Schlagwort: Schulsystem

Bildungs-Wertschätzung?

Ich hatte die Gelegenheit, mir ein paar unterschiedliche Schulen anzusehen. Klar, es gibt neuere Bauten, ältere, größere, kleinere, zentraler oder im Park gelegen – aber eines haben sie im Durchschnitt gemeinsam, wenn sie öffentlich sind: Sie sind miserabel ausgestattet und vor allem möbliert. Klar, die eine oder andere Schule hat mal etwas neuere Pulte, aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Ob Grundschule oder weiterführend: Wenn ich mir die Qualität der Stühle und Bänke, der Wandfarbe und das Alter der Türrahmen betrachte – jedes noch so einfache Arbeitsbüro ist besser ausgestattet: Bodenbeläge des gleichen Herstellers wie in meiner eigenen Schulzeit (und in einer Farbe wie sie circa 10-20 Jahre vor meiner Schulzeit modern war), mit Holzstühlen vollgestopfte Klassenzimmer, abgestossene Wände und Ecken. Und dabei war ich gar nicht auf einem Schulklo – Horrogeschichten zu diesem Thema machen ja immer wieder die Runde.

Den Schülern oder gar Lehrern kann man das nicht anlasten: Überall sieht man ihre Bemühungen, mit Wandgemälden zu schmücken oder mit Pflanzen etwas Atmosphäre herzustellen – aber Schreiner sind ja sicher die wenigsten.

Dabei stellen auf jeder Bildungsmesse Didacta einmal im Jahr viele renommierte Hersteller ihre innovativen Schulmöbel, praktischen Whiteboards oder geschmackvollen Lehrmaterialien für die Wände aus. Ob die wohl alle bloß exportieren und an Privatschulen liefern?

Natürlich kennt jeder die Antwort auf die Frage, warum dies alles so ist – und wahrscheinlich besonders seufzend die dafür Verantwortlichen in den Schulen: Es fehlt das Geld. Aber „fehlt“ es wirklich? Oder wird es nur einfach nicht bereitgestellt? Weil eine positive Atmosphäre beim Lernen nicht so wichtig ist? Natürlich kann man sich darüber streiten, ob eine weitere Lehrerstelle nicht wichtiger ist als zehn Whiteboards. Aber wenn in diesem reichen Land die Bildung der Kinder von der Politik als so bedeutend erachtet wird, warum muss man denn bitte darüber schon nachdenken?

Ich finde es wichtig, dass auch unsere Kinder in der Schule das Gefühl bekommen, dass der Ort ihrer Bildung wertgeschätzt wird. Aber wie soll das gehen, wenn jeder andere Ort, den sie kennen, schöner, sauberer und moderner eingerichtet ist? Wenn ihr „Arbeitsplatz“ sich von dem ihrer Eltern – wo sie vielleicht einmal zu Besuch waren – eklatant unterscheidet?

Liebe Politiker, bevor die nächste Sonntagsrede zum Thema „Bildung ist wichtig“ ansteht, unterschreibt doch einmal ein paar Budgetanfragen einer Schule eures Wahlkreises, da wäre dann wirklich etwas getan – danke!

Gemeinsame Schulpolitik in Deutschland? Leider nein!

Da saßen Bildungspolitiker zweier Länder auf dem Podium auf der Bildungsmesse Didacta 2014 und diskutierten über die Frage „Differenziertes Schulsystem oder Gemeinschaftsschule – was ist für Schülerinnen und Schüler besser?“ Es handelte sich um einen Vertreter des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg (Gemeinschaftsschule) und einem Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und und Kunst aus Bayern (differenziertes Schulsystem). Und – sie stritten sich, anders kann man das nicht sagen.

Gemeinsam mit einem Professor und einer Vertreterin einer Initiative pro dreigliedriges Schulsystem wurden Studien und Gegenstudien zitiert, Zahlen und Statistiken in die Arena geworfen und sich gegenseitig Rückständigkeit vorgeworfen. Ideologie und Grabenkampf war das Gebot der Stunde. Wenn ein solcher Ton immer dann herrscht, wenn sich in länderübergreifenden Gremien die Verteter zum Thema Schulpolitik treffen, kann man sich glücklich schätzen, wenn überhaupt einmal etwas Konstruktives und Gemeinsames dabei herauskommt.

