Facebook – Tipps und Tricks für Eltern

Welche Strategien helfen Eltern, wenn ihre Kinder bei Facebook & Co online gehen? Ein Gespräch mit dem Medienreferenten Uli Sailer.

Nicht jeder hat Zeit und Lust ein ganzes Buch über Internetsicherheit zu lesen. Welche wichtigsten Tipps würden Sie einem Facebook Nutzer geben?

Die Anmeldung sollte nicht nebenbei geschehen, man sollte sich genügend Zeit dafür nehmen und vor allem auch die Nutzungsbedingungen lesen, auch wenn das etwas langweilig ist. Vor allem aber sollte man seine Kontoeinstellungen und die Einstellungen der Privatsphäre sehr sorgfältig machen. Bei www.klicksafe.de gibt es eine sehr nützliche Broschüre dazu.

(Außerdem von uns ein Tipp, ein Ratgeberbuch zu Facebook, aufgemacht für die junge Zielgruppe: Facebook aber richtig)

Welche Tipps haben Sie für Eltern eines jugendlichen Facebook Nutzers?

Für besonders wichtig halte ich, dass sich die Kinder und auch die Eltern an die Regeln halten, das heißt, dass man keinen falschen Namen angibt und kein falsches Geburtsdatum, denn Facebook fordert ganz klar den echten Namen.

Die Kinder zu überwachen halte ich für den falschen Ansatz, denn auch sie haben ein Recht auf Privatsphäre. Vielmehr sollte man darauf achten mit seinen Kindern im Gespräch zu bleiben. Also mal nachfragen, Interesse zeigen und offen sein für das was die Kinder erzählen. Dann kann man ziemlich sicher sein, dass die Kinder einem erzählen, wenn sie wirklich in Schwierigkeiten geraten zum Beispiel viel Geld zahlen sollen. Wichtig ist natürlich, dass man die Aktivitäten der Kinder nicht verteufelt, denn dann erzählen sie einem nichts mehr. Das wäre fatal, denn Probleme, die Kinder im Internet haben können sie in der Regel nicht alleine lösen.

Welche konkreten Einstellungen sind notwendig, um ein sicheres Profil anzulegen für mich oder meine Kinder?

  • Ganz wichtig ist es bei den Privatsphäreneinstellungen nur „Freunde“ zu wählen und nicht „Freunde von Freunden“, sonst können unüberschaubar viele Leute zu private Dinge auf dem Profil sehen.
  • Die Option, ob andere Suchmaschinen auf die Chronik zugreifen können muss unbedingt auf „aus“ sein.
  • Ein wichtiger Check ist es, von einem anderen Benutzerkonto, also zum Beispiel das eines Bekannten, mit dem man nicht auf Facebook befreundet ist, das eigene Profil anzuschauen, um zu sehen, wie viel jeder einfach so zu sehen bekommt.
  • Private und personenbezogene Daten sollten so wenige wie möglich auf Facebook auftauchen. Also niemals die Schule nennen, die man besucht, oder den Betrieb in dem man arbeitet und schon gar nicht Namen von Kollegen oder gar Chefs nennen. Eine negative Äußerung über den Chef auf Facebook kann ein Kündigungsgrund sein.
  • Bei den Benachrichtigungen sollte man die Kontoeinstellung überprüfen, so dass man nur wichtige Nachrichten bekommt, sonst ist das Postfach so überflutet, dass man Gefahr läuft, wichtige Nachrichten zu übersehen.

Worauf muss ich als Elternteil genau achten, wenn ich die Facebookseite meines Kindes beobachte? Wie viel Zeit pro Woche muss ich dafür rechnen?

Man sollte die Facebookseite seines Kindes gar nicht beobachten, Kinder haben wie gesagt auch ein Recht auf eine Privatsphäre. Nur im Gespräch mit den Kindern sollte man bleiben und eine möglichst positive offene Beziehung haben, damit die Kinder bei echten Problemen zu einem kommen und man ihnen dann helfen kann.

Was tu ich, wenn’s passiert ist? Also die Tochter zur Geburtstagsparty mit 1.000 Freunden eingeladen hat? Der Sohn per Facebook gemobbt wird?

In ersterem Fall kann man glaube ich nur die Polizei rufen.
Bei Mobbing kommt es darauf an, was passiert, wen es eher klassisches offenes Mobbing über das Internet ist, dann sollte man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, zunächst mit dem Klassenlehrer und der Schule sprechen, sowie mit dem Schulsozialarbeiter oder bei einer Beratungsstelle außerhalb der Schule.
Wenn es darum geht, dass jemand ein Fake-Profil, also ein künstliches Profil, angelegt hat, dann wenden Sie sich gerne an mich, (www.uli-sailer.de) und ich helfen Ihnen herauszufinden wer das ist.
Oft passiert finanzielle Abzocke über das Internet oder es werden Abmahnungen geschickt, hier sollten sie unbedingt sofort reagieren und sich an einen Anwalt wenden, der auf dieses Gebiet spezialisiert ist. Auch da helfe ich ihnen gerne persönlich weiter.

Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer berichtete am 18.11.2012 auf dem Heilbronner Bildungskongress, dass Firmen in den USA bei Bewerbern mittlerweile aus den von Facebook gespeicherten Daten ein Persönlichkeitsprofil erstellen lassen. Es gibt wohl schon Fälle in denen Leute den Job daraufhin dann nicht bekommen haben, obwohl sie ihn aufgrund der Bewerbungsunterlagen bekommen hätten.
Gibt es eine Möglichkeit dagegen vorzugehen oder sich davor zu schützen? Und: Inwieweit nutzen deutsche Firmen schon solche Möglichkeiten?

Ein Blick auf das Facebook Profil reicht oft schon aus um Rückschlüsse auf die Persönlichkeit zu schließen und dann evtl. von einer Einladung zum Bewerbungsgespräch abzusehen. Allein die Gruppen auf denen die Person drauf ist, verrät viel über einen. Außerdem kann man auf Facebook sehen, was andere über diese Person reden, auch hier verstecken sich viele Informationen. Dagegen angehen kann man nicht, es lässt sich keinem Arbeitgeber nachweisen, dass es an den Informationen aus dem Internet lag, dass der oder die Bewerberin nicht genommen wurde. Ähnlich wie bei der Gleichstellung ist eine gleichwertige Qualifikation schwer nachzuweisen. Aber vorbeugen lässt sich natürlich, indem man genau schaut, was man im Internet über sich selbst veröffentlicht. Ob Firmen diese Informationsquelle wirklich systematisch nutzen kann ich nicht sagen, aber ich weiß von Fällen, wo der Juniorchef mal in der Mittagspause aus Spaß den neuen Praktikanten auf Facebook angeschaut hat. Der hatte dort über den Chef gelästert und war seinen Praktikumsplatz sofort los.

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Eltern nicht für illegale Musikdownloads ihrer Kinder haften sofern sie ihre Kinder aufgeklärt haben. Wie klären Eltern ihre Kinder darüber auf?

Ja, auch den ersten Blick hört sich das Urteil gut an, auf den zweiten ist es aber nicht mehr so viel wert, es bringt tatsächlich nur etwas für Kinder unter 14 Jahren. In diesen Fällen muss die Anklage fallen gelassen werden. Kinder über 14 dagegen haften selbst, und dass heißt dann im Zweifelsfall, dass sie einen sogenannten Titel bekommen und Einkommen, also auch später ihr Gehalt gepfändet wird bis der Schaden bezahlt ist. Da diese Dinge nicht verjähren, kann das ein Leben lang dauern. Da aber kaum Eltern ihrem Kind so etwas zumuten werden, werden weiterhin die Eltern zahlen, es hat sich also nicht wirklich viel geändert.

Die Aufklärung durch die Eltern, dass die Kinder keine illegalen Downloads tätigen dürfen, muss tatsächlich schriftlich festgehalten werden. Ist dies erfolgt gelten die Kinder als von ihren Eltern aufgeklärt und die Eltern sind ihrer Pflicht nachgekommen, aber ob ihnen das soviel bringt ist fragwürdig, wie ich oben erläutert habe. Allerdings verdeutlicht den Jugendlichen dieses Vorgehen vielleicht den Ernst der Lage.
(Eine Vorlage zur Aufklärung Illegale Musiktauschbörsen)

Manche Experten empfehlen, die Eltern sollten mit ihren Kindern Computerspiele spielen. Was halten Sie von einer derartigen Empfehlung?

Das ist eine gute Empfehlung. Wenn man selber mal spielt, dann ist das eine gute Gelegenheit mit dem Kind im Gespräch zu bleiben. Außerdem erfährt man am eigenen Leibe, welches Suchtpotential diese Spiele haben. Wenn man das Verhalten des Kindes besser versteht, und das Kind sich ernst genommen fühlt, lassen sich leichter gemeinsam Strategien und Regeln entwickeln, den Computerkonsum zu beschränken.

Vielleicht noch eine Anmerkung zum Schluss, vieles dreht sich um Facebook, dabei sollte man auch andere nicht aus dem Blick verlieren. Google zum Beispiel ist ein viel größerer Datensammler als Facebook. Auch hier lohnen sich ein Blick in die Betriebsanleitung und ein Blick hinter die offensichtliche Kulisse.

Das Gespräch führte Dr. Katja Sichau

Noch mehr zu dem Thema in unserer Buchempfehlung: Facebook, Twitter und Co – aber sicher

Mehr zum Gesprächspartner: http://uli-sailer.de

Bildquelle: aboutpixel.de / modern zombies 2.0 © Christoph Ruhland

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Ein Kommentar über “Facebook – Tipps und Tricks für Eltern

  1. Tim T.

    Hi,
    vielen Dank für diesen tollen Artikel!
    Ich habe meine eigenen Tipps zum Thema hier zusammengefasst: http://www.2bguide.com/news/20140915/checkliste-sicherheitstipps-sozialen-netzwerken.html

    Freue mich über Feedback
    LG
    Tim

    Antworten

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