Schlagwort: Mütter

Babykurse: Kontakt und Rat im ersten Jahr

Mit dem ersten Baby wird alles anders: Da sitzt man dann zu Hause und fragt sich im Babyalltag viele Fragen: Ist das jetzt so normal? Entwickelt sich mein Kind altersgerecht? Haben andere dieses oder jenes Phänomen auch? Außerdem: Andere Neu-Eltern kennt man oft noch nicht, andere, die gerade in der gleichen Situation sind.

Da hilft ein Babykurs: Rauskommen, andere Eltern treffen, Kontakte und Baby-kompetente Ansprechpartner haben. Aber was machen Mutter und Kind eigentlich in so einem Babykurs?

Was passiert in einem Babykurs?

Wie man heutzutage einen Ball nicht mehr verkaufen kann, ohne den Hinweis, dass das Spiel damit die Motorik des Kindes fördert, kommunizieren auch viele Kursanbieter einen hohen theoretischen Anspruch: Da ist von Entwicklungsförderung die Rede, von Sprachförderung und Persönlichkeitsentwicklung. Was ist denn damit gemeint? Die Wirklichkeit ist sehr viel netter: Denn je nach Alter der Babys bekommen die Neu-Eltern beispielsweise Ideen, was sie mit ihren Kleinen schon anfangen können. Nette Kinderlieder und -reime werden gesungen und gelernt, Bewegungssspiele gemacht, die den Fähigkeiten angemessen sind (und den Kleinen unglaublichen Spaß machen!). Wer nicht recht weiß, welche Materialien schon zum Spielen und Entdecken geeignet sind – hier bekommt er Anregungen.

Kontakte für Eltern

Die Eltern haben die Chance, Kontakte zu knüpfen und Gleichgesinnte zu finden, die vielleicht auch an einem anderen als dem Kurstag Zeit haben. Und die frischgebackenen Mamis und Papis bekommen mehr Sicherheit, wenn sie merken: Bei den anderen ist es ähnlich, wenn auch nicht identisch. Je nachdem, wie lange diese Kurse dauern – manche enden erst im dritten Lebensjahr – können sich hier auch allererste Kontakte zwischen den Kindern knüpfen.

Und: Es ist nicht zu unterschätzen, wie gut es tut, jemanden die tausend Fragen fragen zu können, die einem im Kopf herumschwirren, jemanden, der sich damit auskennt, Erfahrungen hat, und konkrete Ratschläge geben oder beruhigen kann. So ein Kurs steht und fällt mit einer guten Kursleitung.

Einige Babykurse, damit man die Namen einmal gehört und gelesen hat:

Delfi, Elba, Fenkid Le Fino, Pekip

Berufliche Neuorientierung: Kursleiterin eines Babykurses

Wer bereits Erfahrung in einem pädagogischen, therapeutischen oder pflegerischen Beruf hat, für den (oder die) ist auch eine Kursleitung in einem Babykurs eine schöne Alternative, um sich beruflich neu zu orientieren. Wer beispielsweise eine Weiterbildung als Fenkid-Leitung in München machen möchte, kann zweimal im Jahr diese Kurse bei der Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Elternsein e.V. in München machen. Mehr Infos dazu hier Weiterbildung Fenkid

Foto: Copyright © Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Elternsein e.V.

Wiedereinstieg in Teilzeit: Bewerbungs-Tipps

Als Wiedereinstieg nach der Elternzeit in Teilzeit zurück in den Job? Teilzeitjobs für Mütter, die auch noch an Karriere denken, sind rar gesät. Worauf müssen gut ausgebildete Mütter achten, wenn sie sich auf qualifizierte Teilzeit-Stellen bewerben wollen? Hier Tipps von der Expertin Martina Ludwig, Inhaberin einer Münchner Personalberatung spezialisiert auf Teilzeitarbeit: :

  • Teilzeit-Jobs haben Vorteile – für den Arbeitgeber
    Zählen Sie einem potenziellen Arbeitgeber die Vorteile der Teilzeit auf: Studien besagen, dass Teilzeit-Mitarbeiter produktiver arbeiten als Vollzeit-Mitarbeiter. Ein Mitarbeiter in Teilzeit kann seine Arbeitszeit unter Umständen flexibler gestalten und damit auf wechselnde Anforderungen im Arbeitsanfall reagieren. Mehr zu dem Thema Teilzeit für Mütter
  • Flexible Teilzeit-Modelle
    Wenn bei Ihnen möglich, schlagen Sie einem Arbeitgeber flexible Teilzeitmodelle vor, an die er selbst gar nicht gedacht hatte: Vielleicht fällt Ihnen eine Job-Sharing-Partnerin ein, vielleicht können Sie Teile Ihrer Aufgaben in Homeoffice-Arbeit gut erledigen?
  • Selbstbewusste Mütter
    Selbstbewusstsein zeigen bei der Bewerbung, das betont Martina Ludwig besonders: Sie haben als Mutter sehr viel gelernt, was auch Arbeitgeber an ihren Mitarbeitern interessiert: Sie können höhere Belastungen abfedern, haben gelernt, sich besonders gut zu organisieren. Sie sind hochmotiviert und ausgeglichen, weil sie in ihrer freien Zeit ihre privaten Verpflichtungen erfüllen können.
  • Zeitgemäße Bewerbungen schreiben
    Auch eine Teilzeit-Bewerbung muss den aktuellen Anforderungen an Bewerbungsunterlagen entsprechen. Scheuen Sie keine fachliche Beratung (siehe oben) oder legen Sie sich zumindest ein Fachbuch zu, welches Ihnen die neuesten Anforderungen nahebringt. Ein paar Büchertipps finden Sie unten.
  • Lassen Sie sich coachen! Es gibt eine Vielzahl von Coaches, die auf Berufsrückkehrerinnen – natürlich auch in Teilzeit – spezialisiert sind. Informieren Sie sich auch, welche öffentlich geförderte Programme Sie in Anspruch nehmen können. Ein Beispiel aus München: power M.
  • Vollzeit oder Teilzeit?
    Auf einen Vollzeitjob bewerben und im Gespräch auf Teilzeit ausweichen? Jein. Das ist o.k. wenn fast Vollzeit angedacht ist, die Reduzierung also nur gering ist. Besser: Bei der Stelle anrufen und fragen, ob sich der Arbeitgeber mit der Jobbeschreibung auch eine reduzierte Stelle vorstellen kann, die Arbeit vielleicht anders einteilen kann. Sie können ruhig argumentieren: „Ich habe Erfahrung, bin organisiert und sehr effizient“ – ich schaffe einen Großteil der gewünschten Anforderungen auch in x Wochenstunden.“
  • Auch initiativ zur Teilzeit-Arbeit
    Initiativbewerbung oder Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle, was hat bei der Suche nach einer Teilzeitstelle mehr Chancen? Das ist egal – sagt Frau Ludwig. Aber wer sich initiativ bewirbt, muss sich immer – auch bei einer Vollzeitstelle – vorher stark mit dem Unternehmen beschäftigen. Einfach mal 100 Initiativbewerbungen „raus hauen“ ist meist chancenlos.