Obwohl die Moderatorin zu Beginn darauf hinwies, dass es um den Blickwinkel der Schülerinnen und Schüler ging, kam die Diskussion auf diese höchst selten. Die Tatsache, dass Deutschland ein Land ist, in dem es mehr als sinnvoll wäre, Abschlüsse, Systeme, Standards so gut wie möglich zu vereinheitlichen, kam nicht zur Sprache. Dabei würde dies der Tatsache Rechnung tragen, dass heutzutage viele Absolventen zum Studieren und Arbeiten ihre Heimatregion verlassen und Familien aufgrund von Arbeitssituationen der Eltern häufig innerhalb Deutschlands umziehen. Und wie schlägt sich dann ein Gemeinschaftsschüler in der Realschule? Ein FOS-Schüler im Gymnasium des Nachbar-Bundeslandes? Sind solche Probleme Einzelfälle und vernachlässigbar?

Es kann nicht sein, dass wir ein immer einheitlicheres Europa mit gleichem Geld, zum Teil gleicher Außenpolitik, gleichen Wirtschaftsstandards haben und bekommen – eine einheitliche Schulpolitik in Deutschland aber immer unwahrscheinlicher erscheint. Europäische Freizügigkeit von Arbeitnehmern – wir arbeiten europaweit daran; Freizügigkeit von Schulkindern in Deutschland – keine Chance?

Grabenkämpfe, Ideologien, schön und gut – aber Politiker, für wen macht ihr Politik? Für die Theorie? Oder für echte Menschen? Echte Kinder und echte Eltern, die schon lange nicht mehr durchsteigen. Die auch keine Lust haben, sich in Lager aufteilen zu lassen, je nachdem, in welchem Bundesland sie zufällig gerade wohnen. Sondern am liebsten ein einheitliches Schulsystem in ganz Deutschland hätten, weil es für sie am praktischsten und am gerechtesten wäre. Nicht mehr und nicht weniger.

Rechtschreiben lernen mit System

Die deutsche Rechtschreibung ist keine leichte. Viele Kinder haben damit Schwierigkeiten, gerade heute, wenn manche die ersten Jahre schreiben durften „wie man’s spricht“ und von jetzt auf gleich dann ganz korrekt schreiben müssen. Mit Legasthenie hat das oft gar nichts zu tun – aber wie lernen sie es denn nun?

Ein Ansatz kommt von der Psychologin Andrea Kropf,die aus ihrer jahrelangen Erfahrung mit Schülern mit Rechtschreibschwäche ein Buch gemacht hat, das viel praktisches Wissen und Material für den Kampf gegen Rechtschreibschwäche beinhaltet. Mehr zu den Erfahrungen von Frau Kropf im Interview.

Grundregeln der Rechtschreibung strukturiert aufgelistet

Wer als Elternteil selbst kein Deutschlehrer ist, findet in dem übersichtlichen Band einen Überblick über die Grundregeln der deutschen Rechtschreibung. Außerdem, ganz wichtig: Listen von Wörtern, die eine Ausnahme bilden, in ihrer richtigen Schreibweise. Die vollständigen Listen der Ausnahmen erfüllen einen interessanten Lernzweck: So zeigt es sich zum Beispiel, dass die Anzahl der Worte die im Deutschen mit doppel-oo geschrieben wird, überschaubar ist. Hat man sie auswendig gelernt, und kennt man die dazugehörige Regel, kann man sich die richtige Schreibweise immer herleiten, zum Beispiel durch die innere Abfrage: Gehören sie zur auswendig gelernten Liste oder nicht? Das gibt den Kindern Sicherheit.

Spielerisch Rechtschreibung lernen

Ein Problem, das Eltern bereits rechtschreib (und manchmal auch schon schul-) frustrierter Kinder kennen: Wie bekomme ich mein Kind überhaupt dazu, sich dieses Thema noch einmal „anzutun“. Aus ihrer Praxis gibt Frau Kropf Ideen zur Motivation. So zum Beispiel, länger vergessene „Rechtschreibspiele“ wieder zu spielen, so dass die kinder das „Üben“ gar nicht merken. Einige davon haben wir für unsere Leser aufgeschrieben: Rechtschreibspiele

Und unterstützt von den Wörterlisten, kann man als Eltern einen Wettbewerb daraus machen, wer die meisten Wörter findet, die mit Dehnungs-h geschreiben werden oder gerade ohne. Das geht auch am heimischen Küchentisch und hilft den Kindern, sich Regeln und Schreibweisen einzuprägen.

