Alle Artikel von Claudia Minke

Zahlenschwäche Dyskalkulie – was tun?

Mathe war und ist selten das Lieblingsfach – sowohl von Schülern heute als auch früher, als Eltern und Großeltern noch Schüler waren. Wessen Kinder Mathematik lieben – die können hier aufhören zu lesen.

Alle anderen fragen sich vielleicht manchmal, ob der Nachwuchs nicht an einer Rechenschwäche leidet – oder einfach nur zu wenig Rechnen geübt hat?

Was ist Dyskalkulie?

Erstmal ganz schrecklich trocken: Dyskalkulie ist eine sogenannte Teilleistungsstörung ähnlich wie Legasthenie, die schon länger bekannt ist. Dyskalkulie-Kinder haben es schwerer, mit Zahlen umzugehen und deshalb Schwierigkeiten in der Schule.

Das bedeutet aber gar nicht, dass ein Dyskalkulie-Kind dumm ist. Das Kind hat die Mathematik, so wie sie ihm in der Schule erklärt wird, nicht verstanden. Möglicherweise kann es sie aber mit anderen Erklärungen verstehen oder braucht einfach in diesem Bereich etwas länger als seine Altersgenossen.

„Es liegt weder an der Intelligenz des Kindes, noch an Faulheit, wenn ein Kind rechenschwach ist.“ sagt Diplom – Psychologe Georg Troumpoukis vom Mathematischen Institut zur Behandlung der Rechenschwäche in München.


Infos und Link zu einem Dyskalkulie-Forum mit Fragemöglichkeit bei Einzelfällen:

Mathematische Institute zur Behandlung von Rechenschwäche

Nicht nur „schlecht in Mathe“: Mögliche Folgen von Dyskalkulie

Die Folgen von Dyskalkulie können viel schlimmer sein als nur eine schlechte Note in Mathe. So können die ständigen Misserfolge zu Schulangst und zu genereller Unlust führen, überhaupt etwas zu lernen. Das Kind kommt sich möglicherweise generell unfähig vor und verliert sein Selbstbewusstsein auch in anderen Fächern. Schließlich werden in der Grundschule alle Fächer meist von dem gleichen Lehrer gegeben – da ist ein Stigma schnell da. Lehrer sind außerdem oft nicht speziell ausgebildet – sie erkennen eine Dyskalkulie also häufig nicht.

Warum erkennt man Dyskalkulie manchmal erst spät?

Dyskalkulie-Kinder sind häufig normal oder sogar überdurchschnittlich intelligent. So fällt diese Schwäche oft erst in der weiterführenden Schule auf. In der Grundschule hatte das Kind den Stoff auswendig gelernt, ohne die Grundlagen zu verstehen. Gerade lernstarke Kinder tun so etwas.

Manche Kinder merken sich Zahlen und Rechenwege allerdings einfach schlecht. Das liegt aber dann meist nicht an prinzipieller Vergesslichkeit, sondern daran, dass die Kinder die Rechenwege nicht verstanden haben. Da unser Gehirn sich lieber Zusammenhänge merkt, vergessen die Kinder öfter etwas, wenn sie es eben nicht verstanden haben.

Wie erkennt man Dyskalkulie?

Jedes Dyskalkulie-Kind hat andere Probleme mit der Zahlenwelt: Oft fehlen grundlegende Dinge, wie das Erkennen von Mengen, und Größen. Oder es wird der Zusammenhang von Rechenarten nicht verstanden – beispielsweise dass das Malnehmen eine Fortsetzung von Addieren ist (2+2+2 = 3×2).

Dyskalkulie-Kinder rechnen oft ziffernorientiert, nicht zahlenorientiert. Das bedeutet, dass sie es gar nicht schlimm finden, wenn sie die Reihenfolge der Ziffern einer Zahl einfach beim Rechnen  umdrehen, wenn sie dadurch leichter einen Rechenweg finden können. 

Was tun?

Dyskalkulie ist sehr vielschichtig – oft hat das Kind einige Grundlagen einfach nicht verstanden und sich in den Folgejahren intelligent „durchgemogelt“. Es hat sich seine eigenen Regeln gebastelt, wie es richtig sein könnte. 

„Wichtig ist, dass die Eltern einen Blick dafür bekommen, wie ihre Kinder mathematisch genau vorgehen und vor allem, dass sie irgendwie vorgehen“, sagt Psychologe Troumpoukis. Denn dann kann man Maßnahmen ergreifen um den Denkfehler umzuprogrammieren.

Denn es ist möglich, eine Dyskalkulie in zu verbessern, und die mathematischen Denkverirrungen zu beseitigen. Dafür braucht man aber professionelle Hilfe. Und dies ist nicht billig: Circa 230 Euro im Monat kostet eine Therapie mit wöchentlicher Sitzung. Unter bestimmten Voraussetzungen können Eltern die Dyskalkulie-Therapie ihres Kindes durch das Jugendamt oder Fonds fördern. Also: vorab beraten lassen! Außerdem gibt es noch die Möglichkeit, als Eltern spezielle Kurse zu besuchen, um den eigenen Kindern besser helfen zu können. Ein zweischneidiges Schwert, schließlich ist die Situation zu Hause oft schon ganz schön belastet. Aber besser als nichts allemal.