Und: Wenn Sie den Teilzeit-Job antreten, denken Sie daran, dass Sie nicht unbezahlt viel mehr Stunden arbeiten, als vertraglich vereinbart. Dazu Martina Ludwig: „Lassen Sie sich nicht ausnutzen, aber zeigen Sie sich flexibel. Wenn mal viel los ist, können Sie vielleicht einen zusätzlichen  Arbeitstag einrichten, vielleicht im Home Office. Wenn wenig los ist, bauen Sie diese Stunden dann wieder ab. In einem vertrauensvollen Miteinander funktioniert dieses Nehmen und Geben gut.“

 

Madonna. Eine Ausstellung von und mit Alleinerziehenden mit behinderten Kindern

Alleinerziehend und mit einem behinderten Kind? Als Elternteil, der oder die sicher auch anstrengende Zeiten mit den Kleinen hinter sich hat, beschleicht einen eine Ahnung, was das bedeutet. Wer sind diese Frauen, die unendlich viel leisten und oft allein dastehen? Eine Ausstellung im Gasteig in München mit dem schönen Namen „Madonna“ stellt einige dieser Heldinnen des Alltags vor und zeigt Bilder eines Kunstprojektes. Heldinnen des Alltags sind diese Frauen ganz sicher: Sie sind gefordert jeden Tag, manche können ihre schwerbehinderten Kinder keine Minute aus den Augen lassen.

Im Rahmen eines Malworkshops mit der Künstlerin Naomi Lawrence setzten sich die Frauen mit dem Bild der heiligen Madonna auseinander. Sie malten ihre Version von Mutterschaft: Als blasser Engel vor rauher See, als Frau mit Kind auf dem Schoß und viel Licht. Ihre persönliche Version von der Auseinandersetzung mit dem Bild der Mutterschaft.

Die Frauen erzählten ihre Geschichten, die in einer Hörstation der Ausstellung zu hören sind: Vom Kampf mit Behörden, Reaktionen der Umwelt, täglichen Herausforderungen und dem manchmal neidisch sein, dass „Maria ja ihren Josef hatte“.

Die Fotografin Barbara Stenzel stellt die Frauen noch einmal anders vor. Sie hat „Heldinnenporträts“ – wie sie selbst sagt – fotografiert: Die Mütter arrangiert auf einem schönen alten Stuhl mit ihren Kindern, ähnlich den Darstellungen der heiligen Madonna. Und an einer Stelle: Ein leerer Stuhl. Er steht für die Frauen, die nicht einmal für ein paar Nachmittage im Jahr für ein solches Projekt Zeit finden, weil ihre Kinder sie zu sehr fordern.Über zwei Jahre haben die Künstlerin und die Fotografin mit den Frauen gearbeitet. Und im Rahmen des Projektes, so erzählt Barbara Stenzel, setzte sich bei den Teilnehmerinnen die Erkenntnis durch, die eigenen Leistungen wenigstens einmal anzuerkennen.

Ihre Heldentaten begehen diese Frauen häufig abseits jeglicher Aufmerksamkeit: Im Alltag mit Behörden, Krankheiten, Therapien. Aber auch in der Öffentlichkeit, die oft kein Verständnis für ihr Kind aufbringt, in der Konfrontation mit mancher Herkunftsfamilie, die nur sagt, „ da hätte man doch etwas machen können“. Zum Thema Kirche sagte eine Frau „sie ginge dort nicht mehr hin, seitdem sie ein Kind habe, das in der Kirche stört“, Viele dieser Mütter erlebten und erleben durch ihre Situation Ausgrenzungen im Alltag. Private Kontakte sind schwierig, Pläne machen fast unmöglich. Und: „Auch Bewunderung grenzt aus“ – so eine Mutter. So manche wünscht sich eine „Gesellschaft in der man füreinander einsteht“.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Januar 2014 im Gasteig in München zu sehen und geht im Anschluss auf Reisen. Aktuelle Termine und Stationen hier in Kürze. Der Ausstellungskatalog ist für 3 Euro zu bestellen bei siaf e.V., Sedanstraße 37, 81667 München oder per Mail. Kontakt, Fotos, Katalog und Kooperationsanfragen: Johanna Kürzinger; E-Mail: kuerzinger@siaf.de