Andrea Kropf: „Vuchs, Fucks, Fux oder wie? Rechtschreiben lernen mit System“ Johanna Bauer Verlag, München

 

So kommt Ihr Kind gut durch die Schule – 30 Tipps für Eltern

Das Buch „So kommt Ihr Kind gut durch die Schule“ – 30 Tipps für Eltern“, richtet sich in erster Linie an Eltern, deren Kinder der Grundschule entwachsen sind.

Aber auch die anderen – bei denen das alles noch kommt – erfahren viel interessantes um das Thema Lernen herum von der Psychologin und Wissenschaftspublizistin Dr. Barbara Knab.

Zum Beispiel warum Jugendliche immer so müde sind (hierzu auch unser Interview) . Was man eigentlich unter Stress versteht, und dass dieser nicht immer schlecht sein muss. Wie Menschen  lernen und welche Faktoren motivieren (und demotivieren), und dass Pausen einen hohen Wert haben (und viel wichtiger fürs Lernen sind als man glaubt). Was es braucht, um so gut wie möglich aufmerksam sein zu können, und beispielsweise dass jedes Gehirn zum Speichern von Wissen etwas Zeit braucht. Und sich deshalb am besten nicht unbedingt direkt nach der Unterrichtsstunde mit den Mails auf seinem Handy beschäftigt.

Interessante wissenschaftliche Details

Dabei geben wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse Hintergrundwissen, kurz zusammengefasste Erkenntnisse dazu, wie sich das menschliche Gehirn am effektivsten Wissen aneignet. Lerntheoretische Beobachtungen werden in demMaße angeführt, die man als Laie braucht, um zu verstehen, warum manche Dinge beim Lernen eine Rolle spielen. Dabei kommen interessante Details ans Licht – zum Beispiel warum Kinder und Erwachsene mit gutem Licht besser lernen.

Kein Rezeptkatalog

Wer denkt, er bekäme mit den „30 Tipps für Eltern“ ein Rezeptbuch für die Schulzeitdes Kindes in die Hand, irrt. Es werden eher 30 Aspekte des Lernens in der Schulzeit beleuchtet. Eltern müssen  sich schon in dieses Buch einlesen und die wissenschaftlichen Details verstehen wollen – also auch als Erwachsener noch etwas lernen wollen. Doch es ist ja bestätigend, wenn Eltern die Erfahrungen, die sie mit dem eigenen Sprössling machen, in wissenschaftlichen Erkenntnissen bekräftigt finden.

So manche Mißstände wie zum Beispiel der Lärmpegel oder schlechte Beleuchtung im Klassenzimmer werden nur angerissen und wissenschaftlich herausgearbeitet, was daran schlecht ist. Schön, aber beeinflussen kann man als Elter da ja oft gar nichts – höchstens mal mit den Lehrern darüber sprechen. Auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, dass Stress und Angst das Lernen behindert, oder was man von Lehrern erwarten sollte, wie sie mit Noten der Schüler umgehen sollen, lassen einen im Zweifel ratlos zurück – denn der Lehrer, bei dem es damit vielleicht Probleme gibt, ist meist für Elterngespräche gerade nicht zugänglich. Für die Eltern selbst ist es hilfreich zu hören, dass Noten nur eine Rückmeldung sind – mehr nicht.  Auch die weiteren Beispiele für Gedächtnistechniken und wie Eltern Kinder seelisch-moralisch unterstützen können, sind sicher hilfreich im Buch von Frau Dr. Knab. Im Kapitel „Rest des Tages“ werden wichtige Themen wie beispielweise Medienumgang oder Ernährung nur kurz angerissen – wer da mehr wissen möchte, braucht mehr Futter. Erfreulicherweise werden weiterführende Internetseiten empfohlen.

Alles in allem ein lesenswertes Buch.