Was nicht tun?

Nutzloses Üben bringt gar nichts, wenn man die falschen Denkwege nicht erkennt. Im Gegenteil. Nicht nur, dass es alle Beteiligte Zeit und Nerven kostet und nichts dabei herauskommt. Das Üben der falschen Denkwege verfestigt diese auch noch. Der Experte aus eigener Erfahrung: „Nachhilfe bleibt hier in den meisten Fällen erfolglos, weil diese nicht das Problem an der Wurzel packt. Und meist ist die häusliche Übungssituation emotional so sehr belastet, dass ein reibungsloses Zusammenarbeiten nicht mehr möglich ist.“

Kinder sind allein nicht in der Lage, zu übersehen, wo sie Defizite haben und diese selbständig aufzuarbeiten. Deshalb darf man sie mit dem Problem nicht alleine lassen.

Je früher, je besser

Klar ist – je früher eine Rechenschwäche erkannt wird, desto schneller kann man sie ausgleichen, desto weniger Frust kriegt das Kind und Folgen wie generelle Selbstbewusstseinsprobleme oder Schulunlust treten gar nicht auf.

Rechenspiel Shut the Box

Ein guter Tipp, Kindern allgemein mit Spaß die Zahlenwelt nahezubringen:
Shut the box, ein Zahlenspiel aus Englands Pubshttp://www.familothek.de/shut-the-box-regeln.html
Ziel des Spiels ist es, möglichst schnell die kleinen Holztafeln des Spielbretts, die mit Zahlen beschriftet sind, weg zu klappen. Das ist möglich, da die Tafeln durch Scharniere am Spielbrett befestigt sind. Die Spieler würfeln mit zwei Würfeln und können dann die gewürfelte Zahl nach verschiedenen Regeln wegklappen. Wer es als erster schafft, ist Sieger.

Eine Vorlage von Familothek finden Sie hier http://www.familothek.de/vorlage-spiel-shut-the-box.html.

Das Spiel gibt es mit den Ziffern 1 bis 10 oder bis 12. Man kann auch Plättchen mit den Zahlen beschriften und weglegen oder umdrehen.

Falls Sie auch nach „Shut the Box“ süchtig werden und eine richtig stabile Spielvorlage kaufen wollen, diese gibt es unter anderem hier:

Oder man nimmt die elektronischen Versionen:
http://itunes.apple.com/de/app/shut-the-box-classic/id344291486?mt=8
http://www.freeware.de/download/shut-the-box_26083.html

Noch eine Möglichkeit, den Spaß an Zahlen zu fördern: Magische Zahlenspiele – eine Rezension bei uns http://www.familothek.de/magische-mathematik-spiel.html


Illustration: Isabelle Dinter

Es war einmal…. Märchen heute vorlesen?

Schneewittchen, Frau Holle, Rotkäppchen… wie zeitgemäß sind Märchen heute?

Wenn in den Radionachrichten von Grausamkeiten die Rede ist, schalten Eltern um, wenn ihre Kinder dabei sind. Und niemand käme auf die Idee, den Nachwuchs unter zehn in neueste Horrorstreifen zu schleppen. Aber gleichzeitig sollen wir ihnen Geschichten von Hexen im brennenden Ofen, abgehackten Fersen und ausgestochenen Augen vorlesen?

Trotzdem – viele Kinder lieben Märchen Die klare Aufteilung in gut und böse und die recht einfache Struktur machen sie kindgerecht. Märchen bieten Orientierung in der kindlichen Welt: Gut und böse ist sehr klar verteilt und meistens gewinnt das und der Gute.

Aber: Werden mit den Märchen nicht auch die antiquierten Vorstellungen des Mittelalters an unsere Kinder vermittelt? Schöne Königstöchter werden prinzipiell als Gewinn an Märchenhelden vergeben, grausame Strafen für Vergehen (teeren, federn und so weiter) sind an der Tagesordnung.

Davon abgesehen: In vielen alten Geschichten und Fabeln steckt eine Menge Lebensklugheit. Da ist der kleine Held schwach und wird unterschätzt, kommt aber mit Witz und Intelligenz zum Ziel (Sieben auf einen Streich / Däumeling). Stellvertretend durchleben unsere Kinder mit Märchen Konflikte – in einer fantastischen Welt und deshalb wie im Spiel für sie. Märchen regen die  Fantasie an, und auch dies ist eine schöne Wirkung. Und gerade die überlieferten alten Märchen aus dem deutschsprachigen Raum bieten den allerersten Zugang zu unserer Kultur.

Also dann doch Märchen – aber wie und wann?

