Kindergartenkind Lilli durch die Tage vor und nach der Beerdigung begleitet. Lillis Reaktion auf den Tod ihres geliebten Opas wird in all ihren Facetten gezeigt: Unverständnis, Trauer, Wut. Aber Lilli findet auch Trost in ihren eigenen Erfahrungen mit Maikäfern, die sie mal in einer Schachtel gesammelt hatte. Als sie nach ein paar Tagen wieder nach ihnen schaute, haben sie sich nicht mehr bewegt. Aber sie sahen friedlich aus, als wären sie zufrieden mit all dem Gesumme dass sie in ihrem Leben veranstaltet hatten. Auch die Zeiten mit der Familie und das Gespräch mit dem Pfarrer geben Lilli Trost und helfen ihr mit der Situation umzugehen.

„Nie mehr Wolkengucken mit Opa“ ist ein wunderbar einfühlsames Buch über die wohl schwersten Momente im Leben. Es ist besonders geeignet für Kinder im Kindergarten und der Grundschule. Die beiden letzten Seiten, die sehr viele gute Tipps für trauernde Kinder und ihre Eltern beinhalten, sind aber auch noch für ältere Kinder geeignet.
Die Münchener Autorin hat schon viele Kinder und Jugendbücher veröffentlicht und widmet sich gerne auch den schwierigeren Themen (Kuddelmuddel in Omas Kopf, Und Papa sehe ich am Wochenende, Jette zieht um). Auch im Radio kann man Martina Baumbachs Geschichten hören, in Bayern 1 kommen sie manchmal als Betthupferl. Den Link findet man auf www.martinabaumbach.de.

Nie mehr Wolkengucken mit Opa, Martina Baumbach und Verena Körting, Thienemann Verlag (Thienemann Verlag GmbH), Stuttgart/Wien, 2014, ISBN 978-3-522-30372-9, ab 4 Jahren (12,99 Euro).

Weihnachtsbasteln ohne Stress

Mal wieder Lust auf Weihnachtsbasteleien? Aber keine Lust auf komplizierte Bastelanleitungen bei denen am Ende nichts Schönes herauskommt? Dann ist das neue Bastelbuch von Ravensburger genau das Richtige. Marlies Schiller stellt auf 90 Seiten mehr als 30 Bastelideen zu Weihnachten vor.

Da sind recht schnelle Dinge dabei wie die Tannenbäume aus Papier, die mit einem Holzspieß auf einem Apfel sitzen. Es sind süße Dinge zum Backen dabei und schöne Geschenk Ideen. Für jede Bastelei gibt es einen gut sichtbaren „Das brauche ich“ Kasten, so dass man auch wirklich alles Notwendige da hat, wenn es los gehen soll.

Wir haben das Herstellen von einmaligen Weihnachtskugeln für Sie getestet: Hier die Anleitung

Zunächst mal: die Idee ist toll, die Vorschläge funktionieren und sind nicht zu kompliziert. Ein paar Extra Tipps haben wir für Sie aber doch noch:
1) Bastel-Leim hört sich an wie etwas ganz Besonderes aus dem Bastellfachgeschäft. Auf Nachfrage sagte man uns dort aber, dass es einfacher Tapetenkleister aus dem Baumarkt genauso tut.

2) Bevor man loslegt, sollte man sich eine Vorrichtung basteln, an der man die fertigen Kugeln zum Trocknen aufhängen kann.

3) Die Wollkugeln sehen toll aus und sind wirklich einfach, auch schon unter 8 Jahren.

4) Die marmorierten Glaskugeln sind etwas komplizierter. Wenn man Nagellack in ein Wasserglas tut und dann die Kugel hinein taucht, dann hängt der Nagellacktropfen unten an der Kugel. Auch das sieht schön aus, um aber an mehr Stellen der Kugel Farbe zu bekommen muss man etwas mehr rumprobieren. Das Glas sollte groß genug sein, dass man die Kugel darin wenden kann und auch während die Kugel im Wasser ist, noch Nagellack hinzufügen kann. Mehrere Farben mischen ist auch toll.