 

 

Genug Schlaf für Schulkinder

Manche Kinder kommen morgens nicht aus dem Bett – je mehr sie zu Jugendlichen werden, desto schlechter. Guter Schlaf ist jedoch für Schüler wichtig – konsolidiert sich schlafend doch das Gelernte (nicht nur) aus der Schule, wie Wissenschaftler herausgefunden haben.

Was also tun als Eltern, um ausreichend Schlaf für den Nachwuchs zu fördern? Fragen an Barbara Knab, Psychologin und Wissenschaftspublizistin.

Eine interessante Rolle beim Schlaf spielt das Thema Licht. Sie beschreiben in Ihrem neuesten Buch „So kommt Ihr Kind gut durch die Schule“ die Wichtigkeit des Blauanteils bei Licht – je höher, desto wacher macht das Licht. Was bedeutet das im Detail?

Manche LED-Lampen und LED-Bildschirme haben mehr Blauanteil im Licht als herkömmliche Beleuchtung oder das Tageslicht. Das kann tatsächlich wach halten. Wer schlecht schläft, sollte also lieber zwei Stunden vor dem Schlafengehen den Computer aus lassen. Wenn Sie als Eltern den Schlaf Ihrer Kinder oder Jugendlichen fördern wollen, achten Sie also auch bei diesen darauf – selbst wenn Sie dann die „Spaßbremse“ spielen.

Wie sollte man das Licht im Kinder- oder Jugendzimmer gestalten?

Wie gesagt, abends sind Lichtquellen mit hohem Blauanteil ungeeignet, weil sie dann zu gut wach halten; das Einschlafen fällt grundsätzlich leichter, wenn die Beleuchtung vorher wenig Blauanteil hat. Morgens dagegen, zum Wachwerden, ist es umgekehrt: da kann eine solche Lampe sogar helfen. Am besten installieren Sie also zwei Lichtquellen im Zimmer: Eine für abends, mit niedrigem Blauanteil, eine für morgens mit hohem Blauanteil.

Mittlerweise gibt es auch LED-Lampen mit einem geringeren Blauanteil. Sie heißen dann beispielsweise Naturspektrum LEDs oder sie haben auf der Packung den Hinweis „warmes Licht“.

Welche Gründe kann es geben, dass Kinder tagsüber müde sind?

Unausgeschlafenheit kann organische oder psychische Ursachen haben. Schläft ihr Grundschulkind mit offenem Mund, können die Rachenmandeln daran schuld sein – da hilft der Kinderarzt. Am besten direkt darauf ansprechen. Außerdem muss sich ein normaler Schlaf-Wach-Rhythmus erst entwickeln; das dauert bei manchen Kindern etwas länger.

Manche Kinder schlafen schlecht, wenn sie Stress haben. Was können Eltern gegen Stress als „Schlafkiller“ tun?

Am besten direkt den Stress reduzieren – soweit das möglich ist. Abends haben Rituale einen guten Einfluss, weil sie Abstand erzeugen und dem Kind oder Jugendlichen Sicherheit geben. Sehr gut ist es, wenn Sie den Tag gemeinsam passieren lassen. Wenn das Kind erzählt, und Sie als Eltern reagieren verständnisvoll darauf, dann erlebt es das als sehr entlastend. Es beruhigt ziemlich, wenn es denken kann: „Meine Eltern sind da und sie stehen zu mir, was immer passiert“.

Den Druck abfedern, den Kinder heute erleben, ist keine leichte Aufgabe für Eltern. Trotzdem lohnt es sich. Vielleicht überlegen Sie, wie Sie selbst wirken. Sie sagen etwa zu Ihrem Kind: „Die schlechte Note macht doch nichts“. Ist das hundertprozentig so? Oder sorgen Sie doch irgendwo in Ihrem Inneren, ob die Note die Versetzung gefährdet? Dann könnte Ihre Mimik Sie verraten – und das wäre gerade keine entspannende Botschaft für das Kind. Am besten also als Eltern daran arbeiten, ehrliche Zuversicht zu empfinden – das hilft auch ihrem Kind.

Sie raten zu regelmäßigem Rhythmus. Aber wie hält man den bei vielen Familienterminen oder beispielsweise Schichtarbeit der Eltern aufrecht?