Zuerst einmal: Nicht jedes Märchen ist für jedes Kind in jedem Alter geeignet. Wer ein schreckhaftes Kind mit eher zu viel Fantasie hat, sollte vielleicht nicht schon der Dreijährigen „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“ vorlesen. Also lieber vorsichtig anfangen und immer beobachten, wann es genug ist. Und Märchen erst einmal vorlesen, bevor man die CD oder gar DVD einlegt. Das Vorlesen hat den Vorteil, dass Eltern ihren Kindern ungewohnte Situationen erklären können: Dass man heute solche grausamen Strafen in unserem Land nicht mehr verhängt; dass früher die Mädchen eben nicht gefragt wurden, wen sie heiraten wollten, sie heute selbst entscheiden, und so weiter. So nähern sich Große und Kleine gemeinsam Schritt für Schritt der wunderbaren, fantastischen und vielseitigen Welt der Märchen.

Hier eine Sammlung der besten Märchenlinks im Internet

  • Hier kann man nicht nur Märchen kostenlos im Internet lesen, sondern sich sogar als Newsletter  per E-Mail zusenden lassen: http://www.internet-maerchen.de/
  • Diese Seite bietet die klassischen Märchen nach Autoren sortiert und mit einer kurzen Biografie versehen. : http://www.1000-maerchen.de/. Hier gibt es Brüder Grimm noch im Original zu lesen.Leider ist die Schrift nicht sehr lesefreundlich. Am besten größer ausdrucken!
  • Diese private Homepage bietet neben vielen verschiedenen klassischen Autoren auch eigene Märchen, sowie antike Sagen und antike Autoren, ethnische Märchen und sogar englischsprachige Elemente. http://www.maerchen.net/ Die Aufmachung der Webseite ist Geschmackssache, aber als Märchenfundus unendlich vielseitig.
  • Auch bei Spiegel Online kann man beim Gutenberg-Projekt Märchen, Geschichten, Fabeln usw. kostenlos im Internet lesen, zum Beispiel alle Märchen von Hans Christian Andersen: http://gutenberg.spiegel.de/
  • Auf dieser Seite kann man Grimms Märchen in verschiedenen Sprachen lesen und als Hörbuch anhören: http://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/index
  • Wer die Kurzfassungen lesen will, um sich schöne Märchen auszusuchen: http://www.maerchen-archiv.de/

Bild: Franz Jüttner (1865 – 1925)

Kinder zum Zähneputzen animieren

„Zähne putzen macht mir Spaß, in der Hand ein Wasserglas…“ So tönt es hoffnungsfroh von der Kinderlieder CD. Die Realität sieht viel zu oft anders aus: Kariöse Zähne schon mit drei oder jeden Abend ein Wutanfall im Bad.

Wie kriegt man die Kleinen bloß zum Putzen?

Lieder, Gedichte, Geschichten und absolute Kompromisslosigkeit

Zahnputzlieder, kleine Geschichten und Reime helfen gerade Kleineren, das Zähne putzen wie ein Spiel aussehen zu lassen. Manche lassen sich auch mit lustigen, selbst ausgesuchten Zahnbürsten oder einer elektrischen Zahnbürste eine Zeitlang überzeugen. Auch immer die Kinderzahnpasta wechseln kann erst einmal helfen – schließlich haben diese für Eltern oft ungeniessbaren Zahnpasten unterschiedliche Geschmacksrichtungen.

Irgendwann merken die meisten Kinder, dass Zähneputzen ein „Muss“ ist. Und welches Trotzkind mag schon gerne ein „Muss“? Da hilft dann nur die hundertprozentige Konsequenz, inklusive Brüllen, Zappeln lassen und festhalten. Wer meint, dass sei doch nicht nötig, dem sei gesagt: Niemand würde sein Kind einfach so auf die Straße laufen lassen, nur weil es Lust dazu hat. Klar, einmal Zähneputzen auslassen ist nicht so schlimm, aber wenn das einreisst, wird es schlimm….Kinderzahnärzte berichten von Zweijährigen mit acht kariösen Milchzähnen und der Reaktion der Mutter „Er putzt eben nicht gerne….“.

Vorbilder zeigen

Den absoluten Klassiker zum Thema Zähne putzen, Karius und Baktus gibt es übrigens hier:
http://www.dailymotion.com/video/xbdk4_karius-und-baktus_school

Obwohl ja diskutiert wird, ob die zwei netten Männchen nicht zu nett dargestellt werden – nämlich so nett, dass die Kinder sie im Mund haben und nicht vertreiben wollen….Aber wenn Eltern und Kinder Film oder Buch gemeinsam ansehen, können Eltern schon dafür sorgen, dass Kinder das Richtige aus der Geschichte herauslesen. Darüberhinaus gibt es noch viele weitere neue Kinderbücher zum Thema Zahnpflege.

Drastisch, aber je nach Kind ein Ausprobieren wert: Dem Kind deutlich zeigen, wozu es führt, wenn man sich nicht die Zähne putzt. Anschauungsmaterial findet man beispielsweise hier: http://www.lda-lsa.de
Unsere Vorfahren haben sich nämlich nicht die Zähne geputzt und Schädelfunde von Frühmenschen zeigen deutlich deren kariöse Zähne. Aber bitte dabei nicht warnen oder gar drohen „das passiert Dir auch“, sondern einfach mal zeigen, wie das bei anderen war. Vielleicht geht es weniger drastisch, beispielsweise wenn der Hund Mundgeruch hat…

Sehr gut ist auch die Argumentation mit den Süßigkeiten: Wer nicht Zähne putzt, darf keine Süßigkeiten essen, damit die Zähne nicht kaputt gehen. Zwar liebt nicht jedes Kind Süßigkeiten – die meisten aber schon!