Weihnachtsbasteln15) Beim Bekleben der Kugeln sollte man immer bedenken, dass die Kugeln ja hängen und man eher von unten darauf schaut, als von oben.

6) Ganz einfach und wirklich super aussehend ist das Bestreuen mit Glitzerstaub. Entweder man streut den Glitzerstaub auf die mit Kleister bepinselte Kugel oder man streut den Glitzerstaub auf eine Unterlage und rollt die eingekleisterte Kugel hindurch.

Die Kugeln kann man super selber aufhängen, oder auch ganz toll verschenken.
Viel Spaß beim Basteln.

Tolle neue Bastelideen für Weihnachten, Marlies Schiller, Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH, Ravensburg, 2014, ISBN 978-3-473-55304-4, empfohlen für Kinder ab 8 (12,99 Euro).

Finnische Kinderbücher – schöne Geschichten

Bei der Buchmesse in Frankfurt war 2014 Finnland zu Gast – Grund genug, über ein Kinderbuch aus Finnland zu schreiben:

Die, „Geheimakte Wuff“ von Toula Kallioniemi hat der Ravensburger Verlag aktuell in der Übersetzung aus dem Finnischen auf den Markt gebracht.

Eine Familiengeschichte ist das Thema von diesem Kinderbuch. Nah am Leben der kleinen Leser, aber trotzdem mit Abenteuern aus dem Alltag gespickt.

Aus dem Leben gegriffen ist die Geschichte von Eeros Familie, der sich so sehnlichst einen Hund wünscht und allerhand anstellt, damit er sich einen verdient. Die Teilnahme an einem Tanzwettbewerb ist dabei nur die am wenigsten absurde Möglichkeit. Enno kommt dabei auf die Spur eines Tierquälers.

Die Familie in dieser Geschichten ist etwas eigen – sympathisch eigen. Eeros Mutter ist meist am Rande des Nervenzusammenbruchs, hat aber das Herz auf dem rechten Fleck. Außerdem geht es in Eeros Familie mit den zwei älteren Brüdern um deren ersten Freundinnen, die der kleine Bruder aufmerksam beobachtet. Immer wieder wechselt die Erzählperspektive außerdem zu dem älteren Bruder.

Schön für die kleinen Leser, dass sie sich mit den Figuren der Geschichte identifizieren können. Die Alltags-Abenteuer sind so, dass sie auch ihnen durchaus passieren könnten, aber trotzdem spannend und interessant sind.

Der Tonfall der Geschichte ist lakonisch, nett , einfach geschrieben und damit eine klassische Kindergeschichte für Grundschulkinder. Die Welt, die es dort zu erleben gibt, ist keine „Heile-Welt-von – Bullerbü“, sondern eine reale Welt von heute – auch wenn die Geschichte im nordischen Winter spielt. Alles in allem – finnische Kinderliteratur scheint eine Bereicherung für die deutschen Büchermarkt zu sein!

 

 

Thea Sisters – Kinderbücher ab acht Jahre

Schlau, nett, hübsch und vor allem ein tolles Team: Der Redakteur der „Neuen Nager Nachrichten“, Geronimo Stilton wurde an dieser Stelle bereits vorgestellt. Auch seine Schwester Thea Stilton kam in diesem Buch bereits vor. Nun macht sie ihre eigene Karriere. Aufgrund einer Einladung, einen Kurs über Abenteuer-Journalismus zu halten, begibt sich Thea mal wieder zum Mausford College, wo sie selbst mal studiert hat. Dort lernt sie fünf reizende Mäusemädchen kennen: Colette, Pamela, Pauline, Nicky und Violet. Jede mit ihren Eigenheiten und besonderen Begabungen, aber alle sind sehr nett und sehr schlau.

Bald schon geschehen merkwürdige Dinge im Mausford College: Thea glaubt öfter einen Schatten zu sehen, ist sich aber nicht sicher. Der tollpatschige Student Hans Mausner kommt ihr irgendwie bekannt vor, aber sie weiß nicht woher. Und dann ist er plötzlich ganz verschwunden. Außerdem fehlen noch große Töpfe, ein Gartenschlauch und die Harke des Gärtners. Die fünf Mäusemädchen machen sich auf die Suche. Sie knacken den Drachencode und entdecken einen Geheimgang. Am Ende klärt sich auch das Geheimnis um Hans Mausner auf.