Wichtig ist, dass Sie ein Prinzip herstellen: Also zum Beispiel immer zur gleichen Zeit abends in der Familie gemeinsam essen. Wenn es in der Woche ein paar Abweichungen von dieser Regel gibt, dann ist das auch o.k., Hauptsache, es gibt einen Rhythmus, den alle wahrnehmen können.

Die Abendmahlzeit ist sowieso wichtig, als Vorbereitung auf die Nacht

Ja, am besten findet sie zwischen 18.00 und 19:30 Uhr statt. Dann hat das Kind keinen Hunger, aber der Magen ist auch nicht ganz voll. Beides würde den Schlaf stören. Außerdem ist die Abendmahlzeit auch eine Zeit, wo man zusammenkommt und sprechen kann. Wenn das aus Termingründen nicht geht und das Kind später essen muss, dann setzen Sie sich trotzdem zu ihm, damit es nicht alleine essen muss. Dann können Sie auch gemeinsam über den Tag sprechen.

Und wie kriegt man Kinder morgens wach?

Frische Luft ist eine Möglichkeit. Gut ist es, wenn die Kinder zur Schule laufen können. Dann haben sie gleich etwas Tageslicht, und das gemeinsam mit der Bewegung macht wach. Auf dem Land mit den Schulbussen oder in der Stadt direkt mit der U-Bahn ist das schwieriger. Und natürlich spielt schon in der Wohnung das Licht eine Rolle. So wäre morgens am Frühstückstisch gerade LED-Licht mit hohem Blauanteil gut.

Mehr zur Interviewpartnerin: www.barbara-knab.de

Ideen für gute Bildung

Das macht ja doch ein bisschen Hoffnung: „Deutschland – Land der Ideen“ prämiert jedes Jahr herausragende Ideen für die Verwirklichung von Ideen, die zur Verbesserung der Bildung in Deutschland beitragen.

Und Ideen gibt es: Da werden Kinder zu Museumsführern für ihre gleichaltrigen Kameraden in Museen oder kochen für ihre Mitschüler ein gesundes Mittagessen. Im Waldhort können Grundschulkinder nachmittags Wald und Wiese erleben. Besondere Programme machen Musikunterricht für Grundschulkinder schmackhaft, engagierte Vereine kümmern sich um die Integration von Migrantenkindern.

Wer sich inspirieren lassen will, wie gute Ideen für die Bildung in Deutschland in die Tat umgesetzt werden können oder wer eine Organisation für den diesjährigen Wettbewerb anmelden will:

http://www.land-der-ideen.de/bildungsideen/ideen-fuer-bildungsrepublik

Aktuelle Anmerkung der Redaktion (Januar 2014): Leider gibt es bisher keine weitere Ausgabe des Wettbewerbs. Ergebnisse und Gewinner werden jedoch auf der genannten Homepage vorgestellt – als Anregung.

Schlechte Noten – und jetzt?

Mathe fünf, Deutsch vier – Konfliktpotenzial hoch! Wenn unbefriedigende Zensuren die Kinder frustrieren, und die Erwartungshaltungen der Eltern nicht erfüllen, sind Spannungen und Konflikte in den Familien die Folge.

Bleiben aber die hohen Erwartungen der Eltern durch schlechte Zensuren der Kinder unerfüllt, kommt es häufig zu Reglementierungen und Sanktionen: „Du triffst Dich nicht mit Deinen Freunden, sondern lernst!“ und so weiter.

Schimpfen hilft gar nichts, im Gegenteil

Doch übersteigertes Schimpfen und Strafen wirken sich eher kontraproduktiv auf die Lernmotivation der per se frustrierten Schüler aus. Sie verstärken vielmehr deren negative Selbstwahrnehmung und schüren Trotz- und Frustreaktionen. Konstruktive und lösungsorientierte Reaktionen der Eltern hingegen unterstützen die Kinder und sorgen für ein positives Familienklima.

Halbjahres- oder Zwischenzeugnisse beispielsweise geben Eltern einen Zwischenstand über die Leistungen ihrer Kinder in den verschiedenen Fächern und bieten damit eigentlich eine hervorragende Orientierungshilfe für den weiteren Schuljahresverlauf. Aber: „Für Schüler und Eltern können schlechte Zeugnisnoten zum Stressfaktor werden“, sagt Melanie Rausch, Pädagogin und Expertin für Lernförderung des Online-Nachhilfeservice tutoria. „Um das Familienklima zu entlasten, ist ein konstruktiver und lösungsorientierter Umgang mit dem Ergebnis wichtig“, so die tutoria-Lernexpertin.