In welcher Lage?

Hilfreich – und manchmal kommt man nicht darauf – mit dem Kind die ideale Lage suchen, um die Zähne zu putzen. Das kann sitzend auf dem Schoß sein, auf dem geliebten Sofa oder auch im Bett – Hauptsache, das Kind lässt putzen. Eine gute Zahnputzposition ist es, das Kind den Kopf in den Schoß des Putzenden legen zu lassen. Man kommt an alle Zähne heran und kann das Kind im Zweifel festhalten. Auch die Fernsehablenkung hilft natürlich – sollte aber lieber nicht zur Gewohnheit werden.

Blau im Mund – schlecht geputzt!

Ein Tipp für etwas ältere Kinder, die bereits verstehen, dass Zähne putzen wichtig ist, aber öfter einmal „keine Lust“ haben: Eine Flüssigkeit, die, wenn man sie 30 Sekunden im Mund hat, den Zahnbelag blau färbt.  Die Luxusversion ist ein ähnlicher Test beim Zahnarzt: Hier werden phosphorisierende Lösungen genutzt, die den Zahnbelag im Schwarzlicht sichtbar machen – cooooler Effekt!

Die blaue Lösung oder Tabletten mit gleichem Effekt bekommt man im Handel – sie ist absolut ungefährlich und ab und zu damit gespült, hält das Engagement beim Zähne putzen aufrecht. In der Drogerie nachfragen!

Mehr dazu bei uns:

Wie putzt man Kinderzähne richtig?

Einmal im Halbjahr: Besuch beim Kinderzahnarzt

Was tun bei Zahnunfall

http://www.familothek.de/bilderbuecher-milla-zahnfee-gewinnen.html

Medien zum Thema:

   

Plaque-Tests und Einfärbetabletten für die Zähne:

 

Illustration: Isabelle Dinter

 

 

Wie kommen wir ohne Trotzanfall nach Hause?

Neeeein, ich will nicht nach Hause“ – die dreijährige Sofia wirft sich brüllend in den Sand des Spielplatzes. Andere Eltern schauen auch schon herüber, denken vielleicht „Puh, ich heute nicht“. Ruhig bleiben, ist hier wieder einmal angesagt. Und darüber hinaus gibt es gerade in dieser Situation Möglichkeiten, den Abschied etwas zu erleichtern:

  • Kinder haben bis zum Schulalter keinerlei Zeitgefühl. Sie müssen also nicht wissen, dass es jetzt bald Zeit für das Abendessen ist, auch wenn die Sonne schon lange Schatten wirft. Deshalb sollten Sie Ihr Kind auf jeden Fall darauf vorbereiten, dass bald der Abschied naht. Und zwar am besten 5-10 Minuten vorher, damit sich das Kind darauf vorbereiten kann.
  • Ist es dann soweit, lassen Sie am besten das Handy klingeln (um den Ablauf der fünf Minuten anzuzeigen). Dieses Wunderding wird interessanterweise lieber akzeptiert, als die Stimme von Mama. Mehr dazu hier: Erziehen Sie auch mit Eieruhr?
  • Wenn Sie Glück haben, gehen die Eltern eines Freundes noch ein Stück Weg mit Ihnen nach Hause. Am besten verabreden Sie sich gleich zu Beginn für eine Heimgeh-Zeit.
  • Manche Kindern hilft es, sich nicht nur von Menschen, sondern auch von den Dingen zu verabschieden. „Tschüss Schaukel, bis morgen“, oder „Wiedersehen Trampolin“ kann Mutter und Kind einen stressfreien Heimweg bescheren. Beliebt ist es auch, wenn die Kleinen sich vorstellen können, dass die Rutsche jetzt schlafen geht. Dann sollten allerdings nicht noch zwanzig ältere Kinder darauf herumturnen. Aber manchmal passt ja auch dies.

Foto: aboutpixel.de / böser Blick © Rainer Sturm

Schulmaterial-Kauf – geht das billig?

Alle Jahre wieder – zum Schuljahresbeginn steht Schulmaterial kaufen auf dem Familienplan: Hefte, Bücher, Stifte, Material für Kunst und Werken – das geht ins Geld, jedes Jahr. Geht das denn auch billiger, kann man vielleicht ein bisschen sparen? Im Prinzip ja, aber bitte nicht überall:

Sparen ja:

  • Hefte, Blöcke und Papier. Die muss man nicht im Fachgeschäft kaufen, sondern kann sie auch im Fünferpack beim Discounter oder Ein-Euroshop auf Vorrat erwerben. Oder dieses Schulmaterial im Internet bestellen und da schnell das günstigste Angebot aussuchen.
  • Achtung allerdings für Grundschuleltern: Die Linienführung ändert sich bis zur vierten Klasse jedes Jahr (Liniertes Papier), aber dann kann vielleicht das jüngere Geschwisterkind die übriggebliebenen Hefte zwei Jahre später nutzen. Wer zwischendurch ein bis zwei Seiten zusätzlich benötigt, kann diese auch bei uns ausdrucken (Vorlagen für liniertes Papier)
  • Achtung auch bei den Vorgaben der Lehrer „mit Rand“ oder ohne sowie 16 oder 32 Blatt – das wird mal strenger, mal weniger streng gehandhabt – das darf man aber auch schon vor den Sommerferien bei Lehrerin oder Lehrer erfragen.
  • Außerdem sparen bei: Turntrikots, Malkittel, Stiftebecher, Schlamper-Mäppchen, Schnellheftern… Klar sind sie toll mit dem Aufdruck von Prinzessin Lillifee, Monster High oder dem Lieblingsfußballverein. Muss aber nicht sein. Schließlich zahlen Eltern sonst die Lizenzgebühren mit.

Sparen leider nein bei:

  • Füller
    Den sollten Eltern auf jeden Fall im Fachgeschäft kaufen, und ihn vorher vom eigenen Kind ausprobieren lassen. Gerade beim allerersten Füller ist das wichtig: Haben doch viele Hersteller Varianten, die vor allem zum Schreiben lernen geeignet sind. Außerdem wichtig: Braucht das Kind einen Linkshänder-Füller? (Link)
  • Schulranzen
    Ein Schulranzen muss auf den Rücken passen und zwar so gut wie möglich. Eltern von Schulanfängern können sich vielleicht nicht vorstellen, welche Gewichte ihre Kinder in den nächsten Jahren auf ihren schmalen Rücken tragen müssen. Das wird immer mehr. Und die Angewohnheit, dass Kinder heute oft in Grundschulen ihre Schulsachen lagern können, führt zu einem negativen Phänomen: Die Kinder nehmen täglich fast alles nach Hause mit, damit sie auf jeden Fall immer alle Schulsachen parat haben.
  • Material zum Malen und Basteln: Wer hier spart, tut dies zu Lasten des eigenen Kindes: Die günstigen Wassermalfarben leuchten lange nicht so schön und die günstigen Buntstifte brechen ständig ab, die Pinselborsten zerfasern beim Malen, die Schere schneidet kaum. Auch hier also: Markenartikel machen einfach dem Kind mehr Freude und motivieren besser zum Malen und Basteln.
  • Turnschuhe…
    Brauchen Kinder manchmal sogar mehrfach im Jahr, wenn die Füße wachsen. Hier muss es nun nicht immer für den Schulunterricht die superteure Markenversion sein – aber natürlich sollen die Schuhe belastbar sein und vor allem: Passen. Zum Checken der aktuellen Schuhgröße unsere Vorlage zum Ausdrucken
  • Zeit sparen
    In vielen Familien ist Zeit eine fast noch kostbarere Währung als Geld. Dazu ein Tipp: Wer beim Besorgen der vielen Kleinigkeiten zum Schulanfang Zeit sparen will, geht am besten in ein gutes Schreibwaren-Geschäft. Auf Nachfrage bieten viele nämlich an, die Liste komplett zusammen zu stellen. Also einfach Schul-Liste abgeben, etwas anderes tun und später das Paket mit Heften, Stiften und Blöcken wieder abholen. Gut, das spart sicher nicht sehr viel Geld. Aber ungemein Zeit und Nerven…

Bild: Alexander Stein

Adventskalender basteln für Kinder – kostenlose Vorlage

Dies ist eine Vorlage für einen Adventskalender, der jeden Tag im Advent den Kindern etwas nicht Materielles schenkt. Also: Einen Gutschein, ein Lob, eine Idee, etwas gemeinsam zu unternehmen.

Mehr Ideen dazu hier, auch für materielle kleine Geschenke.

Man kann diese Vorlagen für Adventskalender auf DINA 3 oder DIN A4 herstellen – die Schulheft-große Variante ist etwas klein, aber manchmal hat man ja nicht mehr Platz. Sonst ist die Version DINA 3 zu empfehlen:

Unser Adventskalender zum Selber basteln:

  • Die Blätter der Adventskalender-Vorlage ausdrucken. Die Vorlage ist bei uns in DIN A4 oder DIN A3 gespeichert. Zum Ausdrucken der großformatigen Variante entweder den A3 Drucker benutzen oder eine A3 Version im Copyshop ausdrucken lassen.

 

  • Auf der unteren Seite der Vorlage Lob, Idee oder Gutscheintext in die Kästchen schreiben.

 

  • Auf der oberen Seite die einzelnen Vierecke an drei Seiten perforieren – das werden die Kästchen zum Aufreißen. Perforieren können Sie entweder mit einem speziellen Schneidelineal (im Bastelgeschäft besorgen!) oder etwas mühsamer mit dem Papierskalpell also einem scharfen Schneidemesser für Papier.

 

  • Dann Kästchen für Kästchen an der Seite etwas einschneiden und an den Ecken oder Seitenkanten jeweils einen halben Millimeter stehenlassen – an diesem Stück Papier kann das Kind dann am entsprechenden Tag sein Türchen öffnen.

 

  • Nun die obere Seite auf die untere Seite aufkleben – dabei genau arbeiten, damit die Kästchen und ihr Türchen nicht verrutschen. Außerdem nicht vor lauter Eifer die Türchen (Kästchen) mit ankleben.
    Fertig!