Am Anfang jedes Buches werden die fünf Mäusemädchen mit einem Steckbrief vorgestellt, so dass man sie schon ein bisschen kennt. Jede hat ihre individuellen Stärken und Schwächen, was sie sehr sympathisch macht. Sie ergänzen sich damit außerdem zu einem sehr guten Team.

Von den Thea Sisters gibt mittlerweile viele Abenteuer, so dass es keine langen Wartezeiten auf das nächste Abenteuer geben muss.
Das zweite Abenteuer führt die fünf Mädchen nach Peru, wo sie eine geheime Stadt entdecken, einem Archäologen helfen und die Schurken davon abhalten eine Tür der Stadt zu zerstören.
Im dritten Abenteuer reisen die Mädchen nach Paris, wo sie einen Skandal in der Mode-Szene aufdecken. Das fünfte Abenteuer spielt in Mailand, in der Welt des Balletts. Seit dem 1.9. 14 gibt es noch vier weitere Bücher für die ganz großen kleinen Fans (Titel: siehe unten).

Die Bücher sind wie auch die von Geronimo Stilton witzig aufgemacht: Manche Wörter sind anders geschrieben, es gibt immer wieder Hinweise zum Mit-Raten. Außerdem allgemeine Informationen über die Länder und Orte, an denen sich die Mäusemädchen aufhalten, so dass bei der Lektüre auch etwas Allgemeinwissen vermittelt wird. Die Sprache ist gut zu verstehen und die Bücher nicht zu dick, so dass auch nicht so geübte Leser und Leserinnen durchaus Spaß an der Lektüre haben.

Zu den Stilton Büchern gibt es eine schön gestaltete Internetseite mit Leseproben, Ausmalbildern, Briefpapier und einem Gewinnspiel (www.theasisters.de).

Die Thea Sisters und der Drachencode,Die Thea Sisters und die geheime Stadt, Die Thea Sisters und der Modedieb, Die Thea Sisters und der tanzende Schatten.

Seit September 2014: Die Thea Sisters und das Rätsel von New York, Die Thea Sisters und der indische Prinz, Die Thea Sisters und der Schatz im Eis, Die Thea Sisters und die Jagd nach dem blauen Skarabäus.

Thea Stilton, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2014, ab 8 Jahren (je 7,99 Euro).

Facebook – Richtiges Verhalten in sozialen Netzwerken

Ein kleines buntes Heftchen über Facebook – auf den ersten Blick ist das Büchlein „Facebook aber richtig – Richtiges Verhalten in sozialen Netzwerken“ absolut auf die Zielgruppe der Facebook-Anfänger zugeschnitten. Sie sollen sich – am besten bevor sie selbst einen Account haben – hier erst einmal informieren, um was es geht. Und vor allem, welche Fallstricke auf unerfahrene Nutzer warten.

Facebook: Tipps und Tricks für Eltern bei Familothek hinter diesem Link

Im Heft finden die Neulinge viele Infos zu rechtlichen Fragen, Erklärungen zu vielen Begriffen, die im Zusammenhang mit den sozialen Netzwerken immer wieder auftauchen: Was ist eigentlich ein soziales Netzwerk? Was sind meine Persönlichkeitsrechte? Oder meine Privatsphäre? Es wird viel gewarnt in diesem Buch – und im Zusammenhang mit Facebook und jungen Nutzern ist das sicher auch richtig: Lade keine Filme illegal herunter; poste keine blöden Fotos von dir und überlege dir, mit wem du „befreundet“ bist; Facebook vergisst nichts. Diese und weitere kritische Punkte stellt das Büchlein in verschiedener und wiederholter Weise auch grafisch bunt dar – das ist sicher gut, damit die Info beim blätternden Jung-Leser ankommt.