Gemeinsam nach Lösungen suchen

Eltern sollten gemeinsam mit ihren Kindern versuchen, die Ursachen dafür zu finden, warum es in manchen Fächern oder auch insgesamt zu schwachen Leistungen kommt. Auslöser können Probleme mit den Lehrern oder Mitschülern sein. Aber auch Teilleistungsschwächen, geringe Lernmotivation oder ineffektive Arbeitstechniken und falsche Lernstrategien sind häufig ausschlaggebend für schlechte Noten und verhindern den Lernerfolg. Insbesondere bei diesen Faktoren gilt es, das Kind zu ermutigen und mit professionellem Zusatzunterricht gezielt zu fördern. Am besten in vertrauter Umgebung, mit einem sorgfältig ausgewählten Nachhilfelehrer, wenn nötig.

Eltern sollten auf jeden Fall hektische Lernaktivitäten vermeiden – stattdessen die Defizite genau analysieren und ein auf die Bedürfnisse des Schülers zugeschnittenen Förderplan erarbeiten. Ein professioneller Zusatzunterricht delegiert das Thema „Lernhilfe“ an ein Nicht-Familienmitglied. Das entschärft zusätzlich die angespannte Atmosphäre, fördert die gute Stimmung zu Hause und bietet dem familiären Miteinander Raum für positiv besetzte Freizeitaktivitäten mit Spiel, Sport und Spaß.

 

Foto: Tutoria

Die Lehrerhilfe

Den Helfern helfen

„Als ich mein Referendariat antrat, wurde ich vor unerwarteten Herausforderungen gestellt.“ erzählt Sabine R., Referendarin im ersten Jahr in einer Nürnberger Grundschule. „Ich wusste zum Beispiel nicht, wie ich mit einem Drittklässler umgehen sollte, der einen nicht altersgemäßen Medienkonsum hatte und diese „Erfahrungen“ dauernd in den Unterricht einbrachte. Die Lösungsansätze, die dazu in unserem Studium vorgekommen waren, erwiesen sich als nicht praxistauglich.“

Die Realität in heutigen Klassenzimmern ist rau: Cybermobbing, Beleidigungen durch Schüler, Konflikte mit Eltern oder einfach nur die Planung des Unterrichts: Gerade junge Lehrkräfte stehen vor vielen Herausforderungen. Mehr dazu: Schlechte Noten fürs deutsche Schulsystem

Die rein fachwissenschaftliche Ausbildung im Studium bietet oft hierzu keine Lösungen. Deshalb haben vier bayerische Erziehungswissenschaftler und Schulpädagogen im Rahmen des drei Jahre laufenden Forschungs- und Entwicklungsprojektes  „Fallbasiertes Arbeiten in der Lehrerbildung“ umfangreiches Material für eine wissenschaftsbasierte und praxisnahe Lehrerbildung entwickelt. „Wir haben zahlreiche Lehrer, Studierende im Praktikum wie auch Ausbilder befragt, um eine realistische Vorstellung von den Herausforderungen im beruflichen Alltag der Lehrer zu ermitteln“, sagt Professor Joachim Kahlert, einer der Autoren.

Die Wissenschaftler wählten typische Ereignisse aus, die dann mit Experten der Lehrerbildung auf Tagungen diskutiert wurden. Dokumentiert wurden dann insgesamt 40 Fälle mit ausgewählten Lösungsbeispielen in dem nun erschienenen Buch „Herausfordernde Situationen in der Schule. Ein fallbasiertes Arbeitsbuch“. Die in dem Lehrbuch aufbereiteten praxisnahen Fälle aus allen Bereichen der Lehrerbildung spannen ein Bogen zwischen Theorie und Praxis und erleichtern somit den Übergang vom reinen Studium zum Referendariat.