Auch selbstgemacht: Ein ganz einfacher Gutschein-Adventskalender

Für die Mütter der „Anti-Bastelfraktion“, Eltern mit wenig Zeit oder wo es dieses Jahr einmal nicht so aufwendige Kalender geben soll: Weihnachtspapier in 24 Stücke schneiden, Text auf die Rückseite schreiben und aufrollen. Die kleinen Papierrollen mit Gold- oder Glitzerstift mit den Zahlen von 1 bis 24 beschriften und entweder an eine Schnur hängen oder in die Taschen vorgefertigter Adventskalender stecken. Diese Variante geht natürlich auch – der gute Wille (und der Gutschein) zählt!

Illustration: Isabelle Dinter www.grafische-visualisierung.de

Smartphone für jüngere Kinder – pro und contra

Irgendwann wird auch Ihr Kind wahrscheinlich ein Smartphone besitzen wollen – schließlich haben wir, die Eltern, meist auch eins. Aber ab wann ist das passende Alter dafür? Wie immer ist das individuell sehr verschieden. Damit Sie als Eltern den richtigen Zeitpunkt für Ihr Kind finden, hier ein Pro und Contra sowie ein paar Tipps zum Thema Handy und Kinder. Gewichten Sie selbst, welches Argument bei Ihnen und Ihrer Situation zu Hause schwerer oder leichter wiegt:

Smartphone für Grundschüler Pro

  • Sicherheit: Auf allen Wegen immer erreichbar für „Komm-nach-Hause“ oder „ich hole Dich später – Nachrichten. Sehr praktisch!
  • Wer es ganz genau wissen will oder muss, kann einen Standort-Software aktivieren und weiß dann immer genau, wo sich das eigene Kind gerade befindet.
  • SMS  – die Kleinen schreiben ihre Nachrichten selber und lernen dabei gleich tippen und Sätze formulieren.
  • Fotos machen, Filme drehen – das macht auch jüngeren Kindern sehr viel Spaß – und wahnsinnig kreativ sind sie meist sowieso.
  • Mit einer coolen App lernt es sich doch gleich viel leichter für die Schule!
  • Und wenn der Nachwuchs argumentiert, dass er eines „braucht“ um dazuzugehören? Weil „alle“ aus der Klasse eines haben? Wirklich, wirklich? Vielleicht erzählen dies die schlauen Kinderchen ja zu Hause bei allen Eltern der Klasse (Sie erinnern sich, klassischer Trick: „der andere darf aber auch…“)

Smartphone für Grundschüler Contra

  • In diesem Alter wird gerne Vieles vergessen und verloren – und vielleicht auch einmal das Smartphone…Also: Höchstens ein Prepaid-Handy.
  • „Kostenfalle Handy“ – das gilt besonders für ein Smartphone in Kinderhand: Kostenpflichtige Apps herunterladen, im Ausland telefonieren, Betrügern mit dubiosen Anrufnummern auf den Leim gehen – es gibt viele Möglichkeiten, das Taschengeldkonto stark zu überziehen. Also besser – genau – Prepaid.
  • Mit einem Smartphone kann Ihr Kind jederzeit unkontrolliert ins Internet – auf jede Internetseite und auch zwei Stunden lang. Ein Tipp: Keinen Datenvertrag abschließen und das Kind nur zu Hause ins W-LAN einloggen lassen – dann haben Sie als Eltern über Zeit und Internetseiten noch Kontrolle. Apps können Ihnen als Eltern helfen, den Zugriff Ihrer Kinder auf verschiedene Funktionen einzuschränken und zu überwachen.
  • Viele Erwachsene können ohne ihr Smartphone nicht mehr aus dem Haus gehen, viele Jugendliche sitzen mit der Nase vorm Handy am Essenstisch. Muss das also wirklich so früh anfangen? Jump ’n Run auf dem Minibildschirm statt fangen spielen in der Grünanlage? Bitte nicht!

Spiele für die Reise

Lange Reisen sind für Kinder immer ööööde – hier ein paar Ideen für Spiele in Auto, Fernbus, Zug oder Flugzeug, um die laaangen Wartezeiten für Kinder und Eltern zu überbrücken:

Geschichten erfinden 1: Bekannte Figuren, ab ca. 5 Jahre:

Jeder Spielteilnehmer denkt sich aus, eine andere Person zu sein: Das kann Bob der Baumeister oder Lillifee sein, Asterix oder ein Minion. Wichtig ist, dass alle Mitspieler die Personen kennen. Außerdem gibt es einen Geschichtenerzähler. Der denkt sich eine Geschichte aus, in der die beteiligten Personen vorkommen und fordert sie auf, etwas zur Geschichte beizutragen: „Lillifee und Asterix gingen spazieren und trafen auf einen Minion. Da sagte Lillifee: „…“ und nun muss der Spieler, der die Person Lillifee spielt, etwas zur Geschichte beitragen. „ Also“ antwortetet Asterix“……. Je lustiger die Ideen der Mitspieler sind, desto lustiger wird die Geschichte. Passen muss dabei gar nichts, im Gegenteil – aus den gegensätzlichen Figuren und Charakteren, die in der Geschichte aufeinander treffen, ergeben sich oft lustige Ideen.

