Kategorie: Sidekicks

Kinder zum Zähneputzen animieren

„Zähne putzen macht mir Spaß, in der Hand ein Wasserglas…“ So tönt es hoffnungsfroh von der Kinderlieder CD. Die Realität sieht viel zu oft anders aus: Kariöse Zähne schon mit drei oder jeden Abend ein Wutanfall im Bad.

Wie kriegt man die Kleinen bloß zum Putzen?

Lieder, Gedichte, Geschichten und absolute Kompromisslosigkeit

Zahnputzlieder, kleine Geschichten und Reime helfen gerade Kleineren, das Zähne putzen wie ein Spiel aussehen zu lassen. Manche lassen sich auch mit lustigen, selbst ausgesuchten Zahnbürsten oder einer elektrischen Zahnbürste eine Zeitlang überzeugen. Auch immer die Kinderzahnpasta wechseln kann erst einmal helfen – schließlich haben diese für Eltern oft ungeniessbaren Zahnpasten unterschiedliche Geschmacksrichtungen.

Irgendwann merken die meisten Kinder, dass Zähneputzen ein „Muss“ ist. Und welches Trotzkind mag schon gerne ein „Muss“? Da hilft dann nur die hundertprozentige Konsequenz, inklusive Brüllen, Zappeln lassen und festhalten. Wer meint, dass sei doch nicht nötig, dem sei gesagt: Niemand würde sein Kind einfach so auf die Straße laufen lassen, nur weil es Lust dazu hat. Klar, einmal Zähneputzen auslassen ist nicht so schlimm, aber wenn das einreisst, wird es schlimm….Kinderzahnärzte berichten von Zweijährigen mit acht kariösen Milchzähnen und der Reaktion der Mutter „Er putzt eben nicht gerne….“.

Vorbilder zeigen

Den absoluten Klassiker zum Thema Zähne putzen, Karius und Baktus gibt es übrigens hier:
http://www.dailymotion.com/video/xbdk4_karius-und-baktus_school

Obwohl ja diskutiert wird, ob die zwei netten Männchen nicht zu nett dargestellt werden – nämlich so nett, dass die Kinder sie im Mund haben und nicht vertreiben wollen….Aber wenn Eltern und Kinder Film oder Buch gemeinsam ansehen, können Eltern schon dafür sorgen, dass Kinder das Richtige aus der Geschichte herauslesen. Darüberhinaus gibt es noch viele weitere neue Kinderbücher zum Thema Zahnpflege.

Drastisch, aber je nach Kind ein Ausprobieren wert: Dem Kind deutlich zeigen, wozu es führt, wenn man sich nicht die Zähne putzt. Anschauungsmaterial findet man beispielsweise hier: http://www.lda-lsa.de
Unsere Vorfahren haben sich nämlich nicht die Zähne geputzt und Schädelfunde von Frühmenschen zeigen deutlich deren kariöse Zähne. Aber bitte dabei nicht warnen oder gar drohen „das passiert Dir auch“, sondern einfach mal zeigen, wie das bei anderen war. Vielleicht geht es weniger drastisch, beispielsweise wenn der Hund Mundgeruch hat…

Sehr gut ist auch die Argumentation mit den Süßigkeiten: Wer nicht Zähne putzt, darf keine Süßigkeiten essen, damit die Zähne nicht kaputt gehen. Zwar liebt nicht jedes Kind Süßigkeiten – die meisten aber schon!

In welcher Lage?

Hilfreich – und manchmal kommt man nicht darauf – mit dem Kind die ideale Lage suchen, um die Zähne zu putzen. Das kann sitzend auf dem Schoß sein, auf dem geliebten Sofa oder auch im Bett – Hauptsache, das Kind lässt putzen. Eine gute Zahnputzposition ist es, das Kind den Kopf in den Schoß des Putzenden legen zu lassen. Man kommt an alle Zähne heran und kann das Kind im Zweifel festhalten. Auch die Fernsehablenkung hilft natürlich – sollte aber lieber nicht zur Gewohnheit werden.

Blau im Mund – schlecht geputzt!

Ein Tipp für etwas ältere Kinder, die bereits verstehen, dass Zähne putzen wichtig ist, aber öfter einmal „keine Lust“ haben: Eine Flüssigkeit, die, wenn man sie 30 Sekunden im Mund hat, den Zahnbelag blau färbt.  Die Luxusversion ist ein ähnlicher Test beim Zahnarzt: Hier werden phosphorisierende Lösungen genutzt, die den Zahnbelag im Schwarzlicht sichtbar machen – cooooler Effekt!

Die blaue Lösung oder Tabletten mit gleichem Effekt bekommt man im Handel – sie ist absolut ungefährlich und ab und zu damit gespült, hält das Engagement beim Zähne putzen aufrecht. In der Drogerie nachfragen!