 

Fotografie: Barbara Stenzel

Malerei: Frauen des Projektes

Eltern-Ehrenamt

Es gibt den Tag des Ehrenamtes, es gab sogar 2011 das Jahr des Ehrenamtes in der EU. Geehrt werden da alle ehrenamtlichen Feuerwehrleute, Schöffen, Reservisten…

Aber was ist eigentlich mit dem ehrenamtlichem Elternengagement? Klar, als Eltern erziehen wir „ehrenamtlich“ unsere Kinder zu späteren Steuerzahlern – das ist so, das haben wir uns ausgesucht. Aber welcher Kindergarten käme ohne ehrenamtliche Nikolauspakete-Packer aus?  Welche Grundschule um engagierte Mütter und Väter, die Flohmärkte organisieren, Geld für den nächsten Theaterbesuch sammeln oder beim Ausflug als Begleitperson einspringen? Manche Elterninitiative lebt vom selbstgekochten Mittagessen der Mütter.

Ganz sicher ist: Ohne dieses Engagement hätten unsere Kinder weniger Highlights im Jahresverlauf, es gäbe weniger Anlässe, bei denen sich Eltern und Erzieher oder auch die Eltern untereinander besser kennenlernen könnten. Das Ganze hat also einen beträchtlichen gesellschaftlichen Wert für Eltern und Kinder.

Nicht zu vergessen die ehrenamtlichen Fußballtrainer, Skilehrer und Ballettlehrer, ohne die so manches Kind seine Lieblings-Sportart nie gelernt hätte.

Böse Stimmen sagen, dass viele gesellschaftliche Bereiche auf ehrenamtliches Engagement bauen und dadurch ganz konkret Geld sparen, im Zweifel zusätzliche (bezahlte) Mitarbeiter. Der Übergang ist sicher fließend – wo hört Engagement auf und fängt Ausnutzen an? Die meisten der Engagierten machen diese Jobs natürlich neben einem weiteren bezahlten (und natürlich anständig versteuerten) Job. Nicht zu vergessen Kinder und Haushalt. Wie war das noch mit der Burnout – Gefahr bei Eltern?

Ersatz eines möglichen Verdienstausfalls? Aufwandsentschädigung? Das ist bei dieser Art des gesellschaftlichen Engagements meist nicht vorgesehen. Der Lohn für das Elternengagement besteht allerhöchstens in einem Blumenstrauß am Jahresende – und manchmal nicht einmal das.

Selbst wenn die ehrenamtliche Arbeit Spaß macht – so ist es doch Arbeit und sollte als solches schlicht gewürdigt und anerkannt werden. Denn so manche beklagen, dass es eben mit dem Engagament der Eltern in dieser oder jender Einrichtung nicht weit her sei – vielleicht würde mehr gesellschaftliche und offizielle Anerkennung da ja Wunder wirken? Wie wäre denn mit einem „Tag des Elternengagements“ ?

Foto: Daniel Thornton

Stillmafia

Eine Pekipgruppe mit zehn Babys zwischen drei und vier Monaten. Als eines der Babys beginnt zu quengeln und zu schreien, rührt die Mutter eine Flasche an und füttert das Baby.

Nach dem Treffen nimmt eine weitere Mutter der Gruppe auf der Straße die Frau zur Seite und sagt: „Na da bin ich aber froh, dass ich nicht die Einzige bin, die ihrem Kind die Flasche gibt“. Dies im Ton von „Psst, geheim, ich bin auch eine von „denen“. Den Müttern, die nach drei Monaten nicht mehr stillen.

Heutzutage scheint nicht klar zu sein, wann man seinem Kind Schlimmeres antut: Wenn man es nicht stillt oder wenn man es vernachlässigt. Die Stillmafia, ein Konglomerat aus Stillberatern (die davon schließlich leben) Hebammen und Verbänden, haben ganze Arbeit geleistet. Mit ihren Horromeldungen, mit welchen gesundheitlichen Problemen ungestillte Babys ihr ganzes Leben werden kämpfen müssen (Allergien, Übergewicht) setzen sie das Nichtstillen in der öffentlichen Meinung kurz hinter Kindesmißhandlung.

Mit der Meinung „jede Frau kann stillen“ verurteilen sie die, für die es aus verschiedensten Gründen nicht so leicht ist. Als seien dies Mütter, die eben nicht genung für ihr Baby tun wollen, sich nicht genügend anstrengen, um eine gute, eine stillende Mutter zu sein.

Sogar die Hersteller von Fertigmilchnahrung haben scheinbar Angst vor der öffentlichen Meinung zu diesem Thema und schreiben möglichst häufig „Sillen ist das Beste für Ihr Baby“ in ihre Werbung.

Und die Frauen? Haben Stress. Den haben sie sowieso, denn das Leben mit einem Säugling, die Umstellung, durchwachte Nächte…. Der Anspruch „ich muss stillen, komme was wolle“, ist da nicht wirklich hilfreich. Im Gegenteil, viele Experten sagen, dass Stress die Milchproduktion zusätzlich hemmt, Mutter und Baby unruhig macht.

Wer in späteren Jahren mit anderen Müttern auf die Babyzeit zurückkommt, erfährt Erstaunliches: Viele haben damals wahnsinnige Mühen auf sich genommen, nur um so lange wie möglich zu stillen: Brustentzündungen, langes Hängen der Pumpmaschine, mehrmals täglich, Brusthütchen,  lange sorgenvolle Nächte, weil es nicht klappt und die Hebamme eine Bemerkung gemacht hat…..

