Schlagwort: Leseförderung

Es war einmal…. Märchen heute vorlesen?

Schneewittchen, Frau Holle, Rotkäppchen… wie zeitgemäß sind Märchen heute?

Wenn in den Radionachrichten von Grausamkeiten die Rede ist, schalten Eltern um, wenn ihre Kinder dabei sind. Und niemand käme auf die Idee, den Nachwuchs unter zehn in neueste Horrorstreifen zu schleppen. Aber gleichzeitig sollen wir ihnen Geschichten von Hexen im brennenden Ofen, abgehackten Fersen und ausgestochenen Augen vorlesen?

Trotzdem – viele Kinder lieben Märchen Die klare Aufteilung in gut und böse und die recht einfache Struktur machen sie kindgerecht. Märchen bieten Orientierung in der kindlichen Welt: Gut und böse ist sehr klar verteilt und meistens gewinnt das und der Gute.

Aber: Werden mit den Märchen nicht auch die antiquierten Vorstellungen des Mittelalters an unsere Kinder vermittelt? Schöne Königstöchter werden prinzipiell als Gewinn an Märchenhelden vergeben, grausame Strafen für Vergehen (teeren, federn und so weiter) sind an der Tagesordnung.

Davon abgesehen: In vielen alten Geschichten und Fabeln steckt eine Menge Lebensklugheit. Da ist der kleine Held schwach und wird unterschätzt, kommt aber mit Witz und Intelligenz zum Ziel (Sieben auf einen Streich / Däumeling). Stellvertretend durchleben unsere Kinder mit Märchen Konflikte – in einer fantastischen Welt und deshalb wie im Spiel für sie. Märchen regen die  Fantasie an, und auch dies ist eine schöne Wirkung. Und gerade die überlieferten alten Märchen aus dem deutschsprachigen Raum bieten den allerersten Zugang zu unserer Kultur.

Also dann doch Märchen – aber wie und wann?

Zuerst einmal: Nicht jedes Märchen ist für jedes Kind in jedem Alter geeignet. Wer ein schreckhaftes Kind mit eher zu viel Fantasie hat, sollte vielleicht nicht schon der Dreijährigen „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“ vorlesen. Also lieber vorsichtig anfangen und immer beobachten, wann es genug ist. Und Märchen erst einmal vorlesen, bevor man die CD oder gar DVD einlegt. Das Vorlesen hat den Vorteil, dass Eltern ihren Kindern ungewohnte Situationen erklären können: Dass man heute solche grausamen Strafen in unserem Land nicht mehr verhängt; dass früher die Mädchen eben nicht gefragt wurden, wen sie heiraten wollten, sie heute selbst entscheiden, und so weiter. So nähern sich Große und Kleine gemeinsam Schritt für Schritt der wunderbaren, fantastischen und vielseitigen Welt der Märchen.

Hier eine Sammlung der besten Märchenlinks im Internet

  • Hier kann man nicht nur Märchen kostenlos im Internet lesen, sondern sich sogar als Newsletter  per E-Mail zusenden lassen: http://www.internet-maerchen.de/
  • Diese Seite bietet die klassischen Märchen nach Autoren sortiert und mit einer kurzen Biografie versehen. : http://www.1000-maerchen.de/. Hier gibt es Brüder Grimm noch im Original zu lesen.Leider ist die Schrift nicht sehr lesefreundlich. Am besten größer ausdrucken!
  • Diese private Homepage bietet neben vielen verschiedenen klassischen Autoren auch eigene Märchen, sowie antike Sagen und antike Autoren, ethnische Märchen und sogar englischsprachige Elemente. http://www.maerchen.net/ Die Aufmachung der Webseite ist Geschmackssache, aber als Märchenfundus unendlich vielseitig.
  • Auch bei Spiegel Online kann man beim Gutenberg-Projekt Märchen, Geschichten, Fabeln usw. kostenlos im Internet lesen, zum Beispiel alle Märchen von Hans Christian Andersen: http://gutenberg.spiegel.de/
  • Auf dieser Seite kann man Grimms Märchen in verschiedenen Sprachen lesen und als Hörbuch anhören: http://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/index
  • Wer die Kurzfassungen lesen will, um sich schöne Märchen auszusuchen: http://www.maerchen-archiv.de/

Bild: Franz Jüttner (1865 – 1925)

Wie Medienkonsum begrenzen? Tipps aus dem Elternalltag

Ein Thema, das wohl alle Eltern mit Kindern ab dem Kindergartenalter interessiert: Wie kriege ich den Nachwuchs vom Fernseher, dem Computer, dem Smartphone, der Spielkonsole… weg? Wie begrenze ich die Zeit vor dem größeren oder kleineren Bildschirm?