Mehr dazu bei uns:

Wie putzt man Kinderzähne richtig?

Einmal im Halbjahr: Besuch beim Kinderzahnarzt

Was tun bei Zahnunfall

http://www.familothek.de/bilderbuecher-milla-zahnfee-gewinnen.html

Medien zum Thema:

   

Plaque-Tests und Einfärbetabletten für die Zähne:

 

Illustration: Isabelle Dinter

 

 

Freddi, Valle Müs und die Sache mit der Liebe

„Gibt es eine Versicherung gegen verlorengegangene Liebe?” Das möchte Freddi, die eigentlich Fredrika heißt, von Tante Mary wissen. Die ist doch Geschäftsfrau und verkauft den ganzen Tag Versicherungen. Aber so eine Versicherung gibt es nicht. Die Ehe aber, erklärt Tante Mary ist ein Versprechen – aber da liegt eben der Hase im Pfeffer, denn die Frage ist, ob man das Versprechen halten will. Freddi erbleicht, denn sie versteht was Tante Mary meint: Wie oft hat sie Mama versprochen, den Fahrradhelm zu tragen? Und hat sie ihn einmal getragen? Nein…..

Fragen nach der Liebe

Aber Tante Mary ist nicht die Einzige, die Freddi fragt. Sie fragt alle aus dem kleinen mecklenburgischen Dorf Hoppelstein. Freddi liebt dieses Dorf und den alten Bahnhof, in dem sie wohnt, schon wegen Valle Müs, ihrem Hund, der sie immer begleitet, außer in die Schule natürlich. Aber ihre Mutter vermisst die Großstadt und zieht nach einem heftigen Streit mit Freddis Vater erst einmal dorthin.

Auf den ersten Blick hört es sich nach einer Problemgeschichte an, doch das ist beim Lesen eher das Gegenteil: Freddi erzählt aus ihrer Perspektive, wie sie mit Stucke, dem Nachbarsjungen unterwegs ist, und den Neuen im grünen Pulli trifft, der ihr erst den Zugang zu „ihrem“ Wald verbieten will und sich dann doch als Freund herausstellt. Freddi ist ein mutiges zehnjähriges Mädchen, das die Erwachsenen mit ihren Fragen konfrontiert und sich aus den doch sehr unterschiedlichen Antworten ihren eigenen Reim macht. Der dann am Ende sogar zu einem Aufsatz wird.

„In einer Geschichte zu versinken, vom Strudel mitgerissen werden, Medium sein für eine Erzählung, eine Idee, eine Vision…das ist mein Job“ schreibt Dorotée Böhlke, die Illustratorin von Freddis Geschichte. Und genau das tun sie, die meist kleinen Illustrationen, sie fangen genau die Stimmung ein oder bieten die passende Vorlage für die eigene Phantasie.

„Freddi, Valle Müs und die Sache mit der Liebe“ ist das zweite Buch von Autorin Mara Schindler, die 1982 geboren sich dem Versuch verschrieben hat, das Leben in Worte und Hände zu fassen. Die Liebe scheint eines ihrer Themen zu sein, so dreht sich doch auch ihre erste Erzählung für Erwachsene um das Mädchen Susa, welches seit frühester Kindheit die Liebe sucht.

Geschichten fürs Radio hat Schindler schon viele geschrieben, ihr zweites Kinderbuch erscheint voraussichtlich Anfang 2017.

Freddi, Valle Müs und die Sache mit der Liebe, Mara Schindler, mit Illustrationen von Dorothée Böhlke, Rowohlt rotfuchs Taschenbuch Verlag. Reinbek bei Hamburg, 2016, ISBN 978-3-499-21716-6, 123 Seiten, ab 8 Jahre, zum selber Lesen oder Vorlesen (9,99 Euro)

Spiele für die Reise

Lange Reisen sind für Kinder immer ööööde – hier ein paar Ideen für Spiele in Auto, Fernbus, Zug oder Flugzeug, um die laaangen Wartezeiten für Kinder und Eltern zu überbrücken:

Geschichten erfinden 1: Bekannte Figuren, ab ca. 5 Jahre:

Jeder Spielteilnehmer denkt sich aus, eine andere Person zu sein: Das kann Bob der Baumeister oder Lillifee sein, Asterix oder ein Minion. Wichtig ist, dass alle Mitspieler die Personen kennen. Außerdem gibt es einen Geschichtenerzähler. Der denkt sich eine Geschichte aus, in der die beteiligten Personen vorkommen und fordert sie auf, etwas zur Geschichte beizutragen: „Lillifee und Asterix gingen spazieren und trafen auf einen Minion. Da sagte Lillifee: „…“ und nun muss der Spieler, der die Person Lillifee spielt, etwas zur Geschichte beitragen. „ Also“ antwortetet Asterix“……. Je lustiger die Ideen der Mitspieler sind, desto lustiger wird die Geschichte. Passen muss dabei gar nichts, im Gegenteil – aus den gegensätzlichen Figuren und Charakteren, die in der Geschichte aufeinander treffen, ergeben sich oft lustige Ideen.

