Die stressigen Jahreszeiten

 Alle reden vom Fasching als der „fünften“ Jahreszeit und von der Wiesn als der „schönsten“. Dabei wird übersehen, dass es auch „stressige“ Jahreszeiten gibt, sogar zwei pro Jahr. Die liegen im Dezember und Juli. Routinierte Familienmanagerinnen bauen vor und blocken während dieser Wochen kurzerhand den Terminkalender.

In den paar Wochen vor Weihnachten halten nahezu jeder Kindergarten, jede Schulklasse, Musikgruppe, Krabbel- und Spielgruppe und selbstverständlich auch alle Sportvereine, Fitnesscenter und sonstigen Vereine Weihnachtsfeiern ab. Kerzen brennen, Tannenzweige liegen herum, die lieben Kinderlein mühen sich mit  Aufführungen und Flötenstücken ab. Es gibt Lebkuchen, Plätzchen und besinnliche Lieder. Der Terminkalender quillt über. Es wird gefeiert, als ob man sich zum letzten Mal sehen würde. Kommt denn eigentlich niemand zur Besinnung? Das Leben geht auch nach Weihnachten weiter – ziemlich sicher!

Die Weihnachtsfeierei treibt bunte Blüten: Nikolausfeier der Spielgruppe, Adventsturnier des Reitvereins, Adventsbuffett des Fitness-Clubs, Elternbeiratsbesuch des Christkindlmarktes, Weihnachts-Aufführung der Turnkinder, Plätzchen-Fest in der Logopädiepraxis, Theaterbesuch des Fördervereins, Advents-Fußball der Kollegen und Weihnachtsbrunch der Sauna-Damen. Dazu kommen die obligatorischen Weihnachtsfeiern im Kollegenkreis, die alljährlich über Millionen von Arbeitnehmern hereinbrechen. Ein wahrer Fest- und/oder Fress-Marathon!

Im Juli ist die Situation übrigens ähnlich. Es blühen einem Straßenfeste, Stadtfeste, Stadtteilfeste, Dorffeste, Waldfeste, Spielgruppen-, Kindergarten- und Schulfeste sowie Grill- und Sommerfeste der Feuerwehr, der Kirchengemeinde, des Chors, aller Sportvereine und nahezu aller übrigen Vereine. Es wird gefeiert, als ob es die übrigen 11 Monate im Jahr nichts zu feiern gäbe. Dabei gilt auch hier: Das Leben geht nach den Sommerferien weiter – ganz bestimmt!

Eigentlich sollte man beim Unterschreiben eines Aufnahmeantrages für einen Verein deutlich sichtbar vermerken, dass man sich nicht in der Lage sieht, im Dezember an Weihnachtsfeiern und im Juli an Grill- und Sommerfesten teilzunehmen, weil man schon zu den Weihnachtsfeiern, Grill- und Sommerfesten aller anderen Vereine und Einrichtungen gehe. Vielleicht sieht man sich ja dort zufällig? Aber ob das etwas nützt?

Besser, man tritt nur Vereinen bei, die garantiert keine Weihnachtsfeiern, Grill- und Sommerfeste veranstalten. Sagen Sie es mir, wenn Sie einen kennen?

Lisa Hilbich

 

 

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