Und wenn man sich dann die gestillten, halbgestillten, lange oder ganz kurz gestillten Kinder anschaut: Ein Zusammenhang zwischen Allergien, Krankheitsanfälligkeit und der Stillzeit ist schlicht nicht feststellbar. Ist dieser persönliche Eindruck eine Ausnahme?

Liebe Stillberater und Co, fahrt bitte mal einen Gang runter! Es ist ja in Ordnung, Müttern dabei zu helfen, eine schöne Stillbeziehung mit ihrem Kind aufzubauen, wenn es klappt. Aber wenn nicht: Stillen ist kein Leistungssport und als den solltet ihr ihn bitte auch nicht betrachten!

 

Mrs. Perfect

Man hat es schon nicht leicht als Mutter. Im früheren, kinderlosen und berufstätigen Leben hatte es völlig ausgereicht,  sich mittelmäßig motiviert und mitarbeitend am Arbeitsplatz zu präsentieren, privat alle Jubeljahre eine einfache Party mit Nudelsalat und Prosecco zu schmeißen und sich einzurichten wie die anderen gleichaltrigen Menschen auch: Eine bunte Mischung aus schwedischem Einrichtungshaus und Studentenbude.

Als Mutter braucht es Spitzenleistungen auf allen Gebieten

Aus und vorbei, für alle Zeiten. Als Mutter reicht dieses langweilige Mittelmaß nicht aus, es verlangt nach Spitzenleistungen auf allen Gebieten. In der Arbeit ist man seit den Kindern und der Teilzeit ständig auf der Flucht. Es wird auf eine ausgedehnte Mittagspause verzichtet, die sich die anderen Kollegen selbstverständlich gönnen, um das straffe Pensum irgendwie in sechs Stunden zu bewältigen. In der Kantine findet man nie Teilzeitmütter, wohl aber eine belegte Semmel kauend den Telefonhörer unter das Kinn geklemmt, die Tastatur vollbröselnd vor dem PC.  Schnell wird noch dies und das im Schweinsgalopp erledigt, bevor die Teilzeitarbeitszeit vorbei ist und der Kindergarten ruft.

Partys sind dafür nun generalstabsmäßig geplante Events, perfekt durchgestylt,  immer mit Motto und die anspruchsvolle kleine, mengenmäßig große Gästeschar isst alles, nur keinen Nudelsalat. Zur Belustigung reicht auch nicht mehr, die Gäste sich selbst und dem Alkohol  zu überlassen,  es müssen stadtteilübergreifende Schatzsuchen, Auftritte eines Kleinkunstzauberers oder mindestens eine Hüpfburg in der Größe eines Einfamilienhauses sein.

Das Catering umfasst zwei komplette Mahlzeiten,  einmal süß und fettig und zur späteren Stunde die Variante salzig und fettig. Alkohol gibt es nur am Schluss der Veranstaltung, die abholenden, seit Stunden kinderfreien und entspannten Mitmütter trinken gerne einen kleinen Prosecco, der Gastgeberin nebst Gatten steht der Sinn seit Stunden nach Schnaps.

In der Wohnung liegt, logisch, viel Kinderspielzeug herum,  aber auch ein schleichender Prozess hat unbemerkt stattgefunden, das vermehrte Auftreten von Dingen, die die Welt nicht braucht aber unglaublich hübsch, niedlich oder stylisch sind. Es sind diese rot –weiß getupften Schneidebrettchen, die plötzlich niedliche pink-grüne Gießkanne auf dem Balkon, die rosa- braun karierten reizend-ironischen Rehkitze auf den Sofakissen und schließlich der Kleidungsstil von Tochter und Gattin, der in Lindgrens Krachmacherstraße auch nicht fehl am Platze wäre.

Schaulaufen auf dem Kinderspielplatz

Das publikumswirksame Schaulaufen in allen Kategorien des Wettbewerbs „Mutter von Format“, angefangen vom niedlich angezogenen Kleinkind, schickstem exklusiven Kinderwagen mit Edelholzbügel und teurem Eulensonnensegel,  der stylisch- lässigen Mutter, möglichst in Größe 36, trotz dreier nachweislich ihr zugehöriger Minis, findet schließlich auf dem angesagten Kinderspielplatz des Viertels statt. Ansonsten kann die Mama auf Facebook zeigen, was sie so kann oder natürlich im eigenen Blog. Kleckern war gestern, in der Zeit vor dem Kind, jetzt wird geklotzt, man hat ja sonst nichts zu tun.

Dagmar Martin

Coworking – eine Alternative für selbständige Eltern?

Coworking – was ist das denn? Verkürzt gesagt, ein „Mittelding“ zwischen Homeoffice und Bürogemeinschaft, und damit vor allem für die geeignet, die als Freiberufler oder Selbständige von zu Hause aus arbeiten.

Viele Selbständige mit Familie arbeiten im Homeoffice, damit sie flexibler auf die Familienanforderungen reagieren können. Aber so manche kommen damit überhaupt nicht klar, denn „mein Schreibtisch und ich“ machen die gesamte Bürogemeinschaft aus. Für manche ist das überhaupt kein Problem. Doch viele klagen über fehlende Kontakte, das Gefühl vom Eingesperrtsein in den eigenen vier Wänden und Schwierigkeiten, Arbeit und Freizeit trennen zu können.

