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Linkshänder-Kinder: Tipps für Eltern

Unser Kind ist Linkshänder, wir, seine Eltern sind Rechtshänder. Das kann schon mal passieren, wenn die Vererbung eine Generation überspringt. Hier unsere Erfahrungen, zum Weitergeben an andere, denen es vielleicht genauso geht:

Wie finde ich heraus, ob mein Kind Linkshänder ist?

Lassen Sie sich nicht verunsichern durch rückständige Kita-Erzieher, die sagen „ach, das merkt man doch erst in der Schule“. Nein, man merkt es manchmal schon im Babyalter, je nachdem, mit welcher Hand das Baby die Rassel greift. Spätestens, wenn es um Malstifte geht, also ab 2 oder 3 Jahre, kann man beobachten, welche Hand die bevorzugte ist.

Der klassische Test: Dem Kind einen Stift mittig hinhalten und schauen, mit welcher Hand es nach dem Stift greift. Ist das mit links, dass ist der oder die Kleine wahrscheinlich Linkshänder

Es gibt auch „Mischhänder“ – hier ist das Testen etwas schwieriger. Dann heißt es öfter testen und möglicherweise einen Experten (zum Beispiel Ergotherapeuten) zu Rate ziehen.

Natürlich sollte man den kleinen Linkshänder mit geeignetem speziellen Material ausstatten. Unsere Testergebnisse: Linkshänder-Material – was braucht man, was nicht?

Wie lernen Linkshänder-Kinder schreiben?

Im Prinzip natürlich nicht anderes als ihre Klassenkameraden. Aber man muss sich vorstellen, daß ein Linkshänder in unserer Schrift von links nach rechts schreibend seine Hand „schieben“ muss, während der Rechtshänder im Schriftfluss die Hand über das Papier „zieht“. Das ist also erst einmal eine andere Bewegung, als sie ein schreibender Rechtshänder erlernt.

Und ein Linkshänder sieht beim Schreiben lernen nicht, was er oder sie gerade geschrieben hat. Das kann Auswirkungen aufs Schreiben lernen haben:

Bekannt ist bei Schreibanfängern diese Übung: Der zu übende Buchstabe steht am Anfang der Zeile , die Kinder müssen die Zeile fortführen und den Buchstaben abschreiben. Schwierig, wenn beim Linkshänder da gerade die Hand auf dem Übe-Buchstaben oder -wort liegt. Es gibt heute sehr viele Schreibfibeln, die den Übe-Buchstaben auf beiden Seiten haben. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind so etwas benutzen darf.

Wer nicht direkt sehen und lesen kann, was er gerade geschrieben hat, entdeckt unbeabsichtigte Schreibfehler erst beim zweiten Durchlesen – oder gar nicht. Und bei Schreibanfängern sind zum Beispiel die Abstände zwischen den Buchstaben gerne einmal überhaupt nicht gleichmäßig.

Schreiben Linkshänder unschöner?

Angeblich nicht. In wissenschaftlichen Studien wurde herausgefunden, dass die Händigkeit keinen Einfluss darauf hat, ob man die eigene Handschrift schneller oder besser entwickelt. Trotzdem: Anfangsschwierigkeiten – siehe oben – gibt es möglicherweise schon.

Moral von kleinen Linkshändern stärken

Für Erstklässler ist es nicht einfach, wenn sie „anders“ sind, als alle anderen – und dazu gehört  auch das Linkshänder-Dasein. Schließlich brauchen sie manchmal eine „Extrawurst“ und das ist ihnen gar nicht recht. Zur moralischen Unterstützung hilft eine großartige Liste im Internet: Welche Prominente sind Linkshänder? Bei uns haben die linkshändigen Fußballspieler Wunder gewirkt. Einfach mal nachschauen, ob es ein passendes Vorbild gibt.

Glücklicherweise gibt viele, viele Linkshänder auf dieser Welt – und Theorien, die besagen, dass Linkshänder im Durchschnitt intelligenter und kreativer als ihre rechtshändigen Altersgenossen sind.

Über das Spielen

Warum spielen Kinder eigentlich und was ist dabei für Eltern wichtig? Wissenschaftler und Experten haben dazu verschiedene Ansichten. Wir von der Familothek haben auch welche. Fragen und Antworten zum Thema Spielen:

Welche Rolle spielen Spiele bei der kindlichen Entwicklung?

Den Alltag und Außergwöhnliches ausprobieren dürfen, Varianten, auch Fehler machen dürfen, ohne dass es Konsequenzen gibt – das ist ein wichtiger Punkt beim Spielen: Fällt der Plastiktopf beim Rühren um – na und? Jedes Kind ist anders, jedes Kind hat seine eigenen Vorlieben im Spiel. Wenn ein Kind „frei“ spielt, wie es so schön heißt, hat es die Freiheit, dass sich individuelle Talente ausprägen können: Das Kleine hüpft schon zum hundertsten Mal auf einem Bein? Da brauchen die Beine gerade neue Muskeln. Seit Tagen schon muss die Puppe ständig auf dem Stoffpferd reiten? Da wird wohl der Bauernhofbesuch von letzter Woche verarbeitet.