Geschichten erfinden 2: Glücklicherweise – unglücklicherweise, ab ca. 5 Jahre.

Ein Mitspieler beginnt: Glücklicherweise fahren wir gerade in den Urlaub“, der nächste macht weiter „Unglücklicherweise sind wir noch nicht da“. Der nächste „Glücklicherweise werden wir morgen an den Strand gehen“…usw. Das ist eigentlich gar keine richtige Geschichte, kann sich aber zu einer lustigen Geschichte entwickeln, je nach Fantasie der Mitspieler. Übrigens: Immer mit „Glücklicherweise“ aufhören!

Mit Buchstaben und Zahlen haben folgende Ideen zu tun:

Stadt, Land, Fluss ohne Papier mindestens Grundschulalter

Ein Spielleiter gibt eine Kategorie vor, z.B.: „Wer weiß fünf Städtenamen, die mit dem Buchstaben F beginnen?“ Alle Mitspieler rufen die Namen laut heraus. Beliebt ist es, die Kategorie vorzugeben und den Buchstaben von zwei Mitspielern „auslosen“ zu lassen. Wer das nicht kennt, es geht so: Ein Spieler beginnt laut mit „A“, und zählt das Alphabet weiter. Ein zweiter sagt irgendwann „Stop“ – der Buchstabe, bei dem der erste Spieler gerade angelangt ist, wird genommen. Stadt, Land, Fluss ist nicht ganz einfach, auch für Grundschulkinder. Deshalb ist ein Spielleiter ganz praktisch, der schaut, welche Kategorie es sein soll, und ob man zum Beispiel bei Geschwistern unterschiedlichen Alters auch verschiedene Regeln gibt (z.B. das jüngere Kind hat bereits bei drei Begriffen gewonnen). Eine weitere Variante ist, dass der Spielleiter die bekannten Kategorien einzeln ansagt (Stadt, Land, Fluss, Tier, Name, Beruf – oder andere). Das Kind bekommt einen Punkt, welches zuerst einen passenden Begriff mit dem gewählten Buchstaben weiß und laut sagt.
Für Stadt, Land, Fluss auf dem Tisch haben wir übrigens eine Vorlage zum Ausdrucken – und zwar auch als Vorschulversion.

Kennzeichen zählen, ab Vorschulalter

Ein Spiel für längere Autofahrten und so unkompliziert, dass auch der Fahrer oder die Fahrerin mitspielen kann: Jeder Spieler sucht sich eine Zahl zwischen 0 und 9 aus. Jetzt wird Ausschau gehalten, welches Auto ein Kennzeichen mit dieser Zahl als letzte Zahl des Kennzeichens hat. Dazu zählen zu überholende oder überholende sowie entgegenkommende Autos. Wer beim Ankunftsort/bis zur Pause/ nach einer Stunde die meisten Kennzeichen gesammelt hat, hat gewonnen.

Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später

Es geht um Regenbogenfamilien. Stephanie Gerlach und Uli Streib-Brzic – selbst Eltern mit eigenen Regenbogenfamilien – haben noch einmal die Kinder befragt, die sie im ersten Band interviewt hatten: Wie ist das, mit zwei Mamas oder Papas groß zu werden? Ihre „Kinderinterviews“ sind gleichfalls abgedruckt und die mittlerweile jungen Erwachsenen blicken in neuen Interviews mit Abstand auf ihre Kindheit zurück.

Wie ist Kindheit in einer Regenbogenfamilie?

Und, wie ist es? Nun, wer die Interviews nacheinander wegliest, wird feststellen: Fast alles ist so, wie es bei tausenden anderen jungen Erwachsenen ist, wenn sie auf ihre Kinderzeit zurückblicken: Manches Gutes, manches Schlechtes – es sind viele Patchwork-Geschichten darunter, mit allen Schwierigkeiten und Geschenken, die solch eine Familie mit sich bringt. Natürlich sind die Geschichten sehr unterschiedlich, je nachdem, wie die einzelne Familie war, ob Geschwister da waren, wie sich die jungen Menschen im Leben zurechtgefunden haben.

