Stillmafia

Eine Pekipgruppe mit zehn Babys zwischen drei und vier Monaten. Als eines der Babys beginnt zu quengeln und zu schreien, rührt die Mutter eine Flasche an und füttert das Baby.

Nach dem Treffen nimmt eine weitere Mutter der Gruppe auf der Straße die Frau zur Seite und sagt: „Na da bin ich aber froh, dass ich nicht die Einzige bin, die ihrem Kind die Flasche gibt“. Dies im Ton von „Psst, geheim, ich bin auch eine von „denen“. Den Müttern, die nach drei Monaten nicht mehr stillen.

Heutzutage scheint nicht klar zu sein, wann man seinem Kind Schlimmeres antut: Wenn man es nicht stillt oder wenn man es vernachlässigt. Die Stillmafia, ein Konglomerat aus Stillberatern (die davon schließlich leben) Hebammen und Verbänden, haben ganze Arbeit geleistet. Mit ihren Horromeldungen, mit welchen gesundheitlichen Problemen ungestillte Babys ihr ganzes Leben werden kämpfen müssen (Allergien, Übergewicht) setzen sie das Nichtstillen in der öffentlichen Meinung kurz hinter Kindesmißhandlung.

Mit der Meinung „jede Frau kann stillen“ verurteilen sie die, für die es aus verschiedensten Gründen nicht so leicht ist. Als seien dies Mütter, die eben nicht genung für ihr Baby tun wollen, sich nicht genügend anstrengen, um eine gute, eine stillende Mutter zu sein.

Sogar die Hersteller von Fertigmilchnahrung haben scheinbar Angst vor der öffentlichen Meinung zu diesem Thema und schreiben möglichst häufig „Sillen ist das Beste für Ihr Baby“ in ihre Werbung.

Und die Frauen? Haben Stress. Den haben sie sowieso, denn das Leben mit einem Säugling, die Umstellung, durchwachte Nächte…. Der Anspruch „ich muss stillen, komme was wolle“, ist da nicht wirklich hilfreich. Im Gegenteil, viele Experten sagen, dass Stress die Milchproduktion zusätzlich hemmt, Mutter und Baby unruhig macht.

Wer in späteren Jahren mit anderen Müttern auf die Babyzeit zurückkommt, erfährt Erstaunliches: Viele haben damals wahnsinnige Mühen auf sich genommen, nur um so lange wie möglich zu stillen: Brustentzündungen, langes Hängen der Pumpmaschine, mehrmals täglich, Brusthütchen,  lange sorgenvolle Nächte, weil es nicht klappt und die Hebamme eine Bemerkung gemacht hat…..

Und wenn man sich dann die gestillten, halbgestillten, lange oder ganz kurz gestillten Kinder anschaut: Ein Zusammenhang zwischen Allergien, Krankheitsanfälligkeit und der Stillzeit ist schlicht nicht feststellbar. Ist dieser persönliche Eindruck eine Ausnahme?

Liebe Stillberater und Co, fahrt bitte mal einen Gang runter! Es ist ja in Ordnung, Müttern dabei zu helfen, eine schöne Stillbeziehung mit ihrem Kind aufzubauen, wenn es klappt. Aber wenn nicht: Stillen ist kein Leistungssport und als den solltet ihr ihn bitte auch nicht betrachten!

 

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