Der Zielgruppe gerecht und recht amüsant ist der Teil: „Testen“ – hier können auch die flüchtigsten „Text-Scanner“ im Quizstil testen, ob sie die Fakten wirklich verstanden haben. Eine gedruckte „Facebookseite“ mit viel zu viel persönlichen Fakten lädt zur „Fehlersuche“ ein; eine kleine Erzählgeschichte zeigt, wie schnell ein Erzähler Persönliches preisgibt, ohne es zu merken.

Das Heft soll zwar Kinder ab acht Jahre die wichtigsten Fallstricke zu diesem Thema näherbringen, doch ist zu hoffen, dass nicht allzu viele Kinder dies bereits so früh benötigen – ein Facebook-Account – wenn ihn nicht die Mami einrichtet – ist eigentlich erst ab dreizehn Jahre legal, und das ist ja auch noch früh genug.

Der Tenor „natürlich darfst du im Netzwerk aktiv sein, achte aber auf Verschiedenes“ kommt hoffentlich bei vielen Teenagern gut an.

Der Ravensburger Buchverlag mit Autor Thomas Feibel hat mehrere Broschüren zu den Themen Internet und Computer herausgebracht, die jungen Lesern ein paar Tipps für die neue Medienwelt zielgruppengerecht nahebringen.

Junge Leser haben so von vielen Dingen wenigstens schon einmal gelesen, bevor sie aufs Netz „losgelassen“ werden. Und Eltern haben schon einmal ein paar Anhaltspunkte, worüber die Kinder unbedingt informiert sein sollten. Trotzdem ersetzt so ein Buch nicht die Tatsache, dass sich Eltern immer wieder damit beschäftigen sollten, was denn der Nachwuchs „im Netz so tut“!

 

 

 

60 Sekunden – eine Lesereihe für Jungs ab 9

Welche Bücher mögen neunjährige Jungs? Diese Frage stellten sich die Macher der Reihe „60 Sekunden“ des Ravenburger Verlages, im Buchhandel seit Juli 2014. Folgendes Rezept haben sie gefunden: Eine spannende Geschichte, nicht zu lang, in der ein Gleichaltriger in interessanter Umgebung ein Abenteuer erlebt – welches natürlich gut ausgeht. Der erst Band der Reihe geht um einen zwölfjährigen Taucher, der kriminelle Machenschaften entdeckt (Band 1). Der zweite Band dreht sich um einen Meteoritenfund in der „Teufelsschlucht“.

Autor Frank Maria Reifenberg und Illustrator Daniel Ernie entwickelten in beiden Bänden eine comicähnliche Aufmachung mit Bildern und Zeichnungen, die die Story optisch „aufpeppen“. Als ungewöhnliche Beigabe gibt es außerdem immer wieder kleine abgesetzte inhaltliche Weiterführungen zu den Fakten der Geschichte. Im der Tiefsee-Band erfahren die Leser zum Beispiel was Apnoetauchen ist, wie sich Taucher unter Wasser verständigen oder welche Haiarten es gibt. Außerdem werden unbekannte Wörter wie zum Beispiel „Naturreservat“ erläutert.

„60 Sekunden entscheiden über dein Leben“ – die Überschrift eint die Bücher dieser Reihe. In einer Minute im Leben der Hauptperson, entscheidet sich ihr Schicksal – dieser Wahlspruch soll den Fokus auf die Spannung in den Geschichten legen.

Lesemuffel ab neun Jahre gibt es viele, oft männlich. Schließlich sind Multimedia-Angebote doch so viel einfacher zu erfassen! Wie gut, wenn sich das eine oder andere Buch auf dem Markt findet, das diese schwer zu erreichende Zielgruppe in den Fokus stellt. Und versucht, mit einer spannenden Geschichte und einer besonderen Aufmachung, gerade diese Kinder zum Lesen zu „verführen“. Ob das im Einzelfall dann klappt, kann man natürlich nicht versprechen. Aber versuchen können es Eltern mit einem dieser Bücher ja einmal….