Sind Regenbogenfamilien ganz normal? Ja, na klar. Wir haben darüber auch schon geschrieben. Im Buch findet sich eine Einschränkung: Fast alle Befragten sprachen darüber, wie es war, wenn andere auf „ihr“ Familienmodell reagierten. Das war meistens gut, manchmal aber auch nicht – auf jeden Fall mussten sich die Regenbogen-Kinder schon früh mit ihrer eigenen Familie auseinandersetzen. Bei vielen hatte das positive Auswirkungen: Sie reflektierten ihre Umgebung, schauten sich ihre Klassenkameraden, die Sportkollegen genauer an.

Ein sehr interessantes und authentisches Buch, nicht nur für Eltern von Regenbogenfamilien. Sondern für alle Eltern, wenn sie sehen wollen, welche Erfahrungen Kinder in ihren Familien machen und was eigentlich heute als Familie „normal“ ist – nämlich glücklicherweise alles, was für Kinder (und Eltern!) gut ist.

Gab es weitere Erfahrungen, „zwischen den Zeilen“, wenn die Autorinnen ihre „Schützlinge“ besuchten? Ich habe bei der Autorin Stephanie Gerlach selbst nachgefragt:

Für eigentlich alle Kinder war und ist es ein seltsames Gefühl, rechtlich anders behandelt worden zu sein als Kinder in „normalen Ehen“. Schließlich haben sie zwar zwei Elternteile, sind aber von einem adoptiert worden – auch wenn die Eltern bereits vor ihrer Geburt verheiratet waren, also in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft wohnten. Das ist schade, denn es gibt den Kindern ein Gefühl, welches nicht sein müsste – auch wenn sie am Tag der Adoption selbst und während der Vorbereitungen dazu (z.B. Besuch vom Jugendamt) noch zu klein waren, um sich zu wundern, das kam später. Am liebsten wäre es eigentlich allen Kindern, dass diese Familienform überall so akzeptiert ist, dass es normal ist und niemand mehr darüber reden muss.

Welche Erkenntnisse waren für die Autorin selbst neu beim Nachfolgebuch? Neu und anders als vor zehn Jahren war für Stephanie zum einen das Thema „Transgender“ – welches vor zehn Jahren noch nicht im Licht der Öffentlichkeit stand. Und neu sind leider auch die wieder aufkeimenden Vorurteile gegen lesbische und schwule Lebensformen. „Das hätte vor zehn Jahren niemand so erwartet“ sagt sie und sorgt sich um Toleranz im Allgemeinen in unserer Gesellschaft.

Wird es ein Buch „Zwanzig Jahre später“ geben? Stephanie hofft, dass da nicht nötig sein wird – und ist da aufgrund der schon angesprochenen aktuellen Entwicklungen in Richtung Intoleranz leider kritisch. „Alles was wir uns erkämpft haben, kann uns wieder genommen werden“, sagt sie. Ein wahres Wort, welches nicht nur für Eltern von Regenbogenfamilien gilt, sondern für uns alle, die in einer offenen und toleranten Gesellschaft leben wollen.

Uli Streib-Brzic und Stephanie Gerlach: „Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später!“ Querverlag 19,90 Euro

Danke, liebe Digital Natives

Liebe Digital Natives, ich weiß, ihr hattet es nicht leicht: Wir sind ja eure Eltern und seitdem ihr euch mit Technik beschäftigt, gehen wir euch auf die Nerven. Als ihr drei Jahre alt wart, haben wir euch den Fernseher mit der DVD vom „Kleinen roten Traktor“ nach einer Viertelstunde ausgemacht, damit ihr nicht überfordert seid. Mit sechs haben wir euch Computerspiel-Zeiten vorgegeben und darauf gepocht, dass das Ding dann auch wirklich ausgemacht wird – und das manchmal knapp vor dem nächsten Level! Mit neun haben wir uns dann vorübergehend erfolgreich dagegen gewehrt, euch ein sündhaft teures Smartphone mit Flatrate zu kaufen. Und als ihr elf Jahre alt wart, haben wir Spielverderber euch immer noch Facebook verboten.

Ich weiß, wir haben euch genervt -aber glaubt uns, es war alles nur zu eurem Besten! Freiwillig hätten wir uns nicht so oft mit euch über die Mediennutzung gestritten – eure Wutausbrüche und Heulanfälle nach dem selbst gesetzten „Sendeschluss“ ignoriert und ausgehalten. Aber ich weiß auch: Obwohl ihr jetzt alt genug seid, euren Medienkonsum selbst zu kontrollieren (wir hoffen das!), seid ihr zum großen Teil noch nicht alt genug, das zu verstehen. Das wird noch etwas dauern.