Geschichten erfinden 2: Glücklicherweise – unglücklicherweise, ab ca. 5 Jahre.

Ein Mitspieler beginnt: Glücklicherweise fahren wir gerade in den Urlaub“, der nächste macht weiter „Unglücklicherweise sind wir noch nicht da“. Der nächste „Glücklicherweise werden wir morgen an den Strand gehen“…usw. Das ist eigentlich gar keine richtige Geschichte, kann sich aber zu einer lustigen Geschichte entwickeln, je nach Fantasie der Mitspieler. Übrigens: Immer mit „Glücklicherweise“ aufhören!

Mit Buchstaben und Zahlen haben folgende Ideen zu tun:

Stadt, Land, Fluss ohne Papier mindestens Grundschulalter

Ein Spielleiter gibt eine Kategorie vor, z.B.: „Wer weiß fünf Städtenamen, die mit dem Buchstaben F beginnen?“ Alle Mitspieler rufen die Namen laut heraus. Beliebt ist es, die Kategorie vorzugeben und den Buchstaben von zwei Mitspielern „auslosen“ zu lassen. Wer das nicht kennt, es geht so: Ein Spieler beginnt laut mit „A“, und zählt das Alphabet weiter. Ein zweiter sagt irgendwann „Stop“ – der Buchstabe, bei dem der erste Spieler gerade angelangt ist, wird genommen. Stadt, Land, Fluss ist nicht ganz einfach, auch für Grundschulkinder. Deshalb ist ein Spielleiter ganz praktisch, der schaut, welche Kategorie es sein soll, und ob man zum Beispiel bei Geschwistern unterschiedlichen Alters auch verschiedene Regeln gibt (z.B. das jüngere Kind hat bereits bei drei Begriffen gewonnen). Eine weitere Variante ist, dass der Spielleiter die bekannten Kategorien einzeln ansagt (Stadt, Land, Fluss, Tier, Name, Beruf – oder andere). Das Kind bekommt einen Punkt, welches zuerst einen passenden Begriff mit dem gewählten Buchstaben weiß und laut sagt.
Für Stadt, Land, Fluss auf dem Tisch haben wir übrigens eine Vorlage zum Ausdrucken – und zwar auch als Vorschulversion.

Kennzeichen zählen, ab Vorschulalter

Ein Spiel für längere Autofahrten und so unkompliziert, dass auch der Fahrer oder die Fahrerin mitspielen kann: Jeder Spieler sucht sich eine Zahl zwischen 0 und 9 aus. Jetzt wird Ausschau gehalten, welches Auto ein Kennzeichen mit dieser Zahl als letzte Zahl des Kennzeichens hat. Dazu zählen zu überholende oder überholende sowie entgegenkommende Autos. Wer beim Ankunftsort/bis zur Pause/ nach einer Stunde die meisten Kennzeichen gesammelt hat, hat gewonnen.

Hilfe, Kinder lieben hässliche Dinge!

Geschmackliche Irrtümer

Rosa, rosa, rosa. Oder glitter, zehnfarbig. Puppen mit Rüschenkleidern,  überladen gestaltete Aufkleber und überniedliche Kuscheltierchen mit rosa Öhrchen, riesengroßen Kulleraugen und ganz in grasgrün. Oder tiefschwarze Totenköpfe, verzerrte grellbunte Fratzen mit angriffslustiger Körperhaltung auf T-Shirts. Muskelbepackte Kunstfiguren mit spitzen Ohrenmasken in Plastik in unserem Kinderzimmer. Unsere Kinder sind begeistert und uns packt das kalte Grausen angesichts dieser ästhetischen Verirrungen – woher bitte haben die das bloß?

Es scheint so eine Art Virus zu sein, der die eigene Brut irgendwann infiziert. Natürlich kann man mit der frühkindlichen Eigenart argumentieren, grelle Farben leichter wahrzunehmen. Aber reicht das als Erklärung für Ben 10? Viel später kommt dann die Nachahmung der Großen aus dem Kindergarten hinzu, ihrerseits bereits von den großen Brüdern und Schwestern intrigiert. Ein kleiner Teufelskreis geschmacklicher Orientierungslosigkeit.

Eltern die meinen, dass die eigenen Kinder von handwerklich soliden (und teuren) Baby-Spielzeugen aus Holz mit gedeckten Grundfarben geschmacklich besser gebildet werden, irren. Jedenfalls dann, wenn sie sie nicht in den folgenden zwanzig Jahren von jedem anderen Kinderzimmer, jeglichem Werbeplakat, dem Kindergarten und der Schule fernhalten.

Waren wir selbst als Kinder da besser? Ich persönlich erinnere mich an eine tiefe Begeisterung für meine Barbies in ihrem Schönheitssalon im Grün der Siebziger – nein, wir waren es wohl nicht. Das hat etwas Beruhigendes – schließlich würden wir heute nicht von uns selbst behaupten, einen schlechten Geschmack zu haben! Auch meine persönliche Vorliebe für Barbies hat mittlerweile stark abgenommen.