Denn macht man das nicht – die Erfahrung machen viele Eltern – ufert es gerne einmal aus. Sohn oder Tochter hangeln sich in ihrem Tagesablauf an Fernsehprogrammen entlang, wissen mehr über die Software der Spielkonsole als von der Wiese vor der Tür und wünschen sich zum Geburtstag ausnahmslos Computerspiele – die Oma ist fassungslos.

Hier ein paar Tipps aus dem Alltag:

Aufnahmegerät kaufen

Wirklich, wer noch keins hat, es lohnt sich. Denn natürlich ist es ganz blöde, die Kindersendung auf Kika nach einer bestimmten Zeit abzubrechen, nur weil die Fernsehzeit vorbei ist. Das würde von den Erwachsenen auch niemand wollen. Und ebenso klar, dass sich auch die kurzen Fernsehzeiten bei Kika nicht in den Zeitplan der Familie einpassen. Da wird dann gern einmal doppelt so lange ferngesehen, wie es eigentlich beabsichtigt war. Also bevor man sich von soetwas abhängig macht: Sendung aufnehmen und dann ansehen lassen, wenn es für alle in den Tag passt und in den „Happen“, in denen es für die eigenen Kinder verdaulich ist. Oder man schließt gleich ein Film-Abo ab, kauft DVDs oder Kinderfilme in einem anderen Datenformat – je nach Geschmack und Möglichkeiten.

Die klassische halbe Stunde Medienkonsum

Es soll ja Generationen von Kindern geben, die mit der klassischen „eine halbe Stunde Fernsehen am Tag“ großgeworden sind. Im Prinzip ist eine Zeitbegrenzung ja richtig, aber natürlich verändert sich diese mit steigendem Alter eines Kindes. Für einen Dreijährigen ist das schon recht viel (in jüngerem Alter sollten Kinder ja gar nicht länger in einen Bildschirm schauen), eine Neunjährige kommt damit vielleicht nicht aus – und: Zählt da jetzt das lesefördernde Ausfüllen des Webportals Antolin* dazu? Die erste Internetrecherche? Facebook? Und: Sobald ein Kind verstanden hat, dass diese halbe Stunde am Ende des Tages „verfällt“, will es sie ganz sicher abends um 20:00 Uhr noch einlösen….

Medientaler

Eine wunderbare Idee sind die Medientaler – Dank an Ingrid aus Köln für diese großartige Idee! Grundschul- und Kindergartenkinder bekommen jede Woche mit dem Taschengeld ihre Taler für das Zeitkonto des Medienkonsums der folgenden Woche ausgezahlt. Also beispielsweise sieben gleiche Chips (aus einem Spiel oder ähnliches) für die Woche, zum Beispiel jeweils für eine halbe Stunde. Wer auf dem Tablet, dem Smartphone oder der Konsole spielen will, Computer spielen oder einen Film ansehen möchte, muss „zahlen“. Die Menge der Taler kann man auch erhöhen oder in kleinere Einheiten teilen, wie ein Taler pro zehn Minuten. Zum Beispiel, wenn der Nachwuchs die Computerspiele entdeckt, bei denen es leider sehr schwer ist, aufzuhören. Die Kinder lernen, den eigenen Medienkonsum zu kontrollieren (ähnlich wie beim Taschengeld) und damit zu „haushalten“. Dass der Konsum prinzipiell begrenzt ist, ist irgendwann kein Thema mehr, sondern genauso selbstverständlich wie die Tatsache, dass auch das eigene Geld nicht unendlich zur Verfügung steht.

Kein eigener Computer oder Fernseher

Das ist ein Rat von Experten, den man vielleicht umformulieren sollte. So lange es geht, keinen eigenen Computer (ein moderner Fernseher ist ja auch schon fast einer). Denn kann man sich einen etwas älteren Gymnasiasten ohne Laptop für das Referat und die Internetrecherche vorstellen? Welcher Jugendliche hat kein Smartphone? Klar ist, irgendwann steht das an. Deshalb: Lieber die Weichen vorher stellen, und die eigenen Kinder daran gewöhnen, dass man auch woanders, als nur in der virtuellen Welt leben kann.

Alternativen anbieten

Auch das ist ein Ratschlag, den man schon oft gehört hat. Er bewährt sich in der Praxis immer wieder: An einem Sommertag mit vielen Möglichkeiten zum draußen Spielen, beim Ausflug oder wenn die kleine Freundin zu Besuch ist, ist ein Fernseher/Tablet/Smartphone zum Spielen oft überhaupt kein Thema. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass gerade jüngere Kinder Medien gerne mal aus Mangel an Alternativen (verfügbaren Freunden, Möglichkeiten zum Toben undsoweiter) nutzen.

Und wie machen Sie das?

