Online-Spiele – Expertentipps für Eltern

Apps herunterladen oder gleich auf einem Internetportal los spielen – für Kinder ist diese Entwicklung in der Computerspiele – Industrie ein Paradies. Eltern sehen das etwas anders. Über Gefahren, Schutzmöglichkeiten und Tipps hat Familothek mit der Medienpädagogin Kristin Langer von der Initiative „Schau hin“, dem Medienratgeber für Familien, gesprochen.

Gefahr bei Online-Spielen: Immer weiter und weiter

Eines des größten Anreize bei Online-Spielen: Sie werden so entwickelt, dass ein Spieler möglichst nicht aufhören kann. Smartphone-Apps schicken selbstständig Erinnerungen aufs Handy; Level für Level wird das Spiel interessanter. Warum? Hersteller wollen, dass ein Spieler irgendwann kostenpflichtige Tools nutzt, um länger und besser spielen zu können – damit sich die Investition der Spielentwicklung für ihn lohnt.

Dieser Anreiz ist für Spieler schön, für Eltern anstrengend. Wie kriegen sie das Kind da bloß weg? Medienpädagogin Langer rät dazu, einem Kind in bezug auf Mediennutzung an ein Zeitmanagement zu gewöhnen. Also das Spielen ganz bewusst zu begrenzen: „Im vorgegebenen Zeitfenster können sich die Kinder dann in die Spielwelt hineinbegeben, und das Spiel genießen“, so Kristin Langer. Wichtiger Punkt ist das Training des „Aufhörens“: „Ist die Zeit vorbei (oder das Level zu Ende gespielt) müssen Kinder üben, sich wieder vom „Spiele-Leben“ zu lösen und in die Realität zurückzukehren“, sagt die Expertin. Diese Verhaltensweise „trainieren“ Eltern am besten in der Zeit des Grundschulalters.

Wichtig für Eltern dabei: Am besten die Begeisterung ein Stückchen teilen, dem Kind zeigen, dass es o.k. ist, was es da macht. Und dann: Raus aus der virtuellen Welt. Das darf ruhig zeitlich etwas flexibler sein, dabei helfen zum Beispiel die „Medientaler“. Übrigens gelten diese Ratschläge natürlich auch für den Umgang mit Gameboys oder Spielkonsolen.

Chats

Alle Online-Spiele haben verschiedene Chatfunktionen, in denen sich je nach Spiel ein Kind – ohne es zu wissen – plötzlich in einer Welt mit Erwachsenen bewegt. Dass dabei nicht alle Erwachsenen nur harmlose Absichten haben, wird in den Medien immer wieder gezeigt.

Doch die Gefahren fangen schon früher an: Wenn sich ein Kind durch rüde und sexistische Ausdrucksweisen verletzt und verwirrt fühlt oder beginnt, diese Werte in seine eigene Weltsicht einzubauen. In solchen Situationen sind Kinder verunsichert: Was tun, wenn es in der geliebten Spielwelt auf einmal seltsam gefährlich erscheint? „Für Eltern heißt es auch da „hinschauen“ , genau beobachten, ob sich beispielsweise die Ausdrucksweise eines Kindes verändert“, betont die Medienpädagogin. Und Eltern sind gefordert, ihrem Kind zu helfen, vielleicht ein anderes Spiel zu finden, das altersgerechter ist.

Altersbegrenzungen für Online-Spiele – theoretisch ja

Auch für Online-Spiele greift im Prinzip der Jugendmedienschutz. Die Kommission für Jugendschutz der Landesmedienanstalten (KJM) ist dafür zuständig. Sie prüft, ob ein Online-Spiel beispielsweise gewaltverherrlichende Inhalte hat. Die KJM rät, wenn Eltern sehen, dass jugendgefährdende Inhalte in einem Spiel frei verfügbar im Internet zu finden sind, sich an die KJM zu wenden. ( kjm@medienanstalten.de ). Generell können solche Prüfverfahren zu Strafverfahren werden.

Trotzdem räumt auch die KJM ein, dass diese Schutzmaßnahme nur in Deutschland greift. Viele Online-Spiele werden aber vom Ausland aus auf Internetplattformen angeboten. Zum anderen gibt es im Netz immer mehr sogenannte nutzergenerierte Inhalte wie beispielsweise private You Tube Videos oder auch Chats, die so nicht kontrolliert werden können.