Coworking – flexibles Büro

Eine Lösung ist Coworking, das gibt es mittlerweile in vielen Großstädten und auch in manchen kleineren Orten: Ein Großraumbüro, in dem man sich einen Schreibtisch mieten kann. Tageweise, manchmal sogar stundenweise. Die Vorteile für Homeworker? Sie kommen unter Menschen, gehen morgens ins Büro, treffen andere und haben so etwas Ähnliches wie „Kollegen“. Ein Schreibtisch ist günstiger als ein Raum in einer Bürogemeinschaft, die flexible Mietzeiten sind gerade für teilzeitarbeitende Selbständige interessant. Die Mitmieter im Büro wechseln, so dass ein Coworker viele weitere Coworker kennenlernt, und sich berufliche oder private Kooperationen ergeben können.

Coworking mit Kinderbetreuung

Und ganz, ganz selten gibt es mittlerweile Coworking Spaces, in denen Eltern ihre Kinder mitbringen können und sie dort betreut werden. „Wir brauchen dabei ein kooperatives Miteinander“ sagt Pamela Kelbch vom Coworking Space Allynet in München. Das Büroloft in der Nähe des Hauptbahnhofes bietet Eltern die Möglichkeit, ihr Kinder zur Arbeit mitzubringen. „Wir sind aber keine pädagogische Einrichtung, nur die Empfangsdame schaut nach den Kindern“. Und was ist, wenn ein Zweijähriger nicht zu bändigen ist? Dann wird es schwierig für alle Beteiligten. Komplett verlassen kann sich also die „Working Mum“ auf eine solche Betreuung nicht, es ist nur eine Notfallösung – eine weitere Komponente im „Betreuungsnetz“, das Mütter heute haben müssen. Trotzdem hilfreich, beispielsweise bei der spontanen Kitaschließung (Klausurtag!).

Und:. „So manche haben hier schon die Augen verdreht, wenn sie hier hereinkommen und Kinder sehen“, das gibt auch Kelbch zu. Eltern sein und arbeiten – die Lösungsstrategien bleiben auch mit Coworking indviduell und nicht immer so, dass alle damit zufrieden sein können. Und leider zeigt das Internet einige Coworking Spaces, die die Kinderbetreuung wieder aus dem Programm genommen haben.

Ist also Coworking eine Alternative zum Homeoffice für Eltern? Anschauen, reden, entscheiden – das muss jeder und jede selbst. Schön aber, dass es Möglichkeiten gibt!

Coworking Spaces mit Kinderbetreuung
http://www.allynet.de
http://www.rockzipfel-leipzig.de

Illustration: Isabelle Dinter

 

Schreibabys: Warum schreit das Baby ständig?

Natürlich weinen Babys, wenn sie Hunger oder Durst haben oder wenn die Windeln voll sind. Die meisten lassen sich schnell wieder beruhigen, wenn ihre Bedürfnisse gestillt sind. Aber es gibt auch Säuglinge, die nahezu „rund um die Uhr“ quengeln und schreien.

Was ist nur los mit solchen Schreibabys? Was hilft den Kindern und ihren gestressten Müttern und genervten Vätern? Wie sinnvoll ist eine Säuglings-Eltern-Therapie?

Lukas kam auf die Welt und sechs Tage lang schien alles in Ordnung zu sein. Doch als in der Nacht Wolken am Himmel aufzogen und es zu regnen anfing, reagierte der Kleine mit einem „Donnerwetter“: Er weinte und schrie und kam nicht mehr zur Ruhe. Und Lukas quengelte und schrie weiter. Am Tag und in der Nacht. Mal zehn Minuten, mal drei Stunden lang. „Er hat viel gebrüllt, und das fast neun Wochen lang“, erzählt Maria Jahns (*Name geändert), die Mutter von Lukas, die ihren Sohn die meiste Zeit allein erzieht, weil ihr Mann beruflich viel im Ausland arbeitet.

„In den ersten Lebensmonaten war er manchmal rot und blau angelaufen vor lauter Schreien. Ich dachte, er bekommt keine Luft mehr“, erzählt die 41 Jahre alte Mutter, die alles ausprobierte, um ihren Sohn zufrieden zu stellen. Hat er Hunger oder Durst? Sind die Windeln nass? Hat er Blähungen? Ist ihm nur langweilig, will er spielen? Ist er so übermüdet, dass er nicht einschlafen kann? „Das einzige, was geholfen hat, war ihn zu tragen. Aber jedesmal, wenn ich ihn hinlegen wollte, fing er wieder an zu brüllen.“

Viel zu wenig Schlaf

Tagsüber schlief der Kleine höchstens eine halbe bis maximal eine Stunde lang – schon das leiseste Geräusch weckte ihn wieder auf. Lukas quengelte und schrie, und auch nachts gab er nur für maximal fünf Stunden Ruhe – statt den sonst üblichen 16 Stunden Schlaf kam er nur auf zehn. Ebenso wie Lukas bekam auch seine Mutter nicht genügend Schlaf: „Das Schreien war wie eine Foltermethode für mich“, erzählt Maria Jahns

Drei Stunden lang Geschrei

Heutzutage sprechen Wissenschaftler vom exzessiven oder vom übermäßigen Schreien, wenn ein Baby an drei aufeinander folgenden Tagen länger als drei Stunden unstillbar und scheinbar grundlos quengelt und schreit und sich dies über mehr als drei Wochen wiederholt.

Ob es sich bei einem Säugling um exzessives Schreien handelt oder nicht, hängt aber nicht nur mit der Schreidauer zusammen. Denn in die Definition wird auch die Situation der Mütter und Väter einbezogen: Denn vom unstillbaren Schreien spricht man auch dann, wenn sich die Eltern durch das Gebrüll ständig unter Stress gesetzt fühlen und psychische und/oder körperliche Probleme bekommen.

