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Wie kommen wir ohne Trotzanfall nach Hause?

Neeeein, ich will nicht nach Hause“ – die dreijährige Sofia wirft sich brüllend in den Sand des Spielplatzes. Andere Eltern schauen auch schon herüber, denken vielleicht „Puh, ich heute nicht“. Ruhig bleiben, ist hier wieder einmal angesagt. Und darüber hinaus gibt es gerade in dieser Situation Möglichkeiten, den Abschied etwas zu erleichtern:

  • Kinder haben bis zum Schulalter keinerlei Zeitgefühl. Sie müssen also nicht wissen, dass es jetzt bald Zeit für das Abendessen ist, auch wenn die Sonne schon lange Schatten wirft. Deshalb sollten Sie Ihr Kind auf jeden Fall darauf vorbereiten, dass bald der Abschied naht. Und zwar am besten 5-10 Minuten vorher, damit sich das Kind darauf vorbereiten kann.
  • Ist es dann soweit, lassen Sie am besten das Handy klingeln (um den Ablauf der fünf Minuten anzuzeigen). Dieses Wunderding wird interessanterweise lieber akzeptiert, als die Stimme von Mama. Mehr dazu hier: Erziehen Sie auch mit Eieruhr?
  • Wenn Sie Glück haben, gehen die Eltern eines Freundes noch ein Stück Weg mit Ihnen nach Hause. Am besten verabreden Sie sich gleich zu Beginn für eine Heimgeh-Zeit.
  • Manche Kindern hilft es, sich nicht nur von Menschen, sondern auch von den Dingen zu verabschieden. „Tschüss Schaukel, bis morgen“, oder „Wiedersehen Trampolin“ kann Mutter und Kind einen stressfreien Heimweg bescheren. Beliebt ist es auch, wenn die Kleinen sich vorstellen können, dass die Rutsche jetzt schlafen geht. Dann sollten allerdings nicht noch zwanzig ältere Kinder darauf herumturnen. Aber manchmal passt ja auch dies.

Foto: aboutpixel.de / böser Blick © Rainer Sturm

Lügen haben manchmal Kinderbeine

Wie auf Kinderlügen reagieren? Philipp, erste Klasse, kommt gut gelaunt nach Hause: „Heute keine Hausaufgaben, Mama!“ Ein Blick in sein Notizheft genügt – da ist heute noch Einiges zu tun. „Aber Philipp, Du musst doch noch die zwei Aufgaben hier machen“ „Oh, hab ich vergessen“, so der enttäuschte Kommentar des Grundschülers.

Kinder zwischen vier und acht Jahre „lügen“ gerne einmal – wobei eine „Lüge“ nicht immer unbedingt der richtige Ausdruck dafür ist: Sie denken sich die Welt gerne so, wie sie sie gerne hätten (nämlich: keine Hausaufgaben) und vergessen dann (wirklich!!), dass die Lehrerin heute eine Hausaufgabe gegeben hatte.

Wie als Eltern reagieren?

Am besten: Nicht zu viel Aufhebens davon machen und in ruhigem Ton die Unwahrheit aufdecken. Eine Strafe könnte hier dazu führen, dass das Kind noch eher absichtlich lügt, weil es Strafen fürchtet. Und bei der Sache mit der Hausaufgabe ist es außerdem Strafe genug, wenn Philipp sich jetzt doch an den Schreibtisch setzen muss.

Lügen gehört zur moralischen Entwicklung. Kinder testen aus: Was ist richtig, was ist falsch, wie weit kann ich gehen? Und bilden so ihr Über-Ich aus. Deshalb müssen Eltern auf eine offensichtliche Lüge reagieren und dem Kind ruhig sagen, dass die Realität eine andere ist. Auch beispielsweise, wenn das Kind bereits älter ist und zu Beginn der Pubertät einfach Grenzen ausloten muss. Klar auf dem eigenen Standpunkt bestehen, um dem jungen Gegenüber zu zeigen, was richtig ist – das ist die beste Strategie für Eltern.

Über Wahrheit und Lüge sprechen

Und ein Tipp, wenn das Lügen öfter vorkommt: Einmal altersgerecht über das Thema „Lügen“ sprechen: Was ist Vertrauen? Wie kann eine Lüge zu dummen Situationen führen (zum Beispiel eine Ermahnung der Lehrerin wegen nicht-gemachter Hausaufgaben…)

Und noch etwas: Wir sind ja alle Vorbilder und unsere Kinder merken viel mehr, als es uns manchmal lieb ist – wer also selbst gerne einmal flunkert, muss sich nicht wundern, wenn Sohn oder Tochter es nachmachen.

Foto: Sailko

Erziehen Sie auch mit Eieruhr?

Ehrlich, niemals hätte ich gedacht, dass eine simple Eieruhr in der Erziehung von Kindern soviel Bedeutung erlangt.

Bei den ganz Kleinen, die einander regelmäßig im Streit um ein Spielzeug/ die Benutzung der Schaukel/ ein Papiertaschentuch fast die Köpfe einschlagen, wirkt die Uhr einfach Wunder: „Ich stelle jetzt 2 Minuten ein und wenn es klingelt, bekommt der andere die Puppe.“ Natürlich wissen die Zweijährigen nicht, wie lang zwei Minuten sind. Klingelt aber dieses ominöse Ding, akzeptieren sie die Autorität des batteriebetriebenen Schiedsrichters. Gegen ein „Gib doch Julia auch einmal die Eisenbahn“ hätten sie sich massiv gewehrt.

Auch beim Verlassen des Spielplatzes ohne Gebrüll hilft das Ding in ähnlicher Weise („noch 5 Minuten“) – diesmal in Form des Handy-Weckers.

Später hilft die Eieruhr als Trödelunterdrücker. Schließlich ist Weiterspielen spannender als Zähneputzen – und wenn es dann sein muss, findet der pfiffige Fünfjährige neues Spielzeug eben im Bad (Duschhauben, Shampooflaschen). Gut sichtbar hingestellt – am besten mit digitaler Zeitmessung – und mit dem Satz „Wenn Du in 10 Minuten nicht fertig bist, haben wir keine Zeit mehr für die Gutenacht-Geschichte“, können Mama und Papa etwas anderes tun, als ihr Kind zum fünfzigsten Mal anzutreiben.

Und ja, was wäre die Schullaufbahn eines deutschen Schülers im dritten Jahrtausend ohne „10 Minuten lesen üben“, „Eine halbe Stunde Mathe lernen“ oder „15 Minuten Englischvokabeln jeden Tag“?

Ein Hoch auf die Eieruhr, unser „Little Helper“ im Erziehungsalltag! Ob die Eieruhr-Produzenten das wissen?