Eine Hilfe: Jugendschutzsoftware

Für Smartphones gibt es sie (noch) nicht, für PCs aber schon: Jugendschutzsoftware, die man installieren kann, damit Sohn oder Tochter nicht unkontrolliert im Netz surfen. Unter www.jugendschutzprogramm.de können sich Eltern kostenlos anerkannte Programme herunterladen. Sie haben alle eine „Whitelist“ (empfohlene Spiele) und eine „Blacklist“, eine Liste bei denen der Zugang für Kinder je nach Alterseinstellung blockiert ist. Diese Programme sind übrigens so konstruiert, dass sie computeraffine Jugendliche nicht so leicht „hacken“ können. Unter diesem Link  außerdem Hier Ratschläge für Sicherheitseinstellungen für Windows oder Mac.

Woher weiß ich als Eltern, welche Spiele geeignet sind?

Wer sich als Eltern nicht gerade selbst in Online-Spielwelten bewegt, hat erst einmal keine Ahnung, welche Spiele es gibt und welche für das eigene Kind geeignet sein können. Außerdem kommen immer wieder neue auf dem Markt. Auf Herstellerangaben sollten Eltern sich nicht verlassen: Zum einen richten sich die internationalen Angaben einiger Hersteller gerne einmal nach anderen Kriterien, als man sie in Deutschland kennt. Vor allem aber wollen Hersteller ihre Spiele in erster Linie verkaufen. Pädagogische Hilfe darf man da als Eltern natürlich nicht erwarten.

Für Eltern heißt das: Bei der Spielauswahl darauf achten, dass das Onlinespiel der Lebenswelt eines Kindes und seines Alters entspricht und natürlich nicht zu gewalttätig ist. In Spielen im kindlichen Ambiente mit kindgerechten Figuren ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sich dort wirklich nur Kinder aufhalten. Auf der anderen Seite ist es je nach Alter und Charakter des Kindes auch nicht sinnvoll, streng alles zu verbieten. Auch die Expertin rät: „Ab 11, 12, 13 Jahren kann man Kinder in Maßen Spiele ausprobieren lassen. Wenn sie nicht geeignet sind, werden die Kinder auch von selbst nach einiger Zeit davon wieder ablassen.“

Glücklicherweise gibt es Datenbanken im Internet, die aktuell pädagogische Ratschläge für die neuesten Renner auf dem Spiele-Markt geben:

Als Faustregel gilt: Erst einmal sehen, wer der Absender von Altersangaben bei Online-Spielen ist, sollten sie vorhanden sein. Sich lieber bei öffentlichen Stellen – online oder offline – informieren. Und nicht aus dem Blick verlieren: Wie ist das eigene Kind „gestrickt“? Hat es bei bestimmten Themen/Bildern Angst? Für den gleichen Spieleinhalt, das gleiche Genre, gibt es oft Alternativen, die sich vielleicht in kindgerechtem Ambiente bewegen. So gibt es zum Beispiel beliebte Jump and Run oder Strategie-Spiele in unterschiedlichem Umfeld. Wenn Kinder keine Alternativen kennen, überwinden sie sich vielleicht, ein Spiel im erwachsenen Umfeld zu spielen, obwohl es ein ähnliches Spiel im kindgerechten Umfeld – und vielleicht mit ausschließlich Kindern als Online-Mitspieler – gäbe. Diese sollten Eltern für ihr Kind suchen. Bei der Auswahl helfen die obengenannten Links.

Unterwegs auch mal ohne Smartphone spielen

Um Kindern ein Vorbild zu sein, rät Medienpädagogin Langer, sich selbst bei Wartezeiten mit den Kindern zu beobachten und nicht automatisch das Smartphone als „Pausenüberbrücker“ zu nutzen. Natürlich ist es schön, wenn die Kids statt zu quengeln oder im unpassenden Ambiente Quatsch zu machen, ruhig über ihrer Kinder-App sitzen. Aber es kann ja auch einmal ein gemeinsames „Offline-Spiel“ sein, wenn es zum Beispiel im Restaurant länger dauert: „Ich sehe was, was Du nicht siehst“, ist ja so ein Klassiker. „Stadt-Land-Fluß“ oder „Schiffe versenken“ einer für größere Kinder. Wer dazu gerne eine Vorlage hätte, findet sie kostenlos bei uns. Einfach anklicken und Familothek-Vorlage ausdrucken. Wer Spaß daran hat, kann außerdem unsere Rechtschreibspiele als „Wartezeitüberbrücker“ ausprobieren.

Und noch mehr Infos zum Thema

http://www.internet-abc.de/eltern/onlinespiele-jugendschutz.php

 

 

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