Bildungs-Wertschätzung?

Ich hatte die Gelegenheit, mir ein paar unterschiedliche Schulen anzusehen. Klar, es gibt neuere Bauten, ältere, größere, kleinere, zentraler oder im Park gelegen – aber eines haben sie im Durchschnitt gemeinsam, wenn sie öffentlich sind: Sie sind miserabel ausgestattet und vor allem möbliert. Klar, die eine oder andere Schule hat mal etwas neuere Pulte, aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Ob Grundschule oder weiterführend: Wenn ich mir die Qualität der Stühle und Bänke, der Wandfarbe und das Alter der Türrahmen betrachte – jedes noch so einfache Arbeitsbüro ist besser ausgestattet: Bodenbeläge des gleichen Herstellers wie in meiner eigenen Schulzeit (und in einer Farbe wie sie circa 10-20 Jahre vor meiner Schulzeit modern war), mit Holzstühlen vollgestopfte Klassenzimmer, abgestossene Wände und Ecken. Und dabei war ich gar nicht auf einem Schulklo – Horrogeschichten zu diesem Thema machen ja immer wieder die Runde.

Den Schülern oder gar Lehrern kann man das nicht anlasten: Überall sieht man ihre Bemühungen, mit Wandgemälden zu schmücken oder mit Pflanzen etwas Atmosphäre herzustellen – aber Schreiner sind ja sicher die wenigsten.

Dabei stellen auf jeder Bildungsmesse Didacta einmal im Jahr viele renommierte Hersteller ihre innovativen Schulmöbel, praktischen Whiteboards oder geschmackvollen Lehrmaterialien für die Wände aus. Ob die wohl alle bloß exportieren und an Privatschulen liefern?

Natürlich kennt jeder die Antwort auf die Frage, warum dies alles so ist – und wahrscheinlich besonders seufzend die dafür Verantwortlichen in den Schulen: Es fehlt das Geld. Aber „fehlt“ es wirklich? Oder wird es nur einfach nicht bereitgestellt? Weil eine positive Atmosphäre beim Lernen nicht so wichtig ist? Natürlich kann man sich darüber streiten, ob eine weitere Lehrerstelle nicht wichtiger ist als zehn Whiteboards. Aber wenn in diesem reichen Land die Bildung der Kinder von der Politik als so bedeutend erachtet wird, warum muss man denn bitte darüber schon nachdenken?

Ich finde es wichtig, dass auch unsere Kinder in der Schule das Gefühl bekommen, dass der Ort ihrer Bildung wertgeschätzt wird. Aber wie soll das gehen, wenn jeder andere Ort, den sie kennen, schöner, sauberer und moderner eingerichtet ist? Wenn ihr „Arbeitsplatz“ sich von dem ihrer Eltern – wo sie vielleicht einmal zu Besuch waren – eklatant unterscheidet?

Liebe Politiker, bevor die nächste Sonntagsrede zum Thema „Bildung ist wichtig“ ansteht, unterschreibt doch einmal ein paar Budgetanfragen einer Schule eures Wahlkreises, da wäre dann wirklich etwas getan – danke!

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