Heute weiß man, dass Babys, die exzessiv schreien, Probleme mit der Organisation des Schlaf-Wach-Rhythmus haben: Sie können schlecht einschlafen und bekommen deshalb zu wenig Schlaf. Fachleute bezeichnen das als „Regulationsstörungen der frühen Kindheit“. Häufig kommt zum exzessiven Schreien hinzu, dass es schwierig ist, diese Babys zu füttern. Die Angaben, wieviele Babys unstillbar schreien, schwanken – der Anteil beträgt zwischen zehn und 29 Prozent der Kinder.

Wer bietet Hilfe für einen solchen Fall und was erwartet Eltern und Kind dort? Anlaufstellen für Eltern mit Babys, die unstillbar schreien, gibt es in vielen Großstädten und auch in kleineren Orten bieten speziell ausgebildete Ärzte, Hebammen und Therapeuten mittlerweile Hilfe an. In diesen sogenannten Schreiambulanzen finden erschöpfte Eltern mit ihren Babys Hilfe.

Schreiprobleme frühzeitig behandeln

Schreiprobleme von Säuglingen und Kleinkindern sollten frühzeitig behandelt werden. Denn Untersuchungen zeigen immer wieder, dass Babys, die exzessiv schreien, früher oder später auch Schlafstörungen und Probleme mit dem Essen und Trinken entwickeln können. Wenn es den Eltern nicht gelingt, diese Probleme zu bewältigen, kann es sein, dass sich die Schwierigkeiten im Laufe des Lebens fortsetzen. So hat man in retrospektiven Studien zum Beispiel festgestellt, dass aggressive Kinder als Babys viel geschrien haben.

Den eigenen Rhythmus finden

Experten gehen davon aus, dass das exzessive Schreien durch verschiedene Faktoren ausgelöst und aufrecht erhalten wird: Sie suchen die Ursachen nicht nur beim Baby selbst, sondern auch bei seinen Eltern und dem Miteinander von Mutter, Vater und Kind.

Der Hintergrund: Wenn ein Baby auf die Welt kommt, muss es sich erst einmal an seine neue Umgebung gewöhnen. Babys, die exzessiv schreien, fällt es jedoch schwer, ihren Rhythmus zu finden. Tagsüber schlafen sie zu wenig, manchmal sind es nur zehn bis 15 Minuten am Stück. In den Wachphasen wirken sie deshalb häufig unzufrieden. Viele dieser Babys können nicht gut abschalten, sie reagieren empfindlich auf Ortsveränderungen, lassen sich leicht irritieren und nur schwer trösten. Darüber hinaus haben Säuglinge mit einem solch „schwierigen“ Temperament häufig Probleme, eindeutige Signale zu senden. Die Folge: Die Eltern können nicht richtig einschätzen, was ihr Kind braucht oder will. Zum Abend hin wird das Quengeln und Schreien meist immer schlimmer – und um 23 Uhr oder um Mitternacht geht’s dann plötzlich ohne Weiteres.

Durch das Schreien ruft das Kind normalerweise die Eltern heran und macht sie nachdrücklich auf seine Bedürfnisse aufmerksam. So gesehen ist das Schreien ein sehr sinnvolles „Distanzsignal“, das die Eltern alarmiert und zum Handeln motiviert. Normalerweise beruhigt sich das Baby wieder, wenn die Ursache behoben ist. Dann können sich auch die Eltern wieder beruhigen – und der Kreislauf ist geschlossen.

Beim unstillbaren Schreien sind die Eltern jedoch ständig in Alarmbereitschaft: Durch den Dauerstress steigt bei vielen Müttern der Blutdruck, sie werden leichter erregbar, einige bekommen Depressionen, ihr Selbstwertgefühl ist verletzt und sie entwickeln eine Wut auf ihr Kind.

Die Signale richtig wahrnehmen

Doch wie kann man eine misslungene Kommunikation zwischen einem Baby und seinen Eltern wieder verbessern? Experten nutzen verschiedene Techniken und Therapiemethoden, um den Eltern und ihren Babys zu helfen. Ziel ist es vor allem, die Aufmerksamkeit der Mütter und Väter zu schärfen, damit sie die Signale ihres Kindes besser wahrnehmen. Beim exzessiven Schreien heißt das vor allem zu erkennen, wann der Säugling überreizt ist und wann er wieder Schlaf braucht – das ist bei Neugeborenen nach etwa 60 bis 90 Minuten Wachzeit der Fall.

Und wie können Eltern erkennen, dass ihr Baby eigentlich schlafen will? Zum Beispiel am Händchen – wenn es schlaff herunterhängt, bedeutet das „Ich bin müde“. Übermüdung kann sich aber auch durch eine motorische Unruhe, unkoordinierte Bewegungen und eine Neigung zum Überstrecken zeigen, möglicherweise hat das Baby auch gerötete Augenränder oder es reibt sich häufig die Nase.

Therapeuten motivieren die Eltern abzuwarten und sich nur von den Aktionen des Babys leiten zu lassen. „Watch, wait, and wonder“ (Beobachten, warten und sich wundern) lautet denn auch das Motto der säuglingsgeleiteten Psychotherapie – ein Konzept, das oft schon nach wenigen Sitzungen Erfolge zeigt.