Autor Reifenberg kümmert sich übrigens auf vielfältige Weise um die besondere Leseförderung für Jungen. Aktuelle Buchtipps gibt es auf seinem Blog http://lesefoerderungfuerjungen.wordpress.com/

Die Bücher der 60 Sekunden-Reihe:
60 Sekunden entscheiden über Dein Leben

Band 1 Der Schrecken der Tiefsee, ISBN 978-3-473-36890-7
Band 2 Das Geheimnis der Teufelsschlucht, ISBN 978-3473-36891-4

 

Schaurig schöne Spukgeschichten

Was haben Goethe, Graham Greene und H.R. Wakefield gemeinsam? Richtig, sie alle haben Spukgeschichten geschrieben. Sie und auch noch Spukgeschichten von anderen bekannten Autoren vereinigt Felix Scheinberger in seinem Buch.

Felix Scheinberger ist Professor für Zeichnen und Illustration an der Fachhochschule Münster. Die besten Arbeiten aus einem Seminar zum Thema Buchillustration sind in diesem Buch abgedruckt. Besonders beeindruckend ist das Bild des kleinen suchenden Gespensts (Geschichte von Mary E. Wilkinson). Aber auch die anderen Bilder schicken einem einen Schauer über den Rücken und vertiefen dadurch die in den Geschichten erzeugte Atmosphäre.

Neben dem Erlkönig und dem kleinen suchenden Gespenst gibt es noch die schaurige Geschichte von der Affenpfote mit der man drei Wünsche frei hat. Der bereits erwachsene Sohn der Familie, die sie geschenkt bekommt findet, sie sollten es mit etwas kleinem ausprobieren. So wünscht sich der Vater 200 Pfund. Am nächsten Nachmittag, der Sohn ist noch nicht von der Arbeit zurück, bekommt das ältere Ehepaar Besuch von einem elegant gekleideten Herrn. Er teilt Ihnen mit, dass ihr Sohn bei der Arbeit verunglückt ist, und die Familie für seinen Tod 200 Pfund Entschädigung bekommt. Man mag sich kaum ausmalen, was sie mit den anderen beiden Wünschen machen.

Auch eine Seefahrtsgeschichte, das Gespensterschloss und noch einiges anders spannendes erwartet Leser ab 12, die nicht allzu zart besaitet sind, in diesem Buch. Passend für den Abend unter der Decke im Bett, aber auch ein guter Begleiter bei jeder Klassenfahrt oder Schulübernachtung.

Schaurig schöne Spukgeschichten, Felix Scheinberger (HG), Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2014, ISBN 978-3-499-214820, ab 12 Jahren (7,99 Euro).


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Jugendbuch Butter

Ein Buch für Jugendliche ab 12 Jahre mit einem ernsten Thema. „Viele sagten später, dass es mit meiner Homepage begann, aber für mich begann es schon zwei Tage vorher“. An diesem Tag kam in den Nachrichten, dass Fluggesellschaften in Zukunft für fettleibige Menschen, die zwei Sitze brauchen, den doppelten Preis erheben werden.
„Butter“, der eigentlich anders heißt, findet die Demütigung zwei Sitze zu brauchen und zu wissen: „Niemand will neben mir sitzen“, sei schon Preis genug.

Butter wiegt mehr als 180 Kilo und hat in der Schulmensa einen eigenen Platz mit einer Bank an einem Tisch, weil er in die normalen Stühle nicht hineinpasst. Dort sitzt er allein, und auch sonst ist er eher ein Außenseiter. Der einzige Kontakt, den er hat, ist zu seinem Musiklehrer, der sein Saxophonspiel sehr schätzt und ihn ständig ins Schulorchester und zu seiner Band einlädt. Meistens lehnt Butter ab. Und dann ist er noch als J.P. im Internet unterwegs. Hier hat er Kontakt zu seinem Schwarm aufgenommen, einem wunderschönen Mädchen, das ihn im echten Leben überhaupt nicht beachtet.

Zwei Tage nach der Nachrichtenmitteilung findet Butter einen fiesen Kommentar über sich im Internet und erstellt spontan eine eigene Homepage, die so beginnt:

„You think I don´t notice your disgust when you watch me eat? Well, if you think you can stomach it, tune in a month from today and watch my final meal live on the internet.”

Butter beschließt, sich zu Tode zu essen, live, im Internet, an Silvester. Die Internetnutzer dürfen Vorschläge für die Menüfolge seiner Henkersmahlzeit machen und dann dabei zuschauen.