Publikation:
„Herausfordernde Situationen in der Schule. Ein fallbasiertes Arbeitsbuch“
Julius Klinkhardt Verlag, 224 Seiten
9. Mai 2011
ISBN: 978-3781517998

Fotohinweis: obs/Bundeswettbewerb Informatik

Schlechte Noten fürs deutsche Schulsystem

Schulsystem: Ungenügend

Stern-Umfrage: Die Mehrheit der Eltern ist unzufrieden mit dem deutschen Schulsystem. Vielleicht sind die Ergebnisse dieser Umfrage des Hamburger Magazins Stern für Eltern nicht wirklich überraschend. Sie bestätigen lediglich, was auf den Spielplätzen und Elternversammlungen der Republik überall zu hören ist.

Im Auftrag des Magazins Stern, von Forsa statistisch aufbereitet, gibt es nun Zufriedenheitsnoten der Eltern für das deutsche Schulsystem. Bei diesem Zeugnis gibt es nicht viel zu Lachen: 62 Prozent der Eltern glauben, dass die Schulen ihre Kinder nicht gut auf den Beruf vorbereiten. 54 Prozent sind unzufrieden mit dem gesamten Schusystem in Deutschland.*

 

Lokale Freiheit und individuelle Verantwortung

  • Die große Mehrheit der Eltern fordert mehr Freiheiten für die Schule ihrer Kinder.
  • Konkret möchten 82 Prozent der Befragten, dass Schulleiter künftig mehr Verantwortung bekommen. Sie sollten zum Beispiel Lehrer einstellen und entlassen dürfen. Der Direktor sollte das Budget für seine Schule selbst verwalten dürfen.
  • Die Eltern sind durchaus bereit, ihren eigenen Beitrag für eine bessere Schule zu leisten:  74 Prozent der Mütter und Väter wären bereit, stärker mitzuarbeiten.

 

Bildungsrepublik nicht ohne konkrete Investitionen

Diese konkreten Verbesserungsvorschläge der Elternschaft sind freilich ohne massive Investitionen nicht realisierbar. Der Wunschzettel an die Bildungspolitiker zeigt, wie stark der Verbesserungsbedarf ist: 96 Prozent der Befragten wünschen, dass Kinder in der Schule stärker individuell gefördert werden. Das sollte für 93 Prozent mit deutlich kleineren Klassen erfolgen. 94 Prozent der Mütter und Väter fordern eine bessere Schulausstattung. Auch bei der Lehreraus und -weiterbildung besteht Verbesserungsbedarf, so die Eltern (93 Prozent).

 

Konsequenz und Leistung

  • Die Hälfte der Eltern wünscht sich konsequente Sanktionen bei schlechtem Verhalten der Schüler und
  • Nur 10 Prozent wäre für eine Abschaffung der Noten.
  • Vorbilder sind in der Schule wichtig: 80 Prozent der Befragten möchten mehr öffentliche Anerkennung für gute Schüler und Lehrer.

 

Das macht eine gute Schule aus

Bei allen materiellen und personellen Forderungen sind die wichtigsten Kriterien für eine gute Schule eher pädagogischer Natur. Eltern schätzen vor allem ein gutes Klima (82 Prozent); dass Konflikte friedlich gelöst werden (75 Prozent); dass die Schule sich kontinuierlich weiter entwickelt (74 Prozent); dass jedes Kind im Unterricht individuell gefördert wird (70 Prozent) und dass mit der Vielfalt der Schüler gut umgegangen wird (62 Prozent). Immerhin, es gibt Ideen und Vorschläge:

Der Deutsche Lehrerpreis zum Beispiel zeigt, wie diese Kriterien praktiziert werden können.  Zum bundesweiten Wettbewerb rufen jährlich die Robert-Bosch-Stiftung und die Heidehof-Stiftung in Kooperation mit dem Stern und der ARD auf. Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ prämiert jedes Jahr herausragende Ideen für die Verwirklichung von Ideen, die zur Verbesserung der Bildung in Deutschland beitragen.

*Datenbasis: 706 Mütter und Väter mit Kindern von 5 bis 17 Jahren vom 10. bis 19. Mai 2011; Institut: Forsa; Auftraggeber: Stern
Quellenangabe: http://www.focus.de/politik/deutschland/schulen-umfrage-viele-eltern-mit-schulsystem-unzufrieden_aid_637514.html
Foto: Familothek