In der Beratung können Therapeuten den Eltern auch neue Varianten zeigen, wie sie ihr Kind beruhigen, schlafen legen und füttern können und wie sie Grenzen setzen können. Da die meisten Schreibabys sehr aktiv sind, ist es hilfreich, wenn die Eltern mit ihnen zusammen gemeinsame „Ruheinseln“ aufsuchen und sie schon bei den ersten Anzeichen der Müdigkeit zum Schlafen bringen. Die kritischen Schreistunden überbrücken Mütter und Väter am besten beim Spazierengehen mit einem Tragetuch oder im Kinderwagen.

Damit die Mütter nicht unter der Belastung zusammenklappen, sollten sie auch immer wieder mal an sich selbst denken – und zwar ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Probieren Sie doch mal aus, wie es Ihnen geht, wenn Sie das Baby – wann immer es geht – dem Vater oder anderen Familienmitgliedern übergeben. Die meisten Mütter nutzen ihre „freien“ Stunden, um Schlaf nachzuholen, viele wünschen sich aber auch einfach nur mal einen Stadtbummel ohne Kind, ein Treffen mit Freundinnen oder Kolleginnen oder einen ruhigen Abend mit dem Partner. Ein kurzer Zeitabstand kann helfen, sich danach wieder umso fürsorglicher und ruhiger dem Baby zu widmen.

Hilfreiche Netz-Adressen für Eltern von Schreibabys

Gesellschaft für die seelische Gesundheit in der frühen Kindheit (GAIMH) www.gaimh.de
Dort gibt es eine Liste für Eltern mit den Adressen von Anlaufstellen bei Problemen. http://www.gaimh.org/fuer-eltern/adressen-deutschland.html

www.schreibaby.de
Ein paar Tricks, wie man ein schreiendes Baby beruhigen kann und weitere Adressen von Schreiambulanzen

Autorin: Karin Hertzer www.karinhertzer.de

 

Der 1. Tag ohne Mama – Tipps für weinende Mütter

Tränen schießen Christine (32) in die Augen, wenn sie von ihrem Benjamin (4) erzählt. Seit Wochen gibt es nahezu jeden Morgen das gleiche Theater: Die junge Mutter lässt im Kindergarten ein weinendes Kind zurück. Voll Sorge und schlechtem Gewissen verbringt sie die Stunden bis zum mittäglichen Abholen. Nachmittags macht der Kleine seine großen Geschäfte wieder in die Hose, obwohl er eigentlich längst allein auf die Toilette gehen könnte.  „Ich will so nicht mehr weiter machen“,  ist sich Christine sicher. „Ich kann mein schreiendes Kind einfach nicht mehr abgeben!“ Doch wie einen Ausweg aus dieser Krise finden?

Die ersten Lebensjahre des Kindes ist ein einziges Abschiednehmen. Es beginnt mit der Geburt, der Trennung von der Mutter, dann wird es von der Mutterbrust entwöhnt, bekommt als Ersatz den Schnuller, der auch irgendwann in den Mülleimer wandert. Es folgen kurzzeitige Trennungen von der Mutter,  wenn Papa oder ein Babysitter einspringt. Auch jeden Abend steht eine Trennung bevor: Das „Ins-Bett-Gehen“ ist für Kleinkinder immer wieder ein Abschiednehmen von den Eltern, den Geschwistern und vom Tag.  Das Kind spürt, dass es allein sein muss, bis der neue Tag beginnt. Dieser Übergang von den Aktivitäten des Tages zur Ruhe der Nacht, verlangt auch Loslösen und Abschied.

Schwieriger Neuanfang

Im Leben eines Kindes gibt es Einschnitte, die besondere Herausforderungen mit sich bringen und bewusst begleitet werden sollten. Dazu gehört der Start in Kinderkrippe und Kindergarten. „Vielleicht versetzen Sie sich einmal in die Situation des Kindes hinein“, schlägt die Sozialpädagogin Gabi Stephan vor. „Von einem Tag auf den anderen soll ihr Kind allein in einer ungewohnten Umgebung bleiben, mit fremden Erwachsenen und Kindern. Und noch dazu jeden Tag.“ Die Münchnerin leitet Eltern-Gesprächskreise im Landkreis München. http://www.montessori21.de/akademie/

„Ich frage dann immer: Was kann dem Kind und der Mutter in dieser Situation helfen?“, erklärt Gabi Stephan. „Meist kristallisiert sich heraus, dass es auch für die Eltern wichtig ist, sich auf diesen neuen Prozess einzustellen.“ Man sollte sich und dem Kind Zeit geben. „Verstehen Sie die Ängste ihres Kindes und nehmen Sie diese an“, empfiehlt die Pädagogin. Wenn sich Kinder gedrängt fühlen, werden sie zusätzlich verunsichert. Ihr Tipp für alle neuen, ungewohnten Situationen: „Sprechen Sie mir ihrem Kind über das was jetzt geschieht und zeigen Sie ihre Anteilnahme. So erlebt es, dass ernst genommen und verstanden wird.“

Trennungen üben

„Üben Sie vor dem Kindergartenbesuch gelegentliche Trennungen“, empfiehlt Erika Veit, ehemalige Leiterin eines Kindergartens in Miesbach. „Bei Besuchen auf Spielplätzen oder in Spiel- und Krabbelgruppen gewinnt ihr Kind die Sicherheit, dass es von Ihnen nicht im Stich gelassen wird“.

In den drei Gruppen „ihres“ Kindergartens ist es üblich, dass die neuen Kinder zu Kurzbesuchen und Schnuppertagen kommen. Wenn erforderlich, können die Mütter ihre Kinder auch in die Gruppen begleiten. So lange, bis die Kinder sich sicher fühlen und alleine bleiben. „Vermeiden Sie lange Abschiedszenen“, rät Erika Veit. „Das tut beiden weh und nützt niemandem.“ Ein langer Abschied verunsichere das Kind, so die Erzieherin, das sonderbare Verhalten der Mutter schüre seine Ängste.