Mit dieser Aktion ändert sich Butters Leben grundlegend. Die coolen Jungs, die an der High-School das Sagen haben und ihn allerhöchstens mit fiesen Sprüchen bedacht haben, finden seine Idee cool. Plötzlich steht seine Bank in der Mensa an ihrem Tisch und sie laden ihn zum Bowling und auf Partys ein. Selbst die Mädchen reden plötzlich mit ihm.
Endlich hat er die Dinge, nach denen er sich immer gesehnt hat, und Silvester rückt unaufhaltsam näher.

Nachdem er die Silvesterparty verlassen hat, um seine Henkersmahlzeit einzulösen, entscheidet sich allerdings, wer ein echter Freund geworden ist und wer sich nur auf seine Kosten amüsiert hat.

Butter ist ein bewegendes Buch, urkomisch und furchtbar traurig. Autorin Erin Jade Lange gelingt es ohne Pathos eine Geschichte zu erzählen, die so oder so ähnlich jeden Tag geschehen könnte, und von der jeder Teile selber kennt, wenn auch nicht in dieser Dichte.

Die Geschichte appelliert ohne den erhobenen Zeigefinger daran, hinter die Fassade der Menschen zu schauen und sich nicht vom ersten äußerlichen Eindruck lenken zu lassen. Obwohl Butter selbst schon 16 Jahre alt ist, ist das Buch ab 12 Jahren empfohlen. Allerdings können Teenager mit dem Lesen auch gut bis 13 oder 14 warten.

Erin Jade Lange ist US Amerikanerin und eigentlich Nachrichtenjournalistin. Tagsüber schreibt sie „news“ und nachts „fiction“, so steht es auf ihrer Internetseite. Mit „Butter“ ist sie schon für einen Preis nominiert und wird auf mehreren Listen zum Lesen empfohlen. Auf ihrer Homepage gibt es außerdem einen Videotrailer, der einen kleinen Einblick ins Buch gibt.

Butter, Erin Jade Lange, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2014, ISBN 978-3-499-21244-4, ab 12 Jahren (8,99 Euro).

 

Prinzessin Pumpernickel

Ein empfehlenswertes Buch zum Vorlesen ab sechs und zum Selber lesen im Grundschulalter. Wer keinen Pumpernickel zu Hause hat und dessen Kinder dieses ganz besondere Brot nicht kennen, sollte schleunigst welchen kaufen gehen! Denn nach diesem Buch will jedes Kind wissen, was Pumpernickel ist.

Die Geschichte von Prinzessin Pumpernickel spielt in Pattaloonia: „einem kleinen Land, das für den Rest der Welt so unbedeutend war, dass es in keiner Karte eingezeichnet ist.“

Wie es sich für ein Königreich gehört hat es einen König und eine Königin, welche drei Töchter hatten: Ponderosa, Perdita und Pamelina. In Pattaloonia tragen nämlich alle Menschen nur Namen mit P. Als nun die vierte Tochter geboren wurde, brauchte auch diese einen Namen mit P. Durch ein Missverständnis, das sich nicht aufklären lies, ohne des Königs Ehre zu beschädigen, wurde sie Pumpernickel genannt.

Nun kann aber eine Prinzessin nicht wie ein Brot heißen, das geht einfach nicht, und so beschloss der König, dass von nun an Pumpernickel im ganzen Königreich verboten ein sollte. Bis zum neunten Geburtstag von Prinzessin Pumpernickel ging alles gut. Aber dann erfuhr sie von der Bedeutung ihres Namens und war, wie man sich vorstellen kann, stinksauer. Sie forderte sofort einen neuen Namen.

Es ist aber gar nicht so einfach, sich einen Namen auszudenken für jemanden der schon neun Jahre alt ist, und den alle bisher unter einem ganz bestimmten Namen kannten, Kinder versucht das einmal!

Für welchen Namen sich die königliche Familie entscheidet, und was zwischendurch alles noch passiert – das kann man in dem neuen Buch von Angela Sommer-Bodenburg nachlesen.