Was sollten Eltern bei der Spieleauswahl für ihre Kinder beachten?

Aufs Kind sehen: Was möchte es, was interessiert es gerade? Dabei auch immer wieder einmal etwas Neues anbieten – Interessen kommen und gehen, in jedem Kindesalter. Am besten wissen die Kinder selbst, was sie gerne spielen möchten und brauchen dazu auch gar nicht viel Material. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Beim Thema Neue Medien müssen Eltern genauer hinsehen, erklären und auch Grenzen setzen. Damit sind Kinder erst einmal überfordert.

Gibt es auch ein „zuviel des Guten“?

Aber ja – ist das nicht bei den meisten Kindern heute so? Stichwort überquellende Kinderzimmer! Da hilft nur Aussortieren, wegstellen, zum Kinderflohmarkt geben…Zuviel ist es auch dann, wenn beispielsweise ein Kind die Leidenschaft eines Elternteils (des Onkels, der Oma) nicht teilt, und trotzdem immer wieder etwas dazu Passendes geschenkt bekommt – in der Hoffnung, es doch überzeugen zu können. Da wäre es besser, es einfach in zwei Jahren noch einmal zu probieren.

Sollten Kinder eher mit ihren Eltern, mit Gleichaltrigen oder allein spielen?

Sowohl als auch. Wer nur mit Gleichaltrigen spielt, kann sich allein vielleicht gar nicht beschäftigen. Wer nur allein spielt oder mit seinen Eltern, erlernt wichtige soziale Kompetenzen nicht. Am besten ist eine gesunde Mischung. So lernt das spielende Kind: Mit verschiedenen Menschen kann ich verschiedene Dinge gut tun, manche allein, manche besser zu zweit, in der Gruppe – wie im richtigen Leben!

Welche Fehler sollten Eltern in bezug auf „spielende Kinder“ unbedingt vermeiden?

Zuviel „angeleitetes Spielen“: Das Kind soll selbst bestimmen dürfen, womit es spielt. Dabei lernt es schließlich auch das Aktiv-Sein“ – und nicht nur zusehen, was die „Großen“ tun. Gleiches gilt für zuviel „Einmischen“ von Erwachsenen in ein Kinderspiel. Zuviel Angst und zuwenig Zutrauen in die Fähigkeiten des Nachwuchses ist auch problematisch – das kann Kinder in ihrem Spiel ganz schön hemmen.

Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede?

Remo Largo vertritt in vielen seiner Bücher (Babyjahre, Kinderjahre, Schülerjahre) eine Aussage, die sich aus seinen wissenschaftlichen Untersuchungen ergibt: In vielen Entwicklungsstufen ist die Bandbreite der Unterschiede innerhalb einer Altersgruppe sehr viel größer als die Bandbreite der Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Jedes Kind ist erst einmal Kind und danach Junge oder Mädchen. Gerade bei kleineren Kindern sollte man deshalb weder etwas verhindern (Baustellen, Puppen) oder extra fördern, nur weil es zum Geschlecht passt oder nicht. Später kommt dann sowieso die soziale Komponente dazu – kein männlicher Grundschüler würde jemals freiwillig etwas rosafarbenes tragen , auch wenn es ihm eigentlich gefällt und Papa heute mit rosa Hemd ins Büro gegangen ist. Rebellion gegen den Mainstream kommt wohl eher später….

Wer noch mehr wissen möchte, findet diese Fragen und Anworten darauf von verschiedenen Experten in einer wirklich interessanten Broschüre zum kostenlosen Herunterladen
Broschüre Spielen 

Expertenmeinungen zum Thema Spielen, Fragen und unterschiedlichen Antworten von Fachleuten mit diversem Hintergrund bieten einen schönen Rundumschlag zum Thema.

Bild: Pieter Bruegel der Ältere – Die Kinderspiele, 1560

 

 

Frühenglisch: Pro und Contra

Soll man sein Kind ab dem 3. Lebensmonat in den Early-Englisch Kurs schicken? Oder als Kindergartenkind in die englische Spielgruppe? Das wird heiß und kontrovers diskutiert. Wir diskutieren mit:

PRO

Es ist toll, welche Chancen Kinder heute schon so früh haben können! Schön, wenn man mit dem Baby eine sinnvolle Beschäftigung hat, und das Kleine schon einmal an den Klang einer fremden Sprache gewöhnen kann. Und für das Kind selbst ist Zweisprachigkeit von Anfang an Normalität. Es singt und spielt in zwei Sprachen. Und viele Dinge graben sich bereits in ganz jungem Alter in das Bewusstsein – ein Geschenk fürs Leben! Vielleicht macht ja auch der Papa mit dem Baby den Kurs – dann haben beide eine reservierte Zeit miteinander.

