Verloren in der Wildnis

Eine Freundschaft zwischen Hund und Mädchen, das in den Weiten der USA, in der Berglandschaft von Carolina und Virginia spielt – ab 10 Jahre.

„Manche Hundeführer schreien ihre Tiere fortwährend an. Andere geben ihren Hunden komische Handzeichen oder pfeifen, um ihnen zu sagen, wo sie hinlaufen und was sie tun müssen. Aber Tam und ich brauchten so etwas nicht. Wir verstanden uns auch so. Ich musste nur eine Schulter heben oder mit dem Kopf nicken, dann wusste er schon Bescheid. Tam verstand mich immer.“

Eine Zehnjährige und ihr Hund

Besser als mit dieser Szene lässt sich das Verhältnis von Abby und ihrem Hund Tam nicht beschreiben. Und auch die Dramatik, die sich für beide aus einer furchtbaren Trennung ergibt wird klar. Abby, die eigentlich Abigail Andrea Whistler heißt, so aber nur genannt wird wenn sie etwas angestellt hat, nimmt mit Tam regelmäßig an Hindernisläufen teil und gewinnt genauso regelmäßig den ersten Preis. Auf der Heimfahrt von einem haben sie einen Unfall, beide werden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Und Tam? Der war in einer Kiste auf der Ladefläche des Pickups. Die Kiste wurde heruntergeschleudert, und ist, auch nachdem Abby´s Vater ausführlich gesucht hat, nicht aufzufinden, und Tam auch nicht. Es ist Herbst und die Überlebenschancen für einen Hund, der die Wildnis nicht gewöhnt ist stehen schlecht.

Die folgenden Monate werden von Bobbie Pyron sehr einfühlsam abwechselnd aus der Sicht von Anny und der von Tam geschildert. Beide geben die Hoffnung nicht auf, auch wenn mehrere hundert Kilometer zwischen der Unfallstelle und Abby´s zuhause liegen. Tam kommt an seine äußersten Grenzen und manches Mal denkt man als Leser „das war es jetzt, das schafft er nicht“. Abby dagegen kämpft mit ihren Eltern, die im Gegensatz zu ihr Tam längst verloren gegeben haben, zumal es Winter wird. Die 10 jährige Abby aber hat das sichere Gefühl, dass er noch lebt und auf dem Weg zu ihr ist. Umso dramatischer, als ein Umzug ansteht, weil ihr Vater, ein Countrymusiker einen Plattenvertrag in Nashville bekommt.

Spannendes Lesevergnügen

Das Buch ist realistisch und spannend geschrieben, es lässt den Leser eintauchen in die Berglandschaft von Carolina und Virginia und zeigt damit eine in der Literatur eher behandelte Seite der USA, mal kein Großstadt-Getümmel. Anhand der Karte am Ende des Buches lassen sich alle Wege gut nachvollziehen.
„Verloren in der Wildnis“ wird ab 10 empfohlen, die über 300 Seiten sollten einen nicht schrecken, die Schrift ist groß und die vielen spannenden Wendungen in der Geschichte lassen die Seiten nur so vorbeifliegen.

Die Autorin

Bobbie Pyron, lebt mit ihrem Mann in den Bergen in Utah und hat selbst drei Hunde. Neben den Hunden galt ihre Leidenschaft schon immer den Büchern, die gelernte Bibliothekarin liebt aber nicht nur das Lesen, sondern hatte ihren Ehrgeiz darin, jeden Leser und jede Leserin mit dem passenden Buch zu versorgen. 2009 fing sie dann selbst an zu schreiben, ihr erstes Buch „The Ring“ist bisher nicht auf Deutsch erschienen. Ihr drittes und neuestes Buch erscheint demnächst im Original und heisst „The Dogs of Winter“. Für Jugendliche, die ihr Englisch verbessern wollen sind Pyrons Bücher sicher auch im Original empfehlenswert und außerdem noch spannend.

Verloren in der Wildnis, 2012, Thienemann Verlag Hamburg, ISBN 978-3-522-18314-7

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