Aber eines wollte ich euch trotzdem einmal sagen: Klasse, dass ihr Digital Natives unsere Kinder seid! Ihr zeigt uns neue interessante Funktionen, die wir auf unserem Smartphone nie entdeckt hätten. Ihr portiert uns unser Adressbuch, sprecht mit Google, und ohne euch wären so manche von uns nie darauf gekommen, was denn eigentlich ein Youtuber ist.

Ihr tut also eine ganze Menge für die elektronische Bildung eurer Eltern. Und wenn wir auch in manchen Dingen doch noch fitter sind, als ihr (oder wisst ihr, wie man eine elektronische Steuerklärung versendet?), so ist es doch schön, dass in diesem Falle einmal die Generationen voneinander lernen – gemeinsam.

Schrubben, kreisen, rütteln: Kinderzähne putzen

Mancher Nachwuchs lernt Kinderzähne putzen schon im Kindergarten: Da kommt die „Zahnputzschwester“, Zahnärztin oder Zahnarzt vorbei und zeigt den Milchzahnhelden, wie es richtig geht.

Aber natürlich können Dreijährige noch nicht allein alle Zähne richtig und gut putzen, die Eltern müssen helfen. Außerdem: Tipps, wie man den Nachwuchs zum Putzen oder Putzen-lassen animiert.

Wie geht Zähne putzen bei Kindern richtig? Und in welchem Alter ist was richtig?

Kinder lernen heute das Zähne putzen mit der sogenannten KAI-Methode. Die Abkürzung weist auf die Reihenfolge der zu putzenden Flächen hin, also: Erst die Kauflächen oben, dann die Außenflächen und am Schluss die Innenflächen. Dabei werden die „K“s und die „I“s schrubbend gereinigt, auf den „A“s, den Außenflächen, dürfen die Kinder mit der Zahnbürste kleine Kreise malen.

Richtig putzen mit der KAI-Technik im Kindergarten

Diese Technik sollen Kindergartenkinder mehr oder minder selbst ausführen lernen. Ratsam ist es, dafür drei Runden einzuführen: Also drei Runden Kauflächen, dann drei Runden Außenflächen, danach drei Runden Innenflächen. Die Systematik hat den Vorteil, dass nichts vergessen wird, und sich langsam beim kleinen Zähneputzer eine Routine einstellt. „Die Reihenfolge ist dabei eigentlich egal“ führt Carolin Heidrich, Zahnarzthelferin in München, dazu aus. „KAI heißt es nur, damit man es sich besser merken kann“. Wer will, könnte also auch IAK putzen, Hauptsache, alle Zähne kommen dran. Und: Sauber werden die Zähne erst einmal nicht komplett, die Eltern müssen nachputzen.

Putzen aus dem Handgelenk ab dem Schulalter

Ungefähr ab dem Schulalter sind Kinder gemäß ihrer motorischen Entwicklung in der Lage, aus dem Handgelenk eine halbe Drehung nach außen oder innen auszuführen. Diese Bewegung brauchen sie, wenn sie von der Kindertechnik zur Erwachsenentechnik beim Zähneputzen kommen wollen. Dabei werden jetzt bei den Außenflächen keine kleinen Kreise mehr geputzt, sondern mit dieser Drehung und einem leichten Rütteln von allen Seiten an den Zähnen entlang gefahren, um den Plaque auf den Zähnen erst zu lockern und dann zu entfernen.Am besten, das Ganze ergibt einen fließenden Übergang: „Aus den großen Schleifen werden immer kleinere“ – beschreibt Johanna Kant, Kinderzahnärztin und Präsidentin des Bundes deutscher Kinderzahnärzte, den idealen Prozess. Solange, bis jeder Zahn einzeln 3 Sekunden lang rüttelnd geputzt wird. Dabei ist es wichtig „Dass die Technik gewählt wird, die zum Kind und seiner Entwicklung passt“ , so Kant. Also: Wer noch gar nicht so weit ist, kleine Schleifen zu putzen, der sollte noch ein bisschen üben und die Zähne, bis die Feinmotorik weit genug entwickelt ist, von den Eltern nachputzen lassen.

Hilfsmittel – spezielle Zahnbürsten für Kinder

Ein Hilfsmittel beim Übergang zur sogenannten Rüttel- oder Basstechnik ist natürlich die elektrische Zahnbürste, „rüttelt“ diese ja ganz von allein. Aber manche Kinder mögen keine elektrische Zahnbürste, haben Angst davor oder mögen das „Kitzeln in der Nase“ nicht, das die Vibration der Bürste auslösen kann. Eine Möglichkeit ist, beispielsweise das Kind nur abends oder nur morgens damit putzen zu lassen oder es immer wieder einmal zu versuchen. Ein elektrische Zahnbürste ist kein „Muss“ – üben doch die Kinder beim stromlosen Putzen die Technik besser feinmotorisch ein. Manche Kinder putzen elektrisch auch viel zu kurz – da hilft dann die bekannte Sanduhr oder einfach bis 3 zählen pro Zahn für Kinder, die gerne zählen.

