Schlagwort: Geschwister

Entthronisierung

Manche ehemaligen Einzelkinder werden zwischen 2 und 6 Jahre zu großen Geschwistern – wenn auch oft eher später als früher: siehe auch Geschwisterabstand. Je nach Alter müssen die Kinder eine große Anpassungsleistung vollbringen und akzeptieren, dass sie nicht mehr allein „King“ oder „Prinzessin“ der Familie sind – also nicht mehr unangefochten auf dem Familienthron sitzen.

Abstand zwischen Geschwistern immer größer

Gefühlt wussten wir es, jetzt bestätigt es uns das Statistische Bundesamt: Eltern lassen sich mit dem zweiten oder dritten Kind sehr viel Zeit.

2010 geborene zweite Kinder waren in Deutschland im Durchschnitt vier Jahre jünger als ihre erstgeborenen Geschwister. Die dritten Kinder kamen sogar durchschnittlich fünf Jahre nach dem Geburtstag des zweiten Kindes zur Welt. Letzteres ist übrigens öfter einmal einem Partnerwechsel der Mutter geschuldet – das dritte Kind hat dann einen anderen Vater als seine Geschwister.

Da es ja auch weiterhin viele Geschwister mit sehr viel geringerem Altersabstand gibt, muss es wohl viele Geschwisterkinder mit noch höheren Altersabstand geben, um den hohen Durchschnitt zu erreichen . Also: Mehr Variation als früher beim Abstand zwischen erstem Kind und Geschwistern.

Großer Geschwisterabstand – zwei Erfahrungsberichte

Und wie ist das so mit dem großen Abstand zwischen den Geschwistern? Was „empfehlen“ Mütter, die es ausprobiert haben?

„Es gibt Vor- und Nachteile“ sagt Barbara mit den Mädchen Luisa viereinhalb und Julia, neun Jahre. „Sie haben eine engere Beziehung als andere Schwestern, weil sie sich nicht so sehr als Konkurrenz sehen“. Aber natürlich sind die Entwicklungssprünge unterschiedlich und so war der Entwicklungsabstand zwischen beiden natürlich früher größer. Für sich selbst sieht die Mutter auch einen Vorteil „Ich musste es erst einmal verarbeiten, Mutter zu sein, dann war ich bereit für ein neues Abenteuer Kind. Und das hat der ganzen Familie gut getan.“

Vorteile auch bei überdurchschnittlichem Abstand

Vorteile sieht auch Isabel – ihre beiden Söhne sind sogar sieben Jahre auseinander. „Ich hatte so das Glück, dass ich nicht zwei Kleinkinder auf dem Arm hatte, oder zwei Kleinen im Winter die  Schneeanzüge anziehen musste“. Heute verstehen sich die Kinder gut – auch wenn der Große mit 13 manchmal jünger wirkt und sich der Sechsjährige manchmal mit Teeniethemen beschäftigt – aber das geht in der Familie unter „Erweiterung des Horizonts“ durch. Der Große nimmt den Kleinen Sechsjährigen sogar manchmal zu Freunden mit – „noch“, schränkt die Mutter allerdings ein. Streiten sich die beiden, dann „hat jeder seine Waffen“, so formuliert es die Mutter. Würde sie es noch einmal so machen? „Unbedingt“!

Nachteile praktischer Natur

Die Nachteile bei großem Geschwisterabstand sind eher praktischer Natur: Nie hat man beide Kinder gleichzeitig in einer Einrichtung, damit fällt der Geschwisterbonus – ob in der Bevorzugung bei der Platzvergabe oder ganz konkret bei den Gebühren – weg. Wohin mit den vielen Kleidern zum Aufheben, bis das nächste Kind herein gewachsen sein wird? Und mit dem Kinder haben ist man ein paar Jahre länger beschäftigt, als Freunde mit zwei Kindern, die einen geringeren Altersabstand aufweisen.

Das geschwisterliche Nebeneinander ist bei der einen Familie besser, bei der anderen schlechter. Aber ob da der Altersabstand der alleinige Grund ist?  Schließlich sind alle Kinder unterschiedliche Individuen – auch Geschwister. Bei der Entscheidung „Zweites Kind, jetzt oder später“ sind viele verschiedene Beweggründe ausschlaggebend, für jede Familie andere.

 

Foto: US Nessie