Überhaupt haben Kinder im Vorschulalter noch ein unverkrampftes Verhältnis zum Lernen – das sollten verantwortungsvolle Eltern ausnutzen. Sie haben keine Angst, Fehler zu machen, sind stolz auf alles, was sie können. Wenn sie dann etwas lernen, was sie später in der Schule nutzen können, ist das ein Vorteil.

Mit einem privaten Englischkurs werden Vorschulkinder also noch vor der Schule auf spielerische Art gefördert und machen die grundlegende Erfahrung, dass Lernen Spaß machen kann. Das ist eine Erfahrung, die man keinem Kind nehmen sollte. Außerdem weiß man ja, dass Kinder im Vorschulalter Laute noch besser nachahmen können, als später im Leben. Das bedeutet, dass sie bei Frühenglisch lernen, akzentfrei zu sprechen. All dies sollte einem das Geld und den organisatorischen Aufwand wert sein.

Und wenn sie dann in die Schule gehen, kann man den Kurs doch nachmittags fortführen. Schließlich ist ja lernen im privaten Englischkurs meist besser organisiert, wird von Muttersprachlern unterrichtet und in kleineren Gruppen. Hier steht der Spaß im Vordergrund, und es ist gut, wenn Kinder auf jeden Fall die Erfahrung machen, dass man mit Spaß lernen kann. Und sicher bekommen sie bessere Noten im Fach Englisch, wenn sie die Sprache schon lange gelernt haben oder das neue Schulfach, wenn es eingeführt wird, nichts Neues mehr ist.

In der Schule kommt beim Sprachen lernen ja meist das freie Sprechen zu kurz – das können die Kinder dann im privaten Englischkurs lernen. Und das Wichtigste beim Sprachen lernen ist doch immer, dass es die Kommunikation mit anderen möglich macht. So manchem ist es einfach wichtig, dass das eigene Kind mit Englisch oder einer anderen Sprache in Kontakt kommt. Also, warum nicht? Dann ist es nicht schön, wenn sich Eltern deshalb als „Übereltern“ vor anderen rechtfertigen müssen.nicht..

CONTRA

Lasst die Kinder doch Kinder sein! Natürlich ist es hübsch, wenn man als Eltern dem Baby etwas Englisches vorsingt. Alles o.k., aber es darf doch bitte kein „Muss“ sein! Überhaupt, dieses Muss: Schon den Zweijährigen auf seine Karriere im Business vorbereiten, obwohl niemand weiß, ob er nicht vielleicht eine genetisch bedingte Rechtschreibschwäche hat oder handwerklich wahnsinnig begabt ist!

Am schlimmsten ist eigentlich, dass eine seltsame Atmosphäre entsteht: Alle, die nicht jede nur denkbare Möglichkeit ausschöpfen, um das Leistungspotenzial des Nachwuchses zu optimieren, haben ein schlechtes Gewissen: Was, wenn mein Kind jetzt „hintendran“ ist, nur weil wir nicht zum Frühenglisch gegangen sind? Schlimmer noch: Vielleicht müssen sie sich vor anderen rechtfertigen? „Es war mit Musikalischer Früherziehung, Mutter-Kind-Turnen und Capoeira einfach zuviel….

Es stellt sich die Frage, was denn eigentlich das Sprachen lernen in einem Sprachkurs für Vorschulkinder so „bringt“. Es gibt genügend Pädagogen, die den Ansatz verfechten: Kinder sollen das lernen, was sie wollen – und zu der Zeit, die sie wollen. Viele Pädagogen sind gegen die sogenannte Verkopfung von Lernen in der Vorschulzeit (in der Schule sieht das dann ja anders aus): Kinder lernen eben nicht mehr, wenn sie möglichst viele Kurse besuchen. Das Hirn sucht sich seine eigenen Lehrstoff. Kinder lernen in ihrem Tempo und nach ihrer Interessenlage – und eben nicht nur durch gewollte Vermittlung von Wissen. Vielleicht lernen sie deshalb ja viel schneller als die langsamen Erwachsenen, weil sie es auf ihre Weise tun: Wenn sie Lust dazu haben, die Inhalte mit Emotionen verbinden können und nach ihrem eigenen Rhythmus. Zum Beispiel, wenn sie beide Sprachen in einem zweisprachigen Haushalt lernen. In einem Kurs geben andere vor, wann gelernt wird.

Ob wirklich etwas hängen bleibt, wenn die sprachlichen Erfahrungen aus der frühen Kindheit in der Schule durch so viele andere Lernstoffe überlagert werden? Wer weiß. Gut wäre nur: Auf das Kind heute schauen und was für das Kind jetzt gut wäre – nicht an irgendwelche Jobs, Schulnoten oder oder Ähnliches in ferner Zukunft denken. Übrigens: Der Gedanke, dass es in 20 Jahren Computer gibt, die als schriftliche und mündliche Simultanübersetzer im Handtaschenformat beim Business- oder Reisetrip immer dabei sind – so abwegig ist der wirklich nicht…