Ein spezielles Hilfsmittel ist die sogenannte „Solobürste“, eine Zahnbürste mit nur einer kleinen Borste. Diese Zahnbürste ist vor allem für frisch durchkommende Backenzähne hilfreich und kann dort gezielt eingesetzt werden. Achtung, falls ausschließlich mit der Solobürste geputzt wird: Das ist etwas für geduldige Kinder – mit einer Solobürste sollte man circa 20 Minuten lang Zähne putzen, um alle Stellen an den Zähnen zu erreichen.

Weniger Druck

Zuviel Druck auf der Bürste ist schlecht für Zähne und Zahnfleisch. Etwas 45 Gramm sollte der Druck auf die Zähne bei Kindern betragen. Zur Verdeutlichung kann man mit diesem Druck einmal auf die Briefwaage drücken. Eltern wissen, dass der Nachwuchs mit zu viel Druck putzt, wenn sie fast jede Woche die Zahnbürste wechseln müssen, da die Borsten bereits zerfleddert sind.

Ist der Putzdruck beim Kind zu stark, hilft der „Prinzessinen“- oder „Feine-Leute-Trick“: Das Kind spreizt den kleinen Finger beim Putzen ab (so wie manche Menschen den Henkel einer Tasse greifen), daraufhin vermindert sich der Druck auf Zähne und Zahnfleisch von ganz allein.

Zahnseide benutzen

Ja, sobald sich zwei Zähnchen berühren, sollten auch Kleinkinder Zahnseide benutzen, denn dann können sich Nahrungsreste natürlich auch hier festetzen und Karies zwischen den Zähnen auslösen. Glücklicherweise gibt es die praktischen Zahnseidesticks auch in kleiner Kindergröße und in mehr oder minder nettem Design. Recht neu auf dem Markt sind Sticks, die bei Nutzung einen kindgerechten Geschmack (ähnlich der Kinder-Zahnpasta) freisetzen. Das bringt sicher einige Kinder mehr dazu, Zahnseide regelmäßig zu nutzen, wunderbar! Aber auch hier gilt: Checken, ob das Zahnputzkind wirklich alle Zwischenräume an der rechten und an der linken Zahnseite geputzt hat – und nicht nur den Stick abgelutscht…

Eltern sollten kontrollieren

Das wiederholt jeder Experte immer wieder: Bis circa 8 Jahre (manche raten bis circa 10 Jahre) sollten alle Eltern immer wieder das Zähne putzen bei ihren Kindern kontrollieren und nachputzen. Es gibt zwar wirklich Schöneres – aber gesunde Zähne beim Nachwuchs sollten es uns wert sein.

Noch mehr Infos zum Thema Kinderzähne bei uns

Besuch beim Kinderzahnarzt

Bleibende Zähne retten

Mittel für die „Solo-Technik“:

   

Gute elektrische Zahnbürsten für Kinder:

 

Zahncreme ohne Fluor (bei sonstiger Fluorprofilaxe) und ohne Pfefferminzöl (während einer homöopathischen Behandlung):

Speziell für Seifenallergiker:

Zahnseide mit Geschmack für Kinder

Foto: Thegreenj

 

Besuch beim Kinderzahnarzt

Nicht bei allen Eltern ist ein spezialisierter Kinderzahnarzt in der Nähe. Aber wahrlich, es hat schon etwas, wenn die Kinder zu ihrem „eigenen Zahnarzt“ gehen können. Hier ist alles kindgerecht, die Räume bunt gestrichen, im Wartezimmer Kinderbücher. Wenn dann noch über dem Behandlungsstuhl ein Ice Age-Film an der Decke läuft, ist eine Behandlung meist kein Problem mehr. Außerdem kennen die spezialisierten Zahnärzte die besonderen Probleme ihrer kleinen Patienten und nehmen ihnen die Angst, so gut es geht.

Ein Kinderzahnarzt hat sich mit Fortbildungen mit seiner besonderen Zielgruppe vertraut gemacht und hat durch seinen Praxisalltag viel mehr Erfahrungen mit den besonderen Bedingungen beim Thema „Milchzahn und Co“ als „normale“ Zahnärzte. Natürlich arbeiten viele dieser spezialisierten Ärzte auch für Krankenkassenpatienten.

Wie finde ich einen Kinderzahnarzt in meiner Stadt?