Fast alle Eltern betrifft es – wie lösen Sie das Problem? Wir und die anderen Leser freuen uns auf weitere Ideen!

* Antolin ist ein Internetportal zur Leseförderung, in dem zu vielen Kinderbüchern interaktive Quizfragen zu beantworten sind. Richtige Antworten werden mit Punkten belohnt. Lehrer müssen sich bei Antolin registrieren, um Punkte sammeln zu können. Sinn ist, Kinder zum Lesen zu motivieren.

Anna Apfelkuchen im Ganzanderswald

Anna Apfelkuchen ist eine kleine Hexe. Ihre Tante, Agatha Apfelkuchen, will nach Panama auswandern und Anna soll in ihr Haus im Ganzanderswald ziehen.

„Plopp machte es und da stand es. Ein Mädchen, etwa so groß, dass es gerade so die Äpfel vom untersten Zweig eines Baumes pflücken konnte…“BESEN!!! Jetzt halt doch mal still!!! Wo sind wir denn hier? Ist das die richtige Adresse?“

So beginnt das Abenteuer für Anna Apfelkuchen auf einer Lichtung im Wald: Sie sieht eine Kuh, die im Schlaf lächelt und eine Fledermaus und ein Eichhörnchen, die nebeneinander kopfüber von einem Ast hängen und schlafen. Als erstes aber lernt Anna Frau Weber kennen, die sich plötzlich an einem Faden vom Baum direkt neben ihrem Ohr herablässt. Die Spinne ist ganz aufgeregt, dass Anna nun endlich da ist, seit drei Tagen sitzen die Tiere schon hier auf der Lichtung und erwarten sie.

Nach und nach lernt Anna die Bewohner des Ganzanderswaldes kennen, Katharina die Kuh, Erik das Eichhörnchen, Fred die Fledermaus, Dex den Dachs und noch viele andere.

Das Baumhaus von Tante Agatha ist wunderschön und hat einen prächtigen Dachgarten. Der Kaffeetisch ist bereits gedeckt und Anna lernt noch Nocturna das Gespenstermädchen und Rüdiger den Wolf kennen.

Im Ganzanderswald ist vieles anders, der Besen kehrt den Dreck ins Haus, Nocturna fürchtet sich vor dem Dunkeln und ist deswegen am Tage wach und schläft nachts. Anna fühlt sich von Anfang an sehr willkommen und pudelwohl in ihrem neuen Zuhause.

Langweilig wird es im Ganzanderswald nie, ständig kommt jemand vorbei. Zum Beispiel der kleine Nöstel, der nichts kann, weil er für alles zu klein ist, was ihn sehr unglücklich macht, weil er so seine Familie nicht unterstützen kann. Oder Käpt´n Pillow mit seiner Crew im Luftschiff. Für allen Gäste wird der große Tisch mit allerlei Köstlichkeiten gedeckt, Tee und Kakao gekocht und lange gegessen und erzählt. Am Ende findet sich für jedes Problem eine Lösung und auch im Ganzanderswald sind manche Dinge nicht so, wie sie scheinen.

Die Noluxlinge, die meinen sie könnten nicht an das Sonnenlicht, werden durch Anna eines Besseren belehrt. Und der grantige Kobold in der Uhr hat doch tatsächlich auch eine freundliche Seite.

Besonders gut gefiel mir die Idee, dass Anna die Lebkuchenhexe trifft, die ihr erzählt, dass das mit Hänsel und Gretel ganz anders war, als es in den Märchenbüchern steht. Auch der Wolf berichtet, dass die Geschichte mit Rotkäppchen nicht so war wie in den Märchenbüchern: Er hat nämlich eine Pfefferminzallergie, liebt aber den Geschmack von Pfefferminz. Als er mal wieder nicht widerstehen kann, quält er sich mit Bauchschmerzen durch den Wald. Die Großmutter packt ihn in ihr Bett und geht in den Wald, um helfende Kräuter zu sammeln. Just in dem Moment kommt Rotkäppchen und findet ihn im Bett der Oma.

Das Buch ist ganz wunderbar geschrieben, voller Fantasie und wunderbarer Geschichten. Der schöne Eindruck des Buches wird noch verstärkt durch die wunderbaren Illustrationen von Eleni Livanios, die seit 2003 als freie Illustratorin hauptsächlich Kinderbücher illustriert.

Susanne Glanzner hätte von sich selbst nie gedacht, dass sie einmal selbst Bücher schreiben würde. Sie ist zwar eine leidenschaftliche Leserin, hat aber Modedesign studiert und zunächst das Kinderlabel „Punkiz“ entworfen, bei dem der Name Programm ist, eher punkig, hauptsächlich in rot, schwarz und weiß. Anna Apfelkuchen ist nach einem Jugendbuch ihr erstes Kinderbuch. Und ein wirklich gelungenes Werk, das mittlerweile schon in der zweiten Ausgabe vorliegt. Man kann nur hoffen, dass die Wahlstuttgarterin Mitte dreißig noch mehr Ideen hat, und ihre Leser in noch andere Phantasiewelten entführt.