Die neueste Geschichte dieser altbekannten Autorin (Der kleine Vampir, Annas Nächtebuch – in der Familothek nachzulesen) ist eine kurzweilige Geschichte, zum Teil witzig und auch nachdenklich stimmend, denn das mit den Namen ist wirklich nicht so einfach. Für die vorlesenden Erwachsenen ist außerdem spannend zu sehen: Wozu führt es, wenn Eltern bei der Erziehung der Kinder immer versuchen, ein schlechtes Gewissen gutzumachen – nämlich zu nichts Gutem.

Prinzessin Pumpernickel, Angela Sommer-Bodenburg, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2013, ISBN 978-3-499-216763, ab 6 Jahren (9,99 Euro).

Stadtrandritter

Der Hamburger Autor Nils Mohl, der für seinen letzten Roman „Indianerland“ 2012 mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet wurde, hat ein neues Buch veröffentlicht: „Stadtrandritter“. Der 1972 geborene, in Hamburg lebende Autor, hat bereits mehrere Romane und andere Bücher geschrieben – immer ein bisschen anders, manchmal gar nicht wirklich Romane und trotzdem unterhaltsame Literatur; so eindeutig die Pressestimmen.
Auch Stadtrandritter ist alles andere als ein gewöhnlicher Jugendroman. Die vielen abrupten Zeit- und Szenensprünge machen es bisweilen schwer, sich in der Geschichte zurechtzufinden – also sicher kein Buch für Lesemuffel. Wer sich aber auf dieses 680 Seiten Epos einlässt, erfährt nach und nach eine spannende Geschichte:

Der 18 jährige Sylvester hat vor drei Jahren seine Schwester verloren, und ihr Tod lässt ihn nicht los: Hätte sie gerettet werden können, wenn ihr jemand rechtzeitig geholfen hätte? War jemand in der Nähe, der hätte helfen können? Und was ist mit dem Geld passiert, das sie dabei hatte? Immer wieder tauchen Puzzlestücke des Todestages auf, die Sylvester weiter nachfragen lassen. Dabei gerät er immer wieder mit Brand III zusammen, eine Art Drahtzieher im Hochhausmilieu: Besitzer eines Getränkeladens, aber auch in diverse andere Geschichten, wie dem illegalen Handel mit Autoplaketten, verwickelt.

Auch im evangelischen Jugendzentrum ist Sylvester aktiv, dort wird ein großes Fest vorbereitet und auch Merle ist dort. Merle von Aue, aus der Reihenhaussiedlung auf der anderen Seite der Stadt. Zwischen den beiden knistert es schon länger, aber geht das, über so viele Unterschiede hinweg? Vielleicht geht es, wenn die anderen Dinge geklärt sind, wie der Ärger mit Brand III, die Gedanken an die Schwester und Domino, Sylvesters Freundin. Oder besser Ex Freundin, nur will sie das nicht wahrhaben. Und dann ist da auch noch der nette junge Pfarrer, der so seine eigenen Interessen mit der verwirrten jungen Merle verfolgt.

Die ganze Geschichte steuert von Anfang an auf den Höhepunkt am Ende zu: Das Jugendzentrum brennt. War es ein Kurzschluss, oder steckt Brand III dahinter?

Vieles in dieser Geschichte ist etwas verworren, aber auch vieles klärt sich auf, fast so wie im echten Leben.
Dieses Buch trifft mit seinem besonderen Stil die emotionale Zerrissenheit von Jugendlichen gut. Manchmal möchte man Merle und auch Sylvester schütteln und ihnen zurufen: Macht es doch nicht so kompliziert, seid nicht so eifersüchtig, übervorsichtig und verletzlich, sondern traut Euch einfach klar zu sagen, was los ist. Aber so läuft es ja auch im echten Leben nicht. Deswegen ist ein Satz dieses Buches besonders schön: “Ein Ausflug in Deinen Kopf, das wär, glaube ich, ein echtes Abenteuer!“.

Stadtrandritter, Nils Mohl, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbeck bei Hamburg, 2013, ISBN 978-3-499-21614-5, ab 14 Jahren (14,99 Euro).