Also entspannen wir uns und lassen ihnen ihren Spaß im Kinderzimmer, hängen uns aber keine niedlichen Benjamin Blümchen Plakate in der Küche auf. Und wenn die quietschbunte Kinderlampe im fortschreitenden Alter echt uncool wird, aber noch super funktioniert, dann liebe Eltern, denkt bitte nicht an das Praktische – „die könnte man doch noch in der Küche/im Büro/im Bügelzimmer nutzen“. Nein, o nein, stellt sie in Ebay oder verschenkt sie an die Nachbarn mit dem Fünfjährigen – kauft Euch bitte, bitte eine neue, die Euch gefällt!

 

 

Foto: privat

Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später

Es geht um Regenbogenfamilien. Stephanie Gerlach und Uli Streib-Brzic – selbst Eltern mit eigenen Regenbogenfamilien – haben noch einmal die Kinder befragt, die sie im ersten Band interviewt hatten: Wie ist das, mit zwei Mamas oder Papas groß zu werden? Ihre „Kinderinterviews“ sind gleichfalls abgedruckt und die mittlerweile jungen Erwachsenen blicken in neuen Interviews mit Abstand auf ihre Kindheit zurück.

Wie ist Kindheit in einer Regenbogenfamilie?

Und, wie ist es? Nun, wer die Interviews nacheinander wegliest, wird feststellen: Fast alles ist so, wie es bei tausenden anderen jungen Erwachsenen ist, wenn sie auf ihre Kinderzeit zurückblicken: Manches Gutes, manches Schlechtes – es sind viele Patchwork-Geschichten darunter, mit allen Schwierigkeiten und Geschenken, die solch eine Familie mit sich bringt. Natürlich sind die Geschichten sehr unterschiedlich, je nachdem, wie die einzelne Familie war, ob Geschwister da waren, wie sich die jungen Menschen im Leben zurechtgefunden haben.

Sind Regenbogenfamilien ganz normal? Ja, na klar. Wir haben darüber auch schon geschrieben. Im Buch findet sich eine Einschränkung: Fast alle Befragten sprachen darüber, wie es war, wenn andere auf „ihr“ Familienmodell reagierten. Das war meistens gut, manchmal aber auch nicht – auf jeden Fall mussten sich die Regenbogen-Kinder schon früh mit ihrer eigenen Familie auseinandersetzen. Bei vielen hatte das positive Auswirkungen: Sie reflektierten ihre Umgebung, schauten sich ihre Klassenkameraden, die Sportkollegen genauer an.

Ein sehr interessantes und authentisches Buch, nicht nur für Eltern von Regenbogenfamilien. Sondern für alle Eltern, wenn sie sehen wollen, welche Erfahrungen Kinder in ihren Familien machen und was eigentlich heute als Familie „normal“ ist – nämlich glücklicherweise alles, was für Kinder (und Eltern!) gut ist.

Gab es weitere Erfahrungen, „zwischen den Zeilen“, wenn die Autorinnen ihre „Schützlinge“ besuchten? Ich habe bei der Autorin Stephanie Gerlach selbst nachgefragt:

Für eigentlich alle Kinder war und ist es ein seltsames Gefühl, rechtlich anders behandelt worden zu sein als Kinder in „normalen Ehen“. Schließlich haben sie zwar zwei Elternteile, sind aber von einem adoptiert worden – auch wenn die Eltern bereits vor ihrer Geburt verheiratet waren, also in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft wohnten. Das ist schade, denn es gibt den Kindern ein Gefühl, welches nicht sein müsste – auch wenn sie am Tag der Adoption selbst und während der Vorbereitungen dazu (z.B. Besuch vom Jugendamt) noch zu klein waren, um sich zu wundern, das kam später. Am liebsten wäre es eigentlich allen Kindern, dass diese Familienform überall so akzeptiert ist, dass es normal ist und niemand mehr darüber reden muss.

Welche Erkenntnisse waren für die Autorin selbst neu beim Nachfolgebuch? Neu und anders als vor zehn Jahren war für Stephanie zum einen das Thema „Transgender“ – welches vor zehn Jahren noch nicht im Licht der Öffentlichkeit stand. Und neu sind leider auch die wieder aufkeimenden Vorurteile gegen lesbische und schwule Lebensformen. „Das hätte vor zehn Jahren niemand so erwartet“ sagt sie und sorgt sich um Toleranz im Allgemeinen in unserer Gesellschaft.

Wird es ein Buch „Zwanzig Jahre später“ geben? Stephanie hofft, dass da nicht nötig sein wird – und ist da aufgrund der schon angesprochenen aktuellen Entwicklungen in Richtung Intoleranz leider kritisch. „Alles was wir uns erkämpft haben, kann uns wieder genommen werden“, sagt sie. Ein wahres Wort, welches nicht nur für Eltern von Regenbogenfamilien gilt, sondern für uns alle, die in einer offenen und toleranten Gesellschaft leben wollen.

Uli Streib-Brzic und Stephanie Gerlach: „Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre später!“ Querverlag 19,90 Euro