Für Anna Apfelkuchen endet die Geschichte mit dem großen Apfelerntefest, zu dem auch ihre Tante Agatha aus Panama vorbei kommt. Und neben dem Apfelernten wird natürlich köstlich gespeist und viele Geschichten erzählt.

Anna Apfelkuchen, Susanne Glanzner, Thienemann Verlag, Stuttgart, 2014, ISBN 978-3-522-18

Die frechen Vier

Eigentlich geht es am Anfang nur um die Mädchen, die auf dem Sternenhof leben, und so wirklich frech sind sie eigentlich auch nicht. Der Sternenhof war ein Bauernhof, den Lilles Patenonkel geerbt hatte. Da er selbst dort nicht wohnen konnte, hat er die Tiere verkauft und die Ställe in gemütliche Wohnungen umgebaut, in denen nun die Familien von Maja, Lille und Karolina wohnen.

Lille hatte am ersten Ferientag mindestens bis mittags im Bett bleiben wollen, aber als Karolina sie mit Papierkügelchen aus ihrer Schleuder weckte, war schon klar, dass etwas Wichtigeres anlag: Schnuppe war verschwunden, Karolinas geliebter Haflinger, den sie mehr liebte als alles andere.

Nachdem sie auch Maja geholt hatten, machten sich die Mädchen auf die Suche. Sie finden das Pferd bei den Zwillingen von Bauer Brims, dem neuen Nachbarn, den keiner auf dem Sternenhof leiden kann. Seine Söhne sind dagegen eigentlich ganz nett.

Die nächste Aufregung lässt nicht lange auf sich warten: Ein knallroter VW Bus rollt auf den Hof und darin Fee und ihr Vater, die ab jetzt auch auf dem Sternenhof wohnen werden. Fee ist eine ziemliche Kratzbürste, aber im Laufe des ersten Buches freunden die vier Mädchen sich an und werden die Sternenhofbande.

Als die Mädchen eines Nachts bei Bauer Brims spionieren, weil sie meinen, dass er irgendwelche unerlaubten Sachen macht, läuft ihnen ein kleines Schwein zu. Die Mädchen adoptieren es heimlich. Die Heimlichkeit hält allerdings nicht lange an, da das Schwein, Moses getauft, alles durcheinanderbringt.

Ob die Mädchen das Schwein zurückgeben müssen und was Bauer Brims eigentlich treibt, bleibt auch bis zum Ende des zweiten Bandes offen, den dritten Band soll es allerdings schon bald geben.

„Die frechen Vier“ sind nette Mädchenbücher mit bunten Illustrationen ab 8 Jahre zum selber Lesen. Die vier Mädchen sind sehr lebendig und echt dargestellt, so dass man sich gut in die einzelnen Charaktere hineinversetzen kann. Die Abenteuer der Mädchen und das Leben auf dem Sternenhof sind interessant geschildert.

Die frechen Vier: „Hier kommt die Sternenhofbande“, „Saugute Ferien“, „Mit Sack und Pack ins Abenteuer“. Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH, Ravensburg, 2014, ISBN 978-3-473-40700-2 und 978-3-473-40701-9, empfohlen für Kinder ab 8 (jeweils 8,99 Euro).

Mickan ist ganz zufrieden mit sich

Aus dem Alltag einer Achtjährigen: Mickan wird bald 8 und findet sich weder total hübsch, noch ist sie die Hässlichste im Universum. Wenn sie länger in den Spiegel schaut, so etwa eine Viertelstunde, dann bekommt sie ein sonderbares Gefühl. Sie nennt es das „Ich-Gefühl“. Dann ist das im Spiegel plötzlich sie und sie muss mehrmals hintereinander „ich bin ich“ sagen und dann ist alles wieder normal.

Mikan ist ein aufgewecktes Mädchen und Emma Adbage lässt sie in ihrer eigenen Sprache von ihrem Leben erzählen. Vom Wandertag, für den sich ihre Mutter extra bei den Nachbarn einen Kompass für sie ausgeliehen hat. Als Mickan sich dann im Wald verläuft, geht sie in Richtung des Pfeiles und findet ihre Gruppe wieder, das Gerät entpuppt sich allerdings trotzdem als alter Liftkartenhalter vom Skifahren. Auf dem Nachhauseweg hält sie die Hand ihrer Freundin Penny, ein richtiger Kumpel ist nämlich besser als ein falscher Kompass.