Kinderzahnärzte gibt es mittlerweile in vielen deutschen Städten, von Aachen bis Zell. Einen ersten Überblick gibt eine Liste auf der Homepage des Bundesverbandes der Kinderzahnärzte http://www.kinderzahnaerzte.de/liste_nach_staedten.html

„Dort sind Zahnärzte verzeichnet, die die zertifizierten Fortbildungen absolviert haben, ihre Arbeitszeit überwiegend der Kinderzahnheilkunde widmen und deren Praxisablauf, -organisation und – einrichtung auf Kinder ausgerichtet ist “ erklärt Johanna Kant vom Vorstand des Bundesverbandes deutscher Kinderzahnärzte.

Weitere Adressen von Zahnärzten, die die Fortbildung absolviert haben, aber nicht nur Kinder behandeln www.kinderzahnheilkunde-online.de

Mehr dazu bei Familothek:

http://www.familothek.de/kinderzaehne-richtig-putzen.html

http://www.familothek.de/kinderzaehne-richtig-putzen.html

http://www.familothek.de/bleibende-zaehne-retten.html

http://www.familothek.de/bilderbuecher-milla-zahnfee-gewinnen.html

Medien zum Thema:

   

 

 

Illustration: Isabelle Dinter

Salzbergwerke Berchtesgaden

Was erlebten wir bei einem Besuch der Salzbergwerke Berchtesgaden?

Effekte mitten im Bergstollen

Mitten hinein in den Berg ging es mit einem kleinen Zug, der genau auf die schmalen Schienen und durch die schmalen Bergstollen passte. Zuvor hatten sich alle Besucher einen Berg-Overall über ihre Kleider gezogen. Als Bergmann verkleiden und Mini-Bahn durch einen Tunnel fahren – das ist schon einmal ein ziemlich guter Effekt und spannend für Kinder jeden Alters.

Dann begrüßte uns ein Bergmann, der uns in der nächsten guten Stunde durch die schmalen Berg-Gänge führte. Wir fanden alles ganz hübsch und sehr auf Effekt bedacht. Eine Fahrt über einen Salzsee mit kurzer Lichtshow und per Bergmann-Rutsche die Tunnel hinunter rutschen – das macht natürlich Spaß.

Zu wenig Zeit

Leider ist aber für die interessanten Infos, die den Salzabbau betreffen, viel zu wenig Zeit reserviert. Der Führer blieb nur ungern an den wenigen Infotafeln so lange stehen, dass sie auch wirklich jeder sehen konnte. Das war sehr schade, denn es ist doch für Groß und Klein sehr interessant zu erfahren, wie denn nun eigentlich Salz aus einem Berg abgebaut wird. Ein kleiner Film lieferte – zumindest für Erwachsene verständlich – die Basisinfos. Zum Beispiel die Erkenntnis, dass Salzabbau unglaublich aufwendig ist – und man kann sich vorstellen, warum Salz im Mittelalter „das schwarze Gold“ genannt wurde.

Ja, das war schade und auch für eine kleine Ausstellung, die interaktiv auf Bildschirmen Informationen zu Salz und Salzkristallen für Kinder und Erwachsene zu entdecken hatte, war einfach zu wenig Zeit.

Aber trotzdem konnten wir ein paar Infos zum Thema Salzabbau erhaschen und natürlich ist ein Aufenthalt mitten im Berg etwas Besonderes (und praktischerweise wetterunabhängig). Der Preis für den Besuch war dank Familienkarte auch reell und ja, ein Museumsshop, der von Salzhalstabletten über Kräutersalz bis Badesalz verkauft, ist auch für die Großen einmal etwas anderes.

„Bild: Salzbergwerk Berchtesgaden, Südsalz GmbH“

logo! Kindernachrichten – einfach klasse!

Dies ist ein Loblied auf eine Fernsehsendung für Kinder, die es bereits seit 25 Jahren gibt – die Kindernachrichtensendung „logo!“. Vielfach ausgezeichnet, ist sie im öffentlich-rechtlichen Kinderkanal KIKA zu sehen und hat einen hohen Marktanteil.

Trotzdem lobe ich sie noch einmal – wir wissen ja: das Publikum wächst immer wieder nach! Hier also ein Lob für eine tolle Sendung, die alle Eltern mit ihren Kindern von acht bis zwölf Jahre sehen sollten, die sich ein bisschen für das Weltgeschehen interessieren. (und dies sollte ja jeder tun).

logo! interpretiert und wählt die Nachrichten des Tages für Kinder aus. Vor allem erklärt logo! den Kindern die News des Tages: Politikbegriffe, die sie vielleicht irgendwo aufschnappen, historische Hintergründe, Entwicklungen zwischen Staaten. Das alles wirklich kindgerecht: Warum flüchten so viele Menschen aus ihrer Heimat? Warum hat Griechenland Schulden? Auch schwierige Themen wie zum Beispiel der Missbrauch von Kindern werden vorsichtig und gut erklärt. Zusätzliche Infos gibt es online unter logo.de.