„Hänschen klein, ging allein …“

Nach einer Beratung durch Gabi Stephan und dem Gespräch mit Benjamins Erzieherin entspannte sich für Christine und ihren Sohn das morgendliche Abschiednehmen relativ schnell. „Im Nachhinein glaube ich, dass das Benjamin einfach nur spürte, dass sich meine Haltung ihm gegenüber verändert hat“, erinnert sich die zweifache Mutter. „Ich habe eingesehen, dass es mehrere Wege gibt, mit ihm den Start in den Kindergarten zu gestalten.“ Sie wäre jetzt auch mal einen Vormittag bei ihm in der Gruppe geblieben. Dadurch, dass sie ihr verkrampftes Verhalten gelöst habe, habe ich auch ihr Sohn entspannt, ist die junge Mutter überzeugt. Von einem Tag auf den anderen sei auch die Hose auch wieder sauber geblieben.

Doch nicht nur für die Kleinen ist das Abschiednehmen schwer. Auch viele Mütter kämpfen mit ihren Gefühlen. Nach jahrelangem, intensiven Zusammenleben  soll man sein Kind fremden Leuten anvertrauen, die mit ihm spielen, lernen und lachen. „Mir gab es einen richtigen Stich ins Herz, als ich sah, wie eine Kindergärtnerin mein Kind herzte“, erinnert sich Astrid als sie ihre Magdalena (3) zum ersten Mal allein im Kindergarten zurück ließ.

Entscheidende Lebenseinschnitte bedeuten immer Veränderungen  – und damit auch Abschied von Gewohntem. Abschiednehmen ist nicht allein die Aufgabe des Kindes, sondern auch der Eltern. Neu ist diese Erkenntnis nicht, nur der Umgang damit. Davon erzählt bereits das bekannte, über 200 Jahre alte Kinderlied „Hänschen klein, ging allein in die weite Welt hinein…“

Von Lisa Hilbich

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-37156-0001 / CC-BY-SA

Erfahrungen unserer Großeltern: „Als wir Frauen stark sein mussten“

„Als wir Frauen stark sein mussten“ ist einer von mittlerweile 25 Bänden zur Geschichte des 20. Jahrhunderts aus dem Zeitgut Verlag Berlin. Wie auch die anderen Bände, ist es eine Sammlung aus authentischen Erzählungen, in diesem Fall ausschließlich von Frauen, aus den Jahren 1933 bis 1945.

Der Verlag empfiehlt die Bücher ab etwa 12 Jahren – also ein Buch für Eltern und vielleicht auch Jugendliche. Es ist spannend, zu lesen, wie einzelne sehr persönliche Schicksale dieser Zeit waren, das macht Geschichte lebendiger als nur die Fakten aus einem Lexikon.

Für diejenigen, die selbst diese Zeit bewusst erlebt haben, kann es natürlich noch viel bewegender sein, zu lesen, dass es anderen vielleicht damals ähnlich ging, oder auch besser oder schlechter. Manche Geschichten kommen einem ein wenig banal vor, wie die Geschichte von Hildegard Strauß, die sich nach dem Krieg nichts sehnlicher wünscht als wieder einmal Bonbons zu kochen, weil ihr das so ein Gefühl von Zuhause gab. Aber wer weiß an was man sich selber in so einer Situation festhalten würde.

Andere Geschichten wieder treiben einem die Tränen in die Augen. Irmgard Janotta zum Beispiel, die mit 21 Jahren ihren Mann verlor nachdem sie nur sieben Wochen verheiratet waren, ihr Vater war im Gefängnis und sie war erst mal alleine in Dresden. Oder Hildegard de Parade, die den Bombenangriff auf Dresden beschreibt, als sogar die Elbe brannte und sie und ihre Mutter nur überlebten, weil diese aus einer Laune heraus die Metallbadewanne mitgenommen hatte unter der sie Schutz fanden.

Viele Frauen waren im Fernmeldewesen eingesetzt oder arbeiteten in kriegswichtigen Fabriken. Es ist spannend zu lesen, wie die Verhältnisse zu den Zwangsarbeitern waren, meist nämlich sehr freundlich, nur war der Kontakt natürlich verboten. Viele, wie zum Beispiel Erika Stumm wurden als Krankenschwestern an die Front geschickt. Eine Zugfahrt durch Kriegsgebiet, immer wieder unterbrochen von Bombenangriffen ist heute fast unvorstellbar. Nicht selten würde man gerne wissen wie es weiter ging, mit dieser Frau, ihrer Familie und ihrem Schicksal. Ein Buch das sich zu lesen lohnt.

Der ZeitGut Verlag sammelt seit 1997 solche persönlichen Geschichten und setzt ganz bewusst auch auf Laienschriftsteller. Da alle Texte professionell lektoriert werden, braucht niemand Bedenken zu haben, auch seine Erinnerungen zur Veröffentlichung zur Verfügung zu stellen, wenn er oder sie möchte. Die Kontaktadresse findet sich unter www.zeitgut.com. Auf der Internetseite sind natürlich auch alle Bände verzeichnet, die jeweils 320 bis 426 Seiten umfassen, gebunden sind und um die 10 Euro kosten.

Als wir Frauen stark sein mussten, Zeitgut Verlag Berlin 2007, Hrsg. Jürgen Kleindienst, 45 Geschichten auf 384 Seiten, mit Chronologie und Ortsverzeichnis, gebunden 9,95 Euro. ISBN 978-3-86614-137-7