Emma Adbage lässt Mickan mit viel trockenem Humor über ihr Leben erzählen, zum Beispiel von dem Tag, als ihre Klasse feststellt, dass die Fische aus dem Klassenaquarium weg sind. Die Lehrerin verdächtigt Pecka, der öfters mal was im Schilde führt, der weiß aber von nichts. Die Fische müssen gestohlen worden sein. Ein Mädchen weint und Mickan und Penny malen Fisch-Such-Plakate und hängen sie auf.

Neben der Fisch-Geschichte gibt es noch die Geschichte von der Theateraufführung, die sich als roter Faden durch das Buch zieht. Viele der anderen Kapitel stehen für sich, „die schrecklichen Dinge“ zum Beispiel oder auch Mickans Analyse über Jungen und Mädchen, die wirklich sehr lesenswert ist, nicht nur für Kinder.

Emma Adbage ist 1982 geboren und hat schon mehrere Kinderbücher geschrieben. „Mickan ist ganz zufrieden mit sich“ ist allerdings das erste, das ins Deutsche übersetzt wurde. Interessanterweise gibt es auf Französisch bereits drei ihrer Bücher. Emma Adbage sagt, dass sie sich von der Sprach von Kindern inspirieren lässt, nach der Lektüre von „Mickan ist ganz zufrieden mit sich“ glaubt man ihr das aufs Wort, und hofft, dass es bald mehr davon auf Deutsch zu lesen gibt.

Mickan ist ganz zufrieden mit sich eignet sich hervorragend zum selbstlesen ab der zweiten Klasse bis zur vierten oder fünften Klasse. Es ist aber auch eine Freude zum Vorlesen.

Mickan ist ganz zufrieden mit sich, Emma Adbåge, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2014, ISBN 978-3-499-21359-5, ab 7 Jahren (12,99 Euro).

„Tonnerwetter, heute ist ja mein Geburtstag“

Typisch Dr. Brumm: Er freut sich auf einen Tag, an dem er nichts vorhat, außer ausgiebig zu frühstücken und danach die Reißfestigkeit der Hängematte im Garten zu testen.

Dr. Brumm hat Geburtstag!

Aber es kommt mal wieder anders. Er hat nämlich heute Geburtstag und seinen Freunden eine Party versprochen. Jetzt muss er improvisieren, denn zugeben, dass er es vergessen hat, will er natürlich nicht. Zunächst scheint es trotz fantasievoller Ideen – Eierlaufen ohne Eier, Tauziehen ohne Tau und Sackhüpfen ohne Sack – ein eher langweiliger Geburtstag zu werden. Aber dann hat Dr. Brumm eine wirklich gute Idee: Sie helfen Bauer Hackenpiep und machen um die Wette das Heu. Da ist sogar Bauer Hackenpiep mal zufrieden. Und als Frau Hackenpiep dann auch noch einen Schokoladenkuchen serviert, sind sich alle einig: „Das ist die beste Geburtstagsparty, die wir je gefeiert haben.“
In typischer Dr. Brumm Manier hat Daniel Napp dieses Kinderbuch verfasst und detailreich illustriert. Es ist mittlerweile das 11. Dr. Brumm Buch und es soll nicht das letzte gewesen sein, verspricht Daniel Napp auf seiner Homepage.

Daniel Napp, geboren 1974, ist studierter Illustrator. Seine Diplomarbeit hat er mit „Dr. Brumm versteht das nicht“ gemacht. Und kurz darauf weitere Kinderbücher veröffentlicht. Für „Dr. Brumm will´s wissen“ hat er die Eule des Monats bekommen und „Dr. Brumm gibt Gas“ ist als Erstlesebuch des Monats vom Borromäusverein ausgezeichnet worden. Mittlerweile arbeitet er in einem Gemeinschaftsatelier in Münster. Dort illustriert er nicht nur seine eigenen Geschichten, sondern auch die anderer Autoren. So hat er zum Beispiel das neue Bilderbuch vom Kleinen Wassermann illustriert, und auch die Bilder in den Latte Igel Geschichten des finnischen Autors Sebastian Lybeck sind aus seiner Feder bzw. seinen Pinseln.

„Dr. Brumm feiert Geburtstag“ ist wie alle Dr. Brumm Bücher super zum Vorlesen und Bilder anschauen für Kinder ab 5 Jahren geeignet. Die große deutliche Schrift macht es aber auch zu einem idealen Buch zum selber Lesen für Leseanfänger.