Die Beispiele haben möglichst viel mit Kindern und ihrer Welt zu tun: Wenn es geht, werden Kinder zu einer passenden Nachricht interviewt. Regelmäßig befragen Kinderreporter berühmte und interessante Menschen und stellen ihre Fragen aus Kindersicht.

TerrorHonorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und ZDF tiviOft verwenden die Macher zur Erklärung kleine neutrale Comiczeichnungen, die möglichst einfach und verständlich die Welt herunterbrechen. Genial – so sollte Politik immer im ersten Schritt vermittelt werden, dann würden vielleicht im Angesicht komplizierter politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen nicht so viele Menschen geistig aussteigen.

Überhaupt sollten auch mehr Erwachsene öfter einmal logo! sehen – nirgendwo werden politisch wichtige Fakten so anschaulich erklärt.

Eine Kindersendung wie logo! ist ein Beitrag zur politischen Bildung in diesem Land. Hoffentlich kommen damit viele Kinder auf den Geschmack, sich politisch zu interessieren.

Etwas gibt es trotzdem, das nervt: Unsere ganze Familie vergisst regelmäßig die Tatsache, dass es logo! freitags schon etwas früher gibt – und schaltet dann zu spät ein.

logo! läuft samstags bis donnerstags um 19.50 Uhr und freitags um 19.25 Uhr bei KiKA.
Bildnachweis: ZDF/ZDF tivi

Bildungs-Wertschätzung?

Ich hatte die Gelegenheit, mir ein paar unterschiedliche Schulen anzusehen. Klar, es gibt neuere Bauten, ältere, größere, kleinere, zentraler oder im Park gelegen – aber eines haben sie im Durchschnitt gemeinsam, wenn sie öffentlich sind: Sie sind miserabel ausgestattet und vor allem möbliert. Klar, die eine oder andere Schule hat mal etwas neuere Pulte, aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Ob Grundschule oder weiterführend: Wenn ich mir die Qualität der Stühle und Bänke, der Wandfarbe und das Alter der Türrahmen betrachte – jedes noch so einfache Arbeitsbüro ist besser ausgestattet: Bodenbeläge des gleichen Herstellers wie in meiner eigenen Schulzeit (und in einer Farbe wie sie circa 10-20 Jahre vor meiner Schulzeit modern war), mit Holzstühlen vollgestopfte Klassenzimmer, abgestossene Wände und Ecken. Und dabei war ich gar nicht auf einem Schulklo – Horrogeschichten zu diesem Thema machen ja immer wieder die Runde.

Den Schülern oder gar Lehrern kann man das nicht anlasten: Überall sieht man ihre Bemühungen, mit Wandgemälden zu schmücken oder mit Pflanzen etwas Atmosphäre herzustellen – aber Schreiner sind ja sicher die wenigsten.

Dabei stellen auf jeder Bildungsmesse Didacta einmal im Jahr viele renommierte Hersteller ihre innovativen Schulmöbel, praktischen Whiteboards oder geschmackvollen Lehrmaterialien für die Wände aus. Ob die wohl alle bloß exportieren und an Privatschulen liefern?

Natürlich kennt jeder die Antwort auf die Frage, warum dies alles so ist – und wahrscheinlich besonders seufzend die dafür Verantwortlichen in den Schulen: Es fehlt das Geld. Aber „fehlt“ es wirklich? Oder wird es nur einfach nicht bereitgestellt? Weil eine positive Atmosphäre beim Lernen nicht so wichtig ist? Natürlich kann man sich darüber streiten, ob eine weitere Lehrerstelle nicht wichtiger ist als zehn Whiteboards. Aber wenn in diesem reichen Land die Bildung der Kinder von der Politik als so bedeutend erachtet wird, warum muss man denn bitte darüber schon nachdenken?

Ich finde es wichtig, dass auch unsere Kinder in der Schule das Gefühl bekommen, dass der Ort ihrer Bildung wertgeschätzt wird. Aber wie soll das gehen, wenn jeder andere Ort, den sie kennen, schöner, sauberer und moderner eingerichtet ist? Wenn ihr „Arbeitsplatz“ sich von dem ihrer Eltern – wo sie vielleicht einmal zu Besuch waren – eklatant unterscheidet?

Liebe Politiker, bevor die nächste Sonntagsrede zum Thema „Bildung ist wichtig“ ansteht, unterschreibt doch einmal ein paar Budgetanfragen einer Schule eures Wahlkreises, da wäre dann wirklich etwas getan – danke!