Wer von den Büchern noch nicht genug hat, dem kann man einen Besuch auf Daniel Napps Homepage (www.Daniel-Napp.de) nur empfehlen. Sie ist eine wahre Fundgrube an Zusatzinformationen: Zum Beispiel, dass Dr. Brumm seinen Dr. Titel fürs Honigessen bekommen hat. Und Daniel Napp erzählt mit vielen Bildern, wie ein Buch von ihm entsteht. Außerdem findet man einen Trailer zu einem Dr. Brumm Trickfilm Projekt, sowie Links zu Interviews mit Daniel Napp, zum Beispiel bei der Kinderbuchcouch, wo man das Interview als Film anschauen kann. Wer lieber selbst aktiv wird, findet zahlreiche Bastelbögen zu den verschiedenen Geschichten von Daniel Napp.

Dr. Brumm feiert Geburtstag, Daniel Napp, Thienemann Verlag (Thienemann Verlag GmbH), Stuttgart/Wien, 2014, ISBN 978-3-522-43743-1, ab 5 Jahren (je 12,99 Euro).

Finnische Kinderbücher – schöne Geschichten

Bei der Buchmesse in Frankfurt war 2014 Finnland zu Gast – Grund genug, über ein Kinderbuch aus Finnland zu schreiben:

Die, „Geheimakte Wuff“ von Toula Kallioniemi hat der Ravensburger Verlag aktuell in der Übersetzung aus dem Finnischen auf den Markt gebracht.

Eine Familiengeschichte ist das Thema von diesem Kinderbuch. Nah am Leben der kleinen Leser, aber trotzdem mit Abenteuern aus dem Alltag gespickt.

Aus dem Leben gegriffen ist die Geschichte von Eeros Familie, der sich so sehnlichst einen Hund wünscht und allerhand anstellt, damit er sich einen verdient. Die Teilnahme an einem Tanzwettbewerb ist dabei nur die am wenigsten absurde Möglichkeit. Enno kommt dabei auf die Spur eines Tierquälers.

Die Familie in dieser Geschichten ist etwas eigen – sympathisch eigen. Eeros Mutter ist meist am Rande des Nervenzusammenbruchs, hat aber das Herz auf dem rechten Fleck. Außerdem geht es in Eeros Familie mit den zwei älteren Brüdern um deren ersten Freundinnen, die der kleine Bruder aufmerksam beobachtet. Immer wieder wechselt die Erzählperspektive außerdem zu dem älteren Bruder.

Schön für die kleinen Leser, dass sie sich mit den Figuren der Geschichte identifizieren können. Die Alltags-Abenteuer sind so, dass sie auch ihnen durchaus passieren könnten, aber trotzdem spannend und interessant sind.

Der Tonfall der Geschichte ist lakonisch, nett , einfach geschrieben und damit eine klassische Kindergeschichte für Grundschulkinder. Die Welt, die es dort zu erleben gibt, ist keine „Heile-Welt-von – Bullerbü“, sondern eine reale Welt von heute – auch wenn die Geschichte im nordischen Winter spielt. Alles in allem – finnische Kinderliteratur scheint eine Bereicherung für die deutschen Büchermarkt zu sein!

 

 

Thea Sisters – Kinderbücher ab acht Jahre

Schlau, nett, hübsch und vor allem ein tolles Team: Der Redakteur der „Neuen Nager Nachrichten“, Geronimo Stilton wurde an dieser Stelle bereits vorgestellt. Auch seine Schwester Thea Stilton kam in diesem Buch bereits vor. Nun macht sie ihre eigene Karriere. Aufgrund einer Einladung, einen Kurs über Abenteuer-Journalismus zu halten, begibt sich Thea mal wieder zum Mausford College, wo sie selbst mal studiert hat. Dort lernt sie fünf reizende Mäusemädchen kennen: Colette, Pamela, Pauline, Nicky und Violet. Jede mit ihren Eigenheiten und besonderen Begabungen, aber alle sind sehr nett und sehr schlau.

Bald schon geschehen merkwürdige Dinge im Mausford College: Thea glaubt öfter einen Schatten zu sehen, ist sich aber nicht sicher. Der tollpatschige Student Hans Mausner kommt ihr irgendwie bekannt vor, aber sie weiß nicht woher. Und dann ist er plötzlich ganz verschwunden. Außerdem fehlen noch große Töpfe, ein Gartenschlauch und die Harke des Gärtners. Die fünf Mäusemädchen machen sich auf die Suche. Sie knacken den Drachencode und entdecken einen Geheimgang. Am Ende klärt sich auch das Geheimnis um Hans Mausner auf.

Am Anfang jedes Buches werden die fünf Mäusemädchen mit einem Steckbrief vorgestellt, so dass man sie schon ein bisschen kennt. Jede hat ihre individuellen Stärken und Schwächen, was sie sehr sympathisch macht. Sie ergänzen sich damit außerdem zu einem sehr guten Team.

Von den Thea Sisters gibt mittlerweile viele Abenteuer, so dass es keine langen Wartezeiten auf das nächste Abenteuer geben muss.
Das zweite Abenteuer führt die fünf Mädchen nach Peru, wo sie eine geheime Stadt entdecken, einem Archäologen helfen und die Schurken davon abhalten eine Tür der Stadt zu zerstören.
Im dritten Abenteuer reisen die Mädchen nach Paris, wo sie einen Skandal in der Mode-Szene aufdecken. Das fünfte Abenteuer spielt in Mailand, in der Welt des Balletts. Seit dem 1.9. 14 gibt es noch vier weitere Bücher für die ganz großen kleinen Fans (Titel: siehe unten).

Die Bücher sind wie auch die von Geronimo Stilton witzig aufgemacht: Manche Wörter sind anders geschrieben, es gibt immer wieder Hinweise zum Mit-Raten. Außerdem allgemeine Informationen über die Länder und Orte, an denen sich die Mäusemädchen aufhalten, so dass bei der Lektüre auch etwas Allgemeinwissen vermittelt wird. Die Sprache ist gut zu verstehen und die Bücher nicht zu dick, so dass auch nicht so geübte Leser und Leserinnen durchaus Spaß an der Lektüre haben.

Zu den Stilton Büchern gibt es eine schön gestaltete Internetseite mit Leseproben, Ausmalbildern, Briefpapier und einem Gewinnspiel (www.theasisters.de).

Die Thea Sisters und der Drachencode,Die Thea Sisters und die geheime Stadt, Die Thea Sisters und der Modedieb, Die Thea Sisters und der tanzende Schatten.

Seit September 2014: Die Thea Sisters und das Rätsel von New York, Die Thea Sisters und der indische Prinz, Die Thea Sisters und der Schatz im Eis, Die Thea Sisters und die Jagd nach dem blauen Skarabäus.

Thea Stilton, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2014, ab 8 Jahren (je 7,99 Euro).

60 Sekunden – eine Lesereihe für Jungs ab 9

Welche Bücher mögen neunjährige Jungs? Diese Frage stellten sich die Macher der Reihe „60 Sekunden“ des Ravenburger Verlages, im Buchhandel seit Juli 2014. Folgendes Rezept haben sie gefunden: Eine spannende Geschichte, nicht zu lang, in der ein Gleichaltriger in interessanter Umgebung ein Abenteuer erlebt – welches natürlich gut ausgeht. Der erst Band der Reihe geht um einen zwölfjährigen Taucher, der kriminelle Machenschaften entdeckt (Band 1). Der zweite Band dreht sich um einen Meteoritenfund in der „Teufelsschlucht“.

Autor Frank Maria Reifenberg und Illustrator Daniel Ernie entwickelten in beiden Bänden eine comicähnliche Aufmachung mit Bildern und Zeichnungen, die die Story optisch „aufpeppen“. Als ungewöhnliche Beigabe gibt es außerdem immer wieder kleine abgesetzte inhaltliche Weiterführungen zu den Fakten der Geschichte. Im der Tiefsee-Band erfahren die Leser zum Beispiel was Apnoetauchen ist, wie sich Taucher unter Wasser verständigen oder welche Haiarten es gibt. Außerdem werden unbekannte Wörter wie zum Beispiel „Naturreservat“ erläutert.

„60 Sekunden entscheiden über dein Leben“ – die Überschrift eint die Bücher dieser Reihe. In einer Minute im Leben der Hauptperson, entscheidet sich ihr Schicksal – dieser Wahlspruch soll den Fokus auf die Spannung in den Geschichten legen.

Lesemuffel ab neun Jahre gibt es viele, oft männlich. Schließlich sind Multimedia-Angebote doch so viel einfacher zu erfassen! Wie gut, wenn sich das eine oder andere Buch auf dem Markt findet, das diese schwer zu erreichende Zielgruppe in den Fokus stellt. Und versucht, mit einer spannenden Geschichte und einer besonderen Aufmachung, gerade diese Kinder zum Lesen zu „verführen“. Ob das im Einzelfall dann klappt, kann man natürlich nicht versprechen. Aber versuchen können es Eltern mit einem dieser Bücher ja einmal….

Autor Reifenberg kümmert sich übrigens auf vielfältige Weise um die besondere Leseförderung für Jungen. Aktuelle Buchtipps gibt es auf seinem Blog http://lesefoerderungfuerjungen.wordpress.com/

Die Bücher der 60 Sekunden-Reihe:
60 Sekunden entscheiden über Dein Leben

Band 1 Der Schrecken der Tiefsee, ISBN 978-3-473-36890-7
Band 2 Das Geheimnis der Teufelsschlucht, ISBN 978-3473-36891-4

 

Rechtschreibprobleme – was können Eltern tun?

Fragen an die Psychotherapeutin Andrea Kropf. Sie hat mehr als 30 Jahre in der Förderung rechtschreibschwacher Kinder und Jugendlicher gearbeitet und das Buch „Vuchs, Fucks, Fux oder wie? Rechtschreiben lernen mit System“ veröffentlicht.

Welche Gründe können Rechtschreibprobleme haben?

Mögliche Ursachen gibt es viele. Zum einen kann man beobachten, dass es offenbar durchaus auch eine Sache der genetischen Disposition ist, ob ein Kind sich leicht oder schwer tut beim Erwerb einer sicheren Rechtschreibung. Wenn also ein Elternteil selbst Rechtschreibprobleme hat, dann ist es wahrscheinlicher, dass auch das Kind unter Rechtschreib-Schwierigkeiten leidet.

Gesichert ist, dass es sich um Probleme bei der auditiven oder visuellen Wahrnehmungsverarbeitung handelt, manchmal auch beides. Es gibt aber auch Kinder, die motorisch unruhig sind, sich gedanklich nicht konzentrieren können und deshalb zu schlechten Rechtschreibern werden.

Wie ist Legasthenie als Schlagwort in diesem Zusammenhang definiert?

Legasthenie oder Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) ist definiert als „massive, lang andauernde Störung des Erwerbs der Schriftsprache“. Legastheniker haben, bei normaler Intelligenz, starke Probleme bei der Umsetzung gesprochener in geschriebene Sprache und umgekehrt. Das heißt, sie können, was sie hören, in der Regel nicht hinschreiben – und Geschriebenes nicht richtig lesen. Es gibt aber nicht „die Legasthenie“ oder „den Legastheniker“, sondern viele verschiedene Formen. Den neuesten Stand der Legasthenieforschung kann ich hier nicht wiedergeben; demnächst soll es auch eine neue Leitlinie zur Legasthenie geben. In meinem Buch geht es um allgemeine Rechtschreibschwächen, und damit hat auch die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen zu tun. Wenn Kinder in der Grundschule viele Rechtschreibfehler machen, heißt das noch lange nicht, dass sie Legastheniker sind. Und wenn sich Eltern in dieser Hinsicht Sorgen machen, sollten sie zunächst mit dem Lehrer oder der Lehrerin ihres Kindes sprechen und eventuell eine entsprechende Diagnostik bei einem Therapeuten oder einer Beratungsstelle machen lassen.

Wie erkennen Eltern, dass „Handlungsbedarf“ ist – schon in der ersten Klasse, wenn es mit dem Lesen lernen mit der Anlauttabelle nicht klappt? Oder erst ab der weiterführenden Schule, weil sich vorher noch alles von allein geben kann?

In der ersten oder zweiten Klasse sollten die Eltern sich nicht allzu viele Sorgen machen deswegen. Alle Kinder machen anfangs Rechtschreibfehler, das gehört mit zum Prozess des Schrifterwerbs. Bei geübten kleinen Diktaten zum Beispiel fallen Legastheniker anfangs oft gar nicht auf, weil sie die mühelos auswendig lernen können. Frühestens Ende der zweiten, am Anfang der dritten Klasse halte ich es für sinnvoll, immer im Gespräch mit dem Lehrer, einen Verdacht auf Legasthenie abklären zu lassen.

Was können Eltern tun? Ist nur üben, üben sinnvoll? Wenn ja, dann wie? Bei Dyskalkulie sagen ja zum Beispiel Experten, dass „falsch üben“ Probleme verschlimmert.

Nur üben, üben ist auf keinen Fall sinnvoll, weil das Kind so schnell die Lust verliert. Eltern sollten immer darauf bedacht sein, dass der Spaß und das Interesse am Lernen nicht verlorengehen! Es hilft rechtschreibschwachen Kindern, wenn ihre Eltern oder andere Bezugspersonen viel mit ihnen lesen, natürlich möglichst spannende Lektüre, aber auch überhaupt mit Schrift und Sprache sich gemeinsam beschäftigen, immer möglichst spielerisch oder auch beiläufig, z.B. bei längeren Autofahrten, so dass den Kindern „das Üben“ gar nicht so stark bewusst wird, sondern Freude macht. (Ideen für Rechtschreibspiele)

Wie kann man Kinder zum „Rechtschreibung üben“ motivieren?

Am besten mit kleinen Spielen und im spielerischen Wettbewerb, so wie ich es auch in meinem Buch vorschlage. Es geht darum, das Interesse beim Kind zu wecken und ihm zu vermitteln, dass Rechtschreibung auch spannend sein kann und Spaß machen kann. Es gilt vor allem, den Kindern ihre Resignation zu nehmen, sie aufzubauen und schon bei kleinen Erfolgen zu bestätigen.

Vielen